Eier lagern (haltbar machen)

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Eier lagern (haltbar machen)

Post#1by Herwig » Friday 7. December 2007, 16:17

Ich habe in einer historischen Schrift unter anderem folgendes gefunden:

Die Preise für Zuchtvieh stiegen an. Eine gute Kuh oder ein Rind kostete in diesen Jahren 350 Mark und um 1913 etwa 700 Mark. Für ein Pfund Butter waren vor 1900 etwa 50 bis 80 Pfennige und bis 1913 etwa 1 bis 1,20 Mark zu bezahlen. Eier kosteten im Sommer 3 Pfennige, im Winter 5 Pfennige, bis 1913 6 Pfennige und im Winter 10 bis 15 Pfennige.
Hierbei muß erwähnt werden, daß die Hühner im Winter keine Eier legten. Man mußte vorsorglich vom Sommer Eier aufbewahren. Zu diesem Zweck wurden die Eier mit der Spitze ins Korn gestellt. Sie mußten alle paar Tage gewendet werden. Teilweise wurden sie auch in Garantol oder in Wasserglas eingelegt.

Hat das schon mal jemand gehört?
Ich wende Eier nur in der Brutmaschine aber nicht, wenn ich sie lagere. Also bleiben die tatsächlich länger frisch wenn man sie wendet??
Wasserglas kenne ich, das ist wie eine Art Kleber, das der die Eier frisch halten soll kann ich nicht so richtig glauben.
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Post#2by ranulf » Friday 7. December 2007, 20:00

Moin, Moin,

Eier sind ja bekanntlich gute Brutstätten für Keime. Besitzen ja aber zum Schutz ihre Eimembran. Wenn man es schafft, diese Membran zuerhalten und die normale Diffusion der Eiflüßeigkeiten nach aussen zu verringern, warum kann dann nicht ein Ei mehrere Monate gelagert werden? Der Tip mit dem Wasserglas dient bestimmt dazu den Feuchtigkeitsausgleich herzustellen, damit nicht zu viele Verluste auftreten und dieser Kleber vermindert den Keimeintrag und die Verdunstung.

Das Wenden könnte bewirken, wie auch in der Vorbereitung der Brut, dass die Eihaut nicht an der Schale klebt und dadurch eine Verschlechterung bieten könnte, Es reichen ja für Bakterien kleinste Verletzungen und in der Länge der Lagerung braucht es keinen hohen Keimeintrag.

Schöne Grüße

ralf
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Post#3by Herwig » Saturday 8. December 2007, 14:20

@Ralf: Hast du Erfahrung mit dem Eier lagern?

Ich habe schon mal voneiner Methode gehört, über die ich die Einzelheiten vergessen habe.

Die wurden galube ich auch in Sandvergraben oder so. Ich habe aber auch folgende Methode gefunden:

Eier bleiben über 1 Jahr lang frisch
Je 3 - 5 Eier hängt man in einem Netz 4 - 5 Sekunden lang in kochendes Wasser.
Die Hitze macht das Häutchen in der Schale luftdicht.
Die Eier lagenweise in Häcksel in einer Kiste aufbewahren.Image Image

Eine weiter Möglichkeit, neben Wasserglas ist, die Eier mit Kollodium bestreichen. Das Kollodium trocknet ein und versiegelt die Eier luftdicht. Image




Zum Einlegen in Wasserglas habe ich auch noch etwas gefunden:



[LEFT]ZUTATENLISTE:[/LEFT]
[LEFT]1 L Wasserglas* = Garantol (Apotheke, Drogerie)
4 L Wasser[/LEFT]
[LEFT]ZUBEREITUNG:[/LEFT]
[LEFT]Eier müssen frisch und sehr gut gereinigt sein. Wobei so wenig Wasser wie möglich benutzt werden soll, also nur mit Bürste abreiben und das auch nicht zu fest. Aber jeder Dreck muss ab!

Man schichtet die absolut sauberen und unbeschädigten Eier in ein großen Gurkenglas und gießt das Konservierungsmittel "Marke Wasserglas / Garantol" nach Vorschrift darüber. [/LEFT]
[LEFT]So können die Eier bis zu 6 Monate bei entsprechend kühler aber frostfreier Umgebung lagern. Wenn man Eier benötig, nimmt man diese in jener Zeit einfach aus dem Glas.

Entnommene Eier kann man jedoch nicht mehr als Frühstücksei, Spiegelei etc verwenden, sowie nicht mehr trennen, also Eigelb vom Eiweiß, da es zerfließt. Sonst aber, kann man die Eier ganz normal zum Backen und Kochen für Gerichte verwenden.[/LEFT]
[LEFT] [/LEFT]
[LEFT]INFORMATIONEN ZUM REZEPT - LEXIKON:[/LEFT]
[LEFT]* Wasserglas, Garantol - was ist das?
"Wasserglas" ist eine farblose Flüssigkeit, die in Wasser angerührt eindickt, geliert. Das Einlegen der Eier in Wasserglas bewirkte, dass durch die gelierte Kieselsäure sich die Poren der Schalen zusetzten und dadurch die Eier haltbar werden.[/LEFT]
[LEFT]Warum machte man Eier haltbar?
Frieda, geb. 1927, erinnert sich: "Frei laufende Hühner legen im Winterhalbjahr kaum Eier: Für die Erntedankfeier, Winzerfest, Hochzeiten, Weihnachtsbäckerein und sonstige familiäre Feiern sollte also vorgesorgt werden. Ab August wurden daher einst überall Eier in ein Gefäß mit "Wasserglas" gelegt. Sie hielten sich dann bis Weihnachten - und noch viel länger.[/LEFT]
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Post#4by ranulf » Saturday 8. December 2007, 19:40

Hallo Herwig,

leider habe ich keine Erfahrung mit der dauerhaften Lagerung von Eiern. Was ich spannend finde, sind Rezepte, die eine momentane Überproduktion in leckere Speisen haltbar machen. Die Haltbarmachung kann eigentlich nicht ohne Qualitätseinbußen von statten geben, da viele Inhaltstoffe sich bestimmt bei einer Lagerung über zwei-drei Monaten verflüchtigen. Die Haupsbestandteile Eiwss und Eigelb sind in ihrer Funktion vielleicht nicht beeinträchtigt aber als "drei Minuten" Ei würde ich es ungerne Essen. Zum Backen und Braten kann man es bestimmt noch brauchen, aber dafür nehme ich lieber meine Enteneier, da diese im zeitigen Frühjahr legen und für die o.genannten Speisen besser zu brauchen sind.

Gruß Ralf
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Post#5by armin » Saturday 5. January 2008, 11:31

Hallo Herwig,

Nachtrag zum Thema: Beim vorweihnachtlichen Familienbesuch habe ich meinen Schwiegervater gefragt und der hat das von Dir beschriebene Verfahren mit dem Wasserglas genau so bestätigt. In unserer Region war das wohl eine übliche Konservierungsmethode.

Allerdings ist es so wie Du schreibst und Ralf auch vermutet: Als Drei-Minuten-Ei taugen diese Eier nicht mehr, sondern nur noch zum Backen und Braten.

Probier's doch mal aus und berichte nach Deiner Entlassung aus dem KLrankenhaus über die Erfahrungen... Image Image Image

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Post#6by gewürzluike » Wednesday 22. July 2009, 17:16

Meine Eltern erinnern sich auch an das Eiereinlegen, wahlweise in Wasserglas oder in einen Eimer mit Kalkpampe aus der örtlichen Kalkgrube. Von beiden Verfahren berichten sie, dass ab und an ein schlechtes Ei mit dabei war, und, wie hier auch schon erwähnt, dass die Eier eben nicht mehr für alle Verwendungszwecke gut waren.

Ich dachte immer, Wasserglas sei ein chemisches Konservierungsmittel. Nach der obenstehenden Erklärung hört es sich in der Tat harmlos an...
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Post#7by Fredo » Wednesday 22. July 2009, 18:22

Tag,
wir machen uns immoment den Spaß und machen Sohleier. Meine Mutter ist darauf gekommen da sie diese in Kneipen früher gegessen hat aber sie scheinen wohl wegen den Gesundheitsverordnungen halb "ausgestorben" zu sein. Wir legen immer 15-25 Eier ein und essen besser gesagt fressen Image sie nach ein bis zwei Wochen auf wie lange man sie nun letztendlich mit der Methode haltbar machen kann ( aus den guten grund das sie sehr lecker sind) weiß ich nicht. Aber mein Opa hat mir erzählt das sie früher im Winter immer Sohleier gegessen haben und sie auch in großen Mengen eingelagert haben, zahlen von 50-150 waren vorhanden, je nachdem wie viele eier gelegt worden waren.
Gruß:Fredo
Ps: Die Eier werden vor dem einlegen gekocht ist nicht sehr viel dann mit Backen und so.
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Post#8by Conny » Wednesday 22. July 2009, 19:25

Wasserglas, guckt bitte hier: *** The link is only visible for members, go to login. ***)

Natronwasserglas ist in der Apotheke erhältlich. Auch Garantol kann man verwenden und ist in der Drogerie erhältlich. Die Eier sollen sich ca. 5-6 Monate halten. Wichtig ist, dass die Eier sehr sauber sind. Dieses sollte möglichst ohne viel Wasserpanscherei geschehen, besser nur mit der Bürste. Auf einen Teil Natronwasserglas - 10 Teile heißes Wasser geben und dieses abgekühlt über die Eier geben. Die Eier müssen gut bedeckt sein. Die Mischung geliert und nimmt dabei eine weißliche Färbung an.


Kochbuch von 1892: Man bestreiche bei längerem Aufbewahren die Eier mit einem Gemisch aus Gelatine, Collodium, Fett, Salizyl oder Öl und lege sie in Holzasche oder Kleie und kehre die so voll gepackten kleinen Kistchen öfter um.

Konservierungsmittel Kalkmilch:
In Kalkmilch halten sich die Eier zwar ziemlich gut, nehmen aber einen erdigen, unangenehmen Geschmack an. Man läßt 1 kg Kalk, mit 0,5 kg Wasser besprengt, zu Pulver zerfallen, rührt dies mit 30 kg Wasser gut an und bringt nun in ein Faß oder in einen Topf auf dem Boden eine Schicht Sand. Auf dieser Sandschicht ordnet man die Eier so, daß sie sich berühren, und schichtet allmählich 12–max. 16 Lagen übereinander, worauf man die gut durchgerührte Kalkmilch gießt. Die Milch sollte noch einige Zentimeter über der obersten Schicht Eier stehen. Das Faß muß, gut zugedeckt, an einem kühlen, frostfreien Ort aufbewahrt werden. Sollten trotzdem die Eier gefroren sein, werden sie wieder brauchbar, wenn man sie 2–3 Stunden in recht kaltes Wasser legt.

LG
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Post#9by Januschka » Friday 23. October 2009, 22:11

Wie wäre es mit der englishen Variante der Pickled eggs?

Hart kochen, pellen, dabei nicht verletzen, und in ein Glas schichten: Mit einer Mischung aus Essig und Wasser übergießen, kühl stehen lassen. Der Essig zieht ein wenig ein, entzieht offenbar den äußeren Schichten dabei Wasser und gibt dafür Geschmack ab.

Verletzte Eier machen die Lösung trübe, aber ansonsten entsteht meines Wissens kein Schaden


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Post#10by gewürzluike » Saturday 24. October 2009, 12:25

Hört sich lecker an, aber wie stark ist der Essig (10%iger Weinessig, 5%iger Apfelessig oder noch verdünnt)? Und wie lange halten die dann?
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Post#11by Januschka » Saturday 24. October 2009, 18:59

Also,

ich habe englischen 'Malt Vinegar' benutzt, weil der da war.. %Angabe steht nicht drauf.. scheint aber wie durchschnittlicher Eissg. Den verdünne ich 50:50 mit Wasser.. ist aber Geschmackssache.

Mein englischer Gewährsmann sagt:
"as long as the eggs are not damaged and the vinegar goes a funny colour *and he shrugs* .. they keep.. months!"

Selbiges gilt für pickled onion, red cabbage ..


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