fangeisen zu wissenschaftlichen zwecken

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fangeisen zu wissenschaftlichen zwecken

Post#1by schnuckened » Saturday 28. September 2013, 15:26

hallo liebe user, in der örtlichen presse sind inzwischen mehrere meldungen über den einsatz von "soft-catch-traps", tellereisenähnlichen fangfallen laut geworden, die vom wildbiologischen büro "lupus" in sachsen mit genehmigung der landesdirektion zum fangen von wölfen zu wissenschaftlichen zwecken, wie das besendern von wölfen, verwendet wurden.
hier mal ein artikel, in dem deutlich wird, um welche fangmittel es sich handelt. die landesdirektion bestreitet (für mich eher verharmlost) die schädliche wirksamkeit dieser mittel.

*** The link is only visible for members, go to login. *** ("jägderleben v.23.9.2013)

inzwischen melden sich auch stimmen unter den wolfsbefürwotern, die eine lückenlose stellungnahme von "lupus" und ein striktes einhalten der ohnehin eu-weit verbotenen fangmethode einfordern, hier tobias bürger ind einem veröffendlichen schreiben vom 25.9.2013



[i]Sehr geehrte Damen und Herren,

ich persönlich freue mich, dass vom LJV Sachsen die Thematik „Fang von Wölfen“ aufgegriffen wird. Über die Art und Weise lässt sich streiten, keine Frage. Eine Diskussion lässt sich damit aber hervorragend beginnen. Das angesprochene Thema nun vernünftig mit anderen Interessengruppen zu diskutieren, wird eine der nächsten Aufgaben des Wolfsmanagements werden. Alle Fakten müssen auf den Tisch gelegt werden! Der Fang der beiden Fähen des Daubaner und Nieskyer Rudels Mitte Mai diesen Jahres hat mich schon damals ziemlich erschrocken. Nicht wegen der angewandten Methode, sondern vielmehr aufgrund des Zeitpunktes, der auch vom LJV Sachsen kritisiert wird. Beide Fähen, so wurde mir aus erster Hand seitens des offiziellen Wolfsmanagements damals berichtet, hatten zu diesem Zeitpunkt bereits Welpen zu versorgen. Diese werden normalerweise in den ersten Tagen nur kurze Zeit vom Muttertier alleingelassen. Durch das Prozedere Fang-Betäubung-Untersuchung waren die Fähen eine lange Zeit daran gehindert, sich um ihre nur wenige Tage alten Welpen zu kümmern. Ein Fakt, der in dieser Debatte auf den Tisch muss, ist also eine genaue Angabe der Zeiten vom Zuschnappen der Falle bis zur Freilassung der Wölfinnen. Inwiefern es problematisch ist, dass durch die Aktion Menschengeruch bis in die Wurfhöhle transportiert wurde, kann ich nicht genau beurteilen. Aber dass die Wolfswelpen schon in diesem zarten Alter bei Rückkehr der Mutter eher angenehme Erfahrungen machen, hat sicher keiner der Verantwortlichen bedacht. Zumindest wurde mir versichert, dass die Fußfallen nicht am Eingang zur Wurfhöhle platziert wurden. Dass nach langer Zeit vergeblicher Fangversuche ausgerechnet zwei Muttertiere, und das auch noch innerhalb einer Woche gefangen wurden, hatte mich sehr misstrauisch gemacht, sodass ich unbedingt nachfragen musste.
Um ein weiteres Problem dieser Fangtechnik anzusprechen, möchte ich Elli Radinger zitieren: „Ein Tier, das in einer Falle steckt, empfindet einen ähnlichen Stress, als würde es von einem Beutegreifer gefangen. Es versucht verzweifelt zu entkommen. Dabei ist es auch schon vorkommen, dass sich Kojoten und Wölfe die Pfoten abgebissen haben, um zu fliehen.“ In Deutschland wurden schon mehrfach Wölfe nachgewiesen, denen eine Pfote fehlte. Im Welzower Rudel wurde vor einigen Jahren ein dreibeiniger Wolf überfahren. Was hat die Untersuchung des Kadavers ergeben? Ist es möglich, dass dieser Wolf vielleicht mal in einer Fußfalle steckte und sich die Pfote selbst abgebissen hat? Auch andere Tiere könnten in eine Fußfalle tappen (Zitat von Elli Radinger: „Darüber hinaus ist die Wolfsforschung mittels Fallenstellen sehr teuer. Für das Einfangen eines einzigen Wolfes müssen durchschnittlich 155 Fallen gestellt werden. Diese müssen ständig kontrolliert werden, da oft auch andere Tiere darin gefangen sind.“). Diese wären dann über einen bestimmten Zeitraum den anwesenden Wölfen so schutzlos ausgeliefert wie ein angepflocktes Schaf. Definitiv also ein tierschutzfachlicher Aspekt. Gab es solche Fälle bereits, in denen Wölfe Tiere gerissen haben, die in der Fußfalle steckten? Wie oft werden überhaupt andere Tiere durch Fußfallen, die eigentlich für Wölfe gedacht sind gefangen? Damit kommen wir zum nächsten Punkt, warum es unverantwortlich ist, bis in den Mai hinein solche Fallen aufzustellen. Auch andere Tiere haben zu diesem Zeitpunkt Nachwuchs, der versorgt werden, und eventuell gegen Wölfe verteidigt werden muss.
Als erstes erwarte ich, dass das wildbiologische Büro LUPUS und andere verantwortliche Institutionen des Wolfsmanagements einsehen, dass der Einsatz der Fußfallen bis in den Mai ein Fehler war und sich dafür entschuldigen. Auch Jäger dürfen nach Ende von Jagdzeiten nicht einfach weiterjagen, nur weil der Abschussplan nicht erfüllt wurde. Das Wort Schonzeit kommt nicht von ungefähr und somit muss auch ein Zeitraum für den Einsatz von Fußfallen klar festgelegt werden.
Möglicherweise müssen in Zukunft ja tatsächlich aufwändigere Methoden zum Fang von Wölfen angewandt werden. Methoden die aber definitiv zulässig sind und keine anderen Tiere gefährden. Wenn dazu mehr Personal benötigt wird, würde ich mich dafür höchstpersönlich zur Verfügung stellen. Ohnehin gibt es aus meiner Sicht noch eine Reihe weiterer Maßnahmen die dem Wolfsmanagement gut zu Gesicht stehen würden.

Mit freundlichen Grüßen,
Tobias Bürger
[/i]

grüße

ed
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Re: fangeisen zu wissenschaftlichen zwecken

Post#2by schnuckened » Sunday 10. November 2013, 21:44

erneut geraten die mitarbeiter von "lupus" in die kritik. über die info des überfahrenen wolfswelpen, der von einem weiteren wolf zum "begraben" vom unglücksort weggezerrt wurde, ist bereits berichtet worden. wie es weiter ging und darauf folgende kommentare (wichtig zum thema) im folgenden presseartikel der "sächsischen zeitung" vom 10.11.2013

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morgen beginnt mein wolfsberaterseminar bei "lupus". gern würde ich eure meinung zu der wissenschaftlich begleiteten maßnahme erfahren, die ich dorthin mitnehmen könnte. stoßen wir an die grenzen der ethik? brauchen wir forschung um jeden preis? müssen wir alles wissen?

mein sohn studiert biotechnologie, ihm habe ich von dem aspekt erzählt. seine meinung war, wir als menschen gehen gegenüber der kreatur doch oft zu weit. muss denn das ganze tier in das institut geschickt werden? eine kleine gewebe (gen-)probe, zur sicherheit auch 3, um fehler auszuschließen, würde doch reichen, um die herkunft sicher nachzuweisen. nach etwa 100 toten wölfen müsste über die anatomie der wölfe genug material vorhanden sein. muss aber jeder wolf bis ins detail forensich durchgechekt werden? was passiert mit dem tierkörper, schlachtabfall fürs hundefutter? sicher nicht, aber ich denke, es ist zeit über grenzen nachzudenken. in diesem fall wäre es doch auch von wissenschaftlichem interesse, wie sich die tiere in diesem fall verhalten würden. hier eine wildkamera zu installieren, wäre sowohl dem ethischen als auch wissenschaftlichen hintergrund sinnvoll gewesen.

grüße

ed
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