Vermarktung von Kaninchen

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Vermarktung von Kaninchen

Beitrag#1von Leykur » Dienstag 21. August 2012, 14:00

Es wird immer schwieriger in der heutigen Zeit erfolgreich Kaninchen zu vermarkten. Es bleiben fast nur ältere Kunden, welche ein auf natürlich gehaltenes Kaninchen noch zu schätzen wissen. Jüngere Leute wissen teilweise nicht einmal wie sie ein solches zubereiten sollten, weil einfach das Interesse oder die Lust am selbstständigen Kochen fehlt. Der Gang zu McDonalds ist nunmal einfacher. Haben sie sich dann doch entschlossen einmal ein Kaninchen zu probieren, gehen beim Züchter die Preisverhandlungen los. Die Leute wollen einfach nicht verstehen, daß ein seriöser Züchter nicht mit den Preisen einer Massentierhaltung mithalten kann. Wenn man die Haltungskosten betrachtet die für ein Tier bis zur Schlachtung entstehen, würden die Preise ins Astronomische gehen, und der Verkauf wäre komplett im Keller. Also kann man froh sein, wenn man sich im Laufe der Zeit einen kleinen Kundenstamm aufgebaut hat, welcher Qualität noch zu schätzen weis.
Ich habe für mich entschieden, daß ich keine Preisverhandlungen zulasse. Wem mein Preis zu hoch erscheint, soll sein Kaninchen gefroren im Supermarkt kaufen. Ansonsten esse ich es lieber selbst. Ich habe seit über 30ig Jahren Kaninchen, und in dieser Zeit sehr viele Rezepte versucht. Wer einmal Kaninchenrollbraten, oder Kaninchenravioli probiert und selbst hergestellt hat, dem wird es teilweise egal sein ob er das Kaninchen verkauft, oder für sich selbst genutzt wird
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Re: Vermarktung von Kaninchen

Beitrag#2von Herwig » Dienstag 21. August 2012, 17:45

Meine geräucherten Kaninchen finden immer Absatz.
Ich mache auch die Erfahrung, dass gerade junge Menschen keine Kaninchen essen wollen.(Weil die so niedlich sind) es geht eben der Bezug zu unserer Nahrung mehr und mehr verloren.
Wer bei mir Kaninchen kauft bezahlt 15.- Euro per kg.
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Re: Vermarktung von Kaninchen

Beitrag#3von Alex » Dienstag 21. August 2012, 23:22

Wie machst du die geräucherten Kaninchen?

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Re: Vermarktung von Kaninchen

Beitrag#4von Herwig » Mittwoch 22. August 2012, 08:58

Ich räuchere die Kaninchen heiß, also wie Fisch, bis sie durch sind (gar)
Sie werden eingepinselt mit einer Beize aus Walnussöl, Knoblauch, Thymian und was Mensch noch so gerne mag.
Nach dem Abkühlen kann das Fleisch als Aufschnitt bzw. Brotauflage dienen, oder auch erneut als Braten aufgewärmt werden. Ich schweiße halbe Kaninchen ein zum Verkauf.
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Re: Vermarktung von Kaninchen

Beitrag#5von Leykur » Mittwoch 22. August 2012, 14:05

Ich kann es nicht fassen Herwig. Das sind ja Traumpreise die Du bekommst. Ich verlange 8 € für das Kg, und das ist den Leuten noch zuviel und sie wollen handeln. Deshalb esse ich sie ja lieber selbst. Allerdings muß ich sagen, das bei uns an Markttagen die Kaninchen auch vom Bauern mit etwa 9,50 € angeboten werden. Das Kaninchen zu räuchern habe ich noch nicht probiert. Reicht das anpinseln mit Öl aus damit es nicht trocken wird? Hast Du schonmal einen Rollbraten vom Kaninchen gemacht? Einfach nur lecker
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Re: Vermarktung von Kaninchen

Beitrag#6von lucky9 » Mittwoch 22. August 2012, 14:23

Hi,

Also ich denke auch heutzutage muss man sich nen kunden stamm aufbauen der das gute fleisch zu schätzen weis den fakt ist ja das die jungen Leute gar keinen richtigen Geschmack mehr haben geschweige den Interesse an richtiger Ernährung. Wie Herwig auch gesagt hat man sohlte beim Preis hartnäckig bleiben die Leute müssen wissen das es bei solchen Sachen nichts zu verhandeln gibt. Die meisten haben ja keine Ahnung was da an arbeit drin steckt so ein Kaninchen groß zu ziehen,die pfeifen denken die Viecher sind in 2 Monaten Groß, schön währe es, wen man einen Hasen biologisch aufzieht braucht man mindestens 10 Monate.
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Re: Vermarktung von Kaninchen

Beitrag#7von Alex » Mittwoch 22. August 2012, 22:41

@Herwig, das klingt sehr lecker, das versuche ich auch mal, wie lange brauchen die ungefähr bis sie durch sind und wie lang hält sich das dann? Räucherst du die am Stück oder die Halben?

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Re: Vermarktung von Kaninchen

Beitrag#8von Herwig » Donnerstag 23. August 2012, 09:44

Es ist richtig, dass man einen Markt aufbauen muss, man beachte, dass ich seit 2004 Nutztier-Arche bin und auch dem entsprechend lange Kunden generiere. Ich habe übrigens gestern 7 Kaninchen geshclachtet, ich habe mich kurz entschlossen die Preise, wegen der höheren Getreidepreise ebenfalls zu erhöhen. Kaninchen gestern also für 17.- Euro per kg verkauft. 5 Stck waren vorbestellt und sind auch zu dem Presi abgeholt worden. Keiner hat genörgelt, alle schon wieder ein neues bestellt. Ich habe Meißner Widder, ausgeschlachtet wogen die durchschnittlich 2 kg, mal mehr mal weniger. Alle werden mit biol. zertifiziertem Futter gefüttert. Geräuchert kostet das kg 20.- Euro.
Ich habe immer das Gefühl. dass die Direktvermarkter, bzw. Überschussvermarkter die Vermarktung nicht ernst nemen, weil sie ja nicht davon leben müssen. Bei mir hat noch nie jemand versucht zu handeln, wer das versuchen möchte, kann gehen und braucht auch nicht wieder kommen. Ich erzeuge immer eine künstliche Verknappung meiner Erzeugnisse, so dass ich nie in die Veruschung kommen kann, etwas unter Preis zu veräußern. Ich baue grundsätzlich erst eine Nachfrage auf und dann das Angebot!!!!! Niemals umgekehrt!
Soll heißen:
Mich rufen oft Leute an, die Nutztier-Arche werden wollen, weil sie gehört haben, dass man mit z.B. Bentheimer Schweinen viel Geld verdienen kann. Die möchten dann zwei Sauen und einen Eber kaufen. Solche Vorhaben sind zu Scheitern verurteilt.
2 Sauen, macht rein rechnerisch 36 Ferkel im Jahr. 36 Ferkel füttern, pflegen und schlachten. Schlachten ist nicht umsonst und meistens ist ein Wurf natürlich auch zur gleichen Zeit schlachtreif. Also muss der Züchter 10 Schweine so ganz nebenbei zu einem Termin bzw. einem Tag vermarkten und das 3,5 mal pro Jahr. Man muss nicht Professor sein, um zu ahnen, das sowas nicht klappen kann. Da wird dann der Kram verschleudert und sich gewundert, dass die Kunden handeln wollen.

Ich empfehle immer die gleiche Vorgehensweise, egal um welche Tierart es geht. Ob ich Eier, Brathähnchen, Kaninchen oder was auch immer verkaufen möchte. Notfalls muss ich den Überschuss selber verwerten können, zumindest anfangs.
Auf Schweine bezogen gebe ich immer folgenden Rat an die Anfrager:
Kauft euch zwei Börge-Ferkel. Veruscht günstig an Futter zu kommen ( Biobauern> aussortierte Kartoffeln, Möhren, Rote Beete etc. BIO Gärtnereien> Gemüse, das vom Markt zurückkommt, BioBäckereien, Gemüsekisten etc etc etc) Nebenbei versucht Schweinefleisch von Bio Schweinen anzupreisen, gleich kg 10 Euro verlangen. Bietet nicht halbe oder viertel Schweine an, kaum noch jemand kann in einem privaten Haushalt derartige Mengen lagern. (notfalls inseriert in Stadtmagazinen: Wir wohnen auf dem Land und schlachten unser selbstgemnästetes BIO Schwein, wer möchte etwas abhaben?- So enstehen Kontakte!) Bietet 10 und 5 kg Pakete an, kein Sortenfleisch, d Eure Kunden dürfen das dann direkt beim Schlachter abholen und später bei Euch bezahlen.
Schafft ihr das bei einem bzw. zwei Schweinen, könnt Ihr erstens die Arbeit abschätzen, zweitens den Futteraufwand und drittens könnt Ihr notfalls alles selber aufessen.
Nun Kontakt zu den Kunden halten: Nachfragen, hat es geschmeckt, wollt ihr gerne nochmal etwas haben, etc., Bestellbuch anlegen mit email und Telefonnummer. Kunden informieren mit Rundschreiben: in 6 Wochen schlachten wir weider eines unserer BIO Schweine, wer etwas von den wenigen Erzeugnissen haben möchte dringend vorbestellen.

Klappt alles gut, als nächtes 4 Börgeferkel fettmachen, wenn das auch geklappt hat,erst dann als nächstes eine Sau ferkeln lassen!

Futterlieferanten: Bio Bauern, Gärner und Bäckereien bekommen grundsätzlich ein paar Dosen Wurst oder Bratwurst geschenkt.

Diese Vorgehensweise habe ich bei allen Tieren genau so gemacht. Mittlerweile sind in diesem Jahr: 140 Brathähnchen vorbestellt (kg 11 Euro) 40 Suppenhühner (Stck 15 Euro) 36 Kaninchen (17 € kg) Über 300 Dosen Schweinewurst, 30 Dosen Rinderwurst (300gr 3,50 Euro) Rindfleisch, obwohl ich nur ein Bullkalb zur Schlachtung haben werden.
Achtet ein wenig auf ansprechende Verpackung, vakuummieren sollte Pflicht sein, ein Anhänger mit Informationen zum Futter und Schlachter macht sich auch gut.
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Re: Vermarktung von Kaninchen

Beitrag#9von Herwig » Donnerstag 23. August 2012, 09:52

Zum Räuchen:
Ich räuchere die Kaninchen als ganzes, die Zeit variiert, 70 Grad sollten es sein. Bratenthermometer benutze ich zur Kontrolle. Danach teile ich die Kaninchen, Vakuumiere sie und friere sie ein. Wir essen sie vornehmlich als Aufschnitt fürs Brot.
Trocken werden sie bei mir nicht, ich pinsele aber auch zwischendurch die Haut ein...
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Re: Vermarktung von Kaninchen

Beitrag#10von Frankenvieh » Sonntag 26. August 2012, 07:19

Die Preise gestalten sich auch nach dem einkommen der kunden! ich habe mal einen gehaltsvergleich gegoogelt. Wenn der Bundesdurchschnitt 100€ bekommt ist das in hannover 103,30€ und bei uns (Gera) 78,70€. Es ist mir also NICHT möglich die Tiere zu 17€ per kg anzubieten. 7,50€ ist die untere Grenze! hier wohnen viele rentner, die haben gerade so 800€ im monat. da kann ich weder 2€ für die Eier oder 17€ fürs Kaninchen verlangen. Zumal wir für umsonst deren Gärten mähen dürfen, sie helfen tlw. sogar bei der Heuernte. ach ja, die "Gärten" gehen hier ab 2000m² los... Die Kaninchen sind Resteverwerter, angedörrte Brennesseln dienen als Eiweißlieferant. kraftfutter ist bei denen kaum nötig. sie sind zwischen 6-9Monaten schlachtreif. wir halten kalifornier 4kg, Havanna 3,5kg und deutsche Riesen 8kg (zum einkreuzen). Widder fänden hier keinen Absatz, weil die Leute glauben das Fleisch wäre zu langfasrig....(?????)
Wie sieht es bei den Fellen aus? Für gut getrocknete und gespannte Felle gibt's hier 0,50€. Da lohnt sich wieder nur die Masse....
was wir dieses Jahr noch probieren ist der kleintiermarkt, um Zuchttiere zu verkaufen. das wird hier immer beliebter.
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Re: Vermarktung von Kaninchen

Beitrag#11von frank.s » Sonntag 26. August 2012, 08:25

Also ich glaube auch, das ein Preis von 17€ das kg in der Regel schwer durchzusetzen ist. Wenn man einen Kundenstamm hat, der den Preis zahlt, weil ihm es das Wert ist, dann ist das natürlich toll.

Ich denke nur wenn das der realistische Preis ist, dann gebe ich meine Zuchttiere (Angroa und Bartkaninchen) billiger ab, als sie mir als Schlachttier bringen würden.
Viele Grüße
Frank

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Re: Vermarktung von Kaninchen

Beitrag#12von DerMessie » Mittwoch 29. August 2012, 14:58

In einer frühen Ausgabe "Rassekaninchenzucht" von Dr. Dorn führt dieser aus, daß die Kaninchenzucht, wenn man sie ordentlich betreibt, kaum Gewinn abwerfen dürfte. Wenn ich denn mal ein geschlachtetes Tier verkaufe, dann nehme ich 10€ für das kg- das sind geschätzt meine Selbstkosten.das Einkommensniveau hier bei uns in Sachsen-Anhalt liegt noch unter dem in Thüringen, die Kosten sind aber real die selben. Lebende Zuchttiere werden meist auf Schauen verkauft und fängt bei meinen Deutschen Widdern bei 40€ auf der Kreisschau an, auf Landesschauen werden auch schon mal 80 fällig. Jugendzüchter kriegen auch mal was umsonst denn jeder hat mal angefangen.
Was das Gerücht mit dem Fleisch von den Widdern angeht, so sehe ich das in der ehemaligen DDR begründet. Viele Leute haben sich damals ihr Einkommen mit der "Kaninchenzucht" aufgebessert, hat sich ja auch wegen der subventionierten Aufkaufpreise gelohnt. Und viele dachten, mit großen schweren Wirtschaftsrassen (z.B. Deutsche Riesen) und entspr. Kreuzungen viel verdienen zu können, zumal sie ja lebend aufgekauft wurden und auch niemand nach dem Alter des Tieres fragte. Nun ging aber ein Großteil des Fleisches in den Export ins "nichtsozialistische Wirtschaftsgebiet" Und da wurde zweimal hingesehen. Also gab es zuletzt mehr Geld für das "zartere Fleisch" der Mittel- und Kleinrassen (Export) und was man nicht los wurde kam in den Bevölkerungsbedarf und da war wohl so mancher "alte Hase" dabei...
Übrigens hat mich noch keiner gefragt was das mal für ein Kaninchen war- meine Rentner bringen fleißig Futter und freuen sich über Ihren Weihnachtsbraten.
Und das Räuchern wird auch noch ausprobiert, ich kenn da einen Angler...

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