Pferdehaltung im Moor - Erfahrungen?

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Pferdehaltung im Moor - Erfahrungen?

Post#1by permakult2012 » Monday 2. January 2012, 16:41

Hallo, hält jemand hier Pferde auf einem ehem. Moorboden, also nat. entwässert? Der Boden soll angeblich die Hufsubstanz angreifen und natürlich arg vermatschen in den Wintermonaten. Allerdings gibt es ja Möglichkeiten, einen Teil des Bodens auszutauschen und Paddockmatten zu legen oder ähnliches. Würde mich über einen Erfahrungsaustausch freuen! Auch und insbesondere interessiert mich die Bodenverbesserung, evtl. mit Kalk, um den PH-Wert anzuheben. Auch die Kosten (Schätzung) wäre wichtig. Danke, l.G. Anja
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Re: Pferdehaltung im Moor - Erfahrungen?

Post#2by Dine » Monday 2. January 2012, 20:55

Hallo Anja.
Ich habe drei Pferde hier auf meinem Resthof, der am Rand eines Moores gelegen ist. Der Boden ist tendenziell im Herbst, Winter und Frühjahr immer zu feucht um die Pferde drauf zu lassen, sonst wäre der Boden ruck-zuck durchgetreten und die Grasnarbe würde böse Schäden nehmen. Das dann in den Narbenlücken nachwachsen würde wäre für Pferde oftmals kaum Freßbar. Es ist also eine recht heikle Sache Pferde in einem Moorgebiet halten zu wollen. Die Frage ist ja auch, was für Pferde/Ponys dort dann laufen sollten. es gibt Rassen, wie die Camarguepferde, die mit solchen Bedingungen sehr gut zurecht kommen, da sie in ihrem natürlichen Habitat ähnliche Bedingungen vorfinden.
Einen teilweisen Bodenaustausch bzw. Paddockmattenverlegung im Stall/Unterstandbereich ist dringend anzuraten. Da Moorboden sehr sauer ist, wirst Du je nach Grad der Vermoorung mit einem sehr hohen Aufwand für Kalk rechnen müssen. Und wie willst Du den Ausbringen? Ist der Boden fest genug, das ein Trecker dort fahren kann?

Liebe Grüße,
Dine.
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Re: Pferdehaltung im Moor - Erfahrungen?

Post#3by permakult2012 » Tuesday 3. January 2012, 09:34

Oh schon eine Antwort! Danke liebe Dine. Also das Moor wurde ja entwässert - schon vor mehreren Generationen. Die Wiese wird zweimal im Jahr gemäht - maschinell. Wir haben momentan natürlich auch eher eine Trockenperiode, kann sein dass wir noch unser nasses Wunder erleben, aber momentan könnte ich mir vorstellen, dass Pferde dort gut laufen können (natürlich nur stundenweise, nicht 24 h). Wie bringt man den Kalk genau aus? Nimmt man so eine Art Vertikuliergerät? Die Grasnarbe soll ja nicht angetastet werden und einfach obendrauf streuen wäre wohl auch nix, weils der Wind verweht? Hab das Buch von Bender "Praxishandbuch Pferdeweide", aber so genau steht nicht drin, wie man den Kalk ausbringt... Muss auch noch den genauen Säuregrad/PH-Wert bestimmen, hab ich mir fürs WE vorgenommen, wenns so mild bleibt... Ich finde auf der Wiese Ampfer, Brennesseln, Taubnesseln, Vogelmiere etc. Eher sehr fett würde ich sagen, also eh nichts für ein leichtfuttriges Pony. Leider hab ich kein Camarguepferd - aber könnte noch kommen. Find ich sehr schick und auch nicht zu groß. Momentan hab ich nur ein Pferd (Arabermischling)- der bräuchte eh dann einen Kumpel. L.G. Anja
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Re: Pferdehaltung im Moor - Erfahrungen?

Post#4by permakult2012 » Tuesday 3. January 2012, 15:08

Ah vielen Dank für die Erklärung. Dass der Kalk so schädlich ist wusste ich gar nicht :-( Also streut man den doch nur einfach aus und lässt dann quasi den Regen die Arbeit erledigen? Was meinst du - wie krieg ich den Stickstoff am besten reduziert? Lässt man da einfach nur die Zeit für sich arbeiten oder kann ich mit bestimmten stickstoffverzehrenden Pflanzen/Gräsern nachhelfen? Ich hab dem Bauern, der das Stück Land die letzten Jahre gepflegt hat, schon gesagt dass wir nicht mehr möchten, dass er seine Gülle da "entsorgt". Ich denke das ist der Grund für den Stickstoffüberschuss. Er hat da wohl Silo draus gemacht für seine Kühe... Hoffe bei Euch scheint auch bald die Sonne wie hier! Aber es ist auch viel zu warm für Januar... L.G. Anja
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Re: Pferdehaltung im Moor - Erfahrungen?

Post#5by Dine » Wednesday 4. January 2012, 21:15

Hallo ihr Lieben,
dann ist die Koppel ja schon relativ trocken. :-) Ich beneide dich. Heute sind meine Männer erstmal losgezogen und haben die Gräben nachbearbeitet, damit das Wasser schneller abfließen kann. Es schüttet hier wie aus Eimern und für morgen ist schon der nächste Orkan angesagt. :-P
Den Stickstoff würde ich wie Mettbrötchen schon richtig gesagt hat, einfach "auswachsen" lassen. Mit speziellen Pflanzen würde ich nicht "nachhelfen", denn: was machst Du mit denen, wenn sie ausgewachsen sind und den ganzen Stickstoff in sich tragen? Bei einem Misthaufen würde ich dazu raten Kürbisse, Gurken oder Sonnenblumen drauf zu setzen, aber bei einer Koppel... Ne, einfach mal auswachsen lassen. Ich selbst bin auch immer noch dabei. Ich habe das Land vor 3 Jahren gekauft. Zuvor liefen hier Bullenkälber zur Mast und es wurde Heu gemacht. Im Grunde von Grasbestand her eine eigentlich ganz gute Koppel. Aber bis sie so ist, wie ich es mir vorstelle, wird es wohl noch 5 Jahre dauern... Im Übrigen: auch komplett ohne Düngung, haben wir im letzten Jahr von 1,5ha 17 große Rundballen Heu bekommen. Es kann also ne Weile dauern, bis der Boden sich auf ein normales Mass an Stickstoff eingependelt hat.
Eine Lösung für dich wäre in den nächsten Jahren die Koppel zum Heu machen zu nutzen, oder Kälber/Schafe in Wechsel-/Mischbeweidung mit den Pferden darauf weiden zu lassen. So bekommen deine Pferde nicht allein "die volle Klatsche".

Der Kalk wird durch den Regen einfach eingeschlemmt. Er kann einfach oberflächlich ausgestreut werden. Der sorgt auch dafür, dass die Brennesseln, die Miere usw. zurück gehen. Gegen den Sauerampfer empfehle ich eine gezielt handvoll reinen Harnstoff an die Wurzel geben, kurz bevor es regnet. Er wächst sich dann einfach tot. Besser als die Alternative: ausgraben.

Soweit erstmal. :-)
Gruß,
Dine
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Re: Pferdehaltung im Moor - Erfahrungen?

Post#6by permakult2012 » Thursday 5. January 2012, 10:16

Oh vielen Dank liebe Dine. Das ist ja ne super Beratung! Hab mir auch schon gedacht, dass ich mir paar Galloway-Rinder dazu kaufe. Nur das mit dem Schlachten - ich glaub ich kann das nicht :-( Und will ja nicht zum Tiersammler mutieren ;-) Heu wollen wir evtl. auch machen, mal sehen, müssen wir auch erst jemanden organisieren, der uns hilft bzw. zeigt, wie das geht (wir haben zwar ne Sense, aber ich denke damit will keiner von uns diese Fläche mähen :-)) L.G. Anja
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Re: Pferdehaltung im Moor - Erfahrungen?

Post#7by Dine » Monday 9. January 2012, 13:39

Hallo ihr Lieben,

@Anja: Wenn Du die Tiere selbst nicht schlachten möchtest/kannst dann frage doch einfach einen netten Landwirt in der Nähe, ob der dir nicht ein paar Kälber/Schafe mit auf die Koppel stellen möchte. So hast Du nicht die Verantwortung und die hohen Kosten und Mühen die Tiere durch den Winter zu bringen und kannst dich ganz auf die Pferde konzentrieren (und die Koppelgestaltung - auch finanziell).
Beim Heu machen könnte auch da der Bauer euch unterstützen.

Meiner Erfahrung nach finden sie uns "bekennende Nicht-Bauern" mit unserem "Resthof herumgepuzzle" zwar sehr "niedlich", aber meiner Erfahrung nach sind sie auch sehr hilfsbereit, wenn man sie um Rat bittet und um ihre Erfahrungen. Zwar gibt es dann noch immer leichtes Kopfschütteln, wenn man versucht Ihnen klarzumachen, dass man eben NICHT maximalen Ertrag machen möchte, aber wenn man Ihnen glaubhaft Argumentieren kann, dass es die Pferde regelrecht krank machen würde und nur Tierarztkosten verursacht, dann sind sie eigentlich ganz lieb. Meiner Erfahrung nach ist es ganz wichtig (und daran "messen" sie dich dann auch), ob Du "gut zum Land" bist. Halte also alles schier und bitte sie mal um Hilfe und Rat. Die wenigsten beißen. Selbst hier bei uns im wilden Norden. ;-)

@Mettbrötchen: Ich verstehe deine Bedenken - die hatte ich auch. Wichtig ist nur, dass der Harnstoff nicht breitflächig ausgebracht wird, sondern wirklich nur hemmungslos überdüngend an die Wurzel des Sauerampfers gegeben wird. Dieser bekommt dann das Signal zum rasanten Wachstum und verpulvert dabei alle Energie, die er in seinen Wurzeln gespeichert hat. Er wächst sich buchstäblich tot.

Liebe Grüße aus dem nieseligen Norden,
Dine.
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Re: Pferdehaltung im Moor - Erfahrungen?

Post#8by Christina » Sunday 22. January 2012, 13:33

Hallihallo!

Ich habe meine Pony-Pferde-Bande jetzt seit 4 Jahren auf einer solchen Weide gehalten... (zum Glück kamen nach und nach auch trockene Weiden dazu)...
Sicher, es geht.... Man kann alles "hindüngeln", aber es ist mühsam, wenngleich auch idyllisch.
Unsere Weide wird auch noch regelmäßig überflutet (diesen Winter scheint der "See" häufiger zu sehen sein als das Gras), ich hab die Pferde die Wintermonate ausschließlich auf dem befestigten Stück stehen, was aber ja dank Heu- / Heulagefütterung kein Problem ist. Nächsten Winter hab ich sie endlich mit neuen Stall und trockenerem Stück am Haus...
Da meine allesamt sehr leichtfuttrig sind, mussten sie immer nur stundenweise auf die feuchten Weiden, deshalb hatte ich mit den Hufen und Beinen nie Probleme. Das müsste beim Araber aber ja ähnlich sein. Ich würde also unbedingt einen trockenen Bereich mit Futterplatz einplanen, um die Tiere hier stundenweise - vielleicht bei Strohfütterung - "ordentlich" stehen zu haben.
Bei leichtfuttrigen Tieren und Moorweiden ist es eh gut, sie zwischendurch auf Sparflamme zu stellen, wobei da ja immer Achtung wegen der Fresspausen geboten ist, was Du aber sicher weißt, wenn Du Bender liest. ;-)
Mein Fazit nach 4 Jahren Moorweide: Ich hab darüber den Einstieg in die Pferdehaltung (mit dem nachrückenden ganzen Viehzeug) geschafft und möchte diese Zeit deshalb nicht mehr missen, bin aber auch froh, dass ich nun auch andere Möglichkeiten habe....

Viele Grüße, Christina
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