Ich hätte gerne eine Streuobstwiese in S-H, mehrere Fragen

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Ich hätte gerne eine Streuobstwiese in S-H, mehrere Fragen

Post#1by Tobias » Sunday 7. October 2007, 13:56

Moin,

zunächst einmal ich habe mehrmals hin und her überlegt wo ich posten soll. Ich habe nicht so recht ein passendes Forum gefunden. Vll. der Anzeigenmarkt aber da gehört es auch nicht hin. Also nun hier, und falls dir, Herwig, ein besseres Forum einfällt, dann verschiebe mein Post doch bitte dahin.


So, nun aber zu meinem Anliegen.

Ich hätte so gerne eine Streuobstwiese (vorwiegend Apfel) und zwar in Schleswig-Holstein, so grob auf der Achse Kiel- Hamburg, weil da pendel ich hin und her. Nicht zu groß, aber mehr als 2 Bäume ;) . Gerne verwildert und lange nicht gepflegt. Ich haber bisher keine Ahung von Obstbäumen aber dann könnte ich es richtig lernen.

Die Fläche sollte gerne einsam liegen, ich hätte da gerne Ruhe und wenn möglich den einen oder anderen Sommertag Erholung ohne "störende Nachbarn", aber es sollte möglichst mit dem Kleinwagen zu erreichen sein, zumindest wenn es trocken ist. Es solte möglich sein, die Fläche Hundeausbruchssicher zu umzäunen.

Meine Fragen:

Was für Kosten kommen bei solch einer Fläche auf mich zu?

- z.B. Grundsteuer? Ist die anders hoch für solche Fläschen als z.B. ein Stadtgrundstück?

- Muss ich wenn ich da Bäume pflege und abernte ein Gewerbe anmelden? Kommen dann ggf. die Kosten für eine Berufsgenossenschaft o.ä. auf mich zu?

- Ist es möglich auf solch einer Fläche ein Gartenhaus als Unterstand zu errichten oder bspw. einen Bauwagen abzustellen?

- Ist Bienenhaltung in kleinem Rahmen ohne Auflagen (zusätzliche Kosten (im Rahmen der oben genannten)) möglich?

- Gibt es einen groben Richtwert was so ein Grundstück kosten sollte? Bzw. wie hoch sind die Kosten für Pacht? Ist das sinnvoll, wenn man die Fläche langfristig nutzen möchte?


So, das wars erstmal, was mir einfällt. Wär schön, wenn ihr mir ein bischen weiterhelfen könnt.

Ach natürlich, kennt jemand eine Obstwiese die so grob meine Ansprüche erfüllt und zu haben ist??? Wenn ja sagt mir bitte bescheid. Danke


Grüße Tobias
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Post#2by armin » Monday 8. October 2007, 19:02

Hallo Tobias,

tja, dann werd ich mal versuchen, die eine oder andere Deiner Fragen zu beantworten, aber alles kann man nicht so ganz genau vorhersagen und ich selbst weiß schon gar nicht alles . Also:

Eine Obstwiese, wie Du sie suchst, ist im sog. "Flächennutzungsplan"der Gemeinde vermutlich als "Fläche für die Landwirtschaft"eingetragen. Die Grundsteuer darauf ist viel viel günstiger, als die Grundsteuer auf Wohn- oder Gewerbegrundstücke. Mit einer Hand voll Euronen im Jahr bist Du dabei, vermutlich noch nicht einmal zweistellig... Vergiss aber nicht die GrundERWERBsteuer, die beim Kauf anfällt. Sie beträgt - einmalig - 3,5 % des Kaufpreises. Dazu kommen noch Notar- und Gerichtskosten für die Eintragung ins Grundbuch, macht zusammen auch nochmal rd. 3 %. Alles das kannst Du vergessen, wenn Du nur pachtest; keine Steuern, kein Notar und keine Gerichtskosten.

Die Obstwiese liegt mit großer Wahrscheinlichkeit im sog."planungsrechtlichen Außenbereich", d. h. außerhalb des Bereichs der Gemeinde, für den Bebauungspläne erstellt werden. Damit sind Gebäude jeder Art nicht genehmigungsfähig (in Deutschland braucht man ja für ALLES eine Genehmigung). Wenn dann noch Landschaftsschutz besteht, geht gar nichts mehr. Das Bauverbot gilt für alles, was ein Gebäude ist,auch Schutzhütten für Tiere, Gewächshäuser oder Gartenhäuser, wie man sie im Baumarkt kaufen kann. Einziger Ausweg: Wer Landwirt ist, ist"privilegiert" und kann sich betrieblich notwendige Bauten genehmigen lassen. Wenn Du also von einem Landwirt pachtest, kannst Du versuchen, ihn zu überreden, den Papierkrieg anzufangen. Vielleicht macht der das ja...

Einen Gewerbeschein brauchst Du mit Sicherheit nicht, auch dann nicht, wenn Du Dein Obst über den Zaun an Spaziergänger verkaufst. In die Landwirtschaftliche Berufsgenossenschaft muss Du nur, wenn Du dein Geld mit der Streuobstwiese verdienst, halte ich eher für unwahrscheinlich.

Wieviel eine Obstwiese kosten kann, kann ich nur vermuten, vielleicht so zwischen 3 und 10 € je Quadratmeter. Pachten lohnt sich in der Regel, weil Du Dir viele Kosten ersparst und die Pacht sehr günstig ist. Außerdem bist Du dann nicht so gebunden und kannst die Wiese einfach wieder loswerden.

Zur Bienenhaltung kann ich Dir gar nix sagen, aber aus unseren Erfahrungen mit der Hofsuche hier noch ein paar Empfehlungen:

1. Je nach Größe des Grundstücke hat die Landwirtschaftskammer ein Einspruchsrecht, wenn sie durch den Verkauf an einen Nicht-Landwirt eine "ungesunde Landverteilung" sieht. Solche Einsprüche gibt es tatsächlich, wenn ein anderer Landwirt rumjammert, dass er die Fläche auch gern gekauft und für seinen Betrieb benötigt hätte. Sehr erfolgreich sind solche Einsprüche nicht, denn es ist im Grundsatz Sache des Verkäufers, was er mit seinem Eigentum macht und an wen er verkauft. Aber Zeit, Nerven und auch Geld kann es allemal kosten. Auch hier ist Pachten der Ausweg. In Schleswig-Holstein wird die Kammer allerdings erst ab einer Flächengröße von 2 ha angehört, soweit ich weiß.

2. Wenn Du ein Grundstück gefunden hast, schau Dir unbedingt den Flächennutzungsplan der Gemeinde an. Erkundige Dich nach evtl. bestehenden Bebauungsplänen und lass Dir das sog."Baulastenverzeichnis" zeigen. Überall könnten sich unliebsame Überraschungen verstecken. Der Frust ist groß, wenn Du Dich auf Dein ruhiges Grundstück zurückziehst und ne Stunde später rücken in 100 m Entfernung die Planierraupen an, um den nächsten Bauabschnitt der A 20 zu trassieren!

3. Wenn Du wissen willst, ob der Dir genannte Kaufpreis angemessen ist, kannst Du z. B. bei der Geschäftsstelle des Gutachterausschusses für Grundstückswerte nachfragen. Der sitzt in der Regel beim zuständigen Landkreis, nur größere Städte haben einen eigenen.

So, jetzt wünsch ich Dir viel Erfolg bei der Suche. Und lass Dich bloß nicht abschrecken, was Du vorhast ist eine gute Sache!

Gruß
armin
Last edited by armin on Tuesday 9. October 2007, 17:26, edited 4 times in total.
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Post#3by Herwig » Tuesday 9. October 2007, 16:32

Der perfekten Antwort von Armin ist nur wenig hinzuzufügen:

Bienen darfst du halten, wo immer du möchtest, außer in reinen Wohngebieten, dort nur mit Genehmigung, bzw. Einverständnicerklärung deiner Nachbarn.

Ein besonderer Fall ist noch der von dir erwähnte Bauwagen. Weil der Räder hat, gilt der nicht als Gebäude. Aber auch nicht als Wohnmobil, was auf wildes Campen schließen ließe für die Behörden. Ein Bauwagen darf nur 6 Monate an einem Punkt stehen, danach muß er bewegt werden. (sozusagen als Funktionstest) Wenn du den also auf deinem Gelände von alle 6 Monate von vorn nach hinten bewegst ist dem Recht geüge getan.
Das ist der Grund, warum es in Berlin und anderen Großstädten sogenante Bauwagen Burgen gibt, die von Aussteigern und Alternativen benutzt werden, ohne das die Behörden so recht eingreifen können bzw. wollen.
Ein Bauwagen ist eine gute Alternative.
Ich selber habe fast 3 Jahre in einem Bauwagen gelebt und als Schäfer besaß ich einen Bauwagen als Schäferkarre zum Übernachten.
Es gibt nix gemüzlicheres, wenn man den Bollerofen an hat und draußen die Herbststürme den Wagen schütteln und rütteln, der Regen auf das Blechdach trommelt...

Ich kann das als Lebenserfahrung nur empfehlen.

Ich hatte auch einmal ein Teichgelände mit alten Fischteichen und Obstbäumen gepachtet. Das waren 1,5 ha und ich habe zu DM Zeiten dafür 750.- DM per Jahr gezahlt. Wobei man natürlich beachten muß, dass die Teiche als Wirtschaftsteiche angesehen wurden, obgleich ich selber dort nur ein paar Karpfen, Forellen und Aale zur Selbstversorgung großgezogen habe.
Sanitäre Einrichtung war ein Kompostklo und eine Schwengelpumpe, im Winter etwas gewöhnungsbedürftig im Sommer astrein!!
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Post#4by Tobias » Saturday 13. October 2007, 15:09

Vielen Dank für eure wirklich sehr hilfreichen Antworten. Ich bin erst jetzt dazu gekommen, mir das alles einmal wirklich gründlich durchzulesen, daher erst jetzt mein Dank.
Ich bin jetzt wirklich deutlich schlauer, vorher hatte ich 0 Durchblick, nun weiß ich doch bedeutend mehr. Das ist sicher insbesodnere dann sinnvoll, wenn ich eine Wiese gefunden habe und mir der Eigentümer sonst was erzählt. Da ist eigenes Wissen sicher sehr viel wert.

Pachten scheint wirklich eine gute Alternative zu sein. Ich hätte lieber Eigentum, aber mal von der Hürde Kaufpreis abgesehen, ist das sicher viel schwerer als Pacht. Naja erstmal muss ich ja ein Gelände finden, was dem nahekommt, was ich suche.

Ich habe den Eindruck, dass es in den Bereichen wo ich Landwirte gefragt habe (Das was ich suche sieht man ja vermutlich nicht von der Straße), dass es solche Wiesen in der Gegend nicht mehr gibt, oder selbst von den Landwirten vergessen wurden, bzw. so verwildert sind, dass sie nicht mehr als Wiese sondern Wald gelten (nicht rechtlich gesehen sondern in den Gedanken). Ich hab zumindest noch keine verwilderte Wiese mit Obstbäumen bei meiner Suche gesehen, dabei müssten die Apfelbäume duch die Früchte ja auffalen.

Wenn ich keine Baugenehmigungen für ein Dach bekommen kann, ist der Bauwagen scheinbar wirklich DIE Alternative, damit wäre das Problem ja komplett aus dem Weg. Das ja schonmal schön.

Ich spiele jetzt schon mit dem Gedanken, meine Suche Richtung Nord-West-Mecklemburg auszuweiten, evtl. habe ich da das Glück noch günstiger an eine entsprechende Fläche zu kommen, als oben geschildert. Allerdings liegt das doch recht weit ab von meiner Pendel-Route.

Naja erstmal was finden, was theoretisch passen würde. Daher nochmal mein Aufruf erweitern wir ihn jetzt mal auf ganz Norddeutschland (ablehnen kann man ja doch):

Wer eine (gerne verwilderte) Streuobstwiese in Norddeutschland kennt, sage mir bitte Bescheid!!!
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Post#5by armin » Saturday 13. October 2007, 18:44

Hallo Tobias,

bei so einer Suche darfst Du Dich einfach nicht entmutigen lassen. Es braucht einen langen Atem, um zum Ziel zu kommen und man erlebt echt frustige Momente. Das haben wir bei der Suche nach unserem Hof auch gerade alles durch. Trotzdem solltest Du Augenmaß bewahren: Überlege Dir, wie weit Du Deinen Suchradius wirklich ausdehnen willst. Denk auch daran, dass Du auf Deiner Obstwiese mal nach dem Rechten sehen musst, wenn die Zeit knapp ist, oder wenn das Wetter nicht zum Verweilen einlädt. Und irgenwann wird es Dir voll auf den Sender gehen, im ganzen Gebiet zwischen Aurich, Flensburg und Greifswald nach der Nadel im Heuhaufen zu suchen.

Mir scheint es vernünftiger, bei dem ursprünglich angedachten Gebiet zu bleiben. Vielleicht kannst Du mal folgendes versuchen:

  • Unter www.immopool.de werden auch gelegentlich unbebaute landwirtschaftliche Grundstücke in einer eigenen Kategorie angeboten. Man kann Suchprofile mit Kriterien einrichten, dazu gehört auch ein festgelegtes Suchgebiet. Über Neuzugänge, die den vorgegebenen Suchkriterien entsprechen, wird man dann per E-Mail benachrichtigt. Viel gibt es da nicht, aber es werden Flächen zum Kauf und zur Pacht angeboten. Ich denke, den Versuch ist es wert.
  • Stadte und Gemeinden kaufen oft große Flächen im Außenbereich als sog. Ausgleichsflächen für Eingriffe in Natur und Landschaft, die an anderer Stelle vorgenommen wurden (z. B. Straßenbau, Erschleißung von Baugebieten usw.). Nach Durchführung der Ausgleichsmaßnahmen (i. d. R. Aufforstung) verbleiben oft Restflächen, die dann wieder gern verpachtet oder verkauft werden. Frag mal bei den Liegenschaftsämtern nach, ob sie Dir eine Fläche zur Anlage einer Streuobstwiese zur Verfügung stellen können oder sogar eine bestehende Obstwiese anbieten können. Ggf. gibts sogar Fördermittel für die Anlage und Wiederherstellung von Streuobstwiesen. Einfach mal nachfragen.

Wie gesagt, nicht gleich aufgeben, wenns sich hinzieht mit der Suche. Aber frage Dich, ob Du wirklich erst 100 oder mehr km fahren willst, bevor Du in Deiner grünen Oase ankommst.

Viel Erfolgt jedenfalls!!!
armin
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