Genotypisierung

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Genotypisierung

Beitrag#1von bienenoldie » Samstag 28. Juni 2008, 10:15

Ich züchte Skudden im Herdbuch und möchte dieses Jahr meine Lämmer erstmals genotypisieren lassen.
Welche Erfahrung habt Ihr damit, qwenn sie anschliessend verkauft werden?
Interessiert es den Käufer? Kann man die Kosten auf den Preis aufschlagen?
Vielen Dank schon mal für Eure Antworten
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Beitrag#2von klosterbauer » Samstag 28. Juni 2008, 18:13

Hallo nach Euskirchen

Du wohnst - wie ich - im Lande der Genotypisierung. Unser Schafzuchtverband hat dieses unendlich stark gepusht. Und jetzt traut sich kaum einer mehr, das zurückzunehmen.
G1 Tiere werden tatsächlich endlos gut bezahlt . Doch von meinen Bayerischen Schäferkollegen weiß ich, dass die die Genotypisierung gerne abgeschafft hätten. Ich für meinen Teil sehe nicht, dass ich dadurch Gewinne gemacht habe. Aber das Thema ist Politik - da kann man lange um das Für und Wider streiten. Du musst Dich da wohl selbst entscheiden. Bei den Zuchtböcken großer Rassen wird tatsächlich drauf geachtet, mein heimatlicher Schäferei-Verein würde auch nur gut genotypisierte kaufen. Ich selber bin da nicht so streng - ich will einfach nur gute Tiere und die Genvielfalt erhalten. Insofern bin ich Querulant. Aber nicht mehrheitsfähig.

So ist das Leben auch im Bergischen - beste Grüße
Peter
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Beitrag#3von Andreas » Freitag 14. November 2008, 19:33

Hallo alle miteinander,
wenn dieses Thema auch schon etwas älter ist, ich denke, es ist trotzdem noch aktuell.
Genotypisierte Schafe?
Was soll das heißen? Also ich habe die Sache so verstanden: Da haben also die Wissenschaftler festgestellt das Schafe mit einem bestimmten Gen nicht so anfällig bzw. resistent gegen Scrapi sind. Scrapi? Ach ja das ist doch Rinderwahnsinn bei Schafen. Rinderwahnsinn? Ist das nicht der Wahnsin, der entsteht wenn man, Wiederkäuer Kuh, mit Tierkörpermehl füttert, in dem natürlich auch tote Schafe seien können? War das nicht vor einigen Jahren das Lieblings Thema der Medien? Nach Vogelgrippe und ähnlichen Geschichten aber lange wieder vergessen, nicht aber von den Schafzuchtverbänden.
Nun gut meine Meinung ist recht einfach. Skrepi gibt es schon ziemlich lange bei Schafen, nie gab es bei uns massive Verluste durch sie. Sorry mir fehlen da gerade voll die Statistischen Zahlen zu, daran sieht man sofort, ich bin kein Wissenschaftler. Also aus züchterischer Sicht betrachtet, was passiert da eigentlich? Die Wissenschaftler und Zuchtverbände machen uns weis es sei voll gut ARRQ, G1, G2 oder vielleicht doch besser ARRA (oder wie die Bezeichnungen auch sein mögen) im Genotyp unserer Schafe zu haben. Was ist eigentlich Zucht? Meiner Meinung nach selektieren auf verschiedene Merkmale (sollten durch ein Zuchtziel definiert sein). Selektiere ich nun auf ein bestimmtes Gen das ich noch nicht einmal selber sehen kann, wird die Basis der Zuchttiere die überhaupt noch zur Zucht geeignet sind deutlich enger. Dieses halte ich gerade bei Rassen mit einer geringen Population für außerordentlich bedenklich.
Ich kaufe meine Böcke auf der Auktion, ausschließlich nach ihrem äußeren Erscheinungsbild, der Leistung ihrer Vorfahren (z.B. Lebensleistung der Mütter, Fruchtbarkeit etc) und natürlich beurteile ich wie gut sie zu meinen Muttern passen. Nun habe ich so einen Bock auf der Auktion gefunden (wo alles gut passt) und ausgerechnet der hat einen ganz schlechten Genotyp, soll ich diesen etwa stehen lassen und mir einen schlechteren, mit richtigen Genen, für mehr Geld kaufen? Hier habe ich mich eindeutig für nein entschieden. Logische Konsequenz, meine Schafe werden nicht Genotypisiert, ich möchte meine Zuchttiere auch nicht mit Hilfe von Gentests “Genmanipulieren”.
Gut nun die Kehrseite der Medallie. Alle glauben es ist voll gut, Böcke vom besten oder zumindest zweitbesten Genotyp zu kaufen, habe ich die nicht zu bieten, wird es sehr schwer werden auf einer Auktion Böcke zu verkaufen (bzw. für deutlich weniger Geld).
Vorteil, es ist schon erstaunlich wie gute Böcke man kriegen kann wenn man nicht auf den Genotypen schaut. Meine Erfahrungen hierzu beschränken sich dabei allerdings auf die Pommernschafe, bei diesen bleiben bei der Auktion, auf der Insel Rügen, jedes Jahr die Hälfte wenn nicht 2/3 der Böcke stehen weil es kein Gebot gibt.

Nun gut mein Zuchtziel ist ein Robustes Landschaf, wie es sich Jahrhunderte bewährt hat. Ich lege allerhöchsten wert auf sehr guten Muttertrieb und Vitalität der Lämmer direkt nach der Geburt (hierzu zählt natürlich auch eine geringe Lämmersterblichkeit bzw. eine hohe Aufzuchtquote). Wenn es das Wetter irgend zulässt sollen sich meine Schafe das ganze Jahr draußen ernähren (drei bis fünftägiger Weideumtrieb mit E-Netzen), wenn es zu viel geschneit hat, gibt es satt Heu von Demeterbauern, aber niemals ein Gramm Kraftfutter oder Körner. Die Wolle muss ein ausgezeichneter Wetterschutz sein, und gut zu verarbeiten. Bestimmt hab ich hier noch etwas vergessen, aber ganz bestimmt kein Genotyp.
Vorteil: Die Leute werden merken es ist wirklich voll gut, bei Züchtern zu Kaufen die nach solchen Kreterin schauen und natürlich darauf selektieren. Weil auf der eigenen Koppel, zählt Vitalität der Tiere einfach viel mehr, als der Gentechnische Schutz vor einer Krankheit die uns wirklich nicht bedroht und mit der die Schäfer, bis zur Genotypisierung durch die Wissenschaft sehr gut leben konnten.

Viele Grüße an alle Andreas

P.S. Ich hab übrigens gar nichts gegen die Wissenschaft, im Gegenteil hat sie nicht auch so fantastische Dinge wie die mendelschen Gesetze hervorgebracht. Ich denke man sollte nur sehr genau nachdenken was uns die Wissenschaft manchmal so verkaufen will.
Sorry,Rechtschreibung kann ich gaaar nicht,
ich hoffe Ihr versteht trotzdem was ich meine.
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Beitrag#4von Herwig » Freitag 14. November 2008, 19:53

Lieber Andreas,
du sprichst mir aus der Seele!!!
Ich sehe das ohne Abstriche genau so wie du.
Eine vernünftige Tierzucht ist nur möglich mit robusten vernünftigen Tieren. Ich stehe sogar schon fast auf dem Standpunkt Scrapi gefährdete Tiere extra Bildzu züchten. Ist natürlich Nonsens, aber, wie so oft kennt man die züchterischen Auswirkungen dieser gentechnischen Auslese noch gar nicht. Vielleicht haben die Schafe mit Scrapianfälligkeit für andere, weniger erforschte, Krankheiten Resistenzen! Wer weiß, vielleicht trauert jeder Schäfer einmal den Scrapi gefährdeten Tieren hinterher, weil sich rausstellt, dass die Fruchtbarkeit leidet, der Inzuchtkoeffizient zu eng ist, oder genetisch Mastistis oder Panaritium sich nun häufen.

In 35 Jahren Schäfertum habe ich noch nie einen Scrapifall erlebt.

Der ganze Aufriss entsteht tatsächlich wegen des Fütterns von Fleischmehl an Wiederkäuer, that's all!
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Beitrag#5von schmidti » Freitag 14. November 2008, 20:41

Liebe Schäferfreunde,

die Scrapieresistenzzucht von der hier die Rede ist bezieht sich auf die sogenannte typische/ klassische Scrapie.
Nun sind die letzten nachgewiesenen Fälle in Deutschland der sogenannten atypischen Scrapie zuzuorden.
Nun werden seit Jahren bei den Wirtschaftsrassen und den wirtschaftlich betrachteten Landschafrassen nur noch G1 und G2 Böcke gekört. Das bedeutet de facto, wer Herdbuchzucht betreibt, so wie ich, selektiert allein auf ein einziges Gen. Alle Landesschafzuchtverbände tragen das mit.
Das ist ein Riesenproblem!

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Beitrag#6von torsten » Freitag 14. November 2008, 21:12

BildHallo Leute

Da hätt ich ja fast das Thema überlesen,und deine Frage zu Genotyp.bei Skudden. Muß mich als erstes meinen Vorredner anschliesen,das es zum Schluß nicht auf den Genotyp ankommt,sondern auf die Rassespezifischen Merkmale. Ich verfolge dieses Thema,gerade bei Skuddenböcken,da werden Böcke gekört mit G1,die dann aber in der Beurteilung bspweise 1. 6 und 7 und ne Schwanzläng von ca 19-20 cm haben,da frag ich mich was diese Böcke in der Hbzucht zu verlieren haben,bzw bringen sie die Skudde in der Erhaltungszucht weiter. Habe zum Anfang auch darauf geachtet Genotyp, 1 einzusetzen,jetzt setz ich lieber G3 Böcke ein die alle Ansprüche erbringen. Am ende schlägt der Genotyp 1,2 sich nicht auf den Verkaufspreis nieder,also Lasse dich bitte nicht durch die Genotypisierung verrückt machen,viele Züchter bzw Zuchtvereine haben dieses erkannt,und reagieren mittlerweile bei der Beurteilung anders.Ich lasse auch nur jedes Jahr maxmal 5-10 Lämmer genotyp. die dann aber bei mir im Bestand bleiben,und das mach ich nur zum Überblick zu behalten. AUF unsere diesjährige Körung hab ich mit einen meiner Böcke 1B Preis gewonnen G3,und der ist in den Leipziger Zoo zur Zucht. Also achte bitte auf RASSESPEZIFISCHE MERKMALE,die bringen dich auf alle Fälle weiter,bzw deine Zucht. Gruß Torsten

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Beitrag#7von klosterbauer » Samstag 15. November 2008, 18:00

SInd wir uns ja einig - tut auch mal gut ....
Jetzt müssen wir das nur auch umsetzen - da müssen die Bundesländer außerhalb NRW leider die Vorreiter spielen.

Beste Bergische Grüße
Peter
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Beitrag#8von Andreas » Montag 17. November 2008, 19:34

Hallo Schmidti,
Jetzt hast du mir aber einen kleinen Schrecken eingejagt. Ich habe heute gleich beim Schafzuchtverband Mc.Pomm. angerufen. Und dort die Information erhalten das Pommernschafe auch in Zukunft absolut unabhängig vom Genotyp gekört werden. Mann ist so vernünftig, auf Grund der geringen Population auf diesen Blödsinn zu verzichten, Hurra! :D Vorschlag, meldet doch einfach alle bei jeder Gelegenheit in euren Zuchtverbänden eure Bedenken an. Wenn viele Leute sagen wir wollen das so nicht, fangen andere vielleicht an, auch mal in eine andere Richtung zu Denken, wäre doch toll oder.

Viele Grüße

Andreas
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Beitrag#9von karinenhof » Montag 17. November 2008, 22:25

hallo Andreas,

unser Schafzuchtverband hat es auch schon gerafft. Bei der Jahreshauptversammlung wurde genau die Meinung von Torsten (und auch Deine) rübergebracht.

Bildle Grüße von Karin vom Karinenhof im Havelland
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