Wirtschaftskrise??

Moderator: armin


Verspüren Sie einen Rückgang im Absatz Ihrer Landwirtschaftlichen Erzeugnisse im letzten Halbjahr??

Umfrage endete Samstag 2. Mai 2009, 08:32

Nein, keine Rückgänge.
6
46%
ja, leichte Rückgänge, weniger Nachfrage
1
8%
ja, leichte Rückgänge, weil weniger Kaufkraft des einzelnen
0
Keine Stimmen
erhebliche Rückgänge, weniger Nachfrage, weniger Kunden.
2
15%
erhebliche Rückgänge, gleiche Kundenanzahl kauft weniger
0
Keine Stimmen
Im Gegenteil, gestiegende Nachfrage und Absatz
4
31%
Gleichbleibender Absatz, weil Preise gesenkt
0
Keine Stimmen
 
Abstimmungen insgesamt : 13

AbonnentenAbonnenten: 0
LesezeichenLesezeichen: 0
Zugriffe: 1910

Wirtschaftskrise??

Beitrag#1von Herwig » Donnerstag 2. April 2009, 08:32

Ich möchte eine neue Umfrage starten, um das Ergebnis im nächsten Newsletter vorzustellen.

Alle reden von der Wirtschaftskrise, merkt ihr das auch schon in Bezug auf den Absatz eurer Erzeugnisse??
Dabei spielt es keine Rolle ob ihr nur hin und wider ein paar Eier an eure Nachbarn verkauft oder jeden Tag ein Rind vermarktet.
Benutzeravatar
Herwig
Site Admin
Site Admin
Beiträge: 3392
Registriert: 10.2006
Wohnort: Suderbruch, bei Hannover
Highscores: 203
Geschlecht: männlich

Beitrag#2von karinenhof » Donnerstag 2. April 2009, 22:28

hallo,

ich möchte mich an der Abstimmung nicht beteiligen. Wir sind erst beim Aufbau. Der Verkauf von Zuchttieren kann erst in diesem Jahr gaaaaanz langsam anfangen. Fleisch werden wir dann erst ab diesem Herbst haben.

Bin aber gespannt auf die Ergebnisse der Umfrage.

Bildle Grüße von Karin vom Karinenhof im Havelland
***********************************************************************
Bei uns halten Soay Schafe die Wiese kurz. Sie sind auch zu finden unter http://www.karinenhof.de
Nutztier- Arche Karinenhof, Hof Nr. 81
Benutzeravatar
karinenhof
Moderator
Moderator
Beiträge: 1445
Registriert: 04.2007
Wohnort: 14662 Wiesenaue/ OT Brädikow
Highscores: 28
Geschlecht: weiblich

Beitrag#3von chook » Freitag 3. April 2009, 10:10

Moin,
ich gehöre in die Kategorie "verkaufe hin und wieder ein paar Eier" und habe mit "Nein, keine Rückgänge." gestimmt.
Ich verkaufe im Jahr so etwa 1500 Esseier, 400 Bruteier und 50 Junghähne/~hennen von Rassetieren und die Nachfrage scheint mir etwa gleichbleibend zu sein, wobei das bei den Esseiern schwer zu sagen ist, denn aus der 'Treuekiste' gehen die Eier immer schnell weg - vermutlich könnte ich noch viel mehr absetzen, habe aber nicht mehr. Auch der Nachfrage an Jungtieren kann ich nicht nachkommen. Der Nachfrage an Bruteiern kann ich gerade so entsprechen.

LG
Ute
Benutzeravatar
chook
...ist scheinbar Hobbyfarmer
...ist scheinbar Hobbyfarmer
Beiträge: 45
Registriert: 10.2008
Wohnort: Irland
Geschlecht: nicht angegeben

Beitrag#4von Frankenvieh » Freitag 3. April 2009, 17:03

Ich habe sowieso nicht so hohe Preise, da hier die Leute wenig verdienen. der Kundenstamm bleibt treu, bestimmt auch weil die Leute Verlässlichkeit mögenBild. Zu meiner Person: Ich habe keine Zukunfstpanik, ich weiß wie man Lebensmittel produziert und holz zum Heizen macht.

Was hier noch auffällt, viele besinnen sich auf Selbstversorgung zurück! Wie zu DDR-Zeiten, ne Sau im Stall, ein paar Kaninchen, n paar Hühner, Garten mit Gemüse und Kartoffeln....
Benutzeravatar
Frankenvieh
Moderator
Moderator
Beiträge: 641
Registriert: 10.2008
Wohnort: Thüringen
Highscores: 38
Geschlecht: weiblich

Beitrag#5von Weitersbacher Hof » Freitag 3. April 2009, 22:41

BildSo weit sind sie bei uns noch nicht, sie leben weiter wie bisher und hoffen auf den wirtschaftlichen Aufschwung, der demnächst kommtBild.

Ihr habt sowieso eine andere Sozialisation, bei uns kam der Wohlstand früher, Landwirtschaft war überflüssig, Lebensmittel gab es zu kaufen, Deutschland war Industrieland, das beste Ackerland wurde zugebaut, man brauchte Autos, um aus dem Neubaugebiet in die Einkaufszentren zu gelangenBildBildBild

Unsere Kunden hatten immer das richtige Bewusstsein: dass Lebensmittel in der Region für die Region produziert werden müssen.
Mit den Billigfressern kann man ohnehin nix anfangen.

Grüße
Doris
Benutzeravatar
Weitersbacher Hof
... weiß ganz gut bescheid
... weiß ganz gut bescheid
Beiträge: 197
Registriert: 04.2008
Wohnort: 66903 Ohmbach
Geschlecht: nicht angegeben

Beitrag#6von Ingo » Samstag 4. April 2009, 17:51

Moin Moin

Trotz negativer Meinungen einiger Leute, kann ich mich nicht beklagen.Bild
Verkaufe mehr als in den Jahren zuvor.
Die Qualität der Zucht- bzw. Schlachttiere hat sich durchgesetzt, obwohl ich den Preis angehoben habe.Bild

MfG Ingo
Ingo Grossnick
Nutztier-Arche-Norderwisch

Arterhaltung fängt Zuhaus an !

Zuchtring zur Erhaltung der Emdener Gans
Benutzeravatar
Ingo
Moderator
Moderator
Beiträge: 250
Registriert: 10.2006
Wohnort: Volsemenhusen
Geschlecht: männlich

Beitrag#7von smallfarmer » Sonntag 5. April 2009, 10:08

Hallo Doris

Ich sehe das ähnlich wie du. Man merkt das du Direktvermarkterin mit Leib und Seele bist. Nur das Wort
Billigfresser behagt mit nicht. Ich denke sehr wenig BF werden hier im Forum lesen, aber trotzdem haben
sie diese Bezeichnung nicht verdient.
Wenn du hier in der Gegend einkaufen gehst,kommst du an den vier Handelsketten eigentlich nicht
vorbei. Und jede Handelskette hat mindestens einen Discounter (Preiskaputtmacher). Und wie agressiv
diese Läden um die Kundschaft buhlen merken wir jeden Tag.
Dann gibt es auch wieder vermehrt Kurzarbeiter und Arbeitslose und wo wird zu erst gespart, beim
Essen.

Wir können nicht alle mit gutem Fleisch, Eiern und Kartoffeln versorgen. Mit akzeptablen Preisen und
guter Qualität wird auch unsere Kundschaft wachsen. Besorg dir doch mal ein oder zwei Bücher von
Joel Salantin, er ist der Family friendly farming Pabst in den USA. Ein guter Ratgeber.

Für mich persönlich ist es wichtig, nicht nur für die oberen Zehntausend zu produzieren, obwohl ich furchtbar gerne Geld verdiene.

Zur Befragung hätte ich noch anzumerken, das unser Klientel auch weiterhin bewußt regional einkaufen
geht. Was schwieriger geworden ist sind z. B. große Posten kurz vor Weihnachten. So 140 Euro
im Dezember für 20 kg Pute sind dann nicht mehr so einfach zu stemmen. Wenns Weihnachtsgeld fehlt,
oder wenn du arbeitslos bist. Kleinere Posten wie zehn Eier die Woche, oder ab und zu mal ein paar
Gläser Honig belasten den Geldbeutel nicht so sehr.

Noch einen schöne Sonntag
smallfarmer
Benutzeravatar
smallfarmer
...kann schon mitreden
...kann schon mitreden
Beiträge: 77
Registriert: 08.2008
Geschlecht: nicht angegeben

Beitrag#8von Weitersbacher Hof » Sonntag 5. April 2009, 21:30

Smallfarmer,

Du sprichst mir wie immer aus der Seele.
Ich mache sehr wohl einen Unterschied zwischen Leuten, die sich teure Lebensmittel nicht (mehr) leisten können und solchen, die am Essen sparen, um einmal mehr im Jahr in Urlaub fahren und sich ein noch größeres Auto leisten zu können.

Meine Preise sind äußerst moderat, weil wir auf dem platten Land wohnen und keine Phantasiepreise verlangen können.
Ich beobachte sehr genau die Umgebung: wenn ich mich Biobetrieb nenne und für ein Kilo Filet € 48.- verlange, für ein normales Stück Sonntagsbraten pro Kilogramm € 25.- ansetze und für ein Döschen Wurst, das gerade mal für eine Bemme des Hausvaters reicht, € 5.- abgrabsche, dann kann ich täglich fahren bis zur BASF und darüber hinaus und habe am Ende des Tages weniger Einnahmen in der Kasse als die gute Tante, die zu Hause in der Landwirtschaft und im Garten tätig ist und nur ein paar Eier und ein oder zwei Gläschen Wurst, ein bisschen Schinken und Dörrfleisch, ein paar Kartoffeln und ein bisschen Federvieh vermarktet.

Man erschrickt heute geradezu, wenn man einen Discounter aufsucht und die paar Kleinigkeiten einkauft, die einem im Direktvermarktungsbetrieb fehlen: Mehl, Zucker, Butter, Kaffee, Käse, Fische, Rotwein... kein Erzeuger kann noch von den Preisen leben, die sie dort verlangen. Milch kaufe ich nicht, ziehe mir immer eine Kuh zum Melken nach. All das könnten wir auch produzieren, wenn es nicht am Arbeitskräftemangel scheitern würde.

Mit meinen Kunden rede ich immer wieder über den Milchpreis, sogar mit den Handwerkern, die ab und zu mal was richten müssen. Keiner denkt, dass der Bauer davon überleben kann. Aber das ist auch gar nicht erwünscht. Die Kleinen sollen sterben, damit man die Großen um so besser an der Longe spazieren führen kann.

Wir hatten heute Jahresversamlmung des Glanviehvereins im Freilichtmuseum Kommern, da konnte man sich noch mal das frühere Landleben ansehen, den ganzen Kreislauf, der verloren ging.
Und wie sagte unser Zuchtausschussmitglied Leixner zum Thema Selbstversorgung, weil der Eigenbedarf auch noch kontrolliert werden soll: "Ehr brauche ned se meene, dass mer nix meh esse, weil Eier Weibsleid ned koche kenne..."

Dem bleibt ja nix hinzuzufügen.

Grüße
Doris
Benutzeravatar
Weitersbacher Hof
... weiß ganz gut bescheid
... weiß ganz gut bescheid
Beiträge: 197
Registriert: 04.2008
Wohnort: 66903 Ohmbach
Geschlecht: nicht angegeben

Beitrag#9von Frankenvieh » Montag 6. April 2009, 18:21

Weitersbacher Hof hat geschrieben:Smallfarmer,



Mit meinen Kunden rede ich immer wieder über den Milchpreis, sogar mit den Handwerkern, die ab und zu mal was richten müssen. Keiner denkt, dass der Bauer davon überleben kann. Aber das ist auch gar nicht erwünscht. Die Kleinen sollen sterben, damit man die Großen um so besser an der Longe spazieren führen kann.


Grüße
Doris
Das ist auch wieder so ein Käse..... Denkt ihr wirklich die "Großen" Betriebe können bei einem Milchpreis von 23cent leben? Nein, wir brauchen 33cent um +/-0 zu machen. Es wird einfach nur zuviel Milch produziert, das ist der Grund! Und es wird der überleben, der ein Polster hat und nicht nur Milchvieh hat! Die Politik wird sich nicht einmischen, der Rest regelt der Preis.
Benutzeravatar
Frankenvieh
Moderator
Moderator
Beiträge: 641
Registriert: 10.2008
Wohnort: Thüringen
Highscores: 38
Geschlecht: weiblich

Beitrag#10von Weitersbacher Hof » Montag 13. April 2009, 13:47

Ernsthaft denkt sicher kein Mensch, dass große Betriebe bei diesen Preisen überleben können.
Das Wachsen hat noch keinem Betrieb, den ich kenne, wirklich genützt. Lediglich das Elend ist auf eine höhere Stufe verlagert, und die größeren Betriebe hängen finanziell wesentlich mehr drin als die kleinen, die weniger Technik haben und noch manches von Hand machen können, was "nur" Arbeitskraft kostet.

Der BDM (stimmt die Abkürzung?) rechnet mit einer Anzahl von 30.000 Milchviehbetrieben, die in nächster Zeit aufgeben müssen.
Hinzu kommen die zahllosen Handwerks- und Bauernbetriebe, die all die Jahre stillschweigend gestorben sind. Kein Mensch fragt in dem Zusammenhang nach Arbeitsplätzen.

Hauptsache, jeder Deutsche hat demnächst ein funkelnagelneues Auto auf Pump...

Weder die Technisierung noch der Fortschritt noch die EU haben uns wesentlich weiter gebracht, ganz im Gegenteil: welcher Baum ist je in den Himmel gewachsen?

Manchmal denke ich, wir seien wie die Hobbits: am Rand des Verderbens sitzen und über Nichtigkeiten philosophieren....

Grüße
Doris
Benutzeravatar
Weitersbacher Hof
... weiß ganz gut bescheid
... weiß ganz gut bescheid
Beiträge: 197
Registriert: 04.2008
Wohnort: 66903 Ohmbach
Geschlecht: nicht angegeben

Beitrag#11von Frankenvieh » Montag 13. April 2009, 18:36

Weitersbacher Hof hat geschrieben:Manchmal denke ich, wir seien wie die Hobbits: am Rand des Verderbens sitzen und über Nichtigkeiten philosophieren....

Grüße
Doris
Hehehe, das sehe ich genauso, da quatschen se über de neusten Handys, Klamotten, Shopping,...... und keiner sieht das "Unheil" auf sich zu kommen. Ich denke auch das sich die Geschichte wiederholt, Inflation, Landflucht..... Ich hoffe nur das sich die braune Kacke dann NICHT wiederholt. Für den Ami haben's ja auch schon den Staatsbankrot vorausgesagt.....
Mal sehen was die Zeit mit sich bringt, Angst habe ich noch nicht....
Benutzeravatar
Frankenvieh
Moderator
Moderator
Beiträge: 641
Registriert: 10.2008
Wohnort: Thüringen
Highscores: 38
Geschlecht: weiblich

Beitrag#12von Weitersbacher Hof » Freitag 17. April 2009, 21:56

Ja, Vicki,

gegen die Angst gibt es eine gute Therapie, so eine Art kognitive Desensibilisierung. Die genaue Bezeichnung fällt mir jetzt nicht ein, ist ja lange her. Man stellt sich immer vor, was passieren würde, wenn das entsetzlichste Ereignis einträte, das man vor dem geistigen Auge visualisieren könne....

Nachher freut man sich auf das, was in der Realität eintreten könnte.
Man muss ja nur morgens in die Zeitung sehen, das ist besser als alles, was man je im Leben zu hoffen wagte.

Und jetzt gehe ich nach Hause und warte auf den Zusammenbruch des Systems.

Grüße
Doris
Benutzeravatar
Weitersbacher Hof
... weiß ganz gut bescheid
... weiß ganz gut bescheid
Beiträge: 197
Registriert: 04.2008
Wohnort: 66903 Ohmbach
Geschlecht: nicht angegeben


Beteilige Dich mit einer Spende