Indigo / Färberwaid

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Indigo / Färberwaid

Post#1by Daniel » Monday 4. February 2008, 20:42

Waid ist eine 2-jährige Pflanze, die nicht aus Europa, sondern Westasien stammt. Dennoch wird sie schon lange bei uns angepflanzt(Im Elsass und in Thüringen bereits seit dem 13. Jahrhundert als stark kultivierte Pflanze), erste Erwähnungen finden sich bereits im Bello Gallico(dort als wild wachsende Pflanze).
Gesichert ist aber definitiv der Anbau von Waid in Klostergärten. Auch ergibt sich aus dem eigenen Berufsbild des Blaufärbers, dass Waid stark angebaut werden musste. Hierher kommt auch das Sprichwort des "Blaumachens", denn nach getaner Färbearbeit müssen die Tuche an der frischen Luft aushängen, damit der gelbliche Ton, den sie haben, wenn sie grade frisch aus dem Färbesud kommen zu blau oxidiert.

Der Anbau von Waid ist recht einfach(obwohl leider auch Nacktschnecken es auf ihn abgesehen haben), denn er ist sehr genügsam und recht ergiebig.
Die Pflanzen sollten schon einen Wachstumsradius von 25-30 cm bekommen, sie wachsen zwar auch auf geringerem Platz, dann werden die Blätter aber nicht so groß und auffächernd, was die Ergiebigkeit beeinträchtig.
Wenn man Samen haben möchte benötigt man nur 2-3 Pflanzen um ein ganzes Kaffeeglas zu füllen(ist mir so ergangen).

Zum Färben werden nur die Blätter verwendet, die aber erstmal einer langwierigeren Prozedur unterzogen werden müssen, bis der Farbstoff sich entwickelt und gelöst werden kann.
Dazu werden die Blätter direkt am Ansatz abgeschnitten, der Rest bleibt stehen(das ganze geschieht im 1. Jahr, ca im Juni-Juli), damit die Pflanze nochmals austreiben kann und entweder einen 2. Ertrag oder aber noch Samen liefern kann(im 2. Jahr).#

Auch wenn Waid zu spät ausgesäht wird, das macht nichts, denn durch die 2- jährigkeit erntet man dann eben erst im nächsten Jahr.(auch schon getestet, funktioniert).

Wer noch fragen hat kann die gerne stellen, wer nun Lust auf den Waidanbau bekommen hat kann sich auch gerne melden, denn ich habe noch ein ganzes Kaffeglas voller Samen.
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Post#2by klosterbauer » Monday 4. February 2008, 23:30

Hey Daniel,

das ist ja echt spannend. Find ich toll - wäre ich sogar interessiert. Allerdings komme ich in diesem Jahr wg. geplantem Stallbau nicht zum Anbau. Auch stellt sich die Frage:
1. Wo findet man Menschen, die die Pflanzen dann zum Färben nutzen wollen
2. Wie haltbar ist solche Färberei und klappt das dann auch mit Schafwolle.

Ich könnt mir schon vorstellen, ein wenig Platz zu machen wir ein solches Mini-Äckerchen.

Sprich doch mal.

Beste Grüße aus dem Bergischen von
Peter
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Post#3by Biela » Tuesday 5. February 2008, 08:31

Zu deiner ersten Frage:
Hier! Wir Mittelalter-Leute würden gerne mit sowas färben! Zumindest die, die sich für eine möglichst genaue Darstellung interessieren. Denn Waid ist momentan kaum zu bekommen oder einfach zu teuer - und nur im Ausland, meines Wissens. Die Frage ist allerdings, ob man den noch so verarbeitet bekommt, wie damals im Mittelalter (ich hab nämlich zb. keine Ahnung, wie der vorbereitet werden muss zum färben). Ich kenne leider keine Anleitungen - denn die Hersteller des Waid damals haben natürlich ein Geheimnis daraus gemacht.

2. zur Haltbarkeit
Waid ist wie Indigo ein Küpenfarbstoff. Diese müssen vergoren und mit verschiedenen Chemikalien in ein ein wasserlösliches Salz (Indigoweiß) umgewandelt werden. So verbinden sich mit den gefärbten Fasern und haben eine ziemlich starke Deckkraft. Durch Oxidation an der Luft oder spezielle Oxidationsmittel (bei Indigo oder Waid = gleicher Farbstoff - reicht die Oxidation an der Luft) wird der Farbstoff wieder in seine ursprüngliche unslösliche Form verwandelt und ist nicht mehr auswaschbar (bis auf Überschüsse).

Zum Färben auf unterschiedlichen Stoffen ist zu sagen:
Färben auf Wolle funktioniert bestens, Tierhaare wie Wolle und Seide nehmen die Farbe besonders gut auf und speichern sie in den Zwischenräumen der Fasern.
Leinen und Baumwolle dagegen lassen sich mit Küpenfarbstoffen zwar recht gut färben, mit allen anderen Farbstoffen allerdings kaum, ohne die Fasern durch Beize im Vorhinein stark aufzubrechen. Dadurch wird allerdings der Stoff schneller kaputt und kann bald reißen. Beizt man den Stoff nicht in dem Maße vor, werden die Farben sehr blaß, wenn sie überhaupt aufgenomme werden und verblassen schnell.

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Post#4by Daniel » Tuesday 5. February 2008, 08:46

d ist nicht mehr auswaschbar

Stimmt so nicht ganz.
Waidindigo(der chemische Farbstoff ist wenn ich mich recht entsinne der selbe wie beim chemichen Indigo) wäscht sich auch mit der Zeit raus, genauso wie der Chemie Indigo, was man sehr gut an Jeans sieht, denn diese werden damit gefärbt. Im großen Stil auf Chemie Ebene eben.

Zur Weiterverarbeitung der geernteten Blätter kann ich heute Abend mal was schreiben. Wenn ich meinen Waidballen finde mache ich das dann mit Foto.
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Post#5by Biela » Tuesday 5. February 2008, 09:13

Stimmt auch wieder.
Aber - das sind normalerweise immer noch Überreste, die sich nicht richtig um die Fasern gelegt haben, meine handgefärbten Indigostoffe verlieren keine Farbe mehr beim Auswaschen, deine schon? Er färbt halt anfangs noch auf die Haut ab, da Indigo/Waid zwar als lichtecht und waschecht, nicht aber als reibecht gilt, das gibt sich aber mit der Zeit ebenfalls noch.

Die chemischen Farben, die heute für Jeans verwendet werden, sind aber mit den natürlichen Stoffen aus Indigo/Waid nicht vergleichbar, denn sie werden normalerweise chemisch aus Ölbestandteilen hergestellt, wenn ich mich noch recht entsinne (ich frage heute abend nochmal mein Buch dazu und geb genauer Bescheid).
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Post#6by Daniel » Tuesday 5. February 2008, 11:21

wenn du die stoffe mit der hand lauwarm wäschst geht nichts mehr, bzw. nur verschwindend geringe mengen raus.
Wenn man sie in der Maschine waschen würde gehts genauso wie bei Jeans.
Aber da Maschinenwäsche bei selbstgefärbten Stoffen eh nicht zu empfehlen ist passiert da kaum was.


Zitat aus Wikipedia zum Indigo(nicht von mir selbst verfasst, den ganzen Artikel gibt es bei: *** The link is only visible for members, go to login. *** ):

1878 gelang erstmals die vollsynthetische Herstellung von Indigo aus Isatin durch den deutschen Chemiker Adolf von Baeyer.Seit 1897 wird synthetischer Indigo kommerziell vertrieben und hat dieIndigoproduktion aus pflanzlichen Rohstoffen fast völlig verdrängt. DieVorteile der synthetischen Indigogewinnung sprechen für sich:farbkräftigere Ergebnisse, eine leichtere Dosierung, keineErnteabhängigkeit und keine wechselnden Farbqualitäten.
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Post#7by Herwig » Tuesday 5. February 2008, 15:04

Da ich mich ja dem Mittelalter nicht ganz so verschrieben habe wie ihr und mein Hauptinteresse der Nachhaltigkeit und dem Naturschutz gilt habe ich mal eine Frage:

Zum Zitat von Wikipedia fiel mir spontan ein, das mal wieder die Vorteile des chemischen Nachbau´s eines Stoffes gelobt wurde, von den Nachteilen kein Wort!
Ich halte eigentlich grundsätzlich wenig von derartigen Errungenschaften der sogenannten Zivilisation. Nicht nur der Energiebedarf und CO2 Ausstoß für diese "Nachbauten" ist enorm, auch die Umweltbelastung durch die eingsetzten Chemikalien, in der Herstellung wie in der Entsorgung, schätze ich hoch ein. Wobei doch
Waid auf einem Acker CO2 binden würde...



Weitere Nachteile des syntetischen Indigos sind die Allergenen Stoffe. Letzlich mag die wechselnde Farbqualität ein Vorteil sein, den ich aber so nicht sehe. Individuelle Farbgebungen finde ich interessanter und mit weniger uniformen Assoziationen belegt.


Wenn ich jedoch so lese, das auch verschiedene Chemikalien zur Oxidation der mit Waid gefärbten Tuche nötig sind, stellt sich mir die Frage, ob ein einfaches flachsgrau nicht auch sehr schön sein kann? Image
Mal im Ernst, welche Chemikalien hat man denn im Mittelalter benutzt, um Tuche oxidieren zu lassen?
Und um welche Chemikalien handelt es sich hierbei, (vergären ist ja noch ok):
"Waid ist wie Indigo ein Küpenfarbstoff. Diese müssen vergoren und mit verschiedenen Chemikalien in ein ein wasserlösliches Salz (Indigoweiß) umgewandelt werden."
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Post#8by Daniel » Tuesday 5. February 2008, 16:00

Es gibt 2 Wege mit Indigo zu färben, der eine, mit den Chemikalien(Natriumhydrosulfit und Natronlauge werden benötigt) oder ein anderer, als reine Gärungsküpe, das Rezept dazu hat meine "Färbemeisterin" getestet und es funktioniert ganz wunderbar, ist nur schwieriger umzusetzen und stinkt noch mehr^^

Nach dem Rezept frage ich sie mal, ob ich es hier veröffentlichen kann, denn das scheint mir das für die hier anwesenden interessantere zu sein.
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Post#9by Biela » Wednesday 6. February 2008, 00:02

Ja, stimmt Daniel, ich wasche meine Stoffe nur noch von Hand nach der Färbung. Wenn ich mir schon soviel Mühe mit dem Färben mache, will ich sie nicht anschließend in der Waschmaschine rumschleudern, das kommt mir wie ein Sakrileg vor - das ist allerdings etwas, das ich nicht voraussetzen sollte, darin hast du wohl recht.

Ich hab meine ersten Beiträge nur aus dem Kopf geschrieben, daher nur der Hinweiß auf die Chemikalien - ich habe nur mit dieser Methode bisher Erfahrungen gesammelt. Dass es da noch eine weitere gibt, war mir zwar bekannt, aber momentan entfallen, tut mir leid. Leider hatte ich mein nettes Buch nicht in der Schulung dabei.


Zitat 'Chemikalien zur Oxidation der mit Waid gefärbten Tuche '
Die Chemikalien sind bei heutigen Rezepten dazu da, den Farbstoff aus den heute verfügbaren Materialen an Indigo zu lösen, zur Oxidation (der Umwandlung des Farbstoffs in Blau auf dem Stoff) ist nur Sauerstoff nötig.
Im Mittelalter wurden zur Gährung der Waidküpe zb. gestandener Urin, ungelöschter Kalk oder Pottasche beigemengt - das sind ja auch Chemikalien. Auf andere Weise geht´s leider nicht, Blau zu färben, Blau ist immer ein Küpenfarbstoff, der chemische Unterstützung zur Lösung benötigt.

Ich muss mich noch berichtigen, die ersten chemischen Farben wurden aus Steinkohleteer gewonnen, Öl als Grundstoff für chemische Farben löste ab ca. 1950 den Teer ab.

*Quelle: Farbstoffe aus der Natur, Geschichte der Wiederentdeckung*
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Post#10by Marled » Tuesday 26. February 2008, 21:33

Daniel wrote:Es gibt 2 Wege mit Indigo zu färben, der eine, mit den Chemikalien(Natriumhydrosulfit und Natronlauge werden benötigt) oder ein anderer, als reine Gärungsküpe, das Rezept dazu hat meine "Färbemeisterin" getestet und es funktioniert ganz wunderbar, ist nur schwieriger umzusetzen und stinkt noch mehr^^

Nach dem Rezept frage ich sie mal, ob ich es hier veröffentlichen kann, denn das scheint mir das für die hier anwesenden interessantere zu sein.


Oh wie nett, als "Färbemeisterin" benannt zu weren! Image
Dann melde ich mich hier mal selbst zu Wort und werde mich auch noch in der entsprechenden Sektion vorstellen.
Da ich immer Zweifel hatte, dass bei der Entwicklung des Blau-Färbens zuerst eine chemische Reduktionsküpe oder eine Urinküpe stand, habe ich mich in den letzten Jahren auf die Suche nach einer einfacheren Variante gemacht und bin dann auch fündig geworden. Auf einer amerikanischen Seite (link suche ich noch raus) beschrieb eine Frau eine reine Gärungsküpe, die angeblich funktionieren sollte. Dazu gab es noch die Information, dass diese Küpe als Stammküpe von Generation zu Generation weitergegeben wurde. Klang alles so interessant, dass ich es einfach mal ausprobiert habe - und siehe da, mit Indigiopulver, Krapppulver, Weizenkleie und etwas Soda und sehr viel Zeit entsteht eine Reduktion des Indigoblau in Indigoweiß (hoffe, das es jetzt richtig beschrieben ist), die auf eine Faser aufziehen kannn und dann an der Luft durch den Luftsauerstoff wieder verblaut! Die farbe ist lichtecht, waschecht aber am anfang nicht ganz reibecht, das, was Biela also beschreibt: einige Farbpartikel legen sich nur auf die Faser anstatt sich dauerhaft mit ihr zu verbinden. Das reibt sich irgendwann ab, passiert aber auch bei einer Reduktionsküpe mit Hydrosulfit, Ammoniak oder ähnlichem, nur nicht ganz so stark.
Ich könnte jetzt hier noch ewig schreiben, spar mir das aber für die vorstellung auf und grüß nur schnell meine lieben Freunde Biela und Daniel!
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Echte Indigo oder chemisch

Post#11by ansaregina » Thursday 28. February 2008, 08:06

ich habe mein Indigo vom Kräyterey Rittergut aus Süd-Harz bestellt. Es ist Pulverförmig, und ist schon im Topf blau. Was ist der Unterschied zwischen chemischen und echten Indigo, wie erkenne ich das. Entschuldigung, aber irgendwie blicke ich bei Indigo nicht so richtig durch. Muss ich den chemisch hergestelten Indigo auch mit Küpe vorbereiten oder nicht? Diese Indigo, was ich habe färbt blau mit Alaunbeize.
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Post#12by Daniel » Thursday 28. February 2008, 12:32

der unterschied ist erstmal nur, dass beim natürlichen indigo der farbstoff aus der waidpflanze gewonnen wird und beim anderen nicht.
Beide musst du sozusagend "vorbereiten" zum färben:

Du brauchst bei Wolle:
4% Indigo
ca 5% Natronlauge
6 % Hydrosulfit
für die Stammküpe.
Das ganze muss mit etwas Spülmittel in handwarmem Wasser aufgerührt werden(vorsichtig!!) und dann auf ca 60° erwärmt werden.(20-30 Minuten)

Dann noch:
3% Natronlauge und 2% Hydrosulfit für im Topf/Kessel hinzuzugeben.
Umrühren sollte man möglichst vorsichtig, damit kein Sauerstoff in die Küpe gelangt, denn dann färbt sie nicht mehr.
Auch sollte man die Temperatur nicht über 55° steigen lassen, besser bei 50° halten.

Wie hast du es gemacht? Vielleicht können wir das Problem ja rausfinden?
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Post#13by Marled » Thursday 28. February 2008, 14:13

Hi Ansaregina!

Wie du schon in dem anderen Thread geschrieben hast, wst deine blaue Farbe nicht haltbar. Wenn du Indigopulver (egal ob natürlich oder künstlich, ist chemisch das Gleiche) in Wasser auflöst und alaungebeizte Wolle reinlegst, färbt sich die Wolle blau aber die Farbe legt sich nur als Schicht AUF die Wolle und verbindet sich nicht dauerhaft mit ihr. Deshalb wäscht sich das alles wieder raus.

Wenn sie dauerhaft sein soll, musst du es so machen, wie Daniel es beschrieben hat. Dabei wird das Indigoblau erst in Indigoweiß umgewandelt durch Sauerstoffreduktion, das kann auf die Faser aufziehen und wird dann an der Luft wieder blau. Ich hoffe ich habe das korrekt beschrieben, denn ich war in Chemie immer eine Niete. Alaun brauchst du da bei keinem Schritt.

Es gibt noch eine andere Methode mit Indigopaste (ich glaub, das heißt sächsisch blau), da musst du mit rauchender Schwefelsäure arbeiten, die kenne ich aber nicht genau, weil mir das sehr suspekt ist. Aber auch da hat Alaun bei der Färbung ncihts zu suchen.

Eine Alaunvorbeize brauchst du nur bei Beizenfarbstoffen wie sie in den meisten Pflanzen zu finden sind und überwiegend gelbe bis grüne Farbtöne und nur bei wenige Rot ergeben.


Lieben Gruß

Marled
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Post#14by Biela » Thursday 28. February 2008, 14:26

Der natürliche Indigo liegt als Indican vor, als Quelle diente in Asien (China, Indien, Java) die Indigopflanze indigofera tinctoria, in Europa der Färberwaid isatis tinctoria. Der synthetische Indigo, was Regina wahrscheinlich mit chemischem Indigo gemeint hat, wird aus Phenylglycin hergestellt, das durch Verseifen von Phenylaminoacetonitril gewonnen wird (Quelle: *** The link is only visible for members, go to login. ***). Da werden auch die chemischen Abläufe bei der Färbung sehr gut beschrieben, allerdings schadet es nix, wenn man sich in Chemie ein bisschen auskennt.

Mit dem Rezept von Daniel und Marled klappt es eigentlich immer ganz gut. Marled hat ja alles andere auch schon recht gut beschrieben.
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Post#15by ansaregina » Friday 29. February 2008, 07:54

Mein Fehler war: Ich habe versucht ein Küpe anzurühren,aber nur einmal und alles in ein Topf geworfen.
Aslo nicht Phase 1 und 2. Gestern habe ich von Ketteundschuss Indigo bestellt und Hydrosulfit. Die Inhaberin hat mir es auch nochmal erklärt, wie man die Küpe anfertigt. Schwefelsäure ist andere Alternative, aber ich trau mich nicht drann. Ich versuche es nochmal mit Hydrosulfit, und mal sehen ob was raus wird. Mit 100 Gramm Indigo kann ich ja bisschen üben.Werde euren Rezept folgen. Irgendwann muss es wohl klappen.
Danke für eure Hilfe.
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Post#16by lms_lrz » Thursday 13. March 2008, 19:27

Hallo!

Ich bin auf euer Forum gestoßen, weil ich gerade an einer Facharbeit über "Färben wie in alten Zeiten" im Fach Chemie arbeite und dringend ein genaues Rezept zur Herstellung von Indigo aus dem Färberwaid benötige, allerdings nur ungenaue finde.

ich wäre sehr dankbar, wenn ihr irgendwas brauchbares hättet!

Vielen Dank schonmal!

Laura
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meine Wolle ist blau

Post#17by ansaregina » Thursday 22. May 2008, 20:19

Rezept funktioniert. Färbe blau wie ein Weltmeister,kann gar nicht mehr aufhören.
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welches rezept?

Post#18by lms_lrz » Friday 23. May 2008, 10:56

Erstmal vielen Dank für deine Antwort!

Allerdings wüsste ich gerne welches Rezept funktioniert.

Grüße und nochmals vielen Dank
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Post#19by Daniel » Friday 23. May 2008, 15:36

das Rezept, das auf der ersten Seite steht, beim durchlesen des threads HÄTTE es dir ins auge fallen müssen.
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Post#20by resi » Wednesday 3. September 2008, 14:42

Hi
für meine facharbeit muss ich auch indigo aus färberwaid herstellen aber bisher hat noch kein rezept funktioniert
kannst du mir vielleicht auch dein rezept geben?
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Post#21by Daniel » Wednesday 17. September 2008, 20:03

So, nach langer Abwesenheit bin ich auch mal wieder da^^
Man turnt halt so durch die Gegend.

Zum Indigo aus Färberwaid herstellen kann ich auch nicht allzuweit helfen, denn da kenne ich teilweise auch nur die Theorie und teilweise die Praxis.

Wenn du den Waid erntest musst du ihn anwelken lassen, dass die Blätter also leicht gummiartiug sind.
Dann zerreibst du sie in einer Steinmühle(habe dazu zwei alte Ziegelsteine genommen.
Dabei ergab sich bereits eine gelblich blaue Flüssigkeit. Die wird dann erstmal gammeln gelassen^^
Das ganze formst du dann zu Ballen und lässt es trocknen.
Soweit meine Praxis.

Alles weitere zur Theorie gibts da:

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Das ist aber wie ich festgestellt habe nur EINE Methode um Indigo herzustellen.
Es scheint auch andere zu geben, aber komplette Erfahrungsbereichte hab ich auch leider nicht.
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Post#22by resi » Thursday 18. September 2008, 19:28

vielen dank ich war schon richtig verzweifelt Image
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Post#23by Daniel » Sunday 21. September 2008, 13:13

Nicht verzweifeln, ich bin ja da;)^^
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Waid

Post#24by Franca » Saturday 22. November 2008, 10:03

Hallo,

wir haben vor 3 Jahren Waid angebaut und ich möchte euch gern meine Erfahrungen mitteilen.
Im Anbau selbst ist der Waid sehr unproblematisch, im Gegenteil: Er kann sich zur richtigen Plage entwickeln, wenn er sich selbst aussät Image

Meine praktischen Erfahrungen reichen ähnlich weit wie bei Daniel:
Waidblätter abstechen (früher gab´s dazu die sogenannten Waideisen. Die Pflanze treibt wieder aus, wenn man nicht zu tief absticht), kurz abwaschen, um Verunreinigungen zu entfernen, kurz anwelken lassen (Trocknungszeit reicht). Der Farbstoff zersetzt sich relativ schnell an der Luft, deshalb sind trockenen Waidblätter nicht mehr zum Färben geeignet. Um Waid lager- und transportierfähig zu machen, wurde er deshalb im Mittelalter zu sogenannten Waidballen verarbeitet. Die erntefrischen, trockenen Blätter wurde in Waidmühlen (Göpelmühlen) zerquetscht, der entstandene Matsch zu großen Haufen aufgeschichtet, die regelmäßig bewässert und umgeschichtet wurden. Der dabei entsethende Geruch soll bestialisch gewesen sein (kann ich aus einem Kleinversuch nur bestätigen Image ). Nach ca. 2 Wochen Fermentierung wurden dann die ca. faustgroßen Kugeln geformt und getrocknet. So konnte der Waid gelagert, transportiert und auch gehandelt werden. Hier endete auch die Bearbeitung durch die Waidbauern (und auch meine). Die eigentliche Überführung des Waids in die Küpe war Arbeit der Blaufärber.
Die getrockneten Bälle wurden zerstampft, eingeweicht und mit Urin zur Küpe verarbeitet. Viele Sprichworte beziehen sich noch auf das alte Blaufärben ("Blau machen", "grün und blau schlagen").

Ich kenne leider bisher niemanden, der es geschafft hat, mit Waidballen blau zu färben. Mit Indigoextrakt kein Problem, aber beim Waid sind bisher alle gescheitert.

Es gibt einige Bücher zum Thema, da der Waid auch eine Rennaissance erlebt (z.B. als Holzschutzmittel). Als Farbstoff selbst ist er heute einfach nicht mehr wirtschaftlich, da natürlicher Indigo und chem. Indigo heute zu einem Bruchteil der Kosten erhältlich ist und wesentlich intensiver färben.

Bücher:
"Das blaue Wunder - Wiederentdeckung einer alten Nutz- und Kulturpflanze", Falk Fischer, vgs, 1997, ISBN 3-8025-1333-9

"Waid des Thüringer Landes-goldenes Vlies" Horst Benneckenstein, Hohenfelder Hefte, Thüringer Freilichtmuseum Hohenfelden

"19 Rezepturen zur Zubereitung der blauen Farbe oder zum Blaufärben aus 2 Jahrtausenden", zusammengetragen von Hansjürgen Müllerott, Thüringer Chronik-Verlag H.E. Müllerott, ISBN 3-910132-27-8, 1995

Wer Interesse an Waidsamen hat, ich hab noch mehrere Tüten hier stehen

Liebe Grüße
Franca
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indigo gewinnen aus waid oder indigopflanze

Post#25by wiebke spinnt » Monday 19. January 2009, 15:22

man kann aus dem Waid den Indigo extrahieren , dazu schnell erhitzen und etwas chemie dazu,


im buch waid das blaue wunder beschrieben..

da es nicht meine rezepte sind,wegen urheberrecht mag ich hier nichts dazu veröffentlichen.Aber es klappt, hatte wirklich balue farbe gewonnen aus den waidblättern.


dann abkühlen unter heftigem Rühren, so wird Sauerstoff hinzugetan.
und der Ingigo fällt als blaue feine Substanz aus.

wer naturindigo nicht selbst herstellen kann,
bei Kremerpigmente gibt es indigo aus naturpflazen.

ich benutze aber chem. indigo,

den der Anbau dieser Indigo-pflanze in der kolonialzeit
war ausbeutung und zerstörung des regenwaldes pur
auf den ostindischen inseln mit negersclaven im großen maßstab durchgezogen.
braucht riesen-flächen,kann man nachlesen .

und man hat früher auch im thüringer wald große flächen gebunden statt Landwirtschaft oder Waldbewirtschaftung.
einige wurden sehr reich,aber die armut in den dörfern war groß. liebe grüße wiebke
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