Geflügelfütterung vor ...... 100 Jahren

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Geflügelfütterung vor ...... 100 Jahren

Post#1by Georg » Tuesday 6. January 2009, 21:21

Hallo Leute !


Möchte mal nachfragen bei Euch, ob jemand Überlieferungen hat über die Geflügelfütterung vor naja ca. 70 - 100 Jahren.
Hier würden mich mündliche Überlieferungen (Oma, Opa, Ur ....) aber auch Quellen aus der Literatur von damals interessieren.



Ich freue mich auf Eure Antworten !

Viele Grüße

Georg
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Post#2by Herwig » Wednesday 7. January 2009, 16:04

Hallo,
ich kann nur Wissen beisteuern das ich vor 45 Jahren von meinen Großvätern bzw.- müttern gehört und übernommen habe.
Vermutlich wirst du das aber nicht wissen wollen, es geht eher um Leistungsfüttern, richtig??

Ich bin auf den zwei kléinen Bauernhöfen meiner Großeltern groß geworden. Auf diesen Höfen und den andern die ich damals so durch meine Spielkameraden kannte, gab es Geflügel, mal mehr und mal weniger.
Um die Fütterung wurde sich selten ein "Kopf gemacht" es gab zwar einen Geflügelstall, den aber nur, damit man die Eier oder Küken nicht groß suchen musste auch war das von Vorteil wenn man schlachten wollte. Einfach Tür zu abends und morgens die Tiere im geschlossenen Stall gefangen. Wegen des Raubzeuges wurde sowieso abends der Stall geschlossen.

Die Fütterung war ziemlich gleich: Die Hühner und Enten bedienten sich an den Schweinetrögen, Katzenfutternäpfen mit Essenresten, zerstreutes Futter verschiedener Art auf dem Hof, die Eiweißversorgung wurde vom Misthaufen durch Regenwürmer gedeckt. Auch anderes Fliegzeug war willkommendes Eiweisfutter. Weiterhin gab es schlechte Mich oder Milchwasser von den Kühen etc. Wenn man sich richtig Mühe gab, gab es jeden Tag noch eine Handvoll Weizen oder Gerste. Es war halt früher vieles unkomplizierter auf einem kleinen Bauernhof. Und ist tatsächlich mal ein Huhn umgekipt, wurde das auf dem Dung verbuddelt. Heute steht dir quasi 20 Minuten später die vermummte GSG9 auf dem Hof...
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Post#3by Georg » Wednesday 7. January 2009, 17:34

Hallo Herwig,

Danke für Deine Antwort. Wie Du richtig vermutet hast würde mich ganz speziell die Leistungsfütterung interessieren.

Um die Jahrhundertwende gab es ja schon die Legerassen wie z.B. Italiener, Ramelsloher, oder auch die reinen Masthühner, wie meine Mechelner (die ja damals schon in sog. "Masthuhnanstalten" gezüchtet und gemästet wurden) oder auch eben die reinen Asiaten, wie Brahma, Cochin, etc., die von den "Kolonialherren" eingeschippert wurden.
Hier würde mich die Bedarfsdeckung mit Eiweiß aber auch Mineralstoffen interessieren.
Ich habe schon aus alter Literatur zur "Normalen" Hühnerhaltung Futtermischungen mit Kleie, Kartoffel, etc. gelesen hier würde aber ein Legehuhn oder auch ein Zuchttier der schweren Rassen verfetten.

Also wer etwas hat bitte kurz schreiben !


VG

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Post#4by Herwig » Wednesday 7. January 2009, 18:47

Dacht ichs mir doch...

Aber wenn du generell etwas herausbekommst über die Eiweisversorgung oder Futtermischungen aus der guten alten Zeit, wäre das hier natürlich auch interessant.
Ich vermute das damals Bohnen, Erbsen und Kartoffeleiweis die führenden Lieferanten waren.
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Post#5by smallfarmer » Thursday 8. January 2009, 13:51

Hallo Georg

Hab da was für dich. Immer wenn ich ein paar Euros über hab guck ich mal im Antiquariat. Eines ist von 1925 , das zweite ist ein bisschen jünger. Rassebeschreibungen , viele alte Bilder der Lehr- und Versuchsanstalt Halle Cröllwitz. uvm.
Muß mich aber absolut darauf verlassen können, daß sie den Heimweg wieder finden!!

Ein aktueller Tip was betriebseigene Futtergrundlagen möglichst sojafrei angeht. Guck mal bei
themodernhomestead.us. Harveys Homepage ist da eine saugute Infoquelle.

All the best
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Post#6by Georg » Thursday 8. January 2009, 21:20

Hallo smallfarmer !

Danke für die Info ! Ist eine klasse Homepage.

Das mit den Büchern: Ist das ein Angebot diese mal zu bekommen ? Wäre schon sehr interessiert !

VG

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Post#7by chook » Friday 9. January 2009, 00:43

Hallo Georg,
Schau mal hier: *** The link is only visible for members, go to login. ***

Aus dem Institut für Tierernährung der Tierärztlichen Hochschule Hannover

Beitrag zur Geschichte der Ernährungsforschung beim Haushuhn (bis 1950)
(Futtermittel, Verdauungsphysiologie, Energiehaushalt,
Eiweiß-, Mineral- und Vitaminstoffwechsel)

INAUGURAL-DISSERTATION
Zur Erlangung des Grades einer Doktorin der Veterinärmedizin
(Dr. med. vet.)
durch die Tierärztliche Hochschule Hannover
Vorgelegt von
Katja Wiemann
aus Gütersloh
Hannover 2005
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Post#8by Georg » Friday 9. January 2009, 21:06

Hallo Ute !

Sehr interessant !!! und umfangreich !

Hallo Herwig (und alle die dieses Thema interessiert natürlich): Hier wird sehr detailliert beschrieben, wie gefüttert wurde. Ab Seite 16 und dann ab Seite 190 sehr lesenswert !
Für mich persönlich wichtiges Resultat: Es wird schon zu dieser Zeit stets ein guter Anteil tierisches Eiweiß gereicht. Dann weiterhin: Das Huhn ist kein reiner "Getreidefresser" - Weizen, Gerste, Mais - sondern nimmt viele kleinere Sämereien auf. Dadurch deckt es die benötigte Energie auch über Felle und Öle, nicht nur über Stärke und Zucker.

VG

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Post#9by chook » Friday 9. January 2009, 23:56

Georg wrote: Hier wird sehr detailliert beschrieben, wie gefüttert wurde. Ab Seite 16 und dann ab Seite 190 sehr lesenswert !

Es ist der beste Literaturüberblick, der mir bislang begegnet ist. Schön, dass es Dir weiterhilft.
Für mich persönlich wichtiges Resultat: Es wird schon zu dieser Zeit stets ein guter Anteil tierisches Eiweiß gereicht.

Ich habe etliche alte, britische Geflügelbücher von vor etwa 100 Jahren und mehr. Es ist schon erstaunlich: in jedem Futterrezept taucht Fleischmehl und Knochenmehl in nicht unerheblichen Anteilen auf. Der Hammer war (in Lewis Wright's "The Poultry Book" von 1910) die Beschreibung einer (sehr grossen) Zuchtanlage für Hühner, in der jede Woche ein ganzes Pferd zu Hühnerfutter verarbeitet wurde :|
Heutzutage Fleischmehl und Knochenmehl zu verfüttern ist ja eine etwas andere Nummer, aber ich habe mir vor ein paar Jahren eine Knochenquetsche Marke 'Hühnerfreund' auf ebay gekauft und verarbeite damit wenigstens die Knochenreste unserer eigenen Ziegenkitze zur grossen Freude der Hühner.

Die Eiweissversorgung der Hühner ist aber durchaus mit [heimischen] Eiweisspflanzen abdeckbar. Dazu gibt es vor allem aus Kreisen der Forschung für den biologischen Landbau diverse Studien.
(siehe unter *** The link is only visible for members, go to login. ***)

LG
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Post#10by Georg » Sunday 11. January 2009, 05:42

Hallo Ute !

klar der reine Eiweißbedarf (essentielle Aminosäuren) ist, denke ich, schon mit einheimischen Pflanzen abdeckbar (ist ja auch beim Menschen-Vegetarier möglich).
Dennoch sind 1.) die "Nebenwirkungen " von Hülsenfrüchten (auch beim Menschen) bekannt und zum 2.) ist es aus meiner Sicht nicht so einfach an diese Alternativen dranzukommen. Und nicht jeder kann sich die Ration daraus selbst berechnen. Die Industriefutter setzen halt noch auf Soja weil es einfach von der Wertigkeit sehr hoch ausgestattet ist und eben auch in entsprechenden Mengen auf dem Weltmarkt gehandelt und verfügbar ist. Aber warten wir mal ab ob in einiger Zeit nicht wieder der Fleisch/Tiermehl/Federmehl/Blutmehl......einsatzt "günstiger" wird.

Aber das mit dem Pferd füttern ist schon ein Ding ! Wow ! Nicht dass wir jetzt die Reitersleute unter uns erschreckt habe .......... wenn mal ein Huhn am Wegesrand pickt ...........

Viele Grüße

Georg
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Post#11by CRESCATORUL » Sunday 25. January 2009, 18:54

fleischmehl kann durch trockenmilchpulver ersetzt werden, ausserdem verwende ich bis zu 10% sonnenblumenkerne neben weizen und mais. in der winterzeit wenns richtig kalt ist verwende ich auch weizenkleie, gemahlenes heu (heumehl) und trockenes brot die ich in heisses wasser gebe und dann lauhwarm verfuettere (die huehner legen mehr eier dadurch) fuer die dotterfarbe gebe ich rotes suesses paprikapulver dazu
auch zerkleinerte eierschalen verfuettere ich an die huehner damit auch das calcium gesichert ist

im sommer bekommen die huehner auch gruene kuechenabfaelle und natuerlich viel auslauf auf der gruenflaeche
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Post#12by Lines » Saturday 14. March 2009, 21:55

Moin,

bitte nicht steinigen, aber wir haben jetzt für unsere 7 Seidenhühner mal Katzenfutter aus der Dose gestestet Image

Die sind darüber regelrecht hergefallen Image, obwohl sie freien Auslauf (4000qm!) haben und Kleingetier und Regenwürmer satt finden.
Die eine Ente, die uns noch geblieben ist, übrigens auch...

Sonst gibts Hühnerkorn (muß nicht mehr unbedingt sein, da von Raiffeisen und damit eh genetisch belastet Image...), Obst, Reis, Haferflocken, Sittichfutter, gekochte (eigene) Eier und deren kleingemahlene Eierschalen...

Alles andere sollen sie sich im Garten bzw. auf der Weide selbst holen, klappt auch sehr gut!

Gruß Lines
Die meisten Tiere haben Besitzer - Ziegen haben Personal :eyes:
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Post#13by steinadlerehemann » Friday 3. April 2009, 12:34

Hallo Lines,
steinigen tun wir ier niemanden.
Und - Katzenfutter ist sehr proteinhaltig, was die Hühnis ja benötigen.
Wenn Du siehst, dass sie darüber herfallen, gib ihnen Kartoffeleiweiß oder Bierhefe, meinetwegen
im Schrot, damit sie es auch fressen.

LG
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Post#14by Januschka » Saturday 17. October 2009, 17:11

Moin!

Jetzt in der Jagd- und Schlachtsaison bekommen unsere Hühner Abfälle davon, zumeist gekocht, aber nicht immer. Schafdärme, Kaninchenknochen, Elchleberreste usw. Für die, die nicht selbst sowas haben, gibt es vielleicht einen Kontakt zum lokalen Supermarkt/Schlachter/Jäger.. Dazu der normale Freilauf, saure Milch/Molke, etwas Getreide, eigene Eierschale, Essensreste. Und als einzige hungern Komposter und Retriever Image

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Post#15by Frankenvieh » Saturday 17. October 2009, 20:09

Das mit den Abfällen ist so eine Sache die verboten ist. Das Vet. Amt hatte sich angekündigt und Vicki ist schnell umhergeschnickst und hat all die verbotenen Sachen verschwinden lassen. Einen winzigen Knochen hatte ich übersehen, nur leider der Amtsvet nicht uuuuuuäääääh der hat vielleicht ein Gesicht gemacht...... "och den hat bestimmt mein Hund verloren"ImageImageImage
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Post#16by Frankenvieh » Saturday 17. October 2009, 20:11

Was meine Hühner absolut lecker finden ist dicke fette Biestmilch. Die zweige ich mir von den Färsen im Stall ab und lasse sie sauer werden. Wie die HaifischeImage
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Post#17by Januschka » Saturday 17. October 2009, 21:28

Tjaja, das ist wie im wirklichen Leben.. das Verbotene ist immer am besten Image

Wenn ich Euch so lese.. habe ich es hier echt gut. Hier kräht kaum ein Hahn danach, was der nachbar macht, geschweige denn ein Amt. Dafür gitb es einfach zu viele verstreute Selbstversorger, das wär zu teuer hinter denen herzuspionieren.

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Papas Buch

Post#18by Schifferhuhn » Sunday 20. December 2009, 11:50

Hallo,

mein Vater ist Agraringenieur und hat mir sein Lehrbuch vermacht.
Da sin Futterpläne für alle Haustierarten drin.

Es ist von 1954 und heißt: Landwirtschaftliches Lehrbuch vom Verlagsbuchhandlung Eugen Ulmer.

Darin ist ein Kapitel über Geflügelzucht und Haltung.

1. betriebswirtschaftliche Überlegungen
2.Witschaftsrassen
3.Bestandverjüngung
4.Kükenaufzucht
5. Aufzuchtskrankheiten
6.Haltung, Fütterung von Legehennen
7.Geflügelkrankheiten
8. Ausmerzen
9. Wassergeflügelhaltung
10.Verwertung

Vielleicht mal im Antiquariat oder bei ebay oder per Kopie zu bekommen

Gruß

Ute
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