Hilfe, wir haben ein Flaschenlamm!

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Hilfe, wir haben ein Flaschenlamm!

Beitrag#1von Dine » Freitag 13. April 2012, 12:08

Hallo ihr Lieben,
hilfe, gestern Abend hat unsere 2te Jährige gelammt und uns Zwillinge geschenkt. Nur leider hat sie das kleine Böckchen komplett verstossen. Nicht einmal abgeleckt oder kurz trinken lassen. Er lag fast eine Stunde im strömenden Regen auf der Koppel, bis mein Freund ihn durch beobachten der anderen Lämmern gefunden hat. Er war schon sehr unterkühlt und mein Freund hat ihn erstmal unter die Jacke genommen um ihn zu wärmen. Wir haben gleich den TA angerufen. Der hat dem jungen Böckchen (und auch Schwesterchen und Mutti) eine eigentlich problemlose Gesundheit attestiert. Wir haben das Kleine dann mit ins Haus genommen. Für die Hunde haben wir eine dieser riesigen Flugboxen, da passe auch ich noch gut rein. Die haben wir mit Heu ausgelegt, dazu bekommt er aber immer wieder Rotlicht und Decke und Kuscheln. Wahnsinn sind auch unsere Hunde, die das Kleine absolut wahnsinn toll angenommen haben und es putzen und bewachen.
Jetzt haben wir die ersten Stunden mit Milchaustauscher und Flasche überbrückt, heute Abend bekommen wir von einem Nachbarn frische (aber leider schon zweite Melkung) Rinder-Kolostralmilch.

Reicht das dann noch? Es ist zwar heute Abend erst 24 Stunden alt, aber sind die nicht gerade die wichtigsten? Oder ist 'besser später als nie' Kolostral von der Kuh noch gerade ok? Ich hab mir schon die Finger Wund telefoniert, aber kein Lieferant hat Kolostralpulver...
Bitte, ich brauche ein paar Erfahrungswerte von euch!

LG
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Re: Hilfe, wir haben ein Flaschenlamm!

Beitrag#2von karinenhof » Freitag 13. April 2012, 12:39

ob das ausreichend ist, kann ich Dir leider auch nicht sagen. Es ist auf jeden Fall besser, als gar nichts. Wenn es einen Schäfer in Deiner Nähe gibt, dann frage ihn, er kann Dir bestimmt helfen. Ich habe inzwischen etwas Kuh- Kolostrummilch eingefrostet.

Hier aus einem anderen Forum eine Ersatz- Milch für die ersten Tage.

Ohne Frage ist das käufliche Kolostralmilch-Pulver bei einer notwendig gewordenen Handaufzuch unbedingt zu bevorzugen. Gleiches Ergebnis - oder fast noch besser: eingefrohrenes Kolostrum).

Hat man Beides nicht zur Hand und die Zeit drängt ja, weil diese 1. Milchgabe muß ja innerhalb von 4 Stunden - besser sofort erfolgen - hier ein Rezept, dass ich ( in diesen Stunden ) angewandt habe:

auf 100 Gramm 3,5% Vollmilch:
ein Eigelb (nicht Eiweiß)
einen halber Teelöffel Lebertran
einen halben Teelöffel Traubenzucker


Danach kannst Du mit 3,5 %iger Milch und einem Schuss Sahne drin, weiter machen. Oder Du besorgst Dir Rohmilch vom Kuh- Bauern.

Viel Glück wünscht Dir die Karin aus dem Havelland
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Re: Hilfe, wir haben ein Flaschenlamm!

Beitrag#3von Dine » Freitag 13. April 2012, 13:27

Hallo Karin,
aha, also hast auch Du Kuh-Kolostrum eingefroren... Da kommt man einfach leichter ran, was?

Ich habe mir auf jeden Fall geschworen für die nächste Lammsaison einen kleinen Vorrat Kolostralpulver vorzuhalten. Einen Milchaustauscher habe ich von Sprayfo. Wurde mir als das Beste angeraten von anderen Züchtern. Meine Sorge gilt eigentlich im Moment dem Zeitfenster: heute Abend um ca 18 Uhr (Melkzeit) wird der kleine Schatz ca. 22-23 Stunden alt sein. ist es dann schon zu spät für die Immunabwehr?
Ergänzend hab ich gerade noch Kolostralmilch für Menschen aufbereitet (ist dann gepoolt oder so...) aufgetan. 150ml für 40,- €. Autsch... Aber was tut man nicht alles...

LG
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Re: Hilfe, wir haben ein Flaschenlamm!

Beitrag#4von karinenhof » Freitag 13. April 2012, 14:14

ich kann nur aus der Theorie antworten. Wir hatten bis dahin noch kein Flaschenlamm. So kann ich Dir auch nicht wirklich praktisch helfen.

Nur von Anderen Haltern kann ich Dir sagen, dass nicht unbedingt Milchtauscher sein muss. Es gibt wohl relativ große Gebinde, die nicht ewig haltbar sind. Da sind Milch und Sahne einfacher zu bekommen.
Aber wie gesagt - ich habe keine praktischen Erfahrungen -

sonnige Grüße von
Karin aus dem Havelland
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Re: Hilfe, wir haben ein Flaschenlamm!

Beitrag#5von Dine » Freitag 13. April 2012, 14:21

Du hast mir trotzdem geholfen, Karin. :air_kiss:

Nur von Anderen Haltern kann ich Dir sagen, dass nicht unbedingt Milchtauscher sein muss. Es gibt wohl relativ große Gebinde, die nicht ewig haltbar sind.
Da ist ja das schöne an meinem Job im Landhandel... An Equipment und Futter komme ich sehr gut ran, auch an kleinere Mengen. :biggrinn:

LG
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Re: Hilfe, wir haben ein Flaschenlamm!

Beitrag#6von matt23 » Freitag 13. April 2012, 16:13

Ist zwar schon etwas spät... Aber hättest du nicht bei der Mutter was abmelken können? Milch hat sie ja anscheinend. Das wäre wohl das beste gewesen.
Wenn du noch andere Schafe hast, die gerade lammen, versuch doch bei denen etwas Biestmilch abzumelken. Evtl kannst du davon auch was einfrieren fürs nächste Mal.

Viel Glück!
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Re: Hilfe, wir haben ein Flaschenlamm!

Beitrag#7von Uwe » Freitag 13. April 2012, 19:49

Ich habe in den letzten Jahren immer wieder Flaschenlämmer - die hole ich ganz gezielt beim Schäfer! Aktuell sind es noch 14 (von ehemals 17).
Kolostralmilch von der Kuh geht problemlos, besser wäre vom Schaf ... bekommst Du aber nicht!! Reserven einfach einfrieren.Von der Kuh bekommst Du die eigentlich bei jedem Milchbauern! Der kippt die sonst weg! Das künstliche und viel zu teure Ersatzmittel ist nur eine echte Notlösung!
Zur Aufzucht nehme ich "Combi Milch" von Raiffeisen (25kg = 73,013EUR), 170 - 200 Gramm auf einen Liter heißes Wasser, ruhig heiß ansetzen so vermeidest Du Klumpen! Aus Erfahrung weiß ich, das Fencheltee bei Verdauungsproblemen hilft ... somit mische ich einen guten Anteil dieses Tees unter! Beispiel: Von drei Litern Milch sind mindestens 0,5 Ltr. Fencheltee - oder ein Beutel Tee in einem Liter heißem Wasser ansetzen und mind. 5 Minuten ziehen lassen! So habe ich schon junge Feldhasen groß bekommen!
Verluste musst Du allerdings bedenken ... das liegt leider immer wieder drin! S.o.!
Drücke Dir die Daumen ...
Gruß aus der Wesermarsch ...
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Re: Hilfe, wir haben ein Flaschenlamm!

Beitrag#8von Alex » Freitag 13. April 2012, 21:30

Hallo,

ich hätte auch die Alte abgemolken, ein paar Spritzer Biestmilch reichen ja. Ich habe bei meinen Flaschenlämmern die Erfahrung gemacht, dass mit Milchaustauscher das Risiko das sie aufblähen größer ist, ich ziehe nur noch mit normaler Milch auf. Am besten Rohmilch vom Bauern oder mind. 3,5%tiger Vollmilch plus Sahne und etwas Traubenzucker.

Am Anfang fünf mal füttern, dann viermal , dreimal usw.

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Re: Hilfe, wir haben ein Flaschenlamm!

Beitrag#9von Dine » Donnerstag 19. April 2012, 17:51

Hallo ihr Lieben.
Junge, junge, das Lamm hat uns die ersten Tage ganz schön auf Trab gehalten. Aber: alles ist gut gegangen mit ihm. Leider mit seiner Schwester, welche von der Mutter wirklich gut angenommen worden war und super getränkt wurde, nicht. Wir wissen nicht, woran es lag, aber am 2ten Morgen habe ich sie auf der Koppel gefunden. :-( Der am Tag der Geburt gerufene TA hatte allen beiden gute Gesundheit attestiert. Mittlerweile habe ich von einigen meiner Kunden (alles Schäfer) gehört, dass wäre bei Erstgeburten eben mitunter so. Wir hatten auch kurzzeitig überlegt, den kleinen Bock wieder zur Mutter zu setzen und zu versuchen ob sie ihn nicht doch jetzt annimmt, haben uns aber dagegen entschieden. Der kleine Bock wog am Tag nach der Geburt beim TA, der ihm nur noch eine kleine Aufbauspritze gab, gerademal 1,6kg. Trotz reichlich eingefrorener erster Biestmilch vom Kuhbauern konnte der Kleine die ersten 2 Tage seine Körpertemperatur nicht allein halten, brauchte immer wieder Rotlicht.
Abmelken konnten wir die Mutter leider nicht. Wir haben die Schafe erst 4 Wochen und gerade diese Aue gehört leider zu denen, die noch nicht handzahm waren. Sie lies sich einfach nicht greifen und da sie zu dem Zeitpunkt noch die Kleine bei sich hatte, wollten wir die Beiden nicht zu sehr stressen.

@Uwe: Danke für den Tipp mit dem Fencheltee! Ich werde ihn im Hinterkopf behalten. :yes4:

@Alex: Ich habe mir den Aufzuchtplan von Schaf-foren.de runtergeladen. Mit dem fahren wir sehr gut. Mit der Sprayfo-Aufzuchtmilch kommen wir im Moment ganz gut zurecht. Langfristig werde ich mir aber euren Rat folgend Biestmilch und auf vielleicht etwas normale Schafsmilch einfrieren. Wie lange ist so etwas denn gefroren haltbar?

Der kleine Bock wird im übrigen bei uns bleiben. Mein Freund, der um sein Leben gerungen und gewonnen hat, will den kleinen Frecker nicht mehr hergeben. Daher haben wir ihm einen Namen gegeben: Momme. Jetzt werden wir uns ein Halfter besorgen und den Kleinen konsequent an alles gewöhnen, was ein Schaf da draußen kennen muss. Da wir zumindest vorerst keinen eigenen Bock haben wollen, soll er im wahrsten Sinn des Wortes unser "Leithammel" werden. Wenn wir die Herde mal verbringen müssen oder beim Koppelumtrieb oder... oder... oder... kann es nur von Vorteil sein, ein Tier zu haben, das unbedingtes Vertrauen hat. Abgesehen davon würde mein Freund mich vermutlich sofort verlassen, wenn ich auch nur andenken würde, dieses Tier zu schlachen... :boys_0136:

Liebe Grüße,
Dine
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Re: Hilfe, wir haben ein Flaschenlamm!

Beitrag#10von Uwe » Donnerstag 19. April 2012, 21:05

Hallo Dine,
wenn Du den kleinen Bock als Leithammel behalten möchtest (was ich sehr gut verstehen kann) solltest Du ihn aber kastrieren lassen!
Als Bock wird der immer den Boss spielen (wollen) und Du wirst nicht richtig Spaß mit ihm haben! Wie sagte mir ein Schäfer: Irgendwann werden die albern und sind nicht mehr zu händeln weil sie immer Chef sein wollen! Mag aber auch falsch sein ... ;)

Btw: Von meinen ehemals 17 Flaschenlämmern habe ich leider nur noch 11!
6 sind bedauerlicherweise eingegangen, warum auch immer - trotz Fencheltee!
Der Rest ist glücklicherweise fit, ich hoffe es bleibt so und alle kommen durch!
Gruß aus der Wesermarsch ...
Uwe
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Re: Hilfe, wir haben ein Flaschenlamm!

Beitrag#11von Alex » Donnerstag 19. April 2012, 22:24

Hallo,

ja Schafböcke sind in der Beziehung, schlimmer als Ziegenböcke, mit einem Ziegenbock kann ich mich arrangieren, ein Schafbock dagegen kann ganz schön blöd werden.

Ausserdem muss er früh lernen sich wieder in die Herde zu integrieren, sonst kann es passieren, wenns dumm läuft, das er immer Außenseiter bleibt.


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Re: Hilfe, wir haben ein Flaschenlamm!

Beitrag#12von Dine » Freitag 20. April 2012, 11:04

Hallo ihr Lieben,

da wir keine Inzucht mit einem eigenem Bocklamm riskieren wollen, wird der kleine Mann auf jeden Fall kastriert! Die Kosten habe ich vorgestern bei meinem TA nachgefragt: 30,-€, einen Termin haben wir zunächst lose ausgemacht für den August. Dann ist der Kleine 4 Monate alt. Früher wollte die TA nicht, da der Kleine zunächst eine gewisse Mindestgröße und Gewicht erreichen soll. Da er keinen guten Start hatte, haben wir eher einen etwas späteren Termin ausgemacht. Sollte sich allerdings zeigen, dass er früher Geschlechtsreif werden wollte, dann ziehen wir den Termin eben etwas vor!

Das Thema Integration in die Herde ist wichtig... Habt ihr da irgendwelche erprobten Ideen? Am WE wird er knapp eine Woche alt sein. Ich wollte ihn dann schon mal mit rüber nehmen, wenn wir nach der Herde gucken. So kann er schon mal ersten Kontakt aufnehmen und dann wollen wir die Zeitintervalle immer weiter verlängern.
Klingt das nach einem guten Plan oder macht man das vollkommen anders?

Liebe Grüße,
Dine.
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Re: Hilfe, wir haben ein Flaschenlamm!

Beitrag#13von Holda » Montag 11. Juni 2012, 23:10

Ich hatte im letzten Jahr ein weibliches Flaschenlamm. Die ersten 12 Stunden konnte ich von der Mutter immer ein wenig Biestmilch abmelken. Es war aber für die Mutter sehr stressig, da sie sehr scheu war. Aber ich war für jeden Tropfen Kolostrum dankbar.
Da ich Milchziegen halte, friere ich jedes Jahr ein paar Portionen Kolostrum in kleinen Portionen für etwaige Notfälle ein. So konnte ich im letzten Jahr auch auf diesen Vorrat zurückgreifen.
Nach 2 Tagen habe ich dann versucht, das Lamm der Mutter unterzuschieben. Doch das Lamm war schon zu sehr auf den Menschen geprägt. Also haben wir es mit Ziegenmilch aufgezogen. Das hat wunderbar geklappt.

Die ersten Tage hatten wir das Lamm in unserem Heizraum untergebracht, dann in einer extra Box im Stall. Nach und nach haben wir es dann mit der Herde mitlaufen lassen. Anfangs haben wir befürchtet, dass das Lamm irgendwann dann doch problematisch werden würde, weil es immer den Kontakt mit uns Menschen vorzog.
Inzwischen ist das schon über ein Jahr her und das Schaf ist nun recht gut integriert in die Herde. Von fremden Menschen lässt es sich gar nicht angreifen (was mir sehr recht ist). Wenn ich im Stall, Auslauf oder auf der Weide bin, läuft es immer mit mir mit. Bei dem Rest der Familie macht es das seit einigen Monaten nicht mehr.

Dine, ich würde es genau so machen wie Du es geplant hast - das Lämmchen täglich zur Herde mitnehmen, dann im geschützten Rahmen auch dort lassen (Box, Absperrgitter) und die Intervalle immer verkürzen.
Auch wenn es erst sehr verlockend sein mag, so ein nettes Schaf wie einen Hund zu halten, so ist es für das Schaf doch sehr wichtig, dass es begreift, dass es kein Mensch ist.
Viel Erfolg!

Liebe Grüße
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Re: Hilfe, wir haben ein Flaschenlamm!

Beitrag#14von Jaegertom » Dienstag 12. Juni 2012, 10:00

Alex hat geschrieben:Hallo,

ja Schafböcke sind in der Beziehung, schlimmer als Ziegenböcke, mit einem Ziegenbock kann ich mich arrangieren, ein Schafbock dagegen kann ganz schön blöd werden.

Ausserdem muss er früh lernen sich wieder in die Herde zu integrieren, sonst kann es passieren, wenns dumm läuft, das er immer Außenseiter bleibt.


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Dann doch mal Alpine Steinschafe.
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Wenn ich zu Fuß die Weide wechsel läuft er brav mit.
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Re: Hilfe, wir haben ein Flaschenlamm!

Beitrag#15von Herwig » Dienstag 12. Juni 2012, 13:56

Ein weibliches Schaf zahm zuhaben ist ein geringes Problem. Ein Bock hingegen kann, gerade für alte Menschen lebensgefährlich werden. (Schenkelhasfraktur mit anschließender Pneumonie ist keine Seltenheit)
Ich habe grundsätzlich nie Lämmer mit der Flasche aufgezogen, ich habe mir immer eine Mutter gefangen und das Lamm angesetzt, ist aufwendig, zahlt sich aber aus. Nach beharrlichem Ansetzen akzeptiert die fremde Mutter das Lamm, klappt garantiert, spätestens nach 3 Wochen braucht man nur den Stall betreten, die Mutter steht, das Lamm läuft hin und säuft.
Weiterer Vorteil ist die artgerechte Milch und immer die richtige Temperatur, aber auch die Bindung zum Menschen ist sehr viel geringer.
Natürlich ist es wichtig, dass die Lämmer Kolostrum bekommen, das habe ich immer mit einer Magensonde gemacht, geht schnell und garantiert das die Milch auch ankommt in der richtigen Menge. Die Schlundsonde legen ist nicht schwer, lässt man sich am besten vom TA mal zeigen. (Ich lege immer mein Ohr zur Sicherheit an die Sonde, um zu hören, das ich nicht in der Lunge gelandet bin!)
Für Muttern, die ihr Lamm nicht annehmen wollen, gilt das Gleiche: Beharrliches anlegen! Natürlich ist und wird es schwierig wenn man 20 Lämmer so versorgen muss, dann ist ein Tränkeeimer mit Saugern unumgänglich. Letzlich ist der Aufwand nicht größer als wenn ich Austauscher anrühre, ihn erhitze und anschließend die Flasche und den Sauger reinige. Richtig aufwendig ist das Anlegen nur die ersten 10 mal, dann wird es immer leichter...
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Re: Hilfe, wir haben ein Flaschenlamm!

Beitrag#16von Holda » Dienstag 12. Juni 2012, 16:46

Unser Flaschenlamm hatte total verbogene Vorderfüße und konnte am ersten Tag nicht alleine stehen. Auch die Tage danach, war es sehr wacklig auf den Beinen. Nur der sehr starke Lebenswille der unübersehbar war, hat mich dazu bewogen, das Lamm mit der Flasche zu füttern. Die Mutter hätte das Lämmchen nach ein paar Tagen schon noch angenommen. Und auch bei einer fremden Mutter habe ich mein Glück noch versucht. Das Problem lag eher beim Lamm...aber das war höchstwahrscheinlich mein Fehler. War auch mein allererstes Flaschenlamm.
Da ich inzwischen auch die Sondenfütterung gelernt habe, könnte ich das in so einem Fall ja dann dem Fläschchen vorziehen.

Ein Widder-Lämmchen würde ich ziemlich sicher später schlachten. Ich weiß um die Gefährlichkeit und ich habe schon angriffslustige Widder und auch einmal einen Ziegenbock erlebt.

Liebe Grüße
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Re: Hilfe, wir haben ein Flaschenlamm!

Beitrag#17von Dine » Mittwoch 20. Juni 2012, 15:34

Hallo ihr Lieben,
vielen Dank für eure Tips und Unterstützung. :yes4:
Heute ist der kleine Bock 4 Monate alt und hat alles gut überstanden. Kaum 2 Wochen nach seiner Geburt haben wir ein zweites Bocklamm bekommen, dass leider seine Mutter abgelehnt hat. Er hat ums Verrecken und mit Trick 17 und immer wieder anlegen den mütterlichen Zitzen nicht genommen. Als wir aber nach einigen Stunden vergeblichen Wartens die Mutter gemolken haben (die auch alles sehr brav mitgemacht hat) und ihm die Flasche hinhielten, hat er sofort getrunken. Auch die nächsten 48 Stunden allein mit Mutti in einer separaten Box und mit immer wieder anlegen haben daran nichts ändern können. So haben wir dann also Flaschenlamm eins und zwei zusammen in dieser separaten Box im Schafstall untergebracht und dort gemeinsam mit der Flasche aufgezogen. Das ist insofern sehr schön gewesen, als das sie zumindest einander hatten und darüber hinaus Kontakt zum der Rest der Herde aufnehmen konnten. Zunächst waren sie immer nur zu zweit, aber bald wurden die anderen Lämmer neugierig und unser super sozialer Lammbock aus dem Februar hat sich ihrer angenommen. Ich weis, as tun Böcke normalerweise nicht, aber der schon. Er hat sie regelrecht an die Hand genommen. Sie durften sich bei ihm wärmen, er war immer in der Nähe und einfach ein ganz Toller. Am Dienstag wird dieser ältere Lammbock kastriert. Wir spielen sehr mit dem Gedanken ihn zu behalten, da wir keinen eigenen Bock haben wollen und er so super sozial und extrem zutraulich und verschmust ist (dabei aber definitiv kein Flaschenlamm). Sollte er oder die beiden anderen, die ebenfalls im August kastriert werden allerdings irgendwann doch noch eine Tendenz zur Aggression entwickeln, werden sie dem gleichaltrigen Kumpel vom älteren Bock folgen und zum Schlachter kommen. Bislang warten wir noch ab und wollen die in Frage kommenden Tiere im späten Herbst schlachten lassen, wenn sie etwas mehr Masse angesetzt haben.

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