Bauern sterben aus

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Bauern sterben aus

Beitrag#1von Herwig » Freitag 28. Dezember 2007, 17:36

In letzter Zeit, zum Jahreswechsel ganz besonders, habe ich mir verschiedene Zahlen angesehen über die Entwicklungen in der landwirtschaft. Besonders auffallend finde ich, dass immer mehr Tiere in immer weniger Betrieben gehalten werden. Die Zahlen des letzten Jahres belegen außerdem, dass immer mehr kleine Betriebe aufgeben und dadurch die Kopfzahlen der Tiere erheblich gesunken sind. Im Bereich der kleinen Wiederkäuer besonders. Auf der einen Seite ist klar, altersbedingt geben kleine Betriebe auf und haben keinen Nachfolger. Auf der anderen Seite stehen die aufgebenden Hobby und Nebenerwebslandwirte, für die der immer höhere werdende Aufwand in der Tierzucht nicht mehr akzeptabel ist. Nicht nur explodierende Tierseuchen machen es schwierig, sondern auch viele unsinnige behördliche Auflagen.
Irgendwie dachte ich dann: Die Bauern sterben aus!

Es gibt noch Großlandwirte, Agrarökonome etc. aber Bauern...??

Ist Bauerntum so hoffnungslos?
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Beitrag#2von klosterbauer » Samstag 29. Dezember 2007, 19:26

Hallo Herwig,

das klingt aber frustrierend. Und das ist vielleicht der Punkt: Es muss einfach mehr Leute geben, die den Mut haben, das "Bauern" wieder anzufangen. Der Markt ist da, die Produkte werden gekauft. Denkt mal einige Jahrzehnte zurück: Da haben viele nebenbei eine Landwirtschaft gehabt. Heute meinen viele, sich dies nicht mehr antun zu wollen. Das ist ein entscheidender Punkt. Unsere moderne Gesellschaft muss auch neue Wege finden, um den Kleinbauern Chancen zu bieten. Neue Organisationsformen, geteilte Urlaubshilfen ....

Aber wichtig ist auch: Nicht davon träumen - tun. Anpacken. Nur wenn sich viele kleine Bauern aktivieren, dann überlassen wir den Großen und den Konzernen wie Monsanto (die bspw. natürliche Gene patentieren wollen) nicht das Feld. Aber Ernsthaftigkeit ist gefragt, um mitspielen zu können, denke ich: Einstieg in die professionelle Zucht, effektive Vermarktung ... - denn an die Bauern mit den kleinen Höfen werden genauso professionelle Ansprüche gestellt wie an die Großen.

Ich bin zuversichtlich - ich erlebe jetzt seit Jahren den Strukturwandel, ich sehe, dass Betriebe sterben werden und dass künftig aufgelöste 100 ha-Betriebe (das ist bei uns schon groß) einerseits dazu beitragen, dass große Betriebe größer werden. Aber andererseits ist dies auch die Chance für vielleicht zwei Nebenerwerbsbauern, auf den freien Flächen einzusteigen. Dann sind zumindest diese Bauern dazu gekommen. Und das Interesse wächst, im Nebenerwerb Landwirtschaft zu betreiben. Diesen Menschen muss eine Perspektive gegeben werden. Wenn´s nicht die Beratungsdienste der Kammern tun, dann müssen es eben andere sein.

Mutmachende Grüße also aus dem Bergischen von
Peter
PS: Das alles funktioniert aber auch nur, wenn sich die Bauern mit den kleineren Flächen auch organisieren und artikulieren!!
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Beitrag#3von karinenhof » Samstag 29. Dezember 2007, 23:53

hallo Peter,

recht hast Du schon. Es wird z.B. uns auch nicht gerade leicht gemacht. In einem anderen Beitrag kannst Du über meinen Kampf mit dem Schafzuchtverband lesen.
Die Hürden, die eigendlich schon übersprungen scheinen, werden mit einem mal zu einem unüberwindbarem Hindernis. So ab und zu bekommt man das auch geregelt. Wenn die Hürden immer höher und höher werden, dann macht es irgendwann keinen Spaß mehr und die Kraft wird wo anders investiert.

Aber grundsätzlich hast Du Recht. Und so schnell geben wir auch nicht auf.
Dieses Forum hier hat mir schon in einigen Punkten weitergeholfen. Manchmal sind es nur Kleinigkeiten, die Großes auslösen.

Herwig hat aber auch Recht. Die Bauern von damals gibt es kaum noch. Und es werden wirklich immer weniger. Wenn die Leute früh um 5.30 Uhr losfahren müssen, um pünktlich um 7.00 Uhr am Arbeitsplatz zu sein, kommen sie vor 18.00 Uhr selten nach Hause. Dann ist vom Tag nicht mehr viel übrig. Da fällt der Nebenerwerbslandwirt schon mal aus.

Wenn mit der Landwirtschaft der Lebensunterhalt verdient werden muss, dann funktioniert das oft nur, wenn derjenige in der Landwirtschaft groß geworden ist. Als Neu- Bauer kann ich mir das schlecht vorstellen.

nachdenkliche Grüße von Karin vom Karinenhof im Havelland
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Beitrag#4von Herwig » Sonntag 30. Dezember 2007, 10:37

Hallo Ralf,
ne frustriert bin ich eigentlich nicht, eher sauer auf die "hohen Herren und Damen".

Darum suche Mitstreiter und Weggefährten.

Seit ca. 30 Jahren bin ich Selbstversorger, mal mehr mal weniger. Wenn mir vor 30 Jahren jemand erzählt hätte, welche Auflagen und Vorschriften mich mal in der Selbstversorgung und Überschußvermarktung behindern, hätte ich es nicht geglaubt.
Ich sehe z.T. mit Schrecken den Rückgang der Kleinbauern. Wo kräht der Hahn noch auf dem Dung? Wo laufen mal 1 oder 2 Kühe auf einer heckenumsäumten Wiese, immer mehr Schafe die man nicht scheren brauch, Apfelbäume in Hüfthöhe sorgen vermutlich bald für freien Blick von den Alpen bis zur Nordsee.
Ich bin nicht ewig gestrig, aber meine Augen haben sich früher beim Betrachten der kleinen Höfe wohler gefühlt. Der Trend zu höher, schneller, weiter und billiger setzt sich ja nicht durch, weil viele denken wie ich. Wir brauchen eine Gegenbewegung, die sich ja auch langsam formiert.
Aus dem Grunde habe ich VIEH, Nutztier-Archen und nun auch Slow Farming erdacht. Wir müssen zusammenhalten, die "kleinen Krauter" brauchen eine Lobby auf`s Hobby. Ein Labl, ein Motto, ein Slogan sind das Mindeste was unsere Erzeugnisse aufwerten und bekannt machen kann, losgelöst davon in welchem Umfang jeder von uns produziert. Man muss uns kennen: "AAAH, das sind doch die...!" Wir müssen also viiiiel mehr werden!!!!!!!!!
Es muß an die Öffentlichkeit, dass im Nebenerwerb gesunde Lebensmittel viel besser erzeugt werden können.
Agrarfabriken kontra Bauernhof, so wie es die ABL propagiert. Die haben aber kein Produkt Labl, Netzwerk oder vergleichbares.
Wir müssen uns moderner Medien bedienen um uns zu vernetzen, mit möglichst niederschwelligen Regularien und kostengünstig. Das versuche ich mit eurer Hilfe zu realisieren, also nicht Frust ist angesagt sondern der Weg nach vorn. Den kann man aber nur beschreiten, wenn man die Mankos kennt und spürt das man Weggefährten hat. Ohne Vernetzung und Zusammenschluß sitzen 1000de vor dem Fernseher und denken: "Was kann ich allein schon tun?"
Du hast Recht, in dem zu sagst: Träumen allein genügt nicht! ( Ist ein Buchtitel von Scot Nearing, einer der ersten Selbstversorger, lange vor Seymore)
Deine Worte erinnern mich an F.J. Degenhardt - Ärmel aufgekrempelt, zupacken, aufbauen...
Ich denke, die Vernetzung ist ähnlich wichtig, wir müssen voneinander wissen um voneinander lernen zu können, wir müssen uns kennen um uns helfen zu können. Wenn jeder in seinem eigenen "Saft schmort" bleibt Entwicklung aus.
Karin hat Recht wenn sie von erschwerten Bedingungen spricht, für manche ist es noch zu viel Arbeit am Ende des Tages. Man sollte auf dem Lande die Möglichkeit haben, statt einen 1 Euro Job zu machen, einen eigenen Hausgarten zu pflegen, eine Kuh zu versorgen, zwei Schweine zu füttern oder 500 qm Kartoffeln anzubauen, das würde die Kassen vermutlich entlasten.

Fest steht für mich das die ganzen Regularien, Subventionen und Gesetze die erzeugte Lebensmittelqualität beständig verschlechtert, weil einzelne Betriebe eine enorme Menge produzieren, wenn da dann etwas schiefgeht oder geschludert wird, hat das katatrophale Auswirkungen.
Darum lieb ich das Kleinbauerntum ja so!
Ich sehe auch die Gefahr, das BIO immer mehr an Qualität und Substanz verliert. Die kleinen Krauter können sich Zertifizierungen nicht lesiten, müssen ihre Bioprodukte unter Preis verkaufen obwohl sie hochwertiger sind. Warum müssen Biobetriebe kontrolliert werden?? Die hantieren gar nicht mit Giften!! Konventionelle Bauern müssen kontrolliert werden, die haben schließlich die Spritzmittel und umweltgefährlichen Substanzen auf dem Hof. Das ist so hirnrissig, das schon niemand mehr darüber nachdenkt. Im Umkehrschluß hieße das: Alle Bürger brauchen einen Nicht-Waffenschein und zweimal im Jahr kommt die Polizei zur Hausdurchsuchung um das zu kontrollieren, die Durchsuchung muss der Bürger bezahlen. Wenn die Polizei eine Panzerfaust im Schrank findet, muss der Bürger zur Strafe diese behalten und seinen Nicht-Waffenschein abgeben und wird zur Strafe nicht mehr behelligt.
Uns wird impliziert: Chemische Landwirtschaft ist normal, Bios sind zu kontrollieren!

Da fällt mir nur ein:

Die Würde des Menschen ist unantastbar
sagen die Mächtigen
meinen aber damit nur:
Die macht der Antaster ist unangreifbar
Da irren sie sich!!
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Beitrag#5von klosterbauer » Sonntag 30. Dezember 2007, 14:29

Hallo Ihr Beiden - und die Mitleser,
Herwig, Du darfst mich auch Peter nennen (macht aber nix).

Dies hier scheint mir ein durchaus grundlegendes Thema zu sein. Grundsätzlich stimmt sicherlich: Großbetrieb und Diversität passt nur schwer zusammen - schon allein aus betriebsökonomischen Gründen.

Und doch: Zurück zum Kleinbauern von damals, das ist sicher nicht die Lösung. Die ein oder zwei Kühe, die damals gehalten wurden, sind sicher keine Perspektive. Besonders tiergerecht war dies schließlich auch nicht. Im Winter in der Anbindehaltung, im warmen und stickigen Stall, kein Herdenverbund. Und den Menschen damals ging es auch nicht wirklich besser. Bei uns hatten die größeren Höfe so fünf Hektar - später durch Zupacht auch mehr. Das war zuviel zum Sterben und zu wenig zum Leben. So gingen die Männer in die Fabrik, schafften auf der Tankstelle, saßen im LKW - und die Frau blieb auf dem Hof und machte die Arbeit. Das kann keine Perspektive sein, weder für Mensch noch fürs Tier.

Ich glaube schon, liebe Karin, dass Neu-Bauern eine Chance verdienen. Erstens wird es mit der innerfamiliären Hofnachfolge aus meiner Sicht immer schwieriger, außerdem laufen an den landwirtschaftlichen Fakultäten genügend gute Leute rum. Andere fangen es - wir wir hier - einfach während des Lebens an. Ich bin auch Neu-Bauer, und es geht ganz gut, denke ich. Man muss halt Herz und Hand mitbringen.

Ich hoffe also, dass mehr gibt, die wieder rein wollen in die Landwirtschaft. Die Arbeitsstrukturen verändern sich ja auch, mehr Menschen arbeiten freiberuflich, die flexible Arbeitszeit kommt immer öfter, Heimarbeit ist auch möglich. Da ist Melken vielleicht nicht drin, aber doch die Muttertierhaltung. Und auf kleineren Flächen auch die Gänse- und Hühnerhaltung beispielsweise. Weil uns die Globalisierung, der Klimawandel und die vielen Veränderungen die Geflügelpest (wie auch die Blauzunge ...) brachten, überdachen wir Voliere und Misthaufen, dann kräht der Hahn wieder auf dem Dung. Neue Zeiten bringen neue Herausforderungen. Und Du Herwig, bedienst Dich ja auch dankenswerterweise den neuen Techniken - s. dieses Forum.

Ich denke, was uns voran bringt, ist, dass wir zeigen, dass wir da sind. Das macht auch Neuen wieder Mut. Unsere Partner sind sicherlich ABL, GEH (da sind hoffentlich die Forumsmitglieder drin?), vielleicht auch der Verband der Nebenerwerbslandwirte und die regionalen Zuchtverbände. Nicht immer einfach, da gebe ich Dir, Karin, recht. Doch im Schafzuchtverband-Rheinland haben wir es geschafft, und im neuen NRW-Schafzuchtverband müssen wir noch dran arbeiten. Aber an uns geht kein Weg vorbei - wir müssen nur oft genug im Wege stehen.

Also bitte kein neuer Verband, kein neues Labl. Darum noch ein Wort zu den Kontrollen. Wir haben bei uns die Regionalvermarktung "bergisch pur" aufgebaut und auch Kontrollen installiert. U.a. ein eigenständiges Rindfleisch-Etikettierungssystem. Der Aufwand hat sich gelohnt - die Kunden vertrauen. Und auch der Biobauer ist nicht nur deswegen ein guter Bauer, weil Bio draufsteht. Gleiches gilt für den Nebenerwerbsbauern - da muss ich nur in die Nachbarschaft schauen. Da stehen die Kühe im Winter bis zum Bauch in der Mocke.... Qualität gibt es im Großen wie im Kleinen, konventionell wie bio, das habe ich gelernt. Wobei mir die kleinen und mittleren landwirtschaftlichen Betriebe sicherlich die liebsten sind. Denn mit denen hat auch die Vielfalt eine größere Chance. Professionell aber müssen wir alle ran - und die Vielfalt von Marken verwirrt die Kundschaft nur. Bevor ich jetzt aber aus meinem anderen Job plaudere, gibt es eine Mittagspause.

Bis dahin, bleibt tapfer und mischt Euch ein
Peter
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Beitrag#6von armin » Sonntag 30. Dezember 2007, 19:02

Hallo zusammen!

Also, so kurz vor dem neuen Jahr möchte ich nicht nur einfach den Verlust eines Stücks bäuerlicher Kultur beklagen, sondern doch ein bisschen mehr Aufbruchstimmung und Tatendurst. Und dazu muss man sich einmal ganz realistisch überlegen, warum die bäuderliche Landwirtschaft auf dem Rückzug ist.

Und da sehe ich die Schuld nicht nur bei den Politikern. Klar leben wir in einer Zeit überbordender sinnentleerter Bürogratie, aber das betrifft nicht nur die Landwirte. Mein Bruder ist Einzelhändler und hat die gleichen Probleme: Trausend und drei Vorschriften, Genehmigungen, Bescheinigungen und Nachweispflichten und als echter Einzelhändler ohne eine Kette im Rücken steht er immer als letzter in der Reihe, genau wie Karin das auch schon erfahren hat. Mein Bruder hat als Selbstständiger auch die gleichen Arbeitszeiten wie ein Landwirt, alles sehr ähnlich.

Aber einen Unterschied gibt es: Mein Bruder kann von seinem Geschäft leben! Er muss sich zwar auch gegen Onlineshops, große Ketten und Geiz-ist-geil-Mentalität behaupten, aber das gelingt ihm ganz gut. Warum ich das schreibe? Ich denke, wer Landwirtschaft betreibt wir noch vor 30 Jahren, der wird seine Existenz heute nicht mehr davon bestreiten können. Nur wer seine Produkte weiterverarbeitet und gezielt vermarktet hat eine Chance. Die bäuerlichen Betriebe von damals haben sich um so etwas aber nie gekümmert. Sie hatten Verträge mit Großabnehmern und wurden dadurch im Preis immer weiter gedrückt. Kein Wunder, dass Bauern scharenweise aufgegeben haben, wenn man für den Arbeitseinsatz eines Selbstständigen den Lohn einer ungelernten Aushilfe bekommt.

Dass die große Mehrheit in diesem Land nicht bereit ist, angemessenes Geld für ihre Ernährung auszugebn, das ist nicht unbedingt die Schuld der Politiker, sondern eine kollektive Geiz-Haltung, geschührt von Werbung und Medien.

Es gibt aber auch die, die nicht einfach mit den Strom schwimmen und sehr wohl bereit sind, qualitativ hochwertige Produkte zu einem angemessenen Preis einzukaufen. Deshalb finde ich es so wichtig, das richtige Vermarktungskonzept zu haben. Wie erreiche ich als Anbieter hochwertiger Lebensmittel aus bäuerlicher Erzeugung denjenigen, der solche Produkte wünscht? Peter hat oben gesagt, "der Markt ist da". Das glaube ich auch und deshalb sollten wir hier viel öfter Erfahrungsberichte und Hinweise zur (Direkt-)Vermarktung im Forum austauschen.

Als Moderator der Vermarktungs-Foren lade ich allle herzlich ein: Berichtet über Eure Erfahrungen!!! Schreibt von Euren erfogreichen Vermarktungsstrategien, so wie z. B. Thomas von der Knüllbergfarm. Wenn sich herumspricht, dass man mit bäuerlicher Landwirtschaft auch finanziell Erfolg haben kann, dann werden sich auch mehr finden, dann werden wir vielleicht eines Tages auch in den Medien zur Kenntnis genommen und dann wird es - ganz plätzlich - auch mehr Nachfrage geben.

VIEH, das Höfeprojekt Nutztier-Arche und Slow-Farming sind der richtige Weg zu diesem Ziel!

In diesem Sinne, kommt alle gut ins neue Jahr!

armin
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Beitrag#7von ranulf » Sonntag 30. Dezember 2007, 20:34

Hallo zusammen!

Ich glaube, dass gerade in den letzten Jahren eine neue bäuerliche Kultur heranwächst. Eine Generation von Menschen, die das Landleben schätzen, aber eigentlich von landwirtsfremden Berufen kommen. Gerade im Bereich "alte Haustierrassen" wird viel Zucht und Erhaltungsarbeit von engagierten Neben- und Hobbylandwirten geleistet. Viele von denen die ich kennengelernt habe, haben ihren Ursprung in der Selbstversorgungsbewegung (J. Seymour steht fast in jeden Bücherschrank).

Auf Infoständen ist mir aber auch immer wieder aufgefallen, wie viel die Halter und Züchter über die allg. Haltung und Umgang wissen möchten. einschlägige Forum im Internet sind auch dementsprechend gut besucht (s. Bild-Forum). Weitere Beratung oder Ausbildung von Kleinbauern findet nur sporadisch statt (LVHS Lauda bietet verschiedene Themen an) aber ansonsten muss man sich die Infos zusammenklauben aus Büchern, "konventionellen Infos" und Gesprächen mit anderen Kleinbauern. Eine gute Nebenberufliche, praxisorientierte Ausbidung von Kleinbauern wäre auf regionaler Ebene eine schöne Sache. Die Landwirtschaftskammer, die ja für die Ausbildung und Fortbildung der Landwirte zuständig ist,gibt häufig nur Berufslandwirten eine Möglichkeit.

Interressant finde ich zum Beispiel die Entwicklung in unserem Dorf. Wir haben ca. 350 Einwohner 1000 ha. und 15 Vollerwerbslandwirte. deswegen ist Land auch sehr kostbar bei uns. Trotzdem haben sich in den letzten fünf jahren 3 Kleinbauern mit Galloway und schottischen Hochlandrindern eine zusätzliches Einkommen verschafft. Häufig bewirtschaften Sie Flächen, die die "Großbauern" liegenlassen, oder nutzen zum Beispiel den dritten Schnitt des Nachbarn um das Winterfutter zu bekommen. im Dorf werden diese Kleinbauern gut unterstützt, man hilft sich gegenseitig.

Toll wäre eine Kleinbauern übergreifende Organisation, die die rechtlichen und theoretischen Grundlagen schaffen könnten, dass die Kleinbauern anerkannt und geschützt werden. Aber alleine bei dem Gedanken daran, einen neuen Verein beitreten zu müssen, graut es mir. vielleicht macht es Sinn, bestehende Strukturen, wie zum beispiel die ABL zu nutzen, um sich mit deren Unterstützung Gehör zu verschaffen. Quasi eine Kleinbauern-Arbeitsgemeinschaft, einladen kann man ja zum Beispiel die Schafzüchter, Geflügelhalter, Gemüsegärtner, Pferdehalter, etc. zusammengenommen bilden alle am "Kleinbauernwesen" beteiligter keine kleine Personenzahl. Da müssten vielleicht auch Politiker sich ausführlicher mit dem Thema beschäftigen und nicht nur zur Grünen Woche werbewirksam mit einer Kuh zeigen lassen.

Das Thema "alte Haustierrassen" bringt Menschen zusammen, die am ehesten im Bereich der Kleinbauern zu sehen sind. Das Augenmerk liegt nicht nur bei einer Tiergattung sondern, versucht mehrere Tierarten zu vereinen und auch noch Ihrer Nutzung zu zuführen.

so nun fällt mir erstmal nichts mehr ein, ich hoffe ich konnte meine Gedankengänge verständlich darlegen.

gruß Ralf
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Beitrag#8von Herwig » Montag 31. Dezember 2007, 11:22

Ich finde übrigens auch, das eine zunehmende Rückbesinnung auf die Scholle stattfindet.

Allerdings, lieber Peter, (tschuldigung für den Namensdreher, ich gelobe Besserung) sehe ich das mit neuen Labl anders, weil ich ein Verfechter der Vielfalt bin. Wir brauchen Vereinigungen und Verbände in denen sich Leute wohlfühlen, die bisher nichts für sich passendes gefunden haben. Die Nutztier-Archen sind so ein neues Konstrukt (Obwohl die Idee nicht neu ist!) Nues Logo, andere Richtlinien und ein voller Erfolg. Das Projekt Nutztier-Arche hat die größte Anzahl von Vertragshöfen weltweit und ist europaweit vertreten. Niemand ist irritiert, nur jene die neue Wege ablehnen! Das Wahlfreiheit Menschen irritiert ist ein beliebtes Argument jener, die bereits ein Labl haben und befürchten es könne ein neues besser angenommen werden oder den Erfolg des eigenen schmälern.
Mir ist kein Fall bekannt, in dem Wahlfreiheit zum Verlust der Entscheidungsfähigkeit geführt hätte. Nur schwerlich kann ich das Argument des "mündigen Bürgers" unterdrücken.
Euer Logo und Labl "bergisch pur" halte ich für sehr gut und wichtig. Obwohl es neu ist wird es vermutlich auch nicht sonderlich dazu beitragen, das Verbraucher verwirrt den Laden verlassenBild
Es ist ein regionales Labl, als Niedersachse könnte ich da wohl nicht mitmachen. Warum also nicht zusätzlich ein überregionales Labl??

Die Selbstversoger mit Überschußvermarktung, die Hobbybauern und auch Nebenerwerbslandwirte können nicht nur aus finanziellen Gründen kaum kontrollierte Bio Landwirte werden. Sie können auch nicht in jedem Zuchtverein und in jedem Verein Mitglied sein und sich dort einbringen.

Ich halte es für außerordentlich wichtig, Gemeinschaften zu bilden, in Neudeutsch: Netzwerke.
Natürlich müssen alle Netzwerkpartner das wollen, sonst funktioniert das nicht.

Zum Bauerntum noch ein paar Worte. Wie gesagt bin ich kein ewig gestriger, ich favorisiere es, alte und neue Erkenntnisse zu vereinen. Ich möchte nicht zurück in die Steinzeit, aber ich möchte dem Idealismus neue Wege ebnen um wenigstens ansatzweise die alte Einstellung zur eigenen Scholle zu reaktivieren.
Menschen aus der Nebenerwerbslandwirtschaft fahren nicht nur wegen ihrer Betriebgröße LKW und arbeiten in der Fabrik, vielmehr ist es der Preisverfall. Uns als Verbrauchern ist das Gefühl für einen gerechten Preis für Lebensmittel längst abhanden gekommen. Die Erzeugnisse von 5 ha Land, kannst du mit deiner Familie in einem Jahr nicht aufessen, als Wirtschaftsfaktor ersetzen 5 ha Land nicht einmal 2 Facharbeiterlöhne. Wenn Bauern gerecht für ihre Arbeit und Produkte bezahlt werden, finden sich auch wieder mehr Leute die das machen möchten. Wir müsssen also am Preisgefüge arbeiten und Produkte veredeln und direkt vermarkten. Aber, wir müssen auch dafür werben, das Koteltts nicht für 1,98 per kg erzeugt werden können.
Wir haben doch so beknackte Situationen mit den Subventionen: Da werden mit Steuergeldern von Milchtrinkern Milchbauern subventioniert, damit Milchtrinker die Milch im Kaufhaus billiger kaufen können und der Bauer einen gerechten Preis bekommt, damit er von seiner Hände Arbeit leben kann!Bild

Ich würde lieber mehr Steuern zahlen, die dann Bosch bekommt, damit die Waschmaschinen und Bohrmaschinen billiger werden. Oder Erdal bekommts, für billigere Schuhcreme. Nee, jetzt hab ichs: Porsche soll meine Steuen bekommen...
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Beitrag#9von klosterbauer » Montag 31. Dezember 2007, 13:52

Hallo in die größer werdende Runde,
das Thema ist ein Zukunftsthema, auch wenn wir vielleicht andere Wege zum Ziel sehen.
Deinen Gedanken, Ralf, find ich gar nicht so schlecht. Die "Kleinbauern" zusammen zu packen und - vielleicht im Rahmen der ABL - eine Vertretung zu finden. Allerdings habe ich mir mal angeschaut, wer hier in der Region überhaupt so Mitglied ist. Es sind sehr wenige. Da müsste man einfach mehr Menschen erreichen. Und ich gebe Dir Recht: Nicht noch ein Verein - haben jetzt schon genug zu tun. Aber vielleicht findet sich auf der Ebene tatsächlich ein Packan. Die Kleinbauern außerhalb Europas haben ja schon eine ganz rege Vertretung, die sich vielleicht sogar im Rahmen der UN-KOnferenz zur Biodiversität im Mai zu Wort melden wird. Warum soll man nicht mal von anderen lernen.

In Sachen Agrobiodiversität, lieber Herwig, bin ich einfach der Meinung, dass es einige größere und bedeutende Initiativen gibt. Das ist die GEH - die Gesellschaft zur Erhaltung alter und bedrohter Haustierrassen -, und das ist sicherlich mit VIEH auch das von Dir angestoßene Engagement. Und im pflanzlichen Bereich kommt dann noch der VEN dazu ... Alle haben ihre Spezialitäten und besonderen Eigenschaften. Doch Stimmgewalt kommt - leider - auch von Strukturen. Und von klaren Positionen. Darum halte ich ein Zusammenwirken für sinnvoll, wo immer dies möglich ist. Bei parallen Strukturen entwickeln sich oft zwei Tendenzen: Kooperation oder Konkurrenz - denn entweder man zieht an einem Strick, oder man vergleicht sich dann doch. Es stimmt: Zahlenmäßig beispielsweise sind die Nutztierarchen gar nicht schlecht aufgestellt. Dies soll aber hoffentlich nicht dazu führen, dass Nutztier-Archen und GEH-Archehöfe in einen Wettstreit geraten.

Wichtiger ist doch, dass wir mit dem Thema Agrobiodiversität nach vorn kommen. Und zwar miteinander.

Noch ein Sätzchen zu bergisch pur: Diese Regionalmarke ist nicht wirklich neu, sie feiert im Jahr 2008 immerhin ihr zehnjähriges Jubiläum. Mittlerweile kommen Anfragen aus benachbarten Regionen, ob das Konzept nicht dort übernommen werden könnte. Die Bauern kostete dies im Fall bergisch pur eine einmalige Einlage - seit dem erhalten sie höhere Vermarkterpreise. Das kann nur gut sein und hat sich sicher für die meisten Rinder- und wenige Schafbauern gelohnt. Die Produktpalette ist mittlerweile umfangreich: Rind, Lamm, Fisch, Honig, Marmeladen, Säfte, Sprudel, Eier ....
So etwas geht dann auch in Niedersachsen. Und warum sollte dann nicht "Detailregion" pur gemeinsam mit bergisch pur eine kooperative Vermarktung aufbauen. Ihr habt bspw. Produkte, die es bei uns nicht gibt, von uns gibt´s dann die anderen Ergänzungen. Nun haben wir noch nicht bis Niedersachsen gedacht - aber warum nicht. Übrigens bemühen sich auch die Regionalmarken um ein gemeinsames Dach, damit der politische Einfluss und das Gehörtwerden im medialen Geklingen auch überregional besser wird.

Recht gebe ich Dir, dass Hobbybauern und Co nicht überall Mitglied werden können - wenn sie davon ausgehen, dass sich das Hobby rechnen soll. Doch weil sich Hobby nicht unbedint rechnen muss, rate ich doch dazu, als Hobby-Landwirt sich gezielt in Bereichen einzubrigen. Und Netzwerke sind gut und wichtig - das stimmt. Sie ergänzen die vorhandenen Dinge - aber sie ersetzen sie nicht. Denn Politik machen die Vereine und Verbände. Und wer keinen neuen gründen will (will ich auch nicht!!), der sollte sich mit seinen Netzwerkern in anderen treffen. Und ich mache mir da auch keine Sorgen: Die Leute in der Landwirtschaft, die sich für unser Thema engagieren, werden sich finden. Denn wir werden mehr ...

Liebe Grüße - und Ralf, vielleicht starten wir irgendwann das Netzwerk der Kleinbauern (schon wieder ein Netzwerk, siehst Du, Herwig)

Peter
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Beitrag#10von HolzClaas » Mittwoch 11. Juni 2008, 15:27

Moin moin

Tja leider kann man bei den Fakten zur Betriebsaufgabe und Betriebsgröße nur zustimmen. Aber durch die schiere größe von landwirtschaftlichen Arbeitsmaschienen - und dem damit verbundenen Energieverbrauch denke ich das es eine Menge Klein und Kleinstflächen gibt, bei denen diese Großgeräte nicht mehr klarkommen und die man auch als Hobbylandwirt nutzen kann. Leider werden durch die Großbauern ganz gerne "Steine" in den Weg gelegt.

Ich muss aber zugeben, das ich jetzt aus meiner Perspektive . 5 neue Bundesländer (mit ihren Großbetrieben) spreche. Gerade die steigendene Energie und Lebensmittelpreise werden meiner Meinung dazu führen, das die Leute sich wieder daran errinnern, woher bestimmte Dinge kommen, und wenn sie Gelegenheit dazu haben (und wenn es der Schrebergarten mit 4 Kaninchen ist) wieder anfangen selbst zu erzeugen.

Vielleicht kann das auch wieder ein Anfang für so manchen Nebenerwerbslandwirt sein.
Aber wie schon festgestellt - es muß halt gemacht werden - getreu dem Motto - "Es gibt nichts Gutes außer man tut es" - und leider ist es heute leichter zu meckern und sich auf den Staat zu verlassen als etwas zu Unternehmen - und damit vielleicht auch auf die Nase zu fallen. Solange man aber wieder aufsteht und was draus gelernt hat ist das ja nicht schlimm.

Ich kann jedem Hobby- und Nebenerwerbslandwirt nur viel Erfolg und nette Nachbarn wünschen.


Greetz Claas
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