Gewissensfragen in der Zucht

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Gewissensfragen in der Zucht

Post#1by Canaria111 » Tuesday 11. December 2007, 13:45

Ich bin gerade in einen Gewissenkonflikt und hätte gerne Eure Meinungen dazu gehört.

Ich wollte ja gerne in die Zucht von den canarischen schwarzen Schweinen gehen, besonders weil diese Rasse sehr bedroht ist, was allein schon an der kleinen Region liegt wo sie überhaupt vorkommen.

Im Rassestandart (den ich leider nicht komplett übersetzt bekomme) steht geschrieben, das das Schwein, sagt ja auch schon der Name, schwarz zu sein hat.
Ein Bekannter von mir bekam von seinen Schwager, der in der offiziellen Zuchtanlage dieser Schweine arbeitet, ein Zuchtpaar. Meiner Meinung waren sie dem Standart entsprechen, was aber auch nicht anders sein dürfte. Es ist ein eingetragenes Zuchtpaar.
Von den 8 überlebenden Ferkel ist grad mal eins komplett schwarz. 4 schwarze mit Fehlern in der Farbe wie z.B. ein Fuss weiss, der Rest schwarz-weiss gefleckt. Für mich sind die damit nicht reinrassig, also nicht interessant für die Zucht.
Jetzt sagte der Schwager unterm Siegel der Verschwiegenheit, dass auch in der Zuchtstation in so gut wie jeden Wurf Fehlfarben sind und damit das nicht auffällt gehen diese dann direkt über den Jordan und alles ist wieder schwarz.
Aber dann ist diese Rasse doch nicht mehr rein, oder ? Das geht doch dann eher in Richtung Rückzüchtung ?

So, jetzt könnte ich es natürlich machen wie behauptet wird, was Gang und Gäbe ist und einfach züchten und die nicht korrekten schlachten. Ich finde das aber nicht korrekt. Das ist doch nicht der Sinn. Also, wenn ich für mich alles zusammen fasse, kann ich das canarische schwarze Schwein garnicht reinrassig züchten, weil es das garnicht mehr gibt ?
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Post#2by karinenhof » Tuesday 11. December 2007, 15:35

vor einem ähnlichen Problem stand ich mit meinen Schaf Bock Lämmern. Die Eltern sehen top aus, eins von den Zwillingen eindeutige Fehler in der Wolle. Zweite Zwilling sieht top aus, kann aber nicht sein, weil der Bruder Fehler hat. Also zweimal etwas für den Topf.
Wir sind auch ein wenig traurig. Aber wir haben uns für die Herdbuchzucht entschieden und fühlen uns damit für reinrassige Tiere verantwortlich. Das bedeutet für mich Selektion. Auch wenn´s im ersten Moment schade ist.

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Post#3by Canaria111 » Tuesday 11. December 2007, 16:11

hm, sehe das ja eigentlich genau wie Du. Das ist ja auch für mich der Sinn einer Arche, alte Rassen erhalten und das geht nur wenn sie rein bleiben. Was ist aber, wenn es keine reinerbigen Tiere mehr gibt?
Alle 4 Säue, die ich kenne und direkt von der offiziellen spanischen Zucht sind, haben immer "Fehlfarben" bei den Ferkeln gehabt. Also dürften sie nicht rein sein.
Züchtest Du dann mit dem Paar weiter obwohl es einen Fehler gab ? Eigentlich sollten die Elterntiere ja dann auch nicht mehr in die Zucht...
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Post#4by Herwig » Tuesday 11. December 2007, 16:38

Keine Panik,

die Fehl-Farbe der Ferkel sagt nichts über die Reinerbigkeit des Schweines aus.

Bei allen reinerbigen Tieren gibt es Tiere die aus dem Farbchema fallen, dass ist völlig normal, weil wir es mit eigenständigen Individuen zu tun haben und nicht mit Klonen!

Also im Ernst, ich kenne keinen Sattelschwein Züchter der nicht mal ein Ferkel ohne Sattel hat, Bentheimer ohne Flecken oder ganz schwarz gibt es ebenfalls.
Cröllwitzer Puten ohne schwarz, Pommernenten ohne Latz, Meißner Widder mit schwebenden Ohren, einfarbige Tigerpferde, kurzhaarige Hütepudel, kurzhaarige Poitouesel, Fleckvieh ohne Flecken usw. - alles völlig normal und keinGrund zur Panik. Wichtig ist nur und das hat höchste Priorität, keine Tiere mit absoluten Fehlern zu verkreuzen. Die Ferkel die nicht dem Rassestandart entsprechen werden geschlachtet, das ist in allen Herdbuchbetrieben so!!! Egal welche Tiergattung gezüchtet wird.

Bedenke, die Rassemerkmale werden ja nicht nur an der Farbe festgemacht, genau das ist nämlich der Fehler der sogenannten Schönheitszüchter. Was nützt ein rein schwarzes Schwein, wenn es alle anderen Rassemerkmale wie Fruchtbarkeit, Fettschicht, gute Muttereigenschaften, Robustheit, Rahmen etc. nicht vorweisen kann?
Selektiert wird nach Gesamteindruck und so scheint das beim canar. schw. Schwein bisher gewesen zu sein.
Zur besseren Transparenz ein Beispiel aus der Lachshuhnzucht. Ich habe eine Henne, bei der idt der Bart nicht besonders gut ausgeprägt, die legt aber wie der Teufel, weit über 200 Eier im Jahr. Die Eier bebrühte ich, denn wenn da ein korrektes Tier dabei rauskommt hat das vielleicht die Erbanlagen für eine bessere Legeleistung. Niemand würde deswegen behaupten es ist eine Rückzüchtung.
Wenn ich ein Huhn hätte, das 100% dem Standart entspricht, aber absolut keine Legeleistung hat, ist das kein Nutztier mehr, sondern Ziergeflügel, es käme nicht in die Zucht!!
Also lockerbleiben und nur mit den reinschwarzen Tieren weiterzüchten. Die anderen kommen eben in die Wurst.
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Post#5by karinenhof » Tuesday 11. December 2007, 17:03

hallo Chris,

so wird es tatsächlich kommen. Nach langem forschen und Gesprächen, sind wir zu dem Schluß gekommen, dass sehr wahrscheinlich das Muttertier nicht reinrassig ist. Wir haben sie zusammen mit ihrer Schwester von einem Züchter gekauft.
Beide haben Bocklämmer gebracht. Die zweite Aue hat ein Lamm geboren. Das hat sich sehr prächtig entwickelt. Und so haben wir für uns beschlossen die Nachzucht dieser beiden Auen für unseren Fleischbedarf erst einmal mitlaufen zu lassen. Derzeit haben wir noch keine Futtersorgen.
Es ist aber ganz sicher so, dass diese Tiere von uns weder zur Zucht genommen werden, noch zur Zucht weitergegeben werden.
Gerade bei der Arterhaltung werden wir immer wieder Tiere auftauchen, die nicht den Rassemerkmalen entsprechen. So, wie auch Herwig schon schrieb.
Schließlich wollen wir doch auch mal ein Stück Fleisch auf dem Teller!

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Post#6by Canaria111 » Tuesday 11. December 2007, 17:08

Hm, ich verstehe was Du meinst. Habe selber schon mal mit Erlaubnis vom Zuchtverband bei meinen Hunden mit einer Hündin gezüchtet, die einen Gebissfehler hatte, aber ansonsten perfekt. Ich durfte einen Probewurf machen, inwieweit sie was vererbt, natürlich wurde der Rüde auch passend gesucht.

Aaaaber.... das schwarze Schwein, canarisch oder iberisch stammt von dem afrikanischen Schwein ab. Die sind nur schwarz. Andere Farben kommen aus Europa. Wenn da mal 1 Schwein eine Fehlfarbe hat, ok. Das passiert. Aber bei jeden Wurf sind "falsche" dabei ?

Also, nach der Arbeit fahr ich sowieso bei den Schweinen rum. Dann werde ich mal gucken wie es der Sau geht und wenn er auf kenen Fall das Geld für den TA zahlen will, tauscht er vielleicht meine beiden Fehlfarbenen gegen die kranke Sau. Die ist hier im Zuchtbuch eingetragen. Also selbst wenn ich mir unsicher bin in wie weit sie reinrassig ist, züchte ich damit im Standard.

Hm, irgendwie gefällt mir die Sache nicht. Das gleiche mit der Hündin. Obwohl der Probewurf super war, habe ich nicht weiter mit ihr gezüchtet, da ich nicht weiss was in den nächsten Generationen passiert
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Post#7by knüllbergfarm » Wednesday 12. December 2007, 06:41

Hallo Chris genauso wie Herwig das hier schreibt so sind früher die einselnen Rassen entstanden durch Selektieren nur die die Rassemerkmale ambesten zeigen kommen in die Zucht.Selbst bei soeiner alten Ziegenrasse wie die Walliser Schwarzhalsziege werden fehlfarbene Tiere geboren auch wenn die Tiere 100%
reinrassig sind und im Herdbuch also nur mut. Rassestandarts sind erst viel später entstanden da gab es die vielen Rassen schon lange.Rassestandarts beschreiben die Rasse wie sie Aussehen und was sie führ eigenschaften haben soll. Entscheiden tut das zuersrst der Züchter und stelt die Tiere bei der Zuchtschau vor
und dan wird bewertet ob das Tier die Kreterien des Standarts erfült oder nicht.

Gruss von Thomas vone Knüllbergfarm


ja so isdas Thema mit den Imagechern
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Post#8by ranulf » Wednesday 12. December 2007, 20:28

Hallo Chris,

gerade am Beispiel des Husumer Landschweins wird deutlich, was passiert, wenn man nur auf die Farbe achtet. Im letztem Jahr lag der Ferkeldurchschnitt unter 8 Ferkeln/Wurf bei den Herdbuchtieren und das bei einem Sattelschwein. Bekannte von mir haben versucht nun über die Angeliter Schweine wieder mehr auf die ürsprünglichen Werte zugehen (fruchtbarkeit etc.) und nicht so sehr auf die rote Farbe und haben Erfolg damit. Nun ist aber bestätigt, das es sich bei den Husumer um eine Rückzüchtung handelt und man keine Reinerbigkeit vorleigen hat, was das Einkreuzen nicht sosehr behindert. Zu Bedenken gebe ich aber, das jede Rasse durch Einkreuzung entstanden ist und bei einer engen Genetik es vielfach besser ist, auf einige sekundäre Merkmale vorerst zu verzichten und die entscheidenden zu Halten und zu verbessern und bei den Schweinen spielt die Farbe eine Untergeordnete Rolle, wenn der Rest der Zuchtbasis stimmt.

Schöne Grüße aus NF

Ralf
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Post#9by Januschka » Friday 16. October 2009, 22:48

Wenn schwarz bei den Tieren vorgeschrieben ist, kommen nur Schwarze ins Zuchtbuch. Trotzdem sind die 'fehlfarbenen'ja in der Produktionsleistung nicht schlechter und ebenso 'reinrassig' wie ganz schwarze eltern. gibt es keinen Markt für gute canarische Schweine ohne Herdbucheintrag?
Persönlich halte ich das Festhalten an Äußerlichkeiten bei Mensch wie Image oft nur für eine recht jämmerliche Krücke, weil eben Fruchtbarkeit, Leistung und Temperament deutlich schlechter und später und mit mehr Mühe zu bewerten sind.

Vielleicht müssen wir von Zeit zu Zeit überlegen, ob wir die Formalien der Herd/Zuchtbücher oder die Eigenschaften und den Genpool der Landrassen erhalten wollen.

Januschka
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