"Massen-Bio"

Moderator: Herwig


AbonnentenAbonnenten: 1
LesezeichenLesezeichen: 0
Zugriffe: 4004

"Massen-Bio"

Beitrag#1von Schafhirte » Freitag 30. November 2012, 21:40

Hallo,

wer's noch nicht kennt: Reportage Wie billig kann Bio sein?.

Schlimm, was da so auf dem Markt passiert ...

VG
Schafhirte
Benutzeravatar
Schafhirte
...kann schon mitreden
...kann schon mitreden
Beiträge: 85
Registriert: 01.2009
Wohnort: Burscheid
Geschlecht: männlich

Re: "Massen-Bio"

Beitrag#2von Dine » Samstag 1. Dezember 2012, 12:22

Hi.
Hab's mir auch angesehen - is mir schlecht. Na, danke. Da ist mir das 1/2 Schwein aus der Nachbarschaft, dass kein BIO hat, aber trotzdem Stroh, Himmel, Auslauf und nur massvoll Getreide bekommen hat 1000mal lieber.
Die anderen Nachbarn haben Hühner, da sind die Eier auch von wirklich freilaufenden Tieren...

Puh, ich bin etwas geschockt und ernüchtert.
Ich kauf bestimmt kein BIO aus dem Discounter mehr. Dann lieber Hofläden und Direktvermarkter.

LG Dine.
Besucht unsere Seite und lernt unsere Schafe kennen! *** Der Link ist nur für Mitglieder sichtbar, zum Login. ***
Benutzeravatar
Dine
Bauer, Farmer, Landwirt
Bauer, Farmer, Landwirt
Beiträge: 232
Registriert: 12.2011
Wohnort: Tellingstedt
Highscores: 2
Geschlecht: weiblich

Re: "Massen-Bio"

Beitrag#3von Herwig » Samstag 1. Dezember 2012, 16:36

Das Problem ist, dass durch diese BIO Light Marken die Sache derartig in Misskredit gebracht wird, dass es zu schweren Einbußen bei den echten Biobauern führt.
Ich sehe das genau wie Mettbrötchen, die Idealisten bleiben auf der Strecke und werden von den gierigen Mitläufern kaputt gemacht.
Wichtig ist wirklich, die Pseudo Biomarken nicht zu hofieren. Bioland, Demeter und Naturland sind die einzigen, denen ich noch einigermaßen vertraue.
Benutzeravatar
Herwig
Site Admin
Site Admin
Beiträge: 3344
Registriert: 10.2006
Wohnort: Suderbruch, bei Hannover
Highscores: 236
Geschlecht: männlich

Re: "Massen-Bio"

Beitrag#4von legasp96 » Samstag 1. Dezember 2012, 19:51

Bioland, Demeter und Naturland sind die einzigen, denen ich noch einigermaßen vertraue.


Geh mir ganz genauso! Aber erklär das mal Jemandem, der der Werbung glaubt. Auf dem Prospekt ist doch das Schwein (1kg =3,99 €) auf der grünen Weide.
Das, was ich zukaufen muß, kauf ich auch lieber in der Nachbarschaft, auch wenn es kein Bio ist.
Grüße
Monika
Benutzeravatar
legasp96
Bauer, Farmer, Landwirt
Bauer, Farmer, Landwirt
Beiträge: 204
Registriert: 02.2010
Wohnort: 534
Geschlecht: nicht angegeben

Re: "Massen-Bio"

Beitrag#5von Alex » Sonntag 2. Dezember 2012, 00:51

Mich hats auch gegruselt. Aber das Problem ist schon, dass man einfach nicht alles in der Nachbarschaft bekommt. Honig Kartoffeln,bekomm ich, Fleisch hab ich komplett selber, aber meine Ziegen machen Milchtechnisch Winterpause und ich bekomm keine ordentliche Milch mehr, direkt vom Bauern so wie früher, deshalb werd ich mir auch wohl nächstes Jahr noch selber eine Kuh zulegen. Für Butter und Co.

Aber beim Gemüse wirds dann problematisch, ich schaff es einfach nicht noch alles was ich für unseren Sechsköpfigen Haushalt brauche selber zu produzieren, und bei meinem Biobauern, bekomm ich ab Jan. nur noch Kohl, Karotten und Pastinaken, alles andere kauft er dann auch zu.Aus irgendwoher. Gurken Paprika usw. gibts bei uns im Winter eh nicht, aber meine Kinder glaub ich würden randalieren, wenn es wochenlang nur noch Kohleintopf und Karottengemüse neben Fleisch, Kartoffeln und Nudeln gibt. So wars aber halt früher, als es eben noch keine Globalisierung gab, da war der Speiseplan im Winter sehr schmal.

Und es ist auch sehr schwierig , z.B. Hirse aus Deutschland zu kriegen, die ist meist aus China, da verzichte ich dann. So ist es aber mit vielen Produkten. Man muss sich wirklich jedes einzelne Produkt ganz genau anschauen und selbst dann, kann man sich nie sicher sein.

Grüße Alex
Leben ist nicht genug, sagte der Schmetterling, Sonnenschein, Freiheit und eine kleine Blume gehören auch dazu!

*** Der Link ist nur für Mitglieder sichtbar, zum Login. ***
Benutzeravatar
Alex
Moderator
Moderator
Beiträge: 765
Registriert: 11.2006
Wohnort: Franken
Highscores: 16
Geschlecht: weiblich

Re: "Massen-Bio"

Beitrag#6von Herwig » Sonntag 2. Dezember 2012, 08:26

Kupfer ist wirklich ein Thema, wird aber natürlich gerne von der konventionellen Landwirtschaft hochgeschaukelt. Das ist ähnlich wie z.B. Arsen, in der Globoli Verwendung völlig normal aber auch in der verdeckten Mordermittlung bekannt. Der alte Spruch, die Dosis machts, ist hier anzuwenden. Der natürliche Gehalt an Kupfer im Boden ist vorhanden und dem angepasst wird in der ökol. Landwirtschaft gehandelt.
Das Schwermetall Kupfer ist (anders als Quecksilber oder Cadmium) ein essentielles Spurenelement und wirkt erst in höheren Dosierungen giftig. Es ist neben Schwefel das einzige Mittel, das Ökobauern gegen Pilzerkrankungen wie Mehltau einsetzen dürfen. Auch konventionelle Bauern verwenden es immer noch, wenn synthetische Fungizide versagen oder um Resistenzen bei Schädlingen vorzubeugen. Nach Angaben des Umweltbundesamtes verbraucht der Ökolandbau in Deutschland 20 Tonnen Kupfer im Jahr, die konventionelle Landwirtschaft 300 Tonnen. Eingesetzt wird Kupfer insbesondere beim Anbau von Hopfen, Weintrauben, Kartoffeln und Obst.

Aus der konventionellen Landwirtschaft, wo Kupfer früher in Mengen von 35 bis 40 Kilogramm je Hektar (kg/ha) eingesetzt wurde, ist bekannt, dass sich das Schwermetall im Boden anreichern und sich dort negativ auf das Bodenleben, insbesondere auf Regenwürmer, auswirken kann. Deshalb ist der Kupfereinsatz für Ökobauern streng limitiert.

Obstbauern (auch ökologische) dürfen Kupfer generell nur vor der Blüte einsetzen. Je nach Blütezeit und Wetter sind das zwei oder drei, selten mehr Spritzungen. Biobauern dürfen laut EU-Öko-Verordnung insgesamt pro Jahr maximal 6 kg/ha Kupfer ausbringen. Die deutschen Anbauverbände (bioland, Demeter) haben diese Menge auf 3 kg/ha (Hopfen 4 kg/ha) halbiert. Dadurch ist sichergestellt, dass es nicht zu einer kurzfristigen Anreicherung im Boden kommt. Bei Demeter ist der Kupfereinsatz beim Kartoffelanbau ganz verboten.

Zur Abschätzung: Natürliche Böden enthalten zwischen 2 und 40 mg/kg Kupfer, im Schnitt also etwa 20 mg/kg. Der oberste Meter Boden enthält auf einem Hektar Fläche im Schnitt rund 280 kg Kupfer (Bodengewicht 1400 kg/m3). Davon wird ein kleiner Teil über das Erntegut ausgetragen. Ziel des Ökolandbaus ist es, nicht mehr Kupfer einzusetzen als von den Pflanzen verbraucht wird, um das Gleichgewicht zu wahren. Aus diesem Grund arbeiten Institute und Praktiker seit Jahren daran, den Kupfereinsatz zu verringern oder ganz unnötig zu machen. Zu den größten Erfolgen zählt die Zucht pilzresistenter Rebsorten wie „Regent“. Hilfreich sind aber auch einfache Maßnahmen wie das Vorkeimen von Kartoffeln, die dadurch schneller wachsen und weniger stark von der Krautfäule betroffen werden.

Diese Kupfer Diskussion ist mir also zu einseitig geführt, um von der Problematik der Herbizide abzulenken. Fest steht: Ein natürliches Vorkommen von Herbiziden in Ackerböden gibt es nicht, der menschliche Körper wird und wurde damit also vorher nie konfrontiert, die natürlichen Schwankungen der Kupferinhalte verschiedener Regionen im Boden haben den Körper schon immer in unterschiedlicher Intensivität "belastet". Durch den BIO Anbau gibt es kaum eine messbare Steigerung der Anreicherungen, in Gebieten mit niedrigem Kupfergehalt könnte rein rechnerisch viel mehr Kupfer eingesetzt werden, auch wenn ich das nicht für eine Lösung halte. Züchtungen neuer Sorten oder genetische Veränderungen wären noch eine Möglichkeit.
Letzlich ist es so, dass jeder in seinem Hausgarten beweisen kann, dass es auch ohne Kupfer geht bei den Kartoffeln und den Äpfeln, statt Wein lieber Met oder Fliedersekt geht auch...
Benutzeravatar
Herwig
Site Admin
Site Admin
Beiträge: 3344
Registriert: 10.2006
Wohnort: Suderbruch, bei Hannover
Highscores: 236
Geschlecht: männlich

Re: "Massen-Bio"

Beitrag#7von tomtom » Montag 3. Dezember 2012, 18:55

@Alex: ich hab ne frage zu deinem Post oben: du hast Ziegen, überlegst dir ne Kuh zu halten, versorgst dich komplett selbst mit Fleisch... beeindruckend für nen Einsteiger wie mich... aber warum kannst du dich nicht mit gemüse versorgen? Klar, 6 Personen ist ne menge, aber gerade der gemüseanbau ist doch gut zu stemmen, oder? Also für mich ist gemüse DER ideale einstieg, noch lange vor der Tierhaltung, oder?

Bin gespannt :-)

Lg, tom
Benutzeravatar
tomtom
...hat etwas zu sagen
...hat etwas zu sagen
Beiträge: 23
Registriert: 11.2012
Geschlecht: männlich

Re: "Massen-Bio"

Beitrag#8von legasp96 » Montag 3. Dezember 2012, 19:05

Hallo Tom,
ich bin zwar nicht Alex, aber bei mir ist es ähnlich wie von dir beschrieben. Ich habe eine große Weide gepachtet und darauf Schafe und Hühner laufen. Zwar könnte ich einen Teil Gartenfläche abtrennen, aber ich habe dort kein Wasser. Gartenfläche mit Wasserzugang gibt es hier nicht zu pachten, also begnüge ich mich mit dem bißchen Beet, das ich vor meiner Terrasse habe.
Grüße
Monika
Benutzeravatar
legasp96
Bauer, Farmer, Landwirt
Bauer, Farmer, Landwirt
Beiträge: 204
Registriert: 02.2010
Wohnort: 534
Geschlecht: nicht angegeben

Re: "Massen-Bio"

Beitrag#9von tomtom » Montag 3. Dezember 2012, 19:09

hallo Monika, den Gedanken hatte ich gar nicht, dass es Garten ohne Wasser gibt... bin da sehr verwöhnt, nutzgarten am Haus, ausreichend groß, Wasser Zisterne mit pumpe :-) ... wie wärs mit einem regenwassersammelbehälter für die weide? Und wie tränkst du deine Tiere?
Benutzeravatar
tomtom
...hat etwas zu sagen
...hat etwas zu sagen
Beiträge: 23
Registriert: 11.2012
Geschlecht: männlich

Re: "Massen-Bio"

Beitrag#10von legasp96 » Montag 3. Dezember 2012, 20:05

Hallo Tom,
für die Tiere habe ich eine 300 l Tonne stehen. Wenn die nicht reicht, dann bringe ich Wasser aus der Leitung im Kanister mit. Die Kameruner saufen zum Glück nicht sehr viel.
Für einen Garten würde das Regenwasser nie und nimmer reichen. Ich wohne in einer Mietwohnung, also ist es nicht so einfach mit Zisterne usw.
Grüße
Monika
Benutzeravatar
legasp96
Bauer, Farmer, Landwirt
Bauer, Farmer, Landwirt
Beiträge: 204
Registriert: 02.2010
Wohnort: 534
Geschlecht: nicht angegeben

Re: "Massen-Bio"

Beitrag#11von tomtom » Montag 3. Dezember 2012, 20:18

Hmm, mal folgende frage: ich sehe immer wieder gemüsebeete, die von Landwirten irgendwo im außenbereich angelegt wurden (zugegeben, ist recht selten mittlerweile)... wie werden die bewässert? Wäre es nicht sogar möglich, ganz ohne wässern aus zukommen, nur mit regen? Natürlich geht das nicht mit allen gemüsesorten...
Benutzeravatar
tomtom
...hat etwas zu sagen
...hat etwas zu sagen
Beiträge: 23
Registriert: 11.2012
Geschlecht: männlich

Re: "Massen-Bio"

Beitrag#12von legasp96 » Montag 3. Dezember 2012, 21:37

Mein Vater hatte vor vielen Jahren (da war er allerdings schon Rentner) einen Gemüsegarten im Außenbereich. Er hat dort den ganzen Sommer über mit großen Tonnen auf dem Hänger Wasser hin gefahren. Das konnte er aber auch nur machen weil er Zeit genug hattte.
Sicher kann man alles sich selbst überlassen, aber wenn die Ernte dann dementsprechend schlecht ausfällt, dann ärgert man sich über die viele Arbeit, die man mit Säen, vereinzeln ... hatte.
Grüße
Monika
Benutzeravatar
legasp96
Bauer, Farmer, Landwirt
Bauer, Farmer, Landwirt
Beiträge: 204
Registriert: 02.2010
Wohnort: 534
Geschlecht: nicht angegeben

Re: "Massen-Bio"

Beitrag#13von Alex » Montag 3. Dezember 2012, 23:16

Hallo,

bei mir liegt es nicht am Wasser, das ist in meinem Garten kein Problem. Ich hab damals halt mit Tieren angefangen, und mittlerweilen hab ich sehr viele. Ich mach fast alles, ob im Stall oder im Garten von Hand und geh nebenbei noch ein bißchen arbeiten und auch meine vier Kinder fordern Zeit. Da reicht es einfach nicht noch alles an Gemüse selber anzubauen, ich habe schon einen Garten und Tomaten Gurken Salat Bohnen usw. hab ich im Sommer selber, es wird auch einiges eingemacht und eingelagert, aber es reicht nicht über den Winter. Hätte ich nicht so viele Tiere, und würde mich und die meinen mehr vegan ernähren, dann könnte ich mich zu einem noch größeren Teil selbst ernähren. Weil würde ich die Zeit und das Geld das ich in meine Tiere investiere in einen Garten stecken, dann bräuchte ich ausser Getreide wohl nix mehr zukaufen müssen. Aber ich ess halt gern Butter, Käse, Wurst und auch mal ein Schnitzel. Und ausserdem liebe ich die Arbeit bei meinen Tieren.

Alex
Leben ist nicht genug, sagte der Schmetterling, Sonnenschein, Freiheit und eine kleine Blume gehören auch dazu!

*** Der Link ist nur für Mitglieder sichtbar, zum Login. ***
Benutzeravatar
Alex
Moderator
Moderator
Beiträge: 765
Registriert: 11.2006
Wohnort: Franken
Highscores: 16
Geschlecht: weiblich

Re: "Massen-Bio"

Beitrag#14von tomtom » Mittwoch 5. Dezember 2012, 21:10

Hi Alex, ich hatte es erst so verstanden, dass du gar kein gemüse hast :-) muss mich erst an die sv-dimensionen gewöhnen, die einige hier schon erreicht haben, dass da dann irgendwann die zeit knapp wird und man sich spezialisiert, wird mir erst so langsam klar.... bis dahin ist bei uns noch ein weiter weg, denk ich :-)
Benutzeravatar
tomtom
...hat etwas zu sagen
...hat etwas zu sagen
Beiträge: 23
Registriert: 11.2012
Geschlecht: männlich

Re: "Massen-Bio"

Beitrag#15von karinenhof » Donnerstag 6. Dezember 2012, 09:29

ist schon blöd.
Wir sind als Biobetrieb zertifiziert. War ein langer Weg dorthin. Nicht wegen unserer Bewirtschaftung, sondern wegen der vorgeschriebenen Zeiten und das rundherum. Durch das Massen BIO wird es uns nicht leichter gemacht. Wir versuchen durch regionales Anbieten, auch unseren Absatz zu stabilisieren.

Grüße von Karin aus dem Havelland
***********************************************************************
Bei uns halten Soay Schafe die Wiese kurz. Sie sind auch zu finden unter http://www.karinenhof.de
Nutztier- Arche Karinenhof, Hof Nr. 81
Benutzeravatar
karinenhof
Moderator
Moderator
Beiträge: 1430
Registriert: 04.2007
Wohnort: 14662 Wiesenaue/ OT Brädikow
Highscores: 25
Geschlecht: weiblich

Re: "Massen-Bio"

Beitrag#16von klosterbauer » Samstag 8. Dezember 2012, 21:17

Ahoi

ich hab letztens für die Bionachrichten (Verbandsblatt Biokreis) ne größere Geschichte zu den Mediengeschichten, Biobashing (neudeutsch für "Schimpfen auf Bio") geschrieben. Erstaunlich war
1) die Bioläden haben darunter eigentlich gar nicht zu leiden
2) die Direktvermarkter auch nicht wirklich
3) und Verbandsware liegt auch nicht schlecht im Rennen (also Biokreis, Bioland, Demeter, Naturland)

Das Schöne an der fiesen Reportage "Wie billig kann bio sein" - der Vorzeigehof waren die Hermanndorfer Landwerkstätten in Glonn bei München, ein Verbandsbiobetrieb vom Biokreis. Das hilft zumindest in der Argumentation. Auch darum habe ich mich damals einem Verband angeschlossen - und mir dabei gezielt einen gesucht, der auch kleine und bäuerliche Betriebe unterstützt. Bei mir blieb nur Demeter und Biokreis letztlich übrig ...

Ich denke, der Weg zu bio und regional ist richtig und verspricht langfristig auch Erfolg. Mann muss nur in Zeiten wie diesen mehr reden. Aber ich bekomme immer wieder neue Kundschaft .... Den Leuten wird der direkte Draht zunehmend wichtiger. Und nur wenn wir Bios uns nicht unterkriegen lassen, haben wir auch langfristig Erfolg. Denn diese negative Presse ist auch eine Reaktion derer, die Bio den Erfolg nicht gönnen. Nichtsdestotrotzz muss man denen das Handwerk legen, die den Ruf so ruinieren. Und da geht meines Erachtens kein Weg an einer Verbandsmitgliedschaft vorbei ...

Wens danach dürstet, ich helfe gerne, ich glaub, ich hab mir in der Hinsicht mittlerweile so einiges an Fachwissen angeeignet ...

Beste Grüße

Peter
Klosterhof Bünghausen, Peter Schmidt & Susanne Schulte, Hömelstr. 12, 51645 Gummersbach, I: *** Der Link ist nur für Mitglieder sichtbar, zum Login. ***
----- Wir züchten Braune Bergschafe, Rotes Höhenvieh und Noriker vom Abtenauer Schlag -----
Benutzeravatar
klosterbauer
...weiß alles ganz genau
...weiß alles ganz genau
Beiträge: 758
Registriert: 12.2007
Wohnort: 51645 Gummersbach
Geschlecht: männlich

Re: "Massen-Bio"

Beitrag#17von karin » Montag 10. Dezember 2012, 09:30

Hallo,

also ich habe mir gerade den Beitrag zu "Bio" angesehen.

Ich denke nicht, dass der Beitrag überzogen ist.

Ein Verband hat uns sogar geraten, wir sollten Futterförderbänder installieren, damit und jetzt kommts...damit wir mehr Zeit für die Tiere haben!!
Per Hand füttern, jedes Tier persönlich begrüßen, das war nicht erwünscht.
Mitlerweile haben wir fast alle Ziegen verkauft. ( Konnten ja die "nicht Biomilch" nicht verkaufen)
Die restlichen leben in einem riesen Stall mit Pferden und Hühnern und Schweinen.

Die Hühner stammen aus einer Bio-Stallräumung, was wohl laut meiner Info, zwei mal im Jahr stattfinden muss.
(Töten der Tiere und Stall neu besetzen)

"...hier habe ich viel, was ich geschrieben habe, wieder gelöscht...es ist mir einfach zu gefährlich, dass was ich gesehen und erlebt habe zu veröffentlichen...."

Und es ist einfach Schade, denn es gibt viele Biobauern, die super arbeiten...und mit solchen Beiträgen geschädigt werden.
Und es gibt viele konventionelle Bauern, die mehr Bio sind, wie manche Biobauern.

Ach ja, dass mit den Kartoffeln glaube ich sofort, denn wir bekommen unsere Futterkartoffeln auch von einem Biobetrieb, 25 kg für 1,50€
Die sind halt nicht alle gleich groß. Schmecken aber perfekt.

Wie kann es sein, dass "Bio" manchmal weniger kostet, als konventionelles Essen!?!?!


Ist das nicht mehr Bio?
Bild

Jetzt müssen wir unseren Hof neu organisieren und ich hoffe und denke, dass wir bestimmt demnächst
wissen, wie wir weiter machen wollen.
Einen kleine Schritt haben wir schon angefangen.
Hier mal unser Flyer:-)
Bild
Benutzeravatar
karin
...schaut sich noch um
...schaut sich noch um
Beiträge: 5
Registriert: 11.2012
Geschlecht: nicht angegeben

Re: "Massen-Bio"

Beitrag#18von Herwig » Montag 10. Dezember 2012, 19:16

Hallo Karin, ne, Hühnerställe werden nur einmal jährlich geräumt, ist aber auch Verschwendung und zeugt von wenig Achtung gegenüber der Kreatur.

Ich finde es muss jeder seinen Weg finden und gehen, manchmal geht es auch ohne Bio. Die Menschen müssen halt Vertrauen zu Deiner Produktionsweise haben, solche TV Berichte erschüttern die Menschen und das Vertrauen.
Im Prinzip ist die Situation ja schon paradox: Als Biobauer muss ich kontrolliert werden, dass ich mit der Natur konform erzeuge, der konvi Bauer braucht nicht kontrolliert werden, er kann quasi nach Lust und Laune produzieren.
Heute las ich in der Tagespresse, das Stiftung Warentest verklagt werden soll. Die habwen festgestellt, dass in den Adventskalendern (Schokolade) Mineralöle enthalten sind und haben davor gewarnt. Es gibt aber keine Höchstmengenverordnung über Mineralölrückstände in Schokolade, die Erzeuger können also nicht belangt werden, im Gegenteil, weil der Umsatz der Kalender eingebrochen ist, verklagen die nun die Aufklärer, weil die Industrie sich zu Unrecht angegriffen fühlt.

In was für einer Welt leben wir?
Benutzeravatar
Herwig
Site Admin
Site Admin
Beiträge: 3344
Registriert: 10.2006
Wohnort: Suderbruch, bei Hannover
Highscores: 236
Geschlecht: männlich

Re: "Massen-Bio"

Beitrag#19von Alex » Montag 10. Dezember 2012, 22:32

Im Kapitalismus!!!!!!!!!!!!!!! Es zählt nur das Geld, wir sind doch fast alle Geißel des Konsums. Es ist unendlich schwer sich in unserer Gesellschaft davon zu befreien. Da nehm ich mich gar nicht aus.

Alex
Leben ist nicht genug, sagte der Schmetterling, Sonnenschein, Freiheit und eine kleine Blume gehören auch dazu!

*** Der Link ist nur für Mitglieder sichtbar, zum Login. ***
Benutzeravatar
Alex
Moderator
Moderator
Beiträge: 765
Registriert: 11.2006
Wohnort: Franken
Highscores: 16
Geschlecht: weiblich

Re: "Massen-Bio"

Beitrag#20von tomtom » Dienstag 11. Dezember 2012, 13:20

Ich hab mir den Bericht auch mal in Ruhe angesehen - das ist genau der Grund, warum ich sehr mißtrauisch bin, wenn ich BIO höre... ich stimme der Meinung zu, dass ich lieber konventionell und regional einkaufe als Fly-In-Bio... aber ich hätte mal eine kalkulatorische Frage: es heisst (auch im Beitrag) immer, dass (echtes) Bio unbedingt teurer sein muss als Massenware oder Fake-Bio. Die betriebswirtschaftliche Frage, die sich mir stellt: echtes Bio mit Direktvermarktung hat sicher höhere Produktionskosten, ganz klar, aber da fällt doch (mindestens) eine komplette Handelsstufe weg: kein Großhandel, evtl. sogar nicht mal der Einzelhandel, ganz zu schweigen vom Transport... da müsste es doch möglich sein, preislich auf ein akzeptables Niveau zu kommen, oder? Wohlgemerkt, ich kenne die Preisstrukturen in dem Markt nicht, aber ich weiß, was Handelsmargen sind... was sind eure Erfahrungen in dem Bereich?
Benutzeravatar
tomtom
...hat etwas zu sagen
...hat etwas zu sagen
Beiträge: 23
Registriert: 11.2012
Geschlecht: männlich

Re: "Massen-Bio"

Beitrag#21von klosterbauer » Dienstag 11. Dezember 2012, 21:40

Ahoi Tom

kalkulatorisch ist schwierig, ich kanns mal an unserem Beispiel versuchen. Wir verkaufen Fleisch - das wird geschlachtet und zerlegt. Das erledigt normalerweise ein Metzger - also sind die Kosten (Schlachten und Zerlegen) wie in der Metzgerei auch. Dann wirds für die Kundschaft verpackt, abgeholt (Zeit) oder ausgeliefert (Zeit und Sprit). Wenn man ehrlich ist: Kommt der Kunde auf den Hof, dann gibt es auch eine Hofführung, Zeit für Gespräche und so weiter und so fort. Das find ich auch alles gut, ist auch wichtig und gehört dazu. Rein kalkulatorisch wären wir vom Aufwand also sicher nicht unter der Metzgerei im Preis. In Realität orientieren wir uns an den Preisen der hiesigen Metzgerei, sind dazu noch bio (mit den üblichen höheren Kosten und niedrigeren Erträgen ...). Der naheliegende Bioladen nimmt so fast das Doppelte .... Aber wir wollen ja auch, dass sich "normale" Menschen noch unser Essen leisten können und wollen.
Anders formuliert - eigentlich sollten die Handelsmargen ja bei uns bleiben, aber wenn man nicht jede Preisspirale mitmachen will, sind wir eigentlich zu günstig. Die Kundschaft aus der Großstadt spricht bei uns von Sonderangeboten - wir hätten ein schlechtes Gewissen bei mehr ....
Aber eigentlich fallen ja fast die gleichen Kosten an, halt nur teilweise bei uns, und dann kommt wieder der Passus mit der Selbstausbeutung ...

@ Karin: warum nicht bio, das versteh ich nicht, müsste doch bei Ziegen gehen. Oder hab ich einen Teil der Diskussion verpasst.

Es grüßt aus Bünghausen

Peter
Klosterhof Bünghausen, Peter Schmidt & Susanne Schulte, Hömelstr. 12, 51645 Gummersbach, I: *** Der Link ist nur für Mitglieder sichtbar, zum Login. ***
----- Wir züchten Braune Bergschafe, Rotes Höhenvieh und Noriker vom Abtenauer Schlag -----
Benutzeravatar
klosterbauer
...weiß alles ganz genau
...weiß alles ganz genau
Beiträge: 758
Registriert: 12.2007
Wohnort: 51645 Gummersbach
Geschlecht: männlich

Re: "Massen-Bio"

Beitrag#22von Herwig » Mittwoch 12. Dezember 2012, 06:54

Bei normaler EU Bioware sind alle Handelswege und Vertriebsstrukturen mit dem der konvi. Ware identisch.Teilweise sogar aufwendiger, weil die Erzeugnismengen geringer sind und Verarbeitungsbetriebe weiter gestreut. Grundsätzlich ist die nächste Biomolkerei, Metzgerei, Mühle oder Bäckerei etc. nicht um die Ecke. Bei Bio denke ich nicht grundsätzlich nur an Frischware auf dem Markt oder an den Direktvermarkter, wenn ich das auch für die sinnvollste Vermarkrung halten würde. Auch die Auflagen für verarbeitende Industrie ist aufwendig, z.B. gesonderte Kessel in der Marmeladenherstellung, totale Reinigung von Abfüllmaschienen, Lkws, Lager etc sind zu beachten.Kntrollen hier ud da, Kosten für die Kontrollen und Verbände sind nicht unerheblich.
Ich bin grundsätzlich nicht skeptisch wenn ich Bioland, Demeter oder Naturland höre, bei EU Bio aber schon. Grundsätzlich bin ich jedoch der Meinung, das die Warscheinlichkeit , im Bio Breich einem Lebensmittelskandal aufzusitzen, geringer is,t als im konvi Bereich.
Ich bin auch immer auf Krawall gebürstet wenn ich höre, dass man die Preise für BIO zu hoch empfindet. Soclhe Äußerungen kommen meistens von Leuten mit besonders großen Autos, Zweitfernseh im Schlafzimmer, jedes Jahr Urlaub per Flieger, per Tag ungefähr eine Schachtel Marlboro, festem guten Einkommen und wenig Verständnis für ökologische Zusammenhänge. Es führt dazu, dass der Bauer, egal ob bio oder nicht, von seinen Erzeugnissen nicht mehr leben kann und subventioniert wird. Die Preise werden also so oder so gezahlt, entweder über Steuern oder gleich an der Ladentheke.
Ich kann dann nur empfehlen an der Prioritätensetzung im Leben etwas zu arbeiten. Weniger geiz ist geil Mentalität und elektro Schrott, dafür mehr Augenmerk auf Nachhaltigkeit und gesunde Ernährung.
Benutzeravatar
Herwig
Site Admin
Site Admin
Beiträge: 3344
Registriert: 10.2006
Wohnort: Suderbruch, bei Hannover
Highscores: 236
Geschlecht: männlich

Re: "Massen-Bio"

Beitrag#23von Dine » Mittwoch 12. Dezember 2012, 11:26

Hallo Herwig,

hmmm... ich bekomme durch meine Erlebnisse und Kontakte mit den Menschen hier in meiner Region und auch in meinem Landhandel eine etwas andere Sicht der Dinge. Ich habe viele Kunden, die selbst seit Jahrzenten zum Beispiel Hühner, Gänse, Kaninchen halten, mästen und verkaufen. Soweit, so gut. Aber es gibt auch die "neue" Klientel von Neukunden, die sich wieder selber Tiere für den Eigenverzehr halten, weil sie sich das Fleisch aus dem Discounter einfach nicht leisten können. Gut - meine Region hier ist sehr ländlich und strukturschwach. Da wird schon öfter mal der Garten umgegraben und Kartoffeln angepflanzt. Aber solchen Leuten (und auch die gibt es und nicht zu wenige) braucht man wohl nicht mit "lege mehr Augenmerk auf Nachhaltigkeit und gesunde Ernährung" kommen. Wer selbst schon einmal von Hartz IV leben musste, der weis auch nur zu gut, wie teuer dann schnell gesunde Lebensmittel sind. Ohne Witz - da kosen dann 5 Nugathörchen beim A*** genauso viel wie 1 Apfel. Die sind dann vielleicht nicht gesund, aber machen zumindest erstmal satt. Versteh mich nicht falsch, ich bin auf deiner Seite, dass BIO nicht zu teuer ist und die Gesellschaft dringend eine Neuorientierung in Punkto Prioritäten braucht. Aber auch meine Schilderung ist eine Realität. Hier bei uns in Deutschland.

LG
Dine
Besucht unsere Seite und lernt unsere Schafe kennen! *** Der Link ist nur für Mitglieder sichtbar, zum Login. ***
Benutzeravatar
Dine
Bauer, Farmer, Landwirt
Bauer, Farmer, Landwirt
Beiträge: 232
Registriert: 12.2011
Wohnort: Tellingstedt
Highscores: 2
Geschlecht: weiblich

Re: "Massen-Bio"

Beitrag#24von Herwig » Mittwoch 12. Dezember 2012, 18:28

Liebe Dine, ich bin beruflich in dem Bereich tätig und kenne das Klientel von dem du schreibst sehr gut. Oftmals ist es aber eben doch eine Frage der Prioritätensetzung. Meine Erfahrung geht ganz klar dahin, dass es auch anders ginge. Für eine Schachtel Marlboro bekommt man hier bei uns 1,5 Biobrote, für eine Flasche Bier, 1 Bio Hörnchen. Für einen McDoof Burger bekommt man 10 Eier, für einen Becher Cola noch mal 10.
Wirklich und ganz ehrlich, ich kann das Gestöhne nicht mehr hören.

Natürlich ist es schwierig, und ja, für Menschen ohne Reichtum, die am Rande des Existensminimums leben erst recht. Da bin ich als Erzeuger aber doch nicht in der Schuld, das ist ein politisches Problem. Weg mit den Subventionen in der Landwirtschaft und dafür gesetzliches Grundeinkommen für Arbeitslose, oder auch andere Ideen sind gefragt. Es macht doch keinen Sinn, die kleinen Biobauern zu demontieren, weil sonst die Hartz IV Empfänger es sich nicht leisten können, das ist contraproduktiv, wenn nicht sogar dämlich...
Benutzeravatar
Herwig
Site Admin
Site Admin
Beiträge: 3344
Registriert: 10.2006
Wohnort: Suderbruch, bei Hannover
Highscores: 236
Geschlecht: männlich

Re: "Massen-Bio"

Beitrag#25von legasp96 » Mittwoch 12. Dezember 2012, 18:32

Ich kann dich verstehen, Dine.
In strukturschwachen Gegenden (ich lebe auch in einer) ist es oft gar nicht möglich Demeter- Bioland- oder Naturlandware zu kaufen.
Zur nächsten Einkaufsgelegenheit fahre ich 5 km, der nächste Bioladen ist 15 km entfernt. Die Fahrerei kann sich niemand leisten, der wenig Geld hat.
Benutzeravatar
legasp96
Bauer, Farmer, Landwirt
Bauer, Farmer, Landwirt
Beiträge: 204
Registriert: 02.2010
Wohnort: 534
Geschlecht: nicht angegeben

Nächste

Beteilige Dich mit einer Spende