Kartoffeln

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Kartoffeln

Post#1by Herwig » Monday 22. October 2007, 08:06

Kartoffeln werden jetzt geerntet. Die sind ein ideales Schweinefutter und günstig bis umsonst zu erhalten. Weil sich heute viele Landwirte spezialisiert haben, haben die Kartoffelbauern häufig keine Verwendung für die aussortierten Kartoffeln. Manche sind froh wenn man die abholt und sie sich selber nicht darum kümmern müssen.
Der Biobauer bei uns im Ort freut sich besonders wenn ich komme, weil dann dafür ein einige Dosen Wurst und Fleisch "abfallen".
Füttert ihr auch Kartoffeln?
Gekocht oder roh??
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Post#2by mangalitza » Monday 22. October 2007, 09:16

Ich verfüttere gekochte bzw. gedämpfte Kartoffeln an die Schweine und das Geflügel. Biokartoffeln beziehe ich von einem Discounter, der froh ist, wenn ich die aussortierte Ware abhole. Manchmal geht das palettenweise, weil in irgendeinem Beutel faule und stinkende Kartoffeln sind. Auspacken und sortieren kostet natürlich Zeit, aber die Imagecher freuern sich und das Futter kostet mich nichts.

Warum keine rohen, sondern gedämpfte Kartoffeln verfüttern? Durch das Dämpfen oder Kochen
- wird zum Teil das Solanin (grüne Kartoffeln) zerstört
- wird die Stärke aufgeschlossen
- werden sogenannte Trypsininhibitoren abgebaut (das sind Stoffe, die das Verdauungsenzym Trypsin
ausschalten und damit die Proteinverdauung behindern)

Biomöhren bekommen die Ziegen und Kaninchen. Altes Brot und Teilchen bekomme ich von einem Tankstellenbistro. Brot wird eingeweicht und an Schweine und Geflügel verfüttert. Getrocknetes, hartes Brot bekommen die Ziegen und Kaninchen.
Nachteil: man weiß nie, was man bekommt - Mit Planen ist also nichts!
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Post#3by ranulf » Monday 19. November 2007, 19:58

Moin, Moin.

In meiner Nachbarschaft ist ein großer Kartoffelbetrieb, der Futterkartoffeln für 1-2€ /DZ abgibt. Was muss ich rechnen pro Tag für ca 40 Hühner und was muss ich vielleicht beimischen um eine ausgewogene Ernährung hinzubekommen. Es feht in den Kartoffeln ja an Verfügbaren Eiweiß und zu viel Kartoffeln sollen zu Verfettung führen.

Wie kann ich effektiv dämpfen, ich hab bei der Firma Hapex zwar Dämpfer gesehen, die sind mir im Moment aber noch zu teuer.

Wer kann mir weiterhelfen?

Gruß Ranulf
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Post#4by Rouven » Tuesday 27. November 2007, 16:26

Hallo Ranulf,
Kartoffeldämpfer findest du öfter mal bei ebay, sowohl elektrische als auch welche, die du mit Holz befeuern kannst um das Wasser zum Kochen zu bringen. Die elektrischen kommen sehr oft aus den neuen Bundesländern, teilweise unbenutzt.

Gruss Rouven
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was muss ich für Hühner noch tun an Futter

Post#5by steinadlerehemann » Wednesday 5. December 2007, 21:57

Hallo Ranulf,
unsere Hühner bekommen
- Weizen zur freien Verfügung
- während der Aufzucht selbgemischtes Futter, wo Luzerne mit drin enthalten sind
- einen extra Topf mit Kalk - Grit - Bierhefe - Aktivkohle oder auch Holzkohle - Vitamine
und diesen Topf ebenfalls zur freien Verfügung
Nebst den o.g. ist es wichtig, dass im Winter auch zugefüttert wird.
Sie bekommen
- geraspelte Äpfel und Möhren
- gekochte Kartoffeln
- Futterrüben / bitte nur die gelben und roten, da die weißen Kalkzehrer sind
- ab und an Schrot
- Maiskolben verfütter ich meist nur sehr wenig, da sonst schnell gemästet würde.

Wenn Du das Futter selber herstellst, kannste auch Ackerbohnen verfüttern.
Da hierdurch das Eiweiß besser gedeckt ist.

Wenn Du aus den Märkten bei Dir in der Nähe auch Gemüse (blätter u.a.) erhältst,
wäre es nicht schlecht, da Gras jetzt kaum vorhanden ist, und wenn, keinen Nährwert mehr
hat.
Im Garten könnteste Grünkohl, Mangold, Kresse u.a. angebaut haben, was gut für den Winter ist. Bedingt fressen sie auch Rosenkohl.

In der freien Natur wächst auch noch genügend, ich würde auch mal Hagebutten oder Schlehen geben, nur nicht so viel - da sonst Durchfall droht.
Brennessel wachsen immer - sie sind sehr gut als Futter. Frisch oder getrocknet.

Hast Du noch mehr Fragen, dann melde Dich einfach.
Liebe Grüße
Christiane
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Post#6by Herwig » Thursday 6. December 2007, 17:58

Zur Kartoffelverfütterung an Schweinen gibt es eine interessante PDF Datei.
Ein bekannter von mir haut alle Kartioffeln roh durch einen Gartenhächsler und siliert das dann in Tonnen mit Mais. Angeblich soll der Futterwert so den gedämpften Kartoffeln nur sehr gering nachstehen. Weil sich durch das zermanschen der Kartoffeln Zuckermolekularketten bilden um die Wunden zu vrschließen.
Wie dem auch sei, hier die Datei:
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Post#7by ranulf » Friday 7. December 2007, 19:44

@steinadlerehemann

Vielen Dank für Deine ausführlichen Futterbeschreibung. Ich komme von Haus eigentlich aus der "konventionellen Landwirtschaft" und muss immer alles versuchen zu bererechnen. Aber dabei zeigen mir gerade meine Ramelsloher, mit wie wenig die auskommen, wenn man Ihnen nur die Gelegenheit bietet, ihr Futter zu suchen. Die Lachshühner sind "gefrässiger" was das Mischfutter angeht. In der Regel brauchen sie die doppelte Menge.Ich konnte es gut messen, da die Zuchtstämme der Ramelsloher doppelt so groß war.

Zum dämpfen werde ich es erstmal mit einem Zwanzig Liter Topf auf unserem Holzherd probieren. Wenn vielleicht die Zucht größer wird (Schweine?) kann ich mich ja immer noch um einen Dämpfer umsehen.

Das mit den getrockneten Brennesseln habe ich schon mal probiert, leider sind sie mir weggebrösslt. Dieses Jahr will ich sie mal auf Reutern setzen und mit Plane abdecken, vieleicht geht das ja besser.

schone Grüße
Ralf
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Post#8by steinadlerehemann » Thursday 24. January 2008, 01:00

Hallo Ralf,
ich habe die Brenesseln in Leinensäcke (wo auch noch genug Luft durch kommt) aufbewahrt.
Hagebutten habe ich in Tontöpfen aufbewahrt, Schlehen eingefroren.
Einwecken würde auch gehen, aber ich glaube, dass das schon ein bißchen zu viel des Guten
wäre - nur für die Tiere meine ich. Obwohl ich immer versuche, sie im Winter abwechslungsreich
zu füttern.
Das mit dem Vergleichen bei den Ramelslohern und den Lachsen finde ich interessant, da ich die
ganze Zeit liebäugeln tu, welche von den bedrohten Hühnerrassen ich mir denn zulegen möchte.
Kannste mir Ramelsloher empfehlen???

Hallo Ihr Lieben,
Hat hier noch jemand anders Vergleiche bei anderen Rassen, wie sie auch in der Praxis legen, wieviel
in etwa usw. Wie ist es mit dem Bruttrieb, ja, und wie ist das Schlachtgewicht...., sind sie eifrige Futtersucher...

So - machts hübsch. Bis denne
Christiane
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Post#9by Herwig » Friday 25. January 2008, 17:51

Mein Großvater hat Brennessel immer in einem alten Bettbezug in den Schuppen gehängt, dann kommt Luft ran, aber auch die gebröselten Blätter fallen nicht raus. Die schmeißen wir immer in den Schweinetrog mit etwas Wasser.

@Christiane
Mit der richtigen Rasse musst du schauen. Es muß, so finde ich, auch der "Funke überspringen". Jedes Zweinutzungshuhn hat seine Vor- und Nachteile und vermutlich werden immer die Züchter einer bestimmten Rasse auch von ihrer Rasse überzeugt sein.
Ich schwör natürlich auf Lachshühner, weil die einen wirklich guten Braten geben. Ich kann die aber gar nicht mit Ramelslohern vergleichen, weil ich die noch nie hatte oder gar gegessen habe.
Du solltest dir eine Rasse aussuchen, die du schön findest und dann versuchen das Betse draus zu machen.
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Re:

Post#10by Claudia » Tuesday 14. October 2014, 06:26

Hier in der Region ist dieses Jahr ein absolutes Kartoffel-Überschuss-Jahr. Da aber jeder Landwirt nicht soviel bringen darf wie sein Acker hergibt, muss er Quoten einhalten. das heißt bei zuwenig Ertrag Strafe zahlen, bei Mehrertrag der gleichen Fläche bleibt er drauf sitzen oder kann sie weit unter Herstellungskosten verkaufen oder sonstwie entsorgen.da fallen pro Hof schnell 50-80-1000 Tonnen Kartoffeln an, die nun in den Scheunen liegen.

Wenn jemand Futterkartoffel hier aus der Ecke sucht- ich hätte da eine Kontaktadresse, ansonsten einfach mal in der Umgebung nachfragen.

Ich werde den Überschuss nutzen und dieses Jahr ein paar Ferkel auch anderer Rassen mehr mästen. Das freut die Züchter der Rassen und ich kann die geschmackliche Vielfalt einer Tierart anbieten.Mal schaue wie das angenommen wird.

Die Sache mit dem silieren finde ich auch spannend, weiß aber gar nicht wo ich soviel Tonnen herbekommen und lagern sollte, hat das schon mal jemand auf Fläche ausprobiert, so wie Maissilage? Müssen die dafür gedämpft sein?

Herwig wrote:Zur Kartoffelverfütterung an Schweinen gibt es eine interessante PDF Datei.
........
Wie dem auch sei, hier die Datei:
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der Link hat sich geändert:http://www.inforama.vol.be.ch/inforama_vol/de/index/beratung/beratung/tierproduktion/schweinehaltung.assetref/dam/documents/VOL/Inforama/de/Dokumente/Beratung/Tiere/Schweine/kartoffeln-im-schweinetrog.pdf
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Re: Kartoffeln

Post#11by Jaegertom » Tuesday 14. October 2014, 12:35

Bei den Kartoffeln gibt es auch was zu beachten. SolaninVergiftung.
Leider bei mir schon mal vorgekommen durch meine rotgrün-Blindheit. Seither lasse ich alle Kartoffeln auf grün kontrollieren.
Die Sau konnte im letzten Moment noch gerettet werden

Vergiftungserscheinungen, welche sich in Durchfall, Übelkeit, Benommenheit, Angstzustände, Atemnot, Bewusstlosigkeit und Krämpfe äußern. Giftig an der Kartoffel ist nicht die unterirdische Knolle, sondern die Kartoffelpflanze mit ihren oberirdischen Früchten (aufgrund ihres hohen Solaningehaltes), aber auch noch grüne (unreife) bzw. keimende Kartoffeln.
Diese dürfen nicht verfüttert werden!
Kartoffeln gehören zu den Nachtschattengewächsen.
Solanin entsteht übrigens auch in geschälten Kartoffeln, die Licht ausgesetzt sind. Die Bildung von Solanin soll den Fäulnisprozess der Kartoffel blockieren.
Gekochte Kartoffeln sind wegen ihres hohen Gehaltes an Stärke ein hervorragendes Mastfutter. Stärke aus rohen Kartoffeln können Schweine nur zu rund 20% verwerten. Sie sind also roh ein gesundes, aber nicht fett machendes Nahrungsmittel. Link dazu:
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Last edited by Jaegertom on Wednesday 15. October 2014, 21:49, edited 1 time in total.
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Re:

Post#12by Conny » Tuesday 14. October 2014, 14:36

mangalitza wrote:Ich verfüttere gekochte bzw. gedämpfte Kartoffeln an die Schweine und das Geflügel. Biokartoffeln beziehe ich von einem Discounter, der froh ist, wenn ich die aussortierte Ware abhole. Manchmal geht das palettenweise, weil in irgendeinem Beutel faule und stinkende Kartoffeln sind. Auspacken und sortieren kostet natürlich Zeit, aber die Imagecher freuern sich und das Futter kostet mich nichts.

Warum keine rohen, sondern gedämpfte Kartoffeln verfüttern? Durch das Dämpfen oder Kochen
- wird zum Teil das Solanin (grüne Kartoffeln) zerstört
- wird die Stärke aufgeschlossen
- werden sogenannte Trypsininhibitoren abgebaut (das sind Stoffe, die das Verdauungsenzym Trypsin
ausschalten und damit die Proteinverdauung behindern)

Biomöhren bekommen die Ziegen und Kaninchen. Altes Brot und Teilchen bekomme ich von einem Tankstellenbistro. Brot wird eingeweicht und an Schweine und Geflügel verfüttert. Getrocknetes, hartes Brot bekommen die Ziegen und Kaninchen.
Nachteil: man weiß nie, was man bekommt - Mit Planen ist also nichts!


Ist zwar schon etwas älter, deshalb aber nicht weniger interessant. Hartes Brot ist weder für Ziegen noch für Kaninchen geeignet. Der Ziegenmagen-Pansen ist dafür einfach nicht geschaffen. Bei Kaninchen ist es einfach nur ein reines Mastfutter und der Magen-Darmtrakt ist auf Brot nicht eingestellt. In beiden Fällen kann es schnell zu argen Problemen führen, bei Ziegen eher als bei Kaninchen.

Bei Geflügel nicht vergessen, dass Kartoffeln und auch Brot ein reines Mastfutter darstellen, für Zuchttiere absolut nicht geeignet.

LG Conny
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Re: Kartoffeln

Post#13by schnuckened » Tuesday 14. October 2014, 20:33

Nun schmeißt aber nicht gleich alle grünen Kartoffeln weg oder sucht akribisch nach dem grünen Keimchen. Hier mal ein Nachteil von "Alten Sorten" , bei älteren Kartoffelsorten ist der Solaningehalt wesentlich höher als bei Neuen, der wurde im laufe der Zeit einfach weg gezüchtet. Auch ist das Grüne nicht das Solanin, sondern ganz normale in der pflanzlichen Zelle befindliche Chloroplasten. Die Grünverfärbung also nur ein Anzeichen von Lichteinwirkung, weniger ein Anzeichen von Solanin. Das dieses aber auch vorhanden ist und bei Lichteinwirkung verstärkt gebildet wird ist klar!

Grüße

Ed
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Re: Kartoffeln

Post#14by Claudia » Wednesday 15. October 2014, 06:22

Die Menschen (und Schweine) lebten früher sehr gefährlich.:biggrinn:

Nebenbemerkung:
Soalnin wird nicht durch Hitze zerstört sondern geht in das Kochwasser über. das heißt nur dämpfen kann riskant sein, besser die Kartoffeln schwimmen lassen und das Wasser entsorgen


Abgesehen davon habe ich festgestellt das meine Schweine bei rohen Kartoffeln Bitterstellen gar nicht mitfressen, sondern aussortieren und liegen lassen.
Entweder sind sie noch besonders instinktiv gesteuert oder es ist eine Sache der Menge des Futterangebotes
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