Vermarktung von Zuchtschafen (z.B. Skudden)

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Vermarktung von Zuchtschafen (z.B. Skudden)

Beitrag#1von bienenoldie » Sonntag 30. Oktober 2011, 17:45

Hallo zusammen,

ich züchte als Hobby, aber in Herdbuchzucht, Skudden seit nunmehr 11 Jahren.
Verkaufspreis vom Verband für Lämmer empfohlen: 75,00 €. Tatsächlich zu erzielender Preis zur Zeit bei mir ca. 40 Euro!
Wie sieht es bei Euch aus? Da macht die Zucht nicht mehr besonders viel Freude, wenn man jährlich nur noch dazu zahlt. Kosten entstehen für Heu, Deckgebühr, Mitgliedsbeitrag, Scheren. Ich dachte, ein Hobby und wenn möglich nichts dazu zahlen. Wenn man im Internet nachsieht, ist es scheinbar egal, ob Herdbuchzucht oder irgendwelche Mischlinge der Preis ist der gleiche!
Hab auch versucht, meine Imkerei auf die dunkle Biene umzustellen, Königin leider nicht angenommen. Also nur Rückschläge.
Wer hat ähnliche Erfahrungen und gibt trotzdem nicht auf? Würde zwar auch gerne Archehof werden, aber dann muss ich überzeugt sein, Skudden weiter zu züchten und es mit der dunklen Biene nochmals zu versuchen. Baut mich wieder auf!?
Detlef
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Re: Vermarktung von Zuchtschafen (z.B. Skudden)

Beitrag#2von Alex » Sonntag 30. Oktober 2011, 22:50

Hallo,

ich habe auch lange Jahre Skudden gezüchtet, allerdings nicht im Herdbuch, aber reinrassig. ich habe auch 40Euro pro Tier bekommen, habe dieses Jahr allerdings die Rasse gewechselt. Es ist mir nicht wirklich leichtgefallen, asber sie haben sich halt wirklich nicht gelohnt. Liegt aber an dem Nutzen den du haben willst. Skudden sind super Landschaftspfleger, um die man sich nicht sehr intensiv kümmern muss, dass ist eigentlich ihr Nutzen, das Fleisch schmeckt toll ist aber eigentlich Nebensache. Hast du ein Stück Land, dass du nicht mähen willst und hast nicht allzu viel Zeit, dann ist die Skudde das Schaf der Wahl. Bei mir ist dieser Nutzen hinfällig.

Ich habe noch Ziegen die ich melke, muss also eh zweimal täglich im Stall, stellenweise noch öfter, dann wollen wir auch das Schaffleisch verwursten usw. da passte das Ostfriesische einfach besser ins System, die melke ich dann auch und die Milch kommt zum käsen. Ich hab noch Schweine und Hühner dazu, verkaufe auch von allem Zuchtiere, und Produkte aber ich zahle am Ende aus rein finanzieller Sicht auch drauf. Da brauchst du nur ne Krankheit reinbringen und schon ist es passiert, geht dir von einer Sorte viel ein, zahlst du richtig drauf.

Allerdings ernähren wir uns zu 100% vom eigenen Fleisch und der eigenen Wurst, ich kaufe auch nie Eier und ca. 9 Monate im Jahr brauch ich weder Milch noch Käse zukaufen. Ich hab dieses Jahr mal alle Ausgaben und Einnahmen aufgeschrieben und ausgerechnet, im Prinzip zahle ich nicht mehr drauf, als ich für Fleisch und Wurst sowie Milchprodukte in der gleichen Qualität sowiso bezahlen müsste. Die Arbeit darf ich nicht rechnen, weil dafür ist mein System noch viel zu altmodisch und es dauert alles recht lang. Es gibt einen aber ja auch was, im Frühjahr, wenn die Lämmer über die Wiese hüpfen oder wenn die Küken hinter ihrer Mama herzwitschern, unbezahlbar. Wenn du sowas machst, musst du das mit einer gewissen Portion Idealismus tun, weil siehst du es rein rechnerisch, dann tränen dir die Augen. Wenn ich die Stunden, die ich täglich im Stall verbringe, arbeiten gehen würde, hätte ich sicher mehr Geld und wenn ich krank bin bin ich krank und bleib liegen, mit meinem Viehzeugs geht das nicht. Nebenbei geh ich schon auch noch arbeiten, hätte ich meinen Hof in der Größe mit meinem Tierbestand in den fünfziger Jahren, könnte ich davon leben, im Jahre 2011 ist das ein Hobby.

Wenn du es gerne machst und es dich glücklich macht, dann ist kannst du das ja eh nicht aufrechnen, und zum Thema Tiefschläge, ich habe meinen Hof damals eigentlich erstmal nur wegen den Ziegen gekauft und gerade die werden mir immer wieder krank, mittlerweilen bekomme ich es laaangsam in den Griff, aber ich war schon so oft am Aufgeben, weil mir in eine Jahr 70% der lämmer verstorben sind, oder im nächsten hatten die Alten was und gaben keine Milch usw. Aber trotzdem liebe ich die Ziegen und gehe sehr gerne mit ihnen um, also hab ich mich immer wieder durchgekämpft. Aber das alles war immer das was ich wollte und da geht man auch mal über Tiefschläge hinweg. Aufhören solltest du, wenn du keine Freude mehr hast und es nur noch schnöde Arbeit ist. So jetzt hab ich wieder viel zu viel gelabert.

Grüße Alex
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Re: Vermarktung von Zuchtschafen (z.B. Skudden)

Beitrag#3von Eastwood » Montag 31. Oktober 2011, 09:30

Hallo Detlef,

Mit Tieren geht es nicht immer wie man sich das vorstellt!!! Auch von Jahr zu Jahr gibt es unterschieden. Das eine Jahr ist es extrem trocken(heu preise sind hier dieses Jahr extrem hoch-trocknes frühjahr). Das andere Jahr ist es feucht und gibt es bei einige Tiere problemen, oder auch gerade eben nicht.
Ich habe dieses Jahr als sehr problematisch erfahren. Ein wahres Rote Vogelmilben jahr...bestimmt auch Wetter bedingt?!??
Sämtliche Hühnerhalter hatte dieses Jahr problemen damit!!!
Junge Kaninchen reihenweise eingegangen...........auch hier das selbe wie bei den Milben, sämtliche züchter in der Region hatten das problem mit (junge) Kaninchen.
Ich habe früher mit Brieftauben gereist. Das eine Jahr fliegt man in der Spitze, das andere geht gar nichts und verliert man reihenweise Tauben die nicht vom Flug zurück kehren.

Aber wie Alex schon geschrieben hat; es soll spaß machen.

Rückschläge gehören dazu. Und es gibt doch auch sehr viele schöne zeiten/momenten.
Klar, ich habe mich jedesmals geärgert wegen den Kaninchen. Aber was habe ich mich gefreut als unsere 2 Rote Wollsauen insgesamt 16 Ferkel geworfen haben (ich habe mich dan aber auch wieder ein wenig geärgert weil von die 16 Ferkel waren 13 Eberferkel).
Jetzt freue ich mich aber wieder über das herrliche Fleisch, geräucherte Schinken(spitze!!).

Das mit Vereinen in so ein sache. Der Hühnerverein will das ich ausstelle, die Mechelnerzüchter wollen mich im Verein als Mitglied, die Entenzüchter aber auch, die Bartkanichen und Meissnerwiddervereinen genau so, es gibt auch ein sonderverein Bergische Schlotterkämme etc.......das geht einfach nicht.
Das wird dan schon ein bisschen viel bei die ganze verschiedene Arten und Rassen die ich hier halte!!!!
@:"Wenn man im Internet nachsieht, ist es scheinbar egal, ob Herdbuchzucht oder irgendwelche Mischlinge der Preis ist der gleiche!"
Also!!!!
Ich vermeide natürlich inzucht und und zuchtte reinrassig.

Auch wir versuchen was zu vermarkten. Bestimmt legen wir noch ein wenig geld drauf (Vakuumiergerät kostet auch geld etc.... etc....) aber dafür habe ich ein wunderbares hobby.
Wir fahren nicht oft in urlaub (wie auch mit so ein "Tierpark"). Ich habe auch nicht das bedürfnis nach Fuerte Ventura zu fliegen für einige tausende Euro's. Aber dafür kann ich unsere Kinder hier auf wachsen lassen wie ich es für richtig halte.
Ich kenne genug leute die 2 oder 3 mal in Jahr in urlaub fahren...das ist aber nicht mein ding. Ich bleibe lieber zuhause und kämpfe mit Rote Vogelmilben. :-)

Komm, kopf hoch und einfach weiter machen. Notfalls mit eine andere Rasse. Nicht jede Rasse passt auch in alle Regionen. Die alte Nutztierrassen sind ja auch Regional entstanden, angepasst an die jeweils Regionale bedingungen (Klima, bodenbeschaffenheit, Futterqualität etc...) Das soll man auch beachten.

Für mich gibt es aufjedenfall nichts schöneres als jeden Tag mit unsere Tieren beschäfftigt zu sein auf unsere Nutztier-Arche !!!!!

Gruß Berti
Bin gebürtiger Holländer, man verzeihe mir den schreibfehler :-)

www.nutztier-arche-eastwood.de
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Re: Vermarktung von Zuchtschafen (z.B. Skudden)

Beitrag#4von klosterbauer » Montag 31. Oktober 2011, 11:58

Hi Bienenoldie,

aufgebaut willst werden?? Das ist bei den Preisen nicht soo einfach, denn Preise sind aus meiner Sicht auch ein Stück Wertschätzung fürs Tier. Ich habe es mir angewöhnt, dass ich mir Mindestpreise setze. Darunter geht hier kein Tier vom Hof. Mag sein, dass dann auch mal Menschen wieder abziehen und denken: Bow, ist der teuer. Aber die Kosten sind drin, die müssen gedeckt werden. Die Arbeit ja wenigstens ein bisschen. Und wenn - auch die hatte ich hier - semiprofessionellen Schäfer (keine Hobbyhalter) auch meinen, hier billig abziehen zu können, dann seh ich das nicht ein. Dann ess ich sie selber, sind ja auch lecker.
Die Tage saßen wir mit den Züchtern des Braunen Bergschafes zusammen - auch da wollen zu viele zu billig kaufen. Letztlich geht´s drum, selber selbstbewusst zu sein. Denn wer einmal billig verkauft, kommt kaum mehr hoch ...
Insofern will ich Dich gerne aufbauen: Iss die Viecher mehr selbst und verkauf nur noch an die, die Deine Tiere wert schätzen können ... Und wenn Du 80 pro Lamm haben willst, verlang 80. Lieber ein paar weniger für Geld verkauft als alles verramscht.
Und das gilt für Hobbyzüchter genauso wie für die Profis. Denn auf dem Markt macht man sich gegenseitig die Preise kaputt - wenn mehr auf die Wertigkeit Ihrer Tiere achten, haben alle Züchter etwas davon!
Das denkt
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Re: Vermarktung von Zuchtschafen (z.B. Skudden)

Beitrag#5von Alex » Dienstag 1. November 2011, 22:18

Hallo,

für Zuchtiere und Fleisch usw. verlange ich auch Festpreise, gerade bei Fleisch z. B. vom Schwein liege ich weit über den Normalpreisen, aber bis bei mir ne Sau soweit ist steckt viel Arbeit und Geld drin, ich verkaufe nur an Leute die die Qualität zu schätzen wissen, weil es ist nicht mit Normalfleisch zu vergleichen, in der Regel hab ich gar nicht genug für alle die was möchten, aber auch das meine Sachen rar sind, macht sie wertvoller und es wird entsprechend bezahlt. Verdient in dem Sinn ist aber trotzdem nicht wirklich. Aber wenn ich mir Höfe anschaue, die ernsthaft Geld verdienen, ich weiß nicht, ob ich so einen überhaupt möchte, geerbt hab ich halt auch nix.

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Re: Vermarktung von Zuchtschafen (z.B. Skudden)

Beitrag#6von bienenoldie » Sonntag 6. November 2011, 17:37

Hallo zusammen,

zuerst einmal recht herzlichen Dank für eure Antworten. ihr habt mich wirklich wieder aufgebaut.
Ich werde weiter züchten und wer zu meinem Preis nicht kaufen will, lässt es eben. Suche zwar noch eine zusätzliche Weide, um die Bocklämmer rechtzeitig von den weiblichen Tieren zu tennen, aber es geht weiter.
Ich habe mich auch entschlossen, nächstes Jahr es nochmals mit der dunklen Biene zu probieren. vielleicht bekomme ich ja einen Ableger, dann wird es leichter.
Und zu den Preisen: letzte Woche Angebot bei REWE: halbes Schwei = Kilopreis 1,79 €!! wie soll man dafür produzieren? Da fällt mir nur eines ein und solches Fleisch will ich nicht essen!
Also nochmals Danke und bis zum näc hsten Beitrag
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Re: Vermarktung von Zuchtschafen (z.B. Skudden)

Beitrag#7von klosterbauer » Montag 7. November 2011, 16:22

Na, dann viel Freude dabei - und nicht von REWE ärgern lassen, die sind eh keine Konkurrenz für uns!
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Re: Vermarktung von Zuchtschafen (z.B. Skudden)

Beitrag#8von Schafhirte » Mittwoch 9. November 2011, 22:56

Hallo Detlef,

da spricht mir klosterbauer im gesamten Beirag ganz aus der Seele! Die Wertschätzung der Menschen für unsere Tiere/Produkte zu steigern ist auch das, woran ich arbeite. Ganz ohne draufzahlen geht's noch nicht, aber es wird immer besser. :o)
Sollte ein Lamm wegen "zu teuer" nicht verkauft und zum Eigenbedarf geschlachtet worden sein, sollte dessen "Fleischwert" natürlich auch als Gewinn ins Kassenbuch eingetragen werden. Das vergessen manche Leute, ;-)

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