Schafwolle waschen

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Schafwolle waschen

Beitrag#1von Herwig » Mittwoch 16. Juni 2010, 18:34

Jeder der seine Schafwolle selbst verarbeiten will steht oft vor dem Problem des Waschens. Waschen sollte man zeitnah nach der Schur, damit das Lanolin nicht verharzt und die Wolle dadurch vergilbt.

Ich verwende zwei verschiedene Methoden:

Sortierte Wolle in einen Zwiebelsack oder Kartoffelsack (Netzsack füllen) dann einfach für ein paar Tage in ein Regenfass mit Regenwasser versenken. Das Regenwasser macht die Wolle etwas weicher. Die Wolle im Fass nicht umrühren oder gar bewegen, das kann zu Verfilzungen führen. Nach einigen Tagen eine Probe herausnehmen und prüfen.


Schneller und problemloser geht es mit warmen Regenwasser (Temp. 45-max 50 Grad)
Den Sack mit der Wolle für ca 20 Minuten einlegen, ebenfalls nicht rühren oder kneten, dabei sollte die Temp. aber nicht unter 40 Grad fallen, weil sonst das Lanolin nicht verseift und nicht reinigt. Danach mit ziemlich gleicher Temp. einige Male vorsichtig spülen.
Regenwasser kann man gut über einem Lagerfeuer oder in einen Futterkessel erhitzen und dann mit kalten Regenwasser auf die richtige Temp. bringen.

Trocknen der Rohwolle:

Zum Trocknen ausbreiten oder auch in eine Waschmaschine oder alte Wäscheschleuder geben. Schleudern (natürlich nur Schleuderen) und dann zum Trocknen auf dem Rasen ausbreiten. Nicht direkt in die Sonne legen, Schatten ist besser.
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Beitrag#2von Nerjyana » Dienstag 13. Juli 2010, 08:15

Hallo Herwig,

Ralf hat mir dankenswerterweise 2 Schafsfelle zur Verfügung gestellt. Das eine habe ich von grobem Schmutz gereinigt und anschließend erst einmal in kaltes Wasser (inder Wanne) "eingelegt). Hab das 2 Tage stehen lassen. Dann wiederholt, weil noch viel Schmutze darin war. Anschließend mit Haarshampoo gewaschen (Tpp aus dem Inet) und jetzt 2-3 mal noch mal in klarem Wasser stehen lassen. Nun liegt es zum Trocknen auf einem Wäscheständer in der Badewanne.

Während dieser Behandlung haben sich an den Spitzen weiße "Reste" gebildet. Kann das Lanolin sein?
Außerdem ist das Fell noch nicht ganz sauber und riecht noch arg nach Schaf. Ist das so in Ordnung?
Es ist noch nciht ganz trocken, aber es macht den Eindruck (obwohl ich es nur leicht im Wasser bewegt habe), dass es filzig ist. Aber da bin ich unsicher. Vielelicht sollte ich mal ein Foto machen?

LG

Alexandra
PS: Hast Du schon mal kardiert?
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Beitrag#3von Herwig » Mittwoch 14. Juli 2010, 08:19

Hallo,
vermutlich hast du zu viel bewegt oder ausgewrungen?
Das Weiße könnte Lanolin sein.

Ja, ich habe eine Kardiermaschine zum Kurbeln.


Der Geruch ist normal, der geht bei der ersten Reinigung des fertigen Stückes dann verloren.

Von welcher Rasse ist das Fließ??
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Beitrag#4von Nerjyana » Mittwoch 14. Juli 2010, 08:48

Hallo Herwig Bild

Es ist ein Rauhwolliges pommersches Landschaf.

Gewrungen habe ich es nicht, bewegt nur leicht. Aber das Wasser per Brausekopf drauf laufen lassen - vielleicht ist das ein Fehler Bild
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Beitrag#5von Mittelerde » Mittwoch 14. Juli 2010, 17:16

Also ich hab ja mitlerweile die erste Wolle gesponnen zurück bekommen .... Meine Spinnerin hat es wie folgt gemacht(hab nochmal nachgerfragt):
- erst einen Tag in die Regenwassertonne ... dannach war das wohl guter Blumendünger Bild
- dann hat sie es gleich so aus dem Flies versponnen
- dann nochmal gewaschen, auch wieder mit Regenwasser

und nun liegt die Wolle hier Bild Bild Bild Bild

Fettig st sie immer nocht etwas, aber dann rutschen die Sticknadeln auch besser Bild. Das sagte sie aber auch das das dann bein waschen des fertigen Produktes raus geht und auch der restliche Geruch ....

Jetzt muß ich nur noch meine Mutter überzeugen das sie mir einen Pullover strickt ..... mal schaun ob mir das gelingt .....
:smileyvieh: le Grüße aus Mittelerde

Ralf

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Beitrag#6von Nerjyana » Donnerstag 15. Juli 2010, 07:55

soooo Bild

Eine Regentonne habe ich leider nicht Bild Und wenn ich ehrlich bin, ist mir das immer noch zuviel an Lanolin, das muss raus.

Ich habe zuerst das komplette Fell ins Wasser getan, allerdinsg ist dann in der Wanne nicht mehr viel mit Bewegung und es ist verdammt schwer, wenn es nass ist. Ich teile es jetzt auf und versuche mein Glück noch einmal. Leider fehlt mir hier einfach noch die Erfahrung. Aber was nicht ist, kommt noch Bild

Ob ich es schaffe aus dem Vlies (oder Flies?) zu spinnen, weiß ich nicht, muss ich testen. Auf jeden Fall hat die Wolle eine ganz tolle Farbe Bild
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Beitrag#7von karinenhof » Donnerstag 15. Juli 2010, 10:39

ich habe Pommernwolle mit Haushaltssoda gewaschen, geschenkt bekommen. Und natürlich gleich mal eine kleine Runde Probe gesponnen. Es geht wunderbar. Ich bin von der Wolle total begeistert. Wahrscheinlich werde ich diese gar nicht zum kardieren geben.

Ungewaschen habe ich noch keine in den Fingern gehabt. Aber was nicht ist, wird ganz sicher noch werden.

Bildle Grüße von Karin vom Karinenhof im Havelland
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Re: Schafwolle waschen

Beitrag#8von Landei » Dienstag 29. Mai 2012, 13:59

Hallo,
der Thread ist zwar schon etwas älter,aber ich möchte dennoch gerne meinen Senf dazugeben. :-D
Ich wasche meine Unmengen an Wolle folgendermaßen: Ich nehme saubere Maurerbütten, packe a so ca. 1-2 kg Wolle rein,die ich vorher sortiert habe. Groben Dreck( Köttel, Äste, verfilzte Stellen und den Nachschnitt) raussammeln. Dann die Wolle in Regenwasser über Nacht einweichen und in der Waschmaschine oder Wäscheschleuder ausschleuedern, da geht schon eine ganze Menge Dreck raus.Danach wasche ich die Wolle in der Dusche mit normalen Spüli, damit geht das Fett ganz gut raus...ich habe ja gerne etwas Restfett in der Wolle.Wenn sie meiner Meinung nach sauber ist schleudere ich sie nochmal. Anschließend zupfe ich sie fein auf mit alten Gardinen bespannten Trockenrahmen und lasse sie im Schatten trocknen. Die Wolle plustert sich noch irre auf und ist kuschelig weich :-)

Liebe Grüße
Esther
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Re: Schafwolle waschen

Beitrag#9von Dine » Freitag 1. Juni 2012, 13:19

Hallo Landei,
bei uns zu Hause ist seit der Schur auch der Wollwahnsinn ausgebrochen. Sämtliche Rauhwoller sind jetzt nur noch halb so groß und sehen echt heiß aus...*grins* Der (hauptberufliche) Schäfer, der unsere Tiere geschoren hat war von der Wolle und den Schafen ganz angetan. Er kannte die so gar nicht, ist aber positiv überrascht gewesen. :boys_0120:
Sämtliche Wolle ist auch schon fest verplant und meine Mutter hat sich sogar ein gebrauchtes Spinnrad gekauft. Vielleicht könntest Du uns/ihr ja noch ein paar Tipps geben?

Gruß,
Dine, mit den "nackten" Rauhwollern :mocking:
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Re: Schafwolle waschen

Beitrag#10von Zacharias » Montag 25. November 2013, 00:00

Ich darf mal mit ein paar sich hartnäckig haltenden Vorurteilen aufräumen:
Wolle filzt nicht durch hohe Temperatur.
Wolle filzt nicht durch Bewegung.
Wolle filzt bei Temperaturschocks!
Im Klartext heißt das: Bei euren Rauhwollern wie auch sämtlichen anderen alten deutschen Schafrassen muss man gar nicht vorsichtig sein beim Waschen, aber man sollte die Temperatur immer gleich halten.
Ich bin da ein regelrechter Wollbanause. Meine Wolle kommt ins Feinwaschnetz und dann in die Waschmaschine. Wichtig ist - egal wie man sie wäscht - dass man sie vorher sortiert (kurze Fasern, mit Fremdpartikeln verseuchte raus) und nach dem Waschen nass in Flocken auseinander zieht. Lässt man sie nach dem Waschen so trocknen wird es sehr schwierig.

Grüße von einer Berufsspinnerin :yes4:
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Re: Schafwolle waschen

Beitrag#11von Claudia » Montag 25. November 2013, 09:58

Das funktioniert nicht mit allen Rassen gleichermaßen:

-Leineschaf alte Zuchtrichtung filzt sofort- was die Wolle aber als Strickfilzwolle interessant macht
-Beim Zackelschaf filzt sofort die feine Unterwolle, was man sich aber zunutze machen kann um das gesamte Vlies zu filzen(praktisch ein Schaffell ohne Leder)
-Coburger Fuchs jüngeren Alters werden ebenfalls in der Waschmaschine merkwürdig klebrig, bei älteren Coburger geht das gut
-Ostfriese ist prima für die Waschmaschine- absolut problemlos, braucht aber sowieso länger zum filzen
-dunkle Jakobsschafe gehen auch gut, helle Jakobschafe weniger,da die helle Wolle feiner ist
-Bentheimer : alte Schafe gut, junge schlecht(feinere Unterwolle- auch prima Strickfilzwolle)

Meine Erfahrung: Beim Färben mit Säurefarben habe ich auch Temperaturschocks von kalt nach heiss- das wird gut vertragen, andersherum von heiss nach kalt geht gar nicht.
Ansonsten finde ich schon: feuchte Wärme + Bewegung= Filz - je nach Schaf schnell oder gar nicht

Alles keine Vorurteile sondern eigene Erfahrung : )
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Re: Schafwolle waschen

Beitrag#12von Zacharias » Montag 25. November 2013, 15:41

Leineschaf hatte ich noch nicht. Aber vom Fuchs werfe ich sogar die Lammwolle in die Maschine. Das Klebrige ist das Fett, man sollte also immer genug Fettlöser drin haben. Das empfiehlt sich aber ohnehin wenn man in der Maschine wäscht und sie nicht anschließend dem Schrotthändler überlassen will.
Mit Jakobschafwolle und Bentheimern funktioniert das ebenfalls problemlos, man darf sich halt nicht davon beirren lassen, dass die Wolle in einem Klumpen aus der Maschine kommt. Im nassen Zustand klappt es super sie auseinander zu ziehen und dabei fällt dann auch der letzte feste Dreck raus.
Stimmt, kalt nach heiß geht.
Gruß, Birgit
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