ZIELE UNSERER SCHAFZUCHT -> Warum haltet/züchtet ihr Scha

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Beitrag#26von Biggi » Donnerstag 16. Dezember 2010, 12:29

Ich hab mich grad mal durch dieses Thema gelesen. Dieser Tiger hat wahrscheinlich einfach nur Spaß daran gehabt, die Runde mal aufzumischen?? Wie auch immer!

Einiges hier möchte ich gerne kommentieren.

Herwig hat geschrieben:Schafzüchter sehen oftmals den Wert der Wolle selber nicht. Wenn man etwas verkaufen will, davon gehe ich aus, wenn man die Wolle seiner Shafe aufhebt, muß man sich auch um den Absatz kümmern. Viele Schafhalter sitzen einfach da und warten das der Herrgott Kundschaft schickt. Eigeninitiative ist gefragt, es gibt inzwischen wieder Spinnclubs, Handweber, Filzerinnen etc etc etc.

Nun, teilweise magst du Recht haben, andererseits habe ich schon diverse Spinnclubs kontaktieret, um unsere (bunte) Schnuckenwolle an den Mann/die Frau zu bekommen. Leider bestand kein Interesse! Was soll ich also damit machen? Ich hab ein Angebot bekommen, die für 60 EUR / kg kardieren un dspinnen zu lassen. Da bin bei der Wolle von einem Schaf mit ca. 200 EUR dabei. Das mal 50 (derzeit, es soll ja noch mehr werden) - sorry, aber das ist mir die Wolle leider nicht wert, das kann ich mir auch nicht leisten.

Wer frisch geschorene Schnuckenwolle haben möchte, kann mich gerne kontaktieren, im April ist wieder Schur.

Wir haben zukünftig 2 Schnuckenherden. Zum einen unsere bunte Stammherde (Gebrauchsherde), die wir - zugegebenermaßen - auf Größe selektieren. Dabei achten wir aber auch darauf, dass sie ihre ursprünglichen Rasseeigenschaften nicht verlieren.
Zum anderen haben wir jetzt unsere weißen Hiedis, die ab nächstem Jahr im Herdbuch gezüchtet werden, da aber streng nach Rassevorgaben des Verbandes.
Ein Vermischen ist nicht, beabsichtigt, wobei aber der gekörte weiße Bock gerne noch ein oder 2 Jahre in die bunte Herde darf, wenn er in der weißen nicht merh decken darf wegen eigenen Nachkommen.

Auch wir wollen mit den Schafen den ein oder anderen Euro hinzu verdienen. Und wenn man das richtig eKonzept hat, kann das. in meinen Augen, auch mit Schnucken gehen:
1. Pflege von Naturschutzflächen, für die es Pflegegeld gibt
2. Züchtung gefährdeter und damit geförderter Tiere (was aber nicht der einzige Grund für die Zucht der weißen Schnucken ist!)
3. regionale Vermarktung an die gehobene ortsansässige Gastronomie
4. die Wolle - ja, dafür bekommen wir leider nichts und was wir damit zukünftig machen ????
Es soll ja Versuche geben, Heidschnucken mit Nolanas zu kreuzen ... Bild
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Beitrag#27von karinenhof » Donnerstag 16. Dezember 2010, 16:59

hallo Biggi,

ich bin seit diesem Jahr dabei, mich durch verschiedene Wollen durchzuprobieren.
Abnehmen kann ich keine Massen, aber probieren würde ich gerne von den weißen und auch von den bunten Schnucki´s.

Also, wenn es so weit ist und ihr die Wollis nackisch macht, dann sollten wir uns noch mal kontakten Bild.

Das mit der regionalen Vermarktung halte ich auch für sehr sinnvoll. Als ich im Spätsommer in der Lüneburger Heide war, habe ich nicht ein lebendes Schaf gesehen. Viel Felle (die nicht von Schnucken waren), Birkenschafe (die niedlich sind) und eine Menge für gut zahlende Touris, die kein Mensch braucht.
Regionale Produkte waren sehr, sehr wenig vertreten. Das fand ich sehr schade.

Für Euer Vorhaben wünsche ich Euch ein gutes Händchen.

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Beitrag#28von Herwig » Donnerstag 16. Dezember 2010, 17:54

Niemand der spinnt oder filzt, kann Schnuckenwolle gebrauchen. Eine Alternative ist vielleicht noch Teppich weben.
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Beitrag#29von karinenhof » Freitag 17. Dezember 2010, 12:47

hallo Herwig,

zum verweben muss die Wolle vorher doch auch versponnen werden. So habe ich es mir erlesen.

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Beitrag#30von Mathias Vogt » Freitag 17. Dezember 2010, 13:29

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Beitrag#31von Biggi » Freitag 17. Dezember 2010, 14:23

@Karin
Ich geb dir Bescheid, wenn bei uns die Schur ansteht. Wahrscheinlich Ende April, bevor die Schafe wieder raus kommen. Ich hatte die Wolle schon mal bei dhd24 angeboten (zur Abholung oder gegen Versandgebühr zzgl. Verpackung (Umzugskarton)). Da war jemand interessiert und wollte die Wolle per Post/Kurierdienst nach Geldeingang der Kosten verschicken. Das Geld ist nie eingegangen und die Wolle wurde doch nicht verschickt. Jetzt weiß ich aber, dass in einen Umzugskarton 4-5 Fliese passen und der Versand ca. 10 EUR kostet. Bild

@Herwig
Ich hatte schon mal die Idee nach Vorbild östlicher Hirten (Bereich Mongolei oder so, hab ich mal im TV gesehen) Teppiche zu filzen. Dafür wird die Wolle gewaschen, einer dicken Baumwolldecke oder -matte verteilt, eingerollt und feste gewalkt. Bislang fehlte es mir aber leider an Zeit und Gelegenheit.

Dass sich Schnuckenwolle nicht unbedingt für Kleidung eignet (außer vielleicht die feine gewellte Lammwolle), ist mir schon klar. Aber in einem Spinnclub hab ich irgendwo Erfahrung und Kreativität vermutet.
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Beitrag#32von Biggi » Freitag 17. Dezember 2010, 14:27

Ich hab grad gesehen, dass es ein Thema zur Verwendung von Schafwolle gibt, da ist dieses Thema vielleicht besser aufgehoben? Bild
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Re: ZIELE UNSERER SCHAFZUCHT -> Warum haltet/züchtet ihr Scha

Beitrag#33von schnuckened » Sonntag 5. Mai 2013, 14:24

für mich war eigentlich von anfang an klar, welche schafe zu meiner zur verfügung stehenden fläche passen. und der anfang war natürlich auch die zeit des unterschätzens, denn die magerheideflächen geben weniger her, anders herum, die heidschnucken fressen doch erheblich mehr, als es mir am anfang bewusst war.
warum schafe? die frage ist schnell beantwortet. die fläche stand zur verfügung, ein miterwerb nach waldkauf. ein wunderschönes stück erde, was nach und nach zur nutzung aus o.g. gründen erweitert wird. so wird ödland in nutzland umgewertet, ohne die vorhandene ursprünglichkeit zu verdrängen. im gegenteil, durch die nutzung mit den schafen entwickelt sich eine ganz eigene artenvielfalt, ein biotop. hier habe ich 2 fliegen mit einer klappe geschlagen, halte tiere, was schon immer mein traum war und leiste hier einen wertvollen beitrag zur erhaltung unserer besonders in der lausitz durch die braunkohle geplagten natur. das ist mir wichtig.
der nächste aspekt ist die ökologisch geprägte gewinnung von nahrungsmitteln. was leckeres als so gewonnenes biofleisch gibt es nicht. dafür sind meine familie und ich dankbar!
an der verwertung von fell und wolle arbeiten wir noch. wolle fällt bei den heidschnucken massig an, leider dient es bislang nur als mulchmaterial. es für einiges geld verwerten zu lassen (decken, vließe), widerspricht ein wenig meiner philosophie, aber ich kann mir das doch immer mehr vorstellen, es doch mal zu probieren. vielleicht erzählt ihr auch was von euren erfahrungen damit.

grüße

ed
Geprüfter Berater in Wolfsangelegenheiten nach Monitoring-Standards mit Unterstützung von VIEH / majaura@t-online.de
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Re: ZIELE UNSERER SCHAFZUCHT -> Warum haltet/züchtet ihr Scha

Beitrag#34von Dine » Montag 6. Mai 2013, 10:50

Hallo Ed,
bei uns war es eher so, dass wir eine passende Ergänzung zu unserer Hobby Pferdehaltung suchten, da unsere 3 Pferde die Koppeln allein von 2,5ha nicht abfressen konnten. Nach eigentlich recht kurzer Suche und einigen Telefonaten und Emailkontakt zu einem Zuchtverband waren wir uns aus verschiedenen Gründen schnell einig, dass wir Rauhwollige Pommersche Landschafe haben wollten. Selbst bei der Beschaffung hatten wir Glück und konnten einen kleinen Bestand übernehmen, von jemandem der die Schafhaltung aufgeben wollte.
Die Schafe sind klasse und ich hätte nie gedacht, dass sie so toll sein könnten. Mit ihren wundervollen Charakteren, total anhänglich und gar nicht "dumm" halten sie bei uns jetzt seit 1 Jahr die Koppeln mit kurz.
Mittlerweile haben wir noch einen weiteren Hektar Land hinzugepachtet, der zuvor jahrelang nicht genutzt wurde. Das Gras wuchs nur auf und viel wieder um, wuchs auf und... naja, eben immer so weiter. Die Schafe rekultivieren diese Fläche ganz wunderbar. Und gerade am Rande des Landschaftsschutzgebietes finde ich die Nutzung mit Schafen einfach stimmig. Am Biotop arbeiten wir auch noch, zuletzt durch das Anlegen lassen von Knicks sowie Aussaat von Gras-Kräuter-Mischungen auf den anderen, schön länger genutzten Koppeln. Interessant finde ich, wie sehr wir in diesem Jahr mit den Schafen schon hineingewachsen sind in die "biologische" Nutzung von Tier und Land. Bei meinen Pferden war das immer mein Traum, aber erst mit den Schafen scheint sich dieser Traum verwirklichen zu lassen. Vorher fehlte einfach eine wichtige Komponente...
So können wir jetzt auch ökölogisch sinnvoll Wirtschaften und ebenfalls unser traumhaft leckeres Schafsfleisch selbst produzieren. Meine Mutter und Ich sind noch einen Schritt weiter gegangen und verwerten auch die Wolle selbst. Wir spinnen aus Ihnen eigenen Garne für uns (im Moment noch hauptsächlich) oder auch zum Verkauf (zur Zeit noch nebensächlich, aber das ändert sich wohl wenn endlich alle aus der Familie "Ihren" Pullover, Jacke, etc. haben). Die Felle der geschlachteten Böcke lassen wir gerben und nutzen sie entweder selbst oder verkaufen auch diese.
Zu unserer Überraschung scheint es hier bei uns in Gegend keine großen Absatzprobleme zu geben, denn wir haben stets mehr Nachfragen als Schlachttiere/Garne/Felle. Mir war es auch einfach zu schade, die Vliese ungenutzt zu lassen. Und zum Untergraben waren sie viel zu schön! Mittlerweile geht mir mein Rauhwoller Pullover weit vor einem Islandpullover. Und überhaupt bin ich von dem Material "Wolle" sehr fasziniert. Was ich früher NIE von mir gedacht hätte. Also, ich kann nur raten es einfach einmal auszuprobieren. Es ergeben sich ja eventuell auch noch andere Felder: so habe ich dieses Jahr schon zwei Vliese in Auftrag zum Verspinnen für die Schafbesitzer. Oder man könnte sich ja auch verstellen, die Wolle gegen anderes zu tauschen: Saaten, Pflanzen, andere Tiere? Keine Ahnung.
Ums nochmal herauszustellen: ich kann dir nur zuraten es nochmal auszuprobieren. Ein eigenens Spinnrad kostet nicht Welt und das spinnen an sich ist nach einigen kurzen Anfangsschwierigkeiten sehr meditativ und entspannend. Oder Du kannst die Wolle auch filzen, wenn dir das mehr liegen sollte... oder, oder, oder... Tausend Möglichkeiten.
Vor wenigen Tagen kam schon die erste zarte Anfrage aus der Nachbarschaft, ob wir unsere Schafe vielleicht auch verleihen würden? So für ein kleines Koppelstück oder so?

In diesem Sinne!
LG,
Dine.
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Re: ZIELE UNSERER SCHAFZUCHT -> Warum haltet/züchtet ihr Scha

Beitrag#35von Herwig » Dienstag 7. Mai 2013, 05:41

Irgendwie hatte ich diesen Thread aus den Augen verloren....
Ich kenne die Schnuckenwolle Verwertung noch von meiner Urgroßmutter(Hebamme und Bäuerin, Jahrgang 1889 !)
Sie webte am Webstuhl Schnuckenteppiche. Dabei wurde vorher kein Faden gesponnen, sondern mit der Hand sogenannte "Wocken" gedreht. Auf dem Webstuhl bestand die Kette aus dünnen Hanfbindfäden. Die Wocken waren nur 30 bis 40 cm lang, wurden direkt aus dem Fließ gezogen. Meine Uroma drehte sie einfach durch Drehen mit dem Zeigefinger und hatte dann einen gaaanz locker gedrehten Strang, der einfach dann in die offene Kette geschoben wurde. War die Reihe voll, wurde mit der Lade kräftig angeschlagen und die Kette gekreuzt. Das ergab einen zwei Finger dicken Teppich, der als flauschichger Bettvorleger oder vor dem Sofa im Winter für entsprechende Fußwärme sorgte. Die Teppiche wurde auch verkauft. Erstaunt war ich immer, wie schnell das ging.
Ich erinnere mich, dass sie zu Beginn des Teppichs erst tatsächlich einige Reihen mit dem Hanffaden webte und zum Abschluß auch. War der Teppich lang genug, schnitt sie die Kette großzügig ab und verknotete immer 4-5 Fäden zusammen vor dem Stück gewebten Hanf, so hatte der Teppich Fransen und einen schönen Abschluß. Hatte sie verschiedene Farben in den Fließen, graue und weiße Heidschnucke, webte sie versetzte Streifen in den Teppich, also immer abwechselnd einen weißen und einen dunklen Strang, egal ob die einmal tatsächlich über die ganze Teppichbreite reichten. Das gab eine Art Zebramuster, war totschick...
Ich hatte das fast vergessen, war gerade mal 9 Jahre alt, als sie starb.
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Re: ZIELE UNSERER SCHAFZUCHT -> Warum haltet/züchtet ihr Scha

Beitrag#36von Claudia » Dienstag 7. Mai 2013, 07:55

das mit den wocken ist eine super idee!
nesselfäden für so einen teppich habe ich kürzlich noch auf dem dachboden in einer aussteuertruhe entdeckt-die hatte ich mir schon zur seite getan

also ich verabeite gerne schnuckenwolle. selber hab ich zackelschafe. letztes jahr habe ich je einen big bag moorschnucke und heidschnucke geschenkt bekommen und dann bekomme ich im eier/käsetausch immer noch reichlich "normale"schafiwolle und coburger fuchs.
den fuchs finde ich sehr rauh, den spinne ich nicht ganz so gerne- gestrickt wird er auch sehr starr und fest

die schnucken und auch die zackelwolle-die sehr ähnlich ist, ist mittlerweile meine lieblingswolle zum spinnen.
sie wird ordentlich geschüttelt, ohne zutaten 2-3 x gewaschen bzw geweicht und dann direkt aus der flocke bzw locke gesponnen. das erspart mir das müheselige handkardieren und evt. heu etc fällt beim spinnen raus.
teppiche sind in planung, aber ich habe die letzten 2 winter reichlich dicke socken daraus gestrickt und ich muss sagen-die sind hervorragend.
während normalschafiwollsocken schnell löcher bekommen(wir haben recht rauhe alte dielenböden) hält die schnuckenwolle und hält und hält- die basis für wunderbare gebrauchskleidung

ich lasse immer reichlich fett in der wolle, aber auch hier habe ich festgestellt, das die schnuckenwolle(und zackel) über einen weitaus besseren selbstreinigungseffekt verfügt, gegenüber der normalschafiwolle.
das spart für und an der waschmaschine.

überschuss verkaufe ich seit letzten jahr und habe festgestellt die schnucken und zackelwolle und socken waren beliebter als normalschafissockenwolle, obwohl sie deutlich weicher ist.
mal schauen wie es dieses jahr wird- die wendlandsaison startet donnerstag.

also ran an die wolle, zum mulchen ist sie wirklich zu schade
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Re: ZIELE UNSERER SCHAFZUCHT -> Warum haltet/züchtet ihr Scha

Beitrag#37von Landei » Dienstag 21. Mai 2013, 15:52

Hallo alle,
noch habe ich keine eigenen Schafe,kann aber scheren und spinnen und bemühe mich, die Weide -ca. 2,5 ha- direkt neben unserem Haus zu pachten. Wird wohl noch dauern, bis das mit unserem Resthof klappt....
Ich habe eure Beiträge aufmerksam gelesen und weiß gar nicht so recht,wo ich anfangen soll, vielleicht schildere ich einfach mal meine persönliche Sicht der Dinge durch meine Erfahrungen als Handspinnerin.

Wolle: grade neulich, als ich bei schönsten Sonnenschein im Garten entspannte, hörte ich eine Stimme: " Hallo? Jemand da?"
Ich lugte um die Ecke,da stand mein Bauer,der 2 Dörfer weiter ein paar Schafe hält. Rasse konnte er mir nie nennen,aber von der Wolle her tippe ich auf Ostfriesisches Milchsschaf und Texel.
Der Dialog ging folgend weiter: " Moin, na bringst mal wieder Wolle?"
"Jo, hab heute geschoren..."
Er stand da mit einem Riesensack voll wunderschöner dunkelbrauner,lang abgewachsener Wolle. Ich kippte den Sack auf den Rasen, es waren 6 komplette Vliese.
"na, willst wieder in die Kneipe und Frauchen hält dich kurz? Was willst denn haben?"
"Hm jo, weiß nicht, gib mir mal 10 Euro..."
Ich gab ihm die 10 Euro und er entschwand fröhlich in die Dorfkneipe nach meinem Hinweis,das ich dieses Jahr keine Wolle mehr brauche.
Ich machte mich sofort ans Wollesortieren und es blieb ein wirklich stattlicher Haufen übrig,der verköttelte Rest wandert als Dünger auf die Beete.


Ich denke, dieser kleine Dialog schildert deutlich ein Dilemma. Wolle ist einfach nichts mehr wert,viele Schafhalter verscherbeln ihre Wolle unter Preis,verbrennen sie oder werfen sie weg. Klar, ich freu mich,wenn ich qualitativ gutes Futter für mein Spinnrad für wenig Geld oder gar umsonst bekomme. Ein Dorf weiter wohnt ein Bauer mit ca. 250 Schafen,alles wild gemixt Coburger Fuchsschafe,Pommernschafe, Texel,Shropshire. Da kann ich mir jederzeit soviel wegholen wie ich möchte,der ist froh wenn er den Schiet ( O-Ton) los ist. Das kann´s einfach nicht sein...

Jeder, der mal einen reinen Schurwollpulli- oder Socken anhatte, weiß um die Vorzüge von Wolle im Vergleich zu Kunststoffen und Baumwolle.
Es muß doch einen Weg geben,das die Wolle von einheimischen alten Rassen wieder ihren Wert hat. Ich persönlich mag Merinowolle nicht, die pillt mir zu schnell, leiert aus und ist nix für Outdoorkleidung.
Ich nehme für 100g Wolle, je nachem was es ist, zwischen 12-16,00 euro und das Geld kriege ich auch. Nur kann ich unmöglich die Wolle von 250 Schafen wegspinnen :-) Aber irgendwas muß sich da doch machen lassen....

Das Fleisch: Meine Kinder und ich sind schon lange davon ab,konventionell erzeugtes Fleisch zu essen. Erstens schmeckt es nicht,zweitens mögen wir die Merhoden mit denen dieses Fleisch erzeugt wurde nicht und drittens...wenn wir Antiobiotika brauchen, weil wir zb. eine eitrige Angina haben,gehen wir zum Arzt aber nicht zur Fleischtheke im Supermarkt. Wir ernähren uns überwiegen vegetarisch und wenn doch mal Fleisch,dann vom Archehof trotz knapper Haushaltskasse,aber dafür lecker und mit guten Gewissen.
Nur denke ich, solange Geiz geil ist und Masse statt Klasse zählt wird sich nicht wirklich was ändern Und ich merke immer wieder, das es den Menschen wirklich schnurzpiepegal ist, woher ihr täglich Fleisch kommt oder wie die Kreatur Tier in den Mastbetrieben litt. Leute wie ich oder ihr sind einfach "Ökospinner" für die,aber ich bin gerne Ökospinner

Felle: ein großes schwedisches Möbelhaus verscherbelt Schaffelle in himmelblau und bonbonrosa für ca. 20 Euro. Herkunft unbekannt. Gerbart unbekannt.Färbung unbekannt. Klar,damit kann Schaffhalter Willi mit seinen 10 Schafen nicht gegenanstinken. Ich treibe mich ja auch viel auf Mittelaltermärkten herum, da gehen die Felle mittlerweile auch unter Wert weg Auch da müßte sich doch was machen lassen. Mäntel, Decken,Schlafsäcke etc... nur, wer macht das? Und wo ist der Absatzmarkt?

Es gibt ja diese Fair Trade Läden...warum sollte es eigentlich nicht möglich sein,sowas auch für einheimische Produkte aufzuziehen? Vielleicht auch via Internet. Irgendeinen Weg muß es doch geben aus der Konsumterrorfalle und weg von den großen Lebensmittelkonzernen. Die Leute sind so müde und verunsichert von all dem Dreck nur wenn man mal andere Wege aufzeigt kommt gleich ein ja aber...es ist einfach falsch,das Geiz geil ist, letztenendes zahlt man dabei drauf und hat ein minderwertiges Produkt.

Mit nachdenklichen Grüßen
Eure Esther
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Re: ZIELE UNSERER SCHAFZUCHT -> Warum haltet/züchtet ihr Scha

Beitrag#38von serradella » Freitag 24. Mai 2013, 12:41

Liebe Esther,

sicherlich hast du mit deinen Überlegungen recht und mit deinem Unmut.
Es gibt Menschen, denen handgearbeitete Wolle / Wollsachen viel wert sind.
Aber davon gibt es halt nicht so viele, besonders nicht so viele, die das bezahlen können oder wollen.

Und es gibt halt auch Menschen, die möchten keine Schafwollpullis tragen und auch auf keinen Schaffell schlafen. Denen kann weder ikea noch der nette Schafhalter von nebenan ein Fell verkaufen, egal, zu welchem Preis, ob bio oder nicht.

Das muss man einfach akzeptieren, auch wenn es nicht zur eigenen Wertvorstellung passt.

Ich habe schon mit den eigenen paar Schafen das Wollproblem - obwohl ich spinne und stricke und Wollsachen sehr liebe. Die besten Partien suche ich mir nach der Schur raus, der Rest wird, tatsächlich, zusammen mit Eichenlaub etc. kompostiert. Dauert, aber geht. Habe sogar extra ein dunkles Schaf für dunkle Wolle gekauft...weiß das durchaus zu schätzen. Aber der Bedarf an Kleidung / Decken sind einfach irgendwann gedeckt.

Und für einen Verkauf im kleinen rahmen zu spinnen und zu stricken ist mir meine Zeit zu wertvoll.

Und persönlich sehe ich eben auch einen Absatzmarkt, ich wüsste niemanden, dem man mehr als eine Wollweste angedeihen lassen könnte. Und wer die schätzt, der hat schon eine......

Aber wer weiß, vllt tun sich ja noch Märkte auf, vllt wird Schafwolliges ja mal wieder "der" Modehype.
Ich kann mich jedenfalls noch an die norwegerpullitragenden Lehrer mit Schafwollsocken in Birkenstocksandalen erinnern aus meiner Jugend......bekanntlich kommt alles mal wieder.

Vielleicht also auch die Nachfrage nach handgearbeitetem echten guten Wollzeugs.

Gruß, serradella
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Re: ZIELE UNSERER SCHAFZUCHT -> Warum haltet/züchtet ihr Scha

Beitrag#39von Claudia » Freitag 24. Mai 2013, 16:40

schwierige sache, die mir persönlich auch sehr am herzen liegt

wobei- ich muss sagen, deine wollpreise für gesponnes bekomme ich hier nciht. ich nehme 8 euro/100gr-dafür bekomme ich sie verkauft. darüber streiken die leute.


das interesse an wolle steigt bei einem kleinen käuferpreis, aber es sind nicht genug, um die ganzen vliese aufzukaufen, die so in der schafslandschaft entstehen.
in meiner wollwerkstatt habe ich verschiedene wollen, bevorzugt von den gefährdeten rassen, aber auch normale schafis. die kauftendenz geht eindeutig zu den alten rassen, menschen wollen was tun- da sehen sie ihre chance aktiv zu werden- das ist auch im gegensatz zum fleischverkauf vegetarierer geeignet.
ebay habe ich versucht-das hat gar nicht geklappt. die regionale geschichte, läuft da besser. am besten das schaf zeigen wo die wolle her ist oder ein foto dazu und der wohnort vom schaf- das kam gut an

ich möchte diesen sommer anfangen grobe teppiche mit dem stäbchenwebrahmen(selbstbau) zu weben(oder mit der wockenmethode von herwigs oma)- da geht ordentlich wolle drauf und rein- mal schauen ob sie sich verkaufen lassen.
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Re: ZIELE UNSERER SCHAFZUCHT -> Warum haltet/züchtet ihr Scha

Beitrag#40von Herwig » Freitag 24. Mai 2013, 17:29

Die Schafwollteppiche können beworben werden als Kaminvorleger, weil sie ja nicht brennen!! Höchstens ein Loch schmort mal in die Wolle, ist der Teppich schön dick ist er toll kuschelig auf Stein- oder Fliesenböden an Sitzecken etc. hat einen isolierenden und somit Energie senkenden Effekt.
Auch die Filzerei kann gut ausgebaut werden, es braucht neue Ideen, angepasst an die neue Zeit und neue Erkenntnisse, mit entsprechender Bewerbung. Dazu natürlich herkömmliche Erzeugnisse. Verlegt euch nicht ausschließlich auf die "alternative Scene" Es müsste ein echter Shop sein , eine Wollkooperation z.B. Ein peppiger, bunter Shop mit fetzigem Namen und Sprüchen, der auch Teenis anspricht (be a sheep/ be cool, take wool!/ Wolle tut gut, Millionen Schafe können nicht irren!/ wool4you/ Take Pool for Summertime and wool for Wintertime/ ...und dennoch hat sich Bolle, entschieden für die Wolle/ ...jetzt schüttelt Frau Holle , auch mal die Wolle/ friert Deine Olle, schenk ihr was aus Wolle/ Scha(r)fe Natürlichkeit/ Wer gerne auf der "faulen Haut" liegt, sollte ein Schaffell drunter haben!/ Schmerzen am Ellenbogen?? Filz kilt's!/ Das Schaf im Stiefel erspart die Frostbeule/ Schafwolle-Luxus für den Po/ Tierschutz wärmt die Seele und die Füße/ wen dat seuken nicht recht will, köp dik en Hülle, for dien Brill!/ = © by Herwig) Bei Facebook und ähnlichen Plattformen bewerben und der Laden läuft, davon bin ich überzeugt!!
Ich vermisse z.B. das Angebot bei Filzern und Strickern:
gefilzte Einlegesohlen für Gummistiefel oder dünner für andere Schuhe, für alle Größen, zum selber zuschneiden. (Schweiß absorbierend, hochgradig isolierend)
Handytaschen gefilzt oder gestrickt (Schafwolle soll die gepulste Hochfrequenz-Strahlung dämpfen)
gestricke Stulpen für über die Hose bzw. Legins. (kratzen nicht)
Pulswärmer, Ellenbogenwärmer, Kniewärmer (medezinische Hilfsmittel)
gefilzte Brillenetuis (keine elktrostatische Aufladung)
Auflagen, gefilzt oder auch dick gewebt für Bänke und Stühle (auch für Draußen, weil wasserabweisend)
Mauspads gefilzt, speziell für optische Mäuse, (gute Gleiteigenschaften keine Abnutzung von Maus und Pad)
Highheelschoner für Autofahrerinnen gefilzt oder so, der Fantasie sind doch keine Grenzen gesetzt.
Schlüsselanhänger gefilz, Filzzeug auf Haargummis, gefilzte Broschen auf Sicherheitsnadel (notfalls mit Glitzer)
ich hätte noch mehr Ideen.
Sucht euch einen Promi der einen Artikel geschenkt nimmt und ihn tatsächlich trägt bzw. benutzt als Werbe-ikone.
Tut euch zusammen, bildetet eine Coop!!! Ich bin gerne irgendwie dabei.
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Re: ZIELE UNSERER SCHAFZUCHT -> Warum haltet/züchtet ihr Scha

Beitrag#41von Claudia » Freitag 24. Mai 2013, 19:00

ok, die zukünftige coop hat auch schon einen marketingleiter :)
ich bin dabei, weil ich dieses jahr die wollwerkstatt sowieso "ausbauen" wollte, wobei ich hier im wendland den vorteil der jährlichen kulturellen landpartie habe, wo sich gut verkaufen lässt.
über eine schäferin, bekomme ich die wolle gefährdeter rassen(sie macht für die rassen beim scheren immer einen sonderpreis von 3 euro). ganzjährige ergänzung übers inet ist mir nur recht

deine produktpalette aus filz:
im grunde gibt es das alles schon, aus merinowolle. mit giftigen zusatzstoffen importiert und ohne diese beworben.
ich mag sie nicht, für mich fühlt sie sich an wie plastik, aber vielleicht boomt sie deshalb so - das ist ein vertrautes gefühl für viele.
aber die idee einen promi dafür zu finden- könnte einheimische wolle in ein neues (rampen)licht rücken.
meine tochter fragt wo wir uns den promi einfangen?
ihr vorschlag ist, einen fussballer zu überzeugen und schon hat man die kaufkräftige jugend in der wolle.
(für dieses kind soll ich auch eine handytasche mit viehlogo stricken (herwig DU bist schuld))

auflagen werde ich mal probieren, hab noch einen kleinen stäbchenwebrahmen, der reicht dafür- immerhin sind die dann selbstreinigend(un immer wieder unterschätzter vorteil von wolle)gefilzt waren sie mir nicht haltbar genug, aber mit der wasserpanscherei ist filzen sowieso nicht meins. da finden sich bestimmt profis

als medizinische hilfsmittel:
die tragende altersklasse hat wolle jahrelang tragen(müssen) die überzeugt man nicht mehr- die bleiben bei angora und co aus der apotheke

anmerkung zur ökoszene: die kaufen am wenigsten(bei mir)wer kauft sind städter und touris die ein wenig landleben in ihre bude bringen möchten und die es mögen wenn es eine geschichte von dem zugehörigen schaf zu der wolle oder dem gestrickten kleidungsstück gibt(und ich erzähle gern geschichten)

die ökos-die importieren lieber, da muss schliesslich ein biosiegel drauf und fair trade muss es sein- da kann ich nicht mit dienen. meine schafe kriegen kein geld dafür, dass sie ihre wolle abgeben-ich frage sie nicht mal ob sie damit einverstanden sind geschoren zu werden- sklaverei!
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