Einblick in die Ferkel-Massenproduktion

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Einblick in die Ferkel-Massenproduktion

Beitrag#1von alfredo » Mittwoch 11. März 2009, 20:14

In Vorbereitung auf ein Referat zum Thema: Unser täglich Fleisch gib uns heute/
Unser täglich Billigfleisch gib uns heute, war es mir heute vor 14 Tagen ermöglicht worden
eine 6000 er Sauenanlage zu besichtigen.

Der Betreiber -muss ich sagen- gibt sich alle Mühe um den 30 Angestellten und den Tieren ein
"annehmbares Klima" zu schaffen.

In den Abferkelställen 28°C und im gesamten Objekt relativ gute Atemluft.

Bei dem Rundgang mit einem befreundeten TA konnte ich keine kranken oder unbehandelten Tiere entdecken.

Auch die ca. 4000 Ferkel und Läufer waren sehr vital, 11,8 Ferkel je Wuf im Durchschnitt.

Statt Betonspaltenböden Plastik, eindeutig trittsicherer.

Aber damit hört dann auch schon meine positive Bilanz auf.

Drei Wochen sind die Sauen in den 180x80 cm Zwangsstand - solange sind auch die Ferkel bei der Mutter.
Danach noch weitere 5 Wochen im ebenso engen Besamungsstand, bis sie dann zu fünfzehnt (bis zum Abferkeln)
"frei laufen" ca. 7x10m.

Alles in allem ein trauriges Leben, weil außer zweier Ketten je Ferkel/Läuferbox keine Abwechslung und Spielmöglichkeit...

Ich denke: Wenn der Verbraucher irgendwann begreift, dass Leben einen höheren Wert hat und haben muss
als leblose Konsumgüter, also das Schnitzel einen mehrfachen Preis haben muss ( bei Ausschaltung der arroganten Zwischen-
händlergewinnabschöpfung) dann wird bei entsprechender reformierter Landwirtschaftspolitik ein Schweinehalter mit seiner
Familie auch von kleinen, artgerecht gehaltenen Beständen leben können.

Das nur mal als kurze Info aus eigener Anschauung...

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Es grüßt

Alfredo
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Beitrag#2von knüllbergfarm » Donnerstag 12. März 2009, 07:33

Hallo Alfredo da gebe ich dir recht wir haben bis dahin noch einen weiten weg vor uns,die meisten Endferbraucher davon zuüberzeugen das es auch zum wolle des Tieres geht.
Bildle grüsse Thomas
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Beitrag#3von Frankenvieh » Donnerstag 12. März 2009, 09:23

28°C im Abferkelbereich? Viel zu warm, was hatten die für Erdrückungsverluste?`Oder hatten die Sauen eine Kühlung in ihrem Liegebereich? Wir hatten 20-21°C und im Flatdeck 30°C.

Die Sauen werden 30Tage nach der Besamung noch fixiert, weil da die Föten "anwachsen". Wenn die Sauen in dieser Zeit Streß ausgesetzt sind (Rangkämpfe) verferkeln sie. Und jeder güste Tag kostet 5€ pro Sau....

haben die Sauen 11,8 Ferkel geboren oder aufgezogen?
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Beitrag#4von Frankenvieh » Donnerstag 12. März 2009, 09:57

Bild gerade 1Tag alt, da sind die Schwänzchen noch dran. Kastenstand mit Ablegebügel.
Bild
Abferkelabteil mit 30 plätzen.

Bild
Flatdeck, Ferkel ca. 5Wochen alt. Leider hatten die nur eine Kette zum Spielen. Was richtig gut ist: Holzklötze zum rumrollen und benagen. Oder Ferkelbälle. Die Gummischwänze eignen sich wenig, gehen zu schnell kaputt.
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Beitrag#5von alfredo » Donnerstag 12. März 2009, 11:35

Ja, genau so sieht es in dem besuchten Objekt aus...

11,8 Ferkel wurden angeblich faktisch aufgezogen.

Die abgesetzten Ferkel haben in ihrem Stall dann die 21°C und erhalten alle 4 Stunden ihren Futterbrei per Computersteuerung.

Auch wenn meine im Offenstall gehaltenen Schweinchen eine geringere Tageszunahme haben, sind bis jetzt alle geborenen groß
geworden.
Wenn es in einer Woche zum Wurftermin frostig sein sollte, werde ich aber vielleicht eine Wärmelampe rein hängen...


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Beitrag#6von Bartkaninchen » Donnerstag 12. März 2009, 20:45

Hallo Alfredo,
ich habe in der ehemaligen DDR wo ich auch jetzt noch wohne in einer damals bezeichneten S 68 , bei uns SAZA (Sauenzuchtanlage) gearbeitet. Ausgelegt war die Anlage für 68.000 Schweine. Es waren jedoch immer bedeudend mehr Tiere in der Anlage.
Ich habe dort in allen 4 Bereichen die es gab gearbeitet. Das waren die Abferkelung, die Läuferaufzucht, der Wartestallbereich und die sogenannt S 0 (null) der Bereich wo Zuchtläufer bis zum Verkauf gestanden haben. Wenn ich da nun die Fotos sehe dann haben die Tiere es sehr angenehm. Über die damaligen Arbeitsgänge und Methoden möchte ich mich hier lieber nicht öffentlich äußern, doch schön war vieles nicht gerade.
Ich hoffe Du kannst ein positives Referat und irgendwann einmal einen erfolgreichen Abschluß erziele.
Gruß aus dem Unstruttal !
Ralf !
"Man empfindet es oft als ungerecht, daß Menschen, die Stroh im Kopf haben, auch noch Geld wie Heu besitzen.”

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Beitrag#7von Frankenvieh » Freitag 13. März 2009, 09:11

alfredo hat geschrieben:Auch wenn meine im Offenstall gehaltenen Schweinchen eine geringere Tageszunahme haben, sind bis jetzt alle geborenen groß
geworden.
Wenn es in einer Woche zum Wurftermin frostig sein sollte, werde ich aber vielleicht eine Wärmelampe rein hängen...


Es grüßt
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eben! und schmeckt auch besser. ! Und man braucht keine Heizung und Lüftung.....
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Hallo

Beitrag#8von Kuschelkatze » Samstag 14. März 2009, 18:44

Hallo Alfredo.

Ich komme auch aus dem Osten, und habe damals Fa f TP gelernt. Ich war hauptsächlich im Rinderstall. Ganz so schlimm war es bei uns im Stall warscheinlich nicht. Mir tat es nur leid, wenn einige Fahrer zum Ausmisten mit dem Traktor keine Zeit zum aussteigen hatten, und die Kälber anfuhren, bis sie aufstanden.
Das war schon schlimm genug.
Aber der Mensch denkt, er kann die Tiere leiden lassen. Ob in den Ställen oder beim Transport. Manche Menschen können Tiere einfach ohne schechtes Gewissen leiden lassen.

Ich habe mich heute mit meinem Bekannten unterhalten. Bei uns war es heute richtig schön sonnig. Die Hühner hatten Freilauf im ganzem Garten.
Ich beaobachte meine Tiere gern. Das ganze getue des Hahn mit den Hennen. Wie er rumspinnt, und macht, als ob er sonsta was schönes für die Hühner gefunden hat. Wenn er so aufgeregt tut, kommen auch alle Hennen an. Auch bedient er sich beim Fressen nicht zuerst. Wenn es z.B. Wurststückchen gibt, hält er sie im Schnabel, und füttert seine Hennen. Nur wer es schon beobachtet hat, weiß, was ich meine.
Dabei unterhielten wir uns, das es doch glückliche Hühner sind. Nicht, wie die armen Hühnchen in der Käfighaltung, die Ihr kurzes Leben nie eine Sonne sehen, und dann als Brathähnchen enden. Ist das nicht ein trauriges Leben? Die Tiere haben doch ein besseres Leben verdient .
Egal, ob Huhn, Rind oder Schwein. Alle Nutztiere. Da der Mensch sie ehe schon ausnutzt, sollten sie wenigsten ein gutes Leben haben.

So ist meine Meinung. Leider machen zu viele Menschen da die Augen zu.

L.G. Sabine
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Beitrag#9von Frankenvieh » Sonntag 15. März 2009, 09:16

hallo Sabine!

Die Haltungsbedingungen haben sich seit DDR-Zeiten sehr geändert! Ich arbeite nicht mehr in der Schweineproduktion sondern in der Rinderzucht. Die heutige Milchviehhaltung ist eine sehr artgerechte Haltung, zumindest die moderne Laufstallhaltung (nicht auf Vollspalte).
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Da hast du was falsch verstanden.

Beitrag#10von Kuschelkatze » Sonntag 15. März 2009, 14:32

Ich wollte nur sagen, das das mit den Kälbern das einzige war, was mich störte.
Glaube so dumm habe ich mich nicht ausgedrückt. Ich will nicht sagen , das in der DDR alles schlecht war. Im Gegenteil. Manches besser, als jetzt.

Der Mensch in dem Traktor hätte ja aufstehen könenn, und das Kalb hochstellen. Nein, da war der Mensch zu faul zu. Das meinte ich damit. Egal ob DDR Zeit oder nicht. Es liegt an den Menschen, die Tiere zu achten, und so zu behandeln, wie sie ( die Menschen ) auch behandelt werden wollen.
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Beitrag#11von Frankenvieh » Montag 16. März 2009, 08:12

Das habe ich auch nicht gemeint. Zu DDR-Zeiten waren die Sauen z.B. angebunden am Hals oder Brustgurt. Auch die Kälber wurden schon an die Kette gelegt. Gibt's zumindest bei den größeren Betrieben nicht mehr. Nein, zu DDR Zeiten war nicht alles schlecht. z.B. war die Ausbildung in der LW besser als jetzt. Außerdem war das eine völlig andere Zeit, will nicht wissen wie da die Kuhställe im "Westen" aussahen, wahrscheinlich ähnlich, halt nur kleiner.


Die faulen Traktoristen gibt's heute noch, aber die bekommen mächtig Ärger wenn sowas passieren sollteBild
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