Geschecktes Bergschaf

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Geschecktes Bergschaf

Beitrag#1von Herwig » Mittwoch 14. Januar 2009, 21:36

Hallo liebe Schafinteressierte,

ich habe das Gescheckte Bergschaf mit in unsere Liste der gefährdeten Nutztierrassen mit aufgenommen.
Folgende Umstände sprachen für mich dafür, auch wenn das Gescheckte Bergschaf erst vor 10 Jahren als Rasse anerkannt worden ist.

  • Die Ausgangsrasse ist das bedrohte Bergschaf, beide bisherigen Farbschläge stehen auf der Liste.
  • Das Gescheckte Bergschaf ist im Bestand extrem bedroht ( Die sinkenden Wollpreise werden das noch verschlechtern)
  • Es ist als Herdbuchzucht zugelassen in zwei Bundesländern

Unsere neue Rassebeschreibung ist hier zu finden:
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Ich möchte hier deutlich klarstellen, das wir damit nicht die sogenannte Rote Liste der gefährdeten Nutztierrassen einfach erweitern wollen, sondern das es eine interne Entscheidung von uns ist, diese Rasse zu listen.

Gerne darf man sich hier dazu äußern.
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Beitrag#2von klosterbauer » Donnerstag 15. Januar 2009, 19:33

Hallo Herwig,

da habe ich im Prinzip kein Problem mit, die gescheckten Tiere muss es ja schon immer in den Herden gegeben haben. Und mir gefallen sie auch und ich freue mich, dass es jetzt auch einen Bestand im Bergischen gibt.
Frage ist nur: Ist die Rasse vom Aussterben bedroht oder "im Entstehen"?? Beides ist ja nichts schlechtes und darum lohnenswert zu fördern - ist aber was anderes. Und warum soll sich VIEH nicht auch um neue Rassen kümmern?
Eine Frage noch nebenbei: Wer ist "wir"? Wenn es sowas wie einen "Aufnahmeausschuss" gibt, fänd ich das schon interessant zu wissen.

Bergschafe sind schon was Feines - (habe auch schon mal Schecken rausgekreuzt, sind es tolle Viecher). Wenn ich wieder amal gescheckte finde, weiß ich jetzt zumindest, an wen ich mich in meiner Region wenden kann.

Soweit für jetzt - beste Grüße aus dem Bergischen von
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Beitrag#3von Herwig » Donnerstag 15. Januar 2009, 19:59

Hallo Peter,
die Rasse wird seit 1970 separat gezüchtet, "entsteht " und besteht also schon länger. Natürlich sind die Zahlen auch deswegen so niedrig oder so "schlecht". Ich sehe auch wie du, das die Schafe schon immer gescheckt vorgekommen sind, aber gemerzt worden sind. So wird eben auch keine Gentik erhalten. ( Naja, und zur VIEHLfalt gehören sie alle Male)
Es hindert uns ja aber nichts daran, bei einer gesunden großen Population die Rasse wieder aus der Listung zu nehmen.
Dazu kommt, das ich der Meinung bin das, wenn es übel läuft, alle Wolle tragenden Schafe vermutlich über lang oder kurz auf die Liste kommen müssen, weil überall der Bestand zurückgeht, zugunsten der Haarschafe. Damit meine ich nicht, das ich die nun gleich schon mal alle listen möchte, aber die gefährliche Tendenz gibt es halt.

Entschieden haben wir das unter "uns Schäfern", da wir 5 Schäfer (Gesellen und auch Schäfermeister, weiterhin seine Meinung dazu hat der Biologe Dr. Jürgen Güntherschulze abgegeben) als Nutztier-Archen Bauern haben, habe ich zu einer Konferenz aufgerufen und um Stellungnahme und Empfehlung gebeten.

Ausnahmslos alle, haben für die Listung des gescheckten Bergschafes plädiert, einige in diesem Zusammenhang sogar für die Erstellung einer eigenen "Roten Liste". Ich möchte allerdings keine weitere Rote Liste erstellen, weil ich das im Moment für kontraprduktiv halte.

Von unseren "Fachleuten" wurde auch die Aufnahme des Ostfrisieschen Milchschafes nicht ausgeschlossen, das ist aber auch noch Zukunftsmusik...
Aktuell ging es um das gescheckte Bergschaf und das auch nur, weil die beiden anderen Farbschläge schon auf der Liste stehen.

Gerne beantworte ich weitere Fragen dazu
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Beitrag#4von klosterbauer » Donnerstag 15. Januar 2009, 21:20

Hallo Herwig,

dann gehöre ich ja bald auch zur Konferenz ... - bekommst in den nächsten Wochen Post von mir, Stall steht, jetzt kann man die Sache besser herzeigen als vor einem Jahr.

Und danke für die Antwort. Lass die Gescheckten ruhig mal in der Liste

Das Thema "Wolle" sehe ich zwar nicht ganz so schwarz, stelle aber entsprechende Tendenzen durchaus fest.

Das Thema "Rote Liste" ist ein zweites ... - aber nicht heute.

Übrigens: Die Sache mit den Milchschafen sehe ich ähnlich.

Beste Grüße aus dem Bergischen - für heute ist Feierabend

Peter
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Beitrag#5von Schafhirte » Samstag 17. Januar 2009, 20:51

N'abnd zusammen,

ich als Halter der Schecken danke Euch hier erst mal für die Aufnahme dieser Rasse in Eure Liste! Bild

Aber darf ich da grad noch zwei Daten korrigieren?
1. Das Gescheckte Bergschaf wird seit 1975 mit dem Ziel zur Eintragung als eigenständige Rasse gezüchtet.
2. Das Gescheckte Bergschaf ist seit 1990 anerkannte Rasse beim Landesschafzuchtverband Niedersachsen => Rasse besteht also seit fast 20 Jahren. ;-)

@Peter:
Das Thema "bedroht" oder "im Entstehen" kann man nicht so trennen. Beides trifft zu! Die Tiere sind in jedem Fall bedroht, nicht weil sie nachweislich vom Weissen/Braunen Bergschaf abstammen, sondern weil die Population extrem gering ist (dafür spricht die Liste der "Zentralen Dokumentation Tiergenetischer Ressourcen" in Hannover). Und im Entstehen ist sie natürlich auch, weil eben knapp 20 Jahre alt, und nicht 2000.
Aber: in Bayern ist das Braune Bergschaf seit 1977 anerkannte Rasse. Das sind nur 13 Jahre Unterschied zu den Gescheckten. Also, ich finde den Unterscheid nicht besonders groß ...
Was meint Ihr? ;-)

Viele Grüße und ein schönes Wochenende
Roman
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Beitrag#6von torsten » Samstag 17. Januar 2009, 21:34

Hallo Schafhirte

Herzlich wilkommen hier bei uns in der RundeBild,hoffe werden mehr und gute Beiträge über die Rasse erfahren. Gruß Torsten.Bild
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Beitrag#7von schmidti » Samstag 17. Januar 2009, 21:48

Hallo liebe Schäferfreunde,

da mich stetsdie Geschichte der Schafrassen interessiert, sammle ich alte Bücher zu diesem Thema. So habe ich ein Buch aus 1938 mit einer ausführlichen Beschreibung des Weißen Deutschen Bergschafes. Darin heißt es unter anderem, dass braune, schwarze und bunte Tiere konsequent zu merzen sind. Das ist in so fern interessant, da offenbar oft diese Farbschläge auftraten. Auf einem Bild ist eine Bergschafherde zu sehen mit nicht wenigen braunen, schwarzen und bunten Schafen. Im Vordergrund übrigens ein (Coburger) Fuchsschaf.
Diese finden sich leider nicht in der Literatur dieser Zeit, da sie bereits der Rassenbereinigung zum Opfer gefallen waren.

Bildle Grüße, schmidti
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Beitrag#8von Herwig » Sonntag 18. Januar 2009, 09:47

Hallo Schafhalter.

Leider trifft die frühere Merzung der dunklen und bunten Schafe auf weitere Schafrassen zu. (z.B. Milchschaf)

Die Gründe dafür waren ganz einfach, man wollte für die Deutsche Wollverwertung einheitliche Wollfarben. Schwarze, melierte oder braune Wolle lässt sich nicht einfärben, hätte separat gekämmt werden müssen um die Maschinen nicht zu verunreinigen etc..
Einen Markt für andere Farben gab es quasi nicht. Außerdem hatte man ja vorher Jahre darauf verbracht die weißen Wollen zu erzüchten.

Schwarze oder sunkle Schafe waren immer ein schlechtes Omen. Schlechte Menschen waren darum auch das "schwarze Schaf der Familie" In fast allen Sprachen gab es diesen Ausdruck. (Black sheep in the familie)
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Beitrag#9von Conny » Sonntag 18. Januar 2009, 19:18

Ich persönlich finde die Gescheckten wunderschön und erhaltenswert, aber lässt sich die Wolle von diesen Tieren vermarkten? In der Industrie werden ja wegen des einfärbens der Wolle weiße Fliese bevorzugt.

LG
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Beitrag#10von smallfarmer » Montag 19. Januar 2009, 12:31

Mit der Wolle bei den Bergschafen ist das so ein Problem. Eigentlich müssen sie 2 mal im Jahr geschoren werden, damit die Wolle nicht verfilzt. Ich hab es dann mit dreimaliger Schur in zwei Jahren gemacht. Dezember, August und Mai. Am schönsten sind die Plattenschecken, die Tiroler sagen "Dalerschecken".
Schwarze oder braune Flecken die nicht aneinander hängen.
Leute die Wolle filzen nehmen gerne gepflegte,saubere Bergschafwolle,da die gut filzt.
Ein weiteres Problem sehe ich in den Lämmern, du hast immer junge Lämmer in der Herde. Die alten sind noch nicht alle weg und schon sind die ersten wieder da.
Anyhow, fürs Auge warns die schönsten.
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Beitrag#11von klosterbauer » Montag 19. Januar 2009, 13:02

Hallo Smallfarmer,

aus meiner Sicht ist das Problem kein so großes: Wir scheren einmal im Jahr, haben super Wolle - und einen Kaltstall (einseitig offen, keine Tropfnässe!). Da verfilzt nix. Die Bayern haben oft Warmställe - die müssen 2x im Jahr scheren. (Dezember scheren - das geht bei uns nicht, zu kalt die Welt)
Keine Erfahrung haben wir mit dem Verspinnen gescheckter Wolle.

Und bei den Schafen klappt das mit den Lämmern auch durch gezielte Bockzuführung. Ich wollte auch nicht ständig lammende Tiere haben. Habe jetzt eine Sommer und eine Winterlamm-Gruppe, stelle entsprechend den Bock dazu und schon habe ich gezielte Lammzeiten. Aus meiner Sicht war es auch besser fürs Tier, wenn nur eine Lammung im Jahr ist. Das steigert die Kondition auf die langen Jahre gesehen. Ich bin von der dreimaligen Lammung seit einigen Jahren weg. Klappt supi - und die Kundschaft erhält doch ganzjährig lecker Lammfleisch.

Soweit die Bergischen Erfahrungen - es grüßt
Peter
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Wann ist es eine Rasse?

Beitrag#12von Andreas » Montag 19. Januar 2009, 20:10

Hallo alle miteinander,
@ Schafhirte, willkommen bei uns, schön das du Bergschafezüchtest, die hatte ich früher auch mal, echt prima Schafe.
Ich finde die Entscheidung das Bunte Bergschaf zu listensehr gut, und habe auch dafür plädiert.
Ich habe eure Beiträge gelesen und bei mir kam die Frage auf,wann spricht man eigentlich von einer Rasse? Erst wenn ein Deutscherherdbuchverbandsie anerkannt hat? Wir hätten heute wahrscheinlich keine Fuchsschafe mehr, wennSwenson diese nicht damals gesammelt und erhalten hätte, erst jahrzehnte späterwurden sie im Herdbuch geführt. Und was ist mit den Pommern, waren es nichteinige beherzte Züchter auf Rügen die die letzten 7 Böcke sammelten und dieletzten übrig gebliebenen Muttern und gegen den Willen der Zuchtverbände dieRasse erhalten haben.
Meine Meinung zu den Bergschafen ist eindeutig. Es gibt eineRasse, das Deutsche Bergschaf, diese Rasse hat drei Farbschläge, schon immer, undjetzt sind endlich alle drei anerkannt. Auch bei uns, hurra! Mann sollteversuchen freundlich und kooperativ mit den Erstellern der Roten Liste zu kommunizieren,immer wieder, und vorschlagen das alle Farbschläge einer Rasse aufgenommenwerden.
Gut soweit erstmal Grüße an alle



Andreas
Zuletzt geändert von Andreas am Montag 19. Januar 2009, 20:25, insgesamt 1-mal geändert.
Sorry,Rechtschreibung kann ich gaaar nicht,
ich hoffe Ihr versteht trotzdem was ich meine.
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Beitrag#13von Schafhirte » Freitag 30. Januar 2009, 19:12

Hi Peter,

schön, dass es außer mir noch Leute gibt, die die Tiere im "offenen" Stall halten, d.h. eine Seite offen. Hab schon Angst bekommen, dass meine Nachbarn irgendwann von Tierquärei sprechen, weil die Schafe bei Minusgraden im Stall sind. Aber ich denke besser kalt und trocken als warm und feucht. Außerdem sind die Tiere extremst robust und nie krank! Bild Bild Bild
Mir hat man schon mehrmals gesagt "Bergschafe nur ein mal im Jahr scheren, das geht doch gar nicht!". Ich schere ein mal im Jahr und die Tiere haben top Wolle, nix verfilzt. Liegt wohl wirklich am Offenstall ...

Viele Grüße und 'n schönes WE
der Hirte
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