Milch und Fleisch von Landschafrassen

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Milch und Fleisch von Landschafrassen

Beitrag#1von armin » Samstag 5. Juli 2008, 12:08

Hallo zusammen,

eigentlich hatten wir vor, im nächsten Jahr Ziegen anzuschaffen. Dabei haben wir vor allem an die Selbstversorgung mit Milch gedacht, da wir einiges an Milchprodukten verbrauchen, die wir dann selbst herstellen wollen. Molke aus der Milchverarbeitung und überschüssige Frischmilch können wir außerdem sehr gut als Schweinefutter gebrauchen.

In vielen Gesprächen mit aktiven und ehemaligen Ziegenhaltern wurde aber immer wieder auf das Problem hingewie3sen, dass Ziegen wahre Ausbrecherkönige sind.Das macht die Einzäunung natürlich aufwendig und teuer und würde sicher zu der ein oder anderen unliebsamen Überraschung führen, wenn man nach der Arbeit nach Hause kommt.

Daher mal ein paar Fragen an die Schafhalter unter Euch: Gibt es eine alte Landschafrasse, die
  • für die Haltung im Mittelgebirge geeignet ist,
  • sich bei ausreichender Milchleistung melken lässt und
  • am besten noch eine ansprechende Fleischqualität hat, auch bei den erwachsenen Tieren?

Es soll ja dabe3i durchaus Unterschiede geben. Dass die Milchleistung natürlich nicht die einer Milchziege ist, versteht sich von selbst. Aber ostfriesische Milchschafe z. B. oder irgendwelche Mittelmeerrassen werden in unserem Klima Probleme haben und ggf. auch höhere Ansprüche an das Futterangebot.

Irgendwo habe ich mal gehört oder gelesen, dass Waldschafe für eine solche Nutzung geeignet sind, aber genauere Informationen finde ich nicht. Mir fallen noch Coburger Fuchsschafe, Braune und Weiße Bergschafe und das Steinschaf ein, aber auch da ist nichts über irgendwelche Erfahrungen mit dem melken zu finden.

Kann jemand irgend etwas konkretes dazu sagen? Oder gibt es vielleicht eine ausländische bedrohte Rasse, die für unsere Zwecke geeignet wäre? Wir sind für alle Hinweise dankbar!

Viele Grüße
Armin
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Beitrag#2von Herwig » Samstag 5. Juli 2008, 13:47

Hallo Armin,
setzt euch doch mal mit dem Castlemilk Moorit Schaf aus England auseinander. Das wäre garantiert etwas für euch. Nur leider ist der Bestand in D sehr gering. In Holland und Belgien soll der Bestand jedoch besser sein??

Ich würde euch darum raten, euch in der Sache mit Dr. Güntherschulze ins Benehmen zu setzen. Kontakt kann ich gerne herstellen.

Grundsätzlich aber gilt:
Du kannst jede Schafrasse melken, natürlich müssen sich die Tiere daran gewöhnen und natürlich hast du eine geringere Milchleistung bei Tieren die vornehmlich Einlinge zur Welt bringen. Die Milchschafe sind auf Milchleistung gezüchtet, haben ergo die höchste Milchleistung... Aber was sollte dich hindern eigene Milchleistung zu erzüchten?? Du nimmst einfach immer die Muttern mit der besten Milchleistung und jene die sich am besten melken lassen und züchtest damit weiter.
Landrassen mit guter Lämmerquote sind sehr gut geeignet, ist ja eigendlich auch logisch, je höher die Ablamquote einer Rasse, desto bsser ist die zu erwartende Milchleistung.

Wenn du ein Schaf melken willst, ist es wichtig schon am Tag der Geburt damit anzufangen. Am günstigsten ist es immer ein Schaf zu melken, das sonst Zwillinge hatte, dann aber nur eines hat, oder dem eines gestorben ist. Die erste Milch ist immer für das Lamm, dann wird abgemolken, bis nix mehr im Euter ist, das regt den Milchfluß an. Die Milch der ersten Stunden (Kolostrum) kannst du den Schweinen geben.
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Beitrag#3von klosterbauer » Sonntag 6. Juli 2008, 15:25

Hallo Armin,

warum in die Ferne schweifen ...

bei uns im Bergischen war traditionell tatsächlich das Milchschaf (auch das ostfriesische) beheimatet. Mein Vater noch hat es gleich in Deiner Nachbarschaft (in der Gerstau) gemolken... Und bedroht ist diese Rasse mittlerweile allemal, meines Wissens gibts auch keinen Zuchtbetrieb mehr im Bergischen. Da wäre ne Förderung drin (s. www.vielfalt-lebt.de)

Übrigens: Die Fleischqualität der Milchschafe wird sehr gelobt.

Das Waldschaf hat hier die Bergische Archegruppe in der Zucht - steht auch im Berg. Freilichtmuseum in Lindlar. Das soll vom Typ dem entsprechen, was hier früher so rumlief. Aber die Melkergebnisse sind sicher bescheidener. Und wenn ich auch Bergschafe ganz toll finde - als Milchschaf würde ich das braune oder das ostfriesische Milchschaf nehmen.

Ich würd mich freuen, wenn wir wenigstens die ehemals hier beheimateten Milchschafrassen wieder halten könnten.

Beste Grüße aus dem Süden des Bergischen von
Peter
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Beitrag#4von smallfarmer » Freitag 8. August 2008, 09:24

Hallo Armin

Es gibt im Bergischen einen größeren Betrieb mit französischen Lacaune Milschschafen. Die lassen sich
ganz gut melken und sind auch ziemlich robust. Der Betrieb gibt auch immer mal Eintagslämmer ab, wenn du oder deine Familie etwas Zeit haben, nicht die schlechteste Lösung .
Oder aber wenn du was richtig seltenes willst, probiers doch mal mit Krainer Steinschafen aus. Freunde von uns haben eine kleine Herde, an der Uni in Gießen gibt es nen etwas größeren Bestand und
in der Nähe von Mainz steht die größte Herde. Die Muttern unserer Freunde lassen sich gut melken .
Ablammung im März, nach sechs bis acht Wochen kannst du die Lämmer langsam absetzen und melken.
In Slowenien gehen die Mutterschafe im Juni für ca 100 Tage auf die Alp und werden dort gemolken.
Milchleistung bei uns ca. 150 bis 300 ltr. Milch.
Für detaillierte Fragen stehe ich gerne zur Verfügung.
All the best
smallfarmer
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Beitrag#5von armin » Freitag 8. August 2008, 20:23

Hallo smallfarmer
,

danke für den Hinweis! Bei meinen Recherchen ist mir genau dieses Krainer Steinschaf auch "über den Weg gelaufen".
Bild Das wäre wirklich eine interessante Alternative, würde mir jedenfalls sehr gut gefallen.

Auf Dein Angebot bezüglich weiterer Infos komme ich gern noch zurück, wenn ich weiß, was ich noch alles wissen will. Für den Moment reicht mir völlig die Bestätigtung, dass man Rasse tatsächlich gut melken kann.

Danke nochmals und viele Grüße aus dem regennassen Bergischen Land...

Armin
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