Nasenring für Bullen

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Nasenring für Bullen

Beitrag#1von Herwig » Donnerstag 18. April 2013, 17:16

Bisher habe ich meine Bullen ja immer geschlachtet, bevor sie richtig groß waren, nun habe ich einen Bullen der erstmal meine Kuh decken soll bevor er nach Sibirien kommt.
Hat hier jemand Erfahrung mit Bullenhaltung?
Meine befreundeten Bauern wollen mir alle einreden, dass es zu gefährlich ist... Bullen und Pferde zusammen, weil man dem Bullen nicht den Rücken zuwenden soll. Ich mache bisher die Erfahrung, das meine Pferde den Bullen schon sozialisieren, er leckt denen das Gesicht, wird er komisch knallen die Pferde ihm eine. Fressen darf er immer als letztes, auch erst nach der jüngeren Kuh, weil die Pferde ihn nicht lassen.
Bisher hat er ein Halfter, ist auch einigermaßen führig, wenn ich ihn denn mit Brot gelockt habe und schnell genug zugegriffen habe. Er wird jedoch zunehmend mutiger, er ist nun 17 Monate.
Ist es empfehlenswert einen Nasenring einziehen zu lassen?? Ich habe so eine Nasenbremse mit Öse die in die Nüster gklemmt wird, habe ich jedoch noch nicht angelegt, bisher hat das Halfter und Strick genügt.
Ich möchte ihn nicht verhätscheln, damit er respektvoll uns gegenüber bleibt, er wird also nicht gestreichelt, wohl aber aus der Hand gefüttert, wird er frech, klapse ich ihn unzart auf das Maul, das mag er gar nicht.
Mich interessiert einmal, wie ihr so mit euren Bullen umgeht.
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Re: Nasenring für Bullen

Beitrag#2von löringshof » Samstag 20. April 2013, 18:24

Bullen, also die halbstarken ab ca. 10 Monaten wollen sich spielend messen, dazu kommt dann auch irgendwann die "Herausforderung" an den Halter.
Je älter sie werden um so stärker kann der Drang zum "raufen" werden oder bei ruhigen Gemütern stellt sich eine gewisse "Lässigkeit" ein.
Jeder hat einen individuellen Charakter, wie bei uns Menschen.

Was man aber auf einer Bullenweide immer braucht ist ein Blick!!! auf seine Tiere!
Respekt ist das wichtigste beim Umgang gerade mit Bullen, aus dem Respekt erwächst die Aufmerksamkeit von allein.

Herwig, wenn so ein Bulle älter als 2,5 Jahre ist und nicht gerade von der kleinsten Statur wird er auch nicht mehr den Pferden ausweichen.
Ich halte es eh für problematisch auf einer gemischten Weidefläche mit Pferden zu arbeiten, du brauchst deine gesamte Aufmerksamkeit für die Bullen, selbst ein einziger kann unter Umständen sehr schnell bei oder über dir sein.

Nun zum Nasenring, den brauchen nur Bullen in Deckstationen, dort ist es Vorschrift der Berufsgenossenschaft.
Bei Mastbullen oder Herdenhaltung ist mir eine Nasenringpflicht nicht bekannt.

Wenn du deinen Bullen älter werden lassen willst, dann beobachte ihn genau, je nach Rasse zeigt sich ein unterschiedliches "Körperspiel",
Nüstern aufblasen, mit den Vorderbeinen Erde scharren, Kopf schlagen, Hinterbeine austreten und vieles mehr. All das sollte man bei SEINEM Tier sicher einordnen
können und immer einen Fluchtweg frei haben.

Das alles hört sich vielleicht zu sehr nach Gefahr an, aber es gibt genügend tödliche Attacken durch Bullen, die Landwirschaftichen Sozialversicherungen haben die Akten voll davon.

Trotz allem lass deine(n) Bullen ruhig 3,5 Jahre bis zum schlachten auf der Weide, es lohnt sich sowohl von den Erfahrungen die du dabei gewinnst als auch beim Fleisch eines ausgewachsenen Tieres.

Eine andere Möglichkeit ist die Kastration bis zum Alter von etwa 6 Monaten, kostet bei unserem Tierarzt 30,-€, danach entwickeln sich die Ochsen wie deine liebsten Kühe.


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Re: Nasenring für Bullen

Beitrag#3von rainer1 » Sonntag 21. April 2013, 12:42

Hallo

Bullen können die liebsten Tiere sein sind aber auch Brandgefährlich es gibt genug schwere Unfälle.
Die Gefährlichkeit liegt eben an der Größe und Gewicht und ist nicht mit Pferden zu Vergleichen der Bulle meint es noch nicht mal böse er will zuneigung und spielen und da zieht dann halt nunmal der Mensch den Kürzeren und das ist das gefährliche dran.
Bullen muss man immer im Auge haben auf der Weide und man muss einen fluchtweg haben und man sollte sich nie vor oder hinter einen Bullen stellen.
Das Arbeiten mit Bullen erfordert Erfahrung und würde dir davon abraten ihn länger zu behalten den er kommt auch ins Flegelalter wo er alles austestet wie weit er gehen kann und da ist der Mensch unterlegen und wird dann immer der Chef sein bei dir und kannst nicht mehr rein die Pferde können Flüchten da kommt er nicht nach aber wenn es zum Machtkampf kommt mit den Pferden wovon auszugehen ist haben die Pferde keine Chance und der Bulle macht sie platt wenn er sie einmal erwischt und dann gibt es kein Rindfleisch sondern Pferdefleisch drum würde ich Pferde und Bullen nie zusammenhalten auch wenn es jetzt aussieht als ob alles in Ordnung wäre.
An deiner stelle würde ich ihn schlachten lassen und die Kühe besammen lassen wenn man keine Ahnung von Bullen hat.
Wenn du ihn nicht schlachten willst mach den Nasenring rein und führe ihn damit ist aufjedenfall Sicherer wie mit einen Halfter auf den Selbstschutz sollte man auf keinen fall verzichten dem Bullen stört der Nasenring nicht auf der Weide und du kannst ihn sicherer führen.
Aber wie ich ja schon gesagt habe Schlachten wäre das vernünfstige an deiner stelle wenn du noch nie mit Bullen gearbeitet hast ist es zu gefährlich.

Gruß

Rainer
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Re: Nasenring für Bullen

Beitrag#4von Jaegertom » Samstag 4. Mai 2013, 14:23

Hatte bisher 2 Bullen, einen Dexter und Grauvieh. Der Dexter hat kein Problem gemacht, der war eher ängstlich und lief immer weg. Musste man aufpassen dass er einen nicht aus Angst überrannte.
Mitn 2 Jahren ab zum Metzger. Der Grauviehbulle war sehr lieb bis ca 16 Monate alt. Dann fing er an mutig zu werden und hat auch ausgeteilt. Konnte nur noch am Nasenring gebändigt werden. Mit 2 Jahren dann ebenfalls zum Schlachter. Beide waren aber nicht selbst aufgezogen. Derzeit habe ich einen sehr kleinen Hinterwälder mit zwölf Monaten und ein Grauviehbullenkalb mit 6 Monaten ab Kalbalter zwei Wochen. Zu Bullen muss man Zugang finden und sie müssen einen respektieren, ohne Spieltrieb und freundschafliche Stöße. Deshalb habe ich mich entschieden, aus Sicherheitsgründen die Bullen zu schlachten egal wie groß sie sind wenn sie beginnen nach mir zu forkeln. Merke aber deutlich dass es besser ist die Tiere selbst aufzuziehen.
Das Vatertier meines damaligen Grauviehbullen war sieben Jahre alt und hat mit seinem Besitzer tägliche Schmuseeinheiten genossen, ca 700-800 kg schwer.
Bei Bullen ist aber nie auszuschließen dass sie plötzlich die Gesinnung wechseln. Daher immer beobachten und nicht denken, dass wenn er einmal unfreundlich war dass es wieder besser wird. Das bestimmt nicht!
Bei uns ist Nasenring Pflicht, nur bei Schlachtjungbullen nicht.
Wenn ein Bulle länger bleiben soll, nur mit Nasenring als letzte Sicherheit!
Und auch daran denken, auch wenn sie schwer sind, die sind verdammt schnell und wendig, drehen schneller auf der Stelle als man wegrennen kann.
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Re: Nasenring für Bullen

Beitrag#5von Uwe » Samstag 4. Mai 2013, 15:32

Mein Nachbar hat eine kleine Mutterkuhherde und mitten drin einen Bullen ... für mich ein Riese! Ich habe vor denen eine heiden Respekt - ob mit oder ohne Nasenring.
Und dann finde ich heute aktuell dieses in unserer Zeitung:
Wilder Bulle tötet 70 jährigen Landwirt
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Ich nähere mich denen erst wenn sie am Haken hängen ...
Gruß aus der Wesermarsch ...
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Re: Nasenring für Bullen

Beitrag#6von MichaelHFoe » Donnerstag 31. Oktober 2013, 00:17

Bei uns wurde ein Galloway Bullenkalb geboren. Noch ist es offen, ob wir es zur Zucht weiterverkaufen oder doch zum Schlachter bringen wollen. Zu welchen Alter ist es sinnvoll (am geeignetsten) einen Nasenring einzuziehen?
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Re: Nasenring für Bullen

Beitrag#7von Jaegertom » Freitag 1. November 2013, 13:42

Für den Nasenring muss das Tier betäubt werden. Kann man auch mit einem Jahr noch machen lassen.
Wichtig ist, dass es mit viel Kontakt aufwächst. Normal ist der Nasenring bei Zuchtbullen sogar Pflicht.
Hat aber bei meinem ersten Grauviehbullen auch nicht viel geholfen, der ließ sich nicht mal daran gut halten.
Absolut wichtig, kein pardon wenn er forkeln sollte.
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Re: Nasenring für Bullen

Beitrag#8von Cacheno » Dienstag 12. November 2013, 19:04

Moin,

eine Pflicht für Nasenringe gibt es in Deutschland nicht!
Es gibt die Aufforderung/ Empfehlung seitens der Berufsgenossenschaften (welche ja letzten Endes die u.a. die durch aggressive Tiere verursachten Unfälle zu bewerten und ggf. entgeltlich einzuspringen) Nasenringe bei frei in der Herde mitlaufenden Bullen einzuziehen.
Mal ganz blöd nachgefragt: Da kommt so ein Herdenchef aus 30-50m Entfernung wutenbrannt auf mich zugelaufen - der Nasenring ist zum einen das letzte was ich von dem Kerl erwischen will und zum anderen würde ich ihn in einer solchen Situation damit auch nicht gebremst bekommen!

Gruß Felix
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Re: Nasenring für Bullen

Beitrag#9von Cacheno » Dienstag 12. November 2013, 19:07

Nachtrag an Rainer:

"Das Arbeiten mit Bullen erfordert Erfahrung und würde dir davon abraten ihn länger zu behalten[...]Aber wie ich ja schon gesagt habe Schlachten wäre das vernünfstige an deiner stelle wenn du noch nie mit Bullen gearbeitet hast ist es zu gefährlich.

Gruß
Rainer"

Frage: was war zuerst da, das Huhn oder das Ei?

Nochmals Gruß, Felix
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Re: Nasenring für Bullen

Beitrag#10von Jaegertom » Mittwoch 13. November 2013, 12:52

Sehr interessante Zusammenfassung mit Quellenangabe für Bullenhalter

*** Der Link ist nur für Mitglieder sichtbar, zum Login. ***

Wenn aus Kälbchen große Bullen werden.

Von Dr. Benno Neufeld, prakt. Tierarzt, 88299 Leutkirch

Im Umgang mit Deckbullen kommt es in der Landwirtschaft immer wieder zu ernsten Verletzungen oder gar Todesfällen. Bullen sind die gefährlichsten Tiere auf einem Bauernhof, welchen man niemals trauen sollte. Ursachen für Unfälle mit Bullen sind meist polyfaktoriell. Während Milchkühe wesentlich zahmer und umgänglicher sind als Mutterkühe von Fleischrassen, ist dies bei den Bullen gerade umgekehrt. Reine Milchviehbullen sind paradoxerweise wesentlich aggressiver und gefährlicher als Bullen von Fleischrassen. Die häufigsten Vorfälle mit Bullen ereignen sich beim Umtreiben sowohl auf der Weide als auch im Stall. Bei Mutterkühen hingegen ereignen sich Unfälle oft beim Markieren der Kälber mit Ohrmarken. Allgemein gelten Bullen mit einer erhöhten Libido als gefährlich. Die häufigsten Todesopfer sind Männer ab einem Alter von 60 Jahren. Die geschädigten Personen sind trotz eindeutiger Unfallverhütungsvorschriften oft allein beim Bullen. Bullen, die bereits Menschen angegriffen haben, werden dies mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit wiederholen und sind unbedingt zu schlachten, da die ursprünglich bestehende Angriffshemmung aufgehoben ist. Die erste Attacke sollte definitiv auch die Letzte sein. Ebenso ist mit Bullen zu verfahren, die Menschen gegenüber ausgeprägtes Drohverhalten zeigen. Versuche solche Bullen zu zähmen oder zu erziehen, sollte professionellen Tierpflegern auf Besamungsstationen vorbehalten bleiben, auf Milchviehbetrieben gelingt dies in der Regel nicht. Die Empfehlung den Bullen bei allen Stallarbeiten im Freßgitter zu fixieren lässt sich häufig nicht umsetzen, weil die Freßgitter i.d.R. auf Kuhmaße eingestellt sind und beim Bullen häufig nicht richtig schließen. So empfiehlt es sich in Laufstallbetrieben, die Bullen in einer separaten Deckbucht mit geeigneter Fixierungsmöglichkeit zu halten. Fehlendes bzw. unzureichendes Dominanzverhalten von Frauen und Senioren demonstriert Unterlegenheit und scheint Angriffe zu begünstigen. Hoher Pflege- und Sozialkontakt, sanftes, ruhiges Ansprechen mit tiefer Stimme wirkt sich zwischen Bullen und Betreuer hingegen positiv aus. Erfahrene, ruhige, ausgeglichene, aber auch energische Landwirte haben weniger Konflikte mit ihren Bullen zu erwarten als unsichere, nervöse und unerfahrene Betreuer. Persönliche Stimmungen und mangelnde Konzentration werden von Bullen schnell wahrgenommen.

Die gefährlichsten Bullen sind fehlgeprägte Bullen mit einem Identitätsproblem oder Bullen mit einem erlernten Fehlverhalten. Dies trifft insbesondere bei Bullen aus Milchviehbetrieben zu, welche durch die künstliche Aufzucht nicht richtig auf ihre Gattung hin geprägt und sozialisiert sind. Bullenkälber, welche alleine und ohne Auseinandersetzung mit anderen Rindern aufwachsen, halten sich durch eine Fehlprägung für "Menschen". Im Alter von 2 Jahren werden sie erwachsen und wollen nun nicht einfach "Oberbulle innerhalb einer Rinderherde" sondern "Betriebsleiter auf einem Bauernhof", also "Bauer" sein. Dies führt letztlich zu den gefährlichen Angriffen auf Menschen. Bullen im Alter von 3 Jahren sowie von 7 bis 10 Jahren gelten als am gefährlichsten.
Fleischbullen aus Mutterkuhherden hingegen wachsen natürlich bei der Mutter bzw. in Bullenherden auf. Sie können zwischen Menschen und Artgenossen differenzieren und halten Menschen nicht für einen Bestandteil der Herde. Angriffe sind hier deutlich seltener. Solche Bullen haben es auch von klein auf gelernt sich ohne Kampfverhalten auseinanderzusetzen und zu unterwerfen. Aber auch hier gibt es natürlich keine absolute Sicherheit.

Selbst wenn es keinen sicheren und frommen Bullen geben kann, so gibt es doch einige Empfehlungen, wie sich das Risiko gerade für Milchviehhalter zwar nicht ausschließen aber doch deutlich minimieren lässt:
Zuchtbullenkälber sollten nach Möglichkeit nicht künstlich, sondern zunächst an Ammenkühen und schließlich (spätestens nach der Tränkeperiode) in Bullengruppen bzw. mit Kastraten aufgezogen werden (sichere Sozialprägung). Einzelhaltung in der Aufzuchtphase sowie in längeren Zeiträumen ist unbedingt zu vermeiden. Ab einem Alter von 9-10 Monaten können die Jungbullen bis zu ihrem Deckeinsatz in der Gruppe der Trocksteher mitlaufen und können hier ebenfalls Sozialverhalten lernen.
Niemals mit dem Kalb bzw. Jungrind spielerisch rumraufen. Niemals beim Kalb das Boxen mit dem Kopf dulden. Niemals auch nicht spielerisch die Stirn streicheln oder tätscheln, auf die Stirn klopfen oder schlagen. Zur Kontaktaufnahme nur auf die Schulter tätscheln oder unter dem Kinn streicheln. Druck auf die Stirn bzw. im Hornbereich initiiert das Kampfverhalten.
Individualdistanz von 6 Meter respektieren. Keine unnötigen Feindvermeidungskonflikte schaffen. Die Unterbringung muss gewährleisten, dass insbesondere Betriebsfremde (Besamungstechniker, Tierarzt, etc.) die Individualdistanz einhalten können und nicht gezwungen sind am Bullen vorbeizulaufen. Der Bulle lernt sonst, dass er mit seiner Drohhaltung Menschen vertreiben kann und wird so in seiner Aggressivität bestärkt (Postboteneffekt).
Jeder erwachsene Bulle, welcher Menschen gegenüber ausgeprägtes Drohverhalten zeigt, sollte entfernt werden.
Im Gefahrenmoment, bei Drohgebärden niemals wegrennen und niemals dem Bullen den Rücken zukehren. Dominanzverhalten (Frontales Auftreten, energisches Entgegentreten, lautes Rufen "Zurück!", Ausbreiten der Arme) kann den Bullen zurücktreiben. Bei Flucht aus dem Gefahrenbereich immer langsam rückwärtslaufen und den Bullen anschauen. (In besonderen Situationen evtl. Stockschläge auf Nase aber nie auf die Stirn!) Abwenden und Wegrennen initiiert beim Bullen stets ein Nachhetzen mit gefährlicher Stoßattacke. Eventuell lässt sich ein angreifender Bulle durch das nicht hastige Wegwerfen eines Gegenstandes (z.B. ein Taschentuch) kurzfristig ablenken.
Bei allen Arbeiten niemals dem Bullen den Rücken zukehren und niemals allein bei einem Bullen sein. Dies gilt insbesondere bei Männern ab 60 Jahren und Frauen in jeder Altersstufe. Kinder und Betriebsfremde sind auf die besonderen Gefahren hinzuweisen.
Milchrassebullen sollten rechtzeitig ausgetauscht werden. Maximales Alter 24 Monate.
Das Trennen eines Bullen allein von der Herde ist besonders gefährlich.
Bullen und Rinder haben genau wie Elefanten ein sehr gutes Gedächtnis. Schlechte Erfahrungen mit Menschen, auch und gerade in der Aufzuchtphase wirken sich auf das spätere Verhalten negativ aus.

Alle Drohgebärden sind bereits ernsthafte Anzeichen von Aggression und gehen einer Attacke vorraus. Die Individualdistanz bei Bullen liegt bei etwa 6 Meter.
Beginnende Drohgebärden:
Präsentierung der vollen Breitseite des Körpers (rechter Winkel).
ritualisierte Kopf-Halshaltung unter Anziehung des Kinns
Fortgeschrittene Drohgebärden:
Kopf- und Halsreiben
Brummen, Röhren
Bodenhornen
Scharren
Drohschütteln des Kopfes, seitlich ausholende, stoßende Kopfbewegungen in den freien Raum

Bestimmungen der Unfallverhütungsvorschrift Tierhaltung (VSG 4.1) zum Umgang mit Deckbullen:
Zuchtbullen spätestens im Alter von 12 Monaten mit Nasenring versehen
Anbinden nur am Nasenring ist unzulässig
Führen mit am Nasenring befestigter Leitstange (mind. 1,4m) und Halfter mit Leitstrick. Befestigen und Lösen der Leitstange außerhalb der Box.
Leitvorrichtungen (Seile, Ketten, Stricke, Stangen) sind so zu halten, dass sie im Gefahrfall sofort losgelassen werden können.
Beim Führen, ohne Nasenring, muss eine weitere Person anwesend sein
Beim Umgang mit nicht angebundenen Bullen über 200kg Lebendgewicht muss eine weitere Person anwesend sein
Weiden oder Ställe in denen Bullen mitlaufen, dürfen nicht ohne Treibhilfe und nicht ohne Helfer sowie nicht ohne ausreichende Fluchtmöglichkeit betreten werden.
ruhiges, umsichtiges, entschlossenes und tierverständiges Verhalten
Tiere vor dem Herantreten ansprechen, Reaktion abwarten
Gefährdungshinweis, wenn männliche Tiere in Herde mitlaufen
Boxenlaufställe mit geeigneten Fluchtwegen und Treibhilfen ausstatten
Einzelbox für Bullen mit Fluchtweg oder Personenschlupf und Anbindemöglichkeit
Auf den Weideflächen nur unbedingt notwendige Arbeiten durchführen
Zum Einfangen einzelner Tiere auf Weide geeignete Einfanghilfen. Zum Aussondern von Einzeltieren muss mindestens eine weitere Person anwesend sein.
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Re: Nasenring für Bullen

Beitrag#11von Herwig » Mittwoch 13. November 2013, 17:59

Die Würfel sind gefallen, am 25 kommt der Bulle an den Haken. Der Schlachter schätzt er wiegt ausgeschlachtet 260 kg, das sollte reichen.
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Re: Nasenring für Bullen

Beitrag#12von löringshof » Mittwoch 13. November 2013, 23:48

Hallo Jaegertom,

sehr schöne Zusammenfassung, sollte fast Pflichtlektüre für Rinderhalter sein!

Gruß

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Re: Nasenring für Bullen

Beitrag#13von Cacheno » Donnerstag 14. November 2013, 19:02

Moin,

sehr schöner Beitrag! Trotzdem gibt es keine bindende Vorschrift zum Einziehen eines Nasenringes. Diese Vorschrift gilt nur für Mitglieder/ Versicherte einer BG - dass eine Mitgliedschaft Sinn macht will ich damit nicht in Frage stellen!

Der Beitrag bezieht sich vorrangig auf Milchviehbullen. In der bei den meisten von uns angestrebten Haltung kommt es ja eher zu einer Aufzucht im Herdenverband, und minimiert damit wie oben geschrieben dass Risiko eines Betriebsunfalles mit Bullen.
Auch wird doch von den hier Schreibenden sicherlich das Tierwohl sehr groß geschrieben.
Die gleiche VO schreibt u.a. folgendes zu Fixierungsmaßnahmen von Rindern:

3. Stricke, Ketten, Seile und Halfter zum Hochbinden des Tierkopfes bzw. zum
Fixieren des Tierkopfes in Zwangshaltung bei verdrehter Wirbelsäule,
4. Schlagbügel oder Fesselketten gegen Ausschlagen der Rinder,
5. Schwanzhalter für Milchkühe beim Melken in Melkständen ohne Abschrankungen.

Das ist dann Tiergerecht?

Das grundsätzliche Problem in der heutigen ldw. Rinderhaltung ist doch, dass viele nicht mehr in der Lage sind Rinder zu "lesen" (Drohgebärden etc.)

Wir haben auf einer Schau eines namhaften Zuchtverbandes einen jungen Mann beobachtet der bspw. bei seinem angebundenen FV-Bullen permanent immer wieder mit ruckhaften Bewegungen am Nasenring gezogen hat. Das Tier war bedingt dadurch sehr nervös. Problem bei so einem Verhalten ist das die Tiere gefühlstechnisch sehr stark abstumpfen, sprich im Falle eines Falles bringt der Nasenring auch nichts mehr!
Wir haben auf der gleichen Schau einen Bullen ohne Nasenring vorgezogen, nachdem wir den Zuchtleiter von der Ruhe unseres Bullen überzeugen konnten - und das trotz ausdrücklicher Vorgabe seitens der Schauleitung.

Lieben Gruß, Felix

...der seit 15Jahren Deckbullen aufzieht, hält und mit Ihnen arbeitet ;-) und von über 25 Deckbullen nur einen mit Ring gehalten hat


P.S. Es sind auch die ldw. BG´s die das Enthornen von Rindern wünschen...
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Re: Nasenring für Bullen

Beitrag#14von Carmelia » Mittwoch 20. November 2013, 17:44

Ich habe letztens die Sendung "Unser Land" gesehen. Dort wurde eine Zuchtbulle mit einem Nasenring zur Besamsungsstation geführt. Das Tier blutete bereits an der Nase und muss höllische Schmerzen haben. Kann man solche Nasenringe nicht verbieten? Für mich ist das grausame Tierquälerei.
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Re: Nasenring für Bullen

Beitrag#15von Jaegertom » Donnerstag 21. November 2013, 01:28

Es mag vielleicht schon an den Bullen herumgezerrt werden. Es handelt sich um wirtschaftliche Zucht einer aussterbenden Rasse.
Ich habe oben bereits einen Beitrag eingestellt, der darstellt wie gefährlich Bullen von Milchviehrassen sein können. Wenn dene nicht gezeigt wird, wer der Herr ist, kanns böse enden. Daher die etwas schonungslose Führung. Wenn der Bulle beginnt, zu führen, kanns für den Halter sehr gefährlich werden. Es ist schwierig zu beurteilen, wie der Bulle sich führen lässt. Dazu kennen wir ihn nicht.
Den Tieren dieses Bauern scheint es eigentlich gut zu gehen. Weidehaltung, schöner Laufstall, was wollen die Tiere mehr?
Vor allem hat er sich auch zur Bullenhaltung entschlossen. Das reduziert auch den unnatürlichen Besamungsvorgang.
Gerade in dem zwijährigen Alter können sie sehr gefährlich werden. Es sind zudem sehr wenige Bullenlinien vorhanden, so dass Zuchtwahl auf Gutmütigkeit vielleicht noch nicht genügend berücksichtigt werden kann.
Auch den Bullen auf der Zuchtstation geht es normalerweise nicht schlecht. Dort werden sie auch deutlich älter wie zwei Jahre.
Und auch manchmal sehr gefährlich. Ohne Nasenring arbeitet da keiner mehr. Sonst werden die Bullen älter als mancher Mitarbeiter Arbeitsjahre überlebt......
Von außen lässt sich möglicherweise schon der Anschein der Tierqual ersehen. Menschensicherheit geht aber vor.
Hast du mal gesehen was wirkliche Tierquälerei ist?
Dann isst du kein Supermarktfleisch mehr oder Wurst davon.
Wenn du dann meinst, du wirst Vegetarier und halt kein Fleisch mehr, dafür Sojaprodukte, die das tierische Eiweiß ersetzen, dann weißt du wirklich nicht wieviel Länder durch Sojaanbau ausgebeutet werden und Landarbeiter durch hohen Pestizideinsatz krank werden.
Um das zu vermeiden, such dir Erzeuger in deiner Wohnnähe mit alten Nutztierrassen, die im Verhältnis ordentlich mit ihren Tieren umgehen. Und kauf denen ihre Produkte . Dann brauchst kein schlechtes Gewissen haben, weil du wirklich was für Arterhalt leistest
,selbst wenn ein Bulle an der Nase herumgezerrt wird. Beschäftige dich mal damit, such dir einen Bauern der Bullen hält.
Vergleich bite nicht Äpfel mit Kartoffeln, das heißt, Milchviehbullen mit Fleischviehbullen.
Die sind nämlich oft viel ruhiger und lassen sich auch ohne Nasenring führen weil wie zB bei Highland Rindern auch auf Gutmütigkeit gezüchtet wird.
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