Und wann Gewerbe?

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Und wann Gewerbe?

Beitrag#1von nordschaf » Mittwoch 29. Oktober 2008, 22:09

Hallo,
ich habe mich gerade durch die Threads zum Thema Nebenerwerb gelesen. Wenn ich es richtig verstehe, geht es dabei hauptsächlich um Baurechtliches. Wir sind von Flächengröße und Einkommen her mit Sicherheit keine Nebenerwerbslandwirte.
Aber ist es sinnvoll, mich mit einer Gewerbeanmeldung abzusichern, wenn ich Wolle, Fleisch und Tiere verkaufen möchte? Ihr wißt ja, die lieben "Nachbarn" (im weitesten Sinne, nicht die hier im Dorf). Steuern fallen dann ja wohl nur an, wenn ich Einnahmen in einer bestimmten Höhe habe.
Können dann auch Kosten abgesetzt werden? Muß ich dann Pachtverträge und Rechnungen bspw. über Futterkauf haben?
Wäre toll, wenn sich hier jemand damit auskennt.

Viele Grüße
Astrid
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Beitrag#2von klosterbauer » Donnerstag 30. Oktober 2008, 09:01

Hallo Astrid,

wogegen willst Du Dich absichern?? Sag noch ein paar Takte, dann fällt mir/uns sicher mehr dazu ein.
Bis dahin grüßt
Peter
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Beitrag#3von Conny » Donnerstag 30. Oktober 2008, 09:45

Wenn du ein Gewerbe anmeldest, musst du auch Steuern zahlen, egal wie hoch/niedrig die Einnahmen sind, Steuererklärungen fallen ebenfalls an. Da man seine Ausgaben gegenüber dem Finanzamt belegen muss, benötigst du für alle Ausgaben/Einnahmen auch eine Rechnung. Ohne Rechnung kannst du auch nix absetzen. Dann kommen noch Kosten wie z. B. für die Berufsgenossenschaft etc. hinzu, egal ob du Einnahmen hast oder nicht (ich kann ein Lied davon singen und habe keinen Betrieb angemeldet, da nur hobbymässig).

Gewerbeanmeldungen sind ebenfalls nicht kostenlos, jedenfalls hier nicht, aber man hat auch Vorteile, wenn man einen kleinbäuerlichen Betrieb anmeldet. So kommst du evt., sofern noch Gelder in der Kasse sind, und je nach Bundesland, in den Genuß von Fördermittel. Auf jeden Fall hast du ne Menge Papierkram. Und wer sich mit Steuererklärungen nicht auskennt, darf dann den Steuerberater zusätzlich zahlen, diese Kosten sind leider nicht mehr absetzbar.

Wenn du Fleisch (sofern du auch selber schlachtest), oder Käse, oder Milch vermarkten möchtest, gibt es bestimmte Auflagen.

LG
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Beitrag#4von nordschaf » Donnerstag 30. Oktober 2008, 15:21

Hallo,
Auflagen bei Lebensmitteln ist klar. Schlachten tut der Schlachter, Verkauf direkt von ihm aus. Milch und Käse vermarkte ich nicht.
Mit Absichern meine ich, wenn ich auf einem Weihnachtsmarkt einen kleinen Stand betreibe und z.B Wolle verkaufe. Das darf ich doch nur mit Gewerbeanmeldung, oder? Dass die Geld kostet, weiß ich (ich glaube, 20,-€). Klar, Steuerberater ist ein Problem. Das Ding ist ja, dass da wahrlich keine Reichtümer zu erwerben sind. Aber ich will eben auch nicht wegen Steuerhinterziehung angezeigt werden. Oder sind das alles nur Peanuts und interessieren eh niemanden?
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Beitrag#5von Conny » Donnerstag 30. Oktober 2008, 15:26

Für einen Stand auf einem bzw. verschiedenen Weihnachtsmarkt/märkten kann man einen ( früher hies der mal so) Wandergewerbeschein, beantragen. Wie der Heute heißt, keine Ahnung *schulterzuck, aber da hilft dir sicherlich das Gewerbeamt weiter, oder Herr Goggle?

Propagandisten (das sind die Leute, die z. B. vor Karstadt etc. stehen und einem lauter unnütze Dinge andrehen wollen) benötigen solch einen Gewerbeschein, wird auf Märkten oftmals kontrolliert, ganz sicher zur Weihnachtszeit.

LG
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Beitrag#6von Conny » Donnerstag 30. Oktober 2008, 15:37

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Beitrag#7von Weitersbacher Hof » Donnerstag 30. Oktober 2008, 17:21

Hallo Conny und Astrid,

"Reisegewerbeschein" heißt das heute. Den braucht man, wenn man mit seinem Stand privaten Gewinn macht.
Wenn man Produkte vom Hof verkauft und der Gewinn vollständig in den Hof zurückfließt und damit bei der Buchstelle und dem Finanzamt bekannt ist, braucht man den nicht, vorausgesetzt, der Betrieb ist steuerlich gemeldet.

Grüße
Doris
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Beitrag#8von nordschaf » Freitag 31. Oktober 2008, 18:35

@Conny, vielen Dank für die Links, klingt ja schon passend
@Doris, wir haben keinen angemeldeten Betrieb, ist reines Hobby. Deshalb ja meine Frage, ob es ein Gewerbe ist, wenn dann auch mal etwas Geld reinkommen sollte, und nicht nur ausgegeben wird...Bild
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Beitrag#9von ranulf » Freitag 31. Oktober 2008, 19:42

Moin, Astrid,

Reines Hobby ist es nur , wenn nicht der Gewinnerzielung dient. Nun erzähl dem Finanzamt mal, dass der Bock der zwischen Deinen Schafen läuft nur zu seinem Vergnügen bei den Damen ist. Und die Lämmer werden verschenkt? Das Finanzamt ist nach Auskunft eines bekannten Steuerberaters aber relativ gnädig gegenüber kleinen Höfen. Du kannst, wenn Du mehr Ausgaben, als Einnahmen hast, diese vom Einkommen abziehen und dabei Einkommenssteuer mindern. Anlage L? nennt sich dass glaube ich. Dieses muss man aber ein paar Jahre machen und irgendwann auch etwas Gewinn erwirtschaften. Die zweite Möglichkeit ist es seinen Gewinn pro ha. zuversteuern. dabei wird wohl ein Gewinn von 500€ vorrausgesetzt und nichts weiter. 1500 € werden wohl als Freibetrag anerkannt.
Diese Infos sind von mir, einem Laien geschrieben worden und sind von mir noch nicht in der Praxis getestet. dass beginnt erst nächstes Jahr. Aber etwas machen muss man machen, sofern man über glaube ich 400 € im Jahr aus Verkäufen erwirtschaftet.

Ich hoffe dass hat Dir etwas weitergeholfen, ansonsten muss man wohl beim Finanzamt durchklingeln.

Schöne grüße
Ralf
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Beitrag#10von klosterbauer » Freitag 31. Oktober 2008, 22:13

Hallo in die Runde, hallo Astrid

gerne will auch ich beisteuern, was ich weiß:
1. direktvermarktende Bauern benötigen keinen Gewerbeschein, wenn Sie z.B. ab Hof Ihre Urprodukte verkaufen - Fleisch, Wolle etc. ist da also kein Problem.
2. uns ist noch nie Ärger gemacht worden, wenn wir das so auf Bauernmärkten anbieten

Denn Landwirtschaft ist kein Gewerbe, wenn der Wirtschaft die entsprechende Flächengrundlage zur Verfügung steht. Da gibt es Tabellen, die ich nicht im Kopf habe, aber pro Hektar weit mehr als 2 GV zulassen (wir wirtschaften etwa mit 0,6 pro Hektar, reicht also immer). Hühnerbetriebe ohne die entsprechende Fläche werden vielfach als Gewerbe eingestuft.
Für Dich heißt das also: im Normalfall und wenn Du Deine Schafe auf der Fläche ernähren kannst, brauchst Du keinen Gewerbeschein.

3. jetzt kommen die Weihnachtsmärkte. Da kann ich derzeit nicht mitreden. Aber ich würde nicht gleich zum Gewerbeamt rennen, sondern mich erstmal in Ruhe umhören. Der Punkt ist dabei sicherlich, dass Du weiterverarbeitete Produkte wie schön gefilzte Figürchen oder so etwas anbietest. Das kann man missgünstig als Gewerbe einstufen - für mich wäre es Kunst. Und Kunst ist ebenfals laut GG quasi ein zugangsfreier Beruf, dafür bräuchtest Du eigentlich auch keinen Gewerbeschein.

Ich würde zuerst ganz liebevoll die Landwirtschaftskammer fragen (oder einen Bauern, der das schon macht UND die Kammer). Die Kammer wird auch gerne in Streitfällen von anderen zu Rate gezogen, darum ist deren Meinung nicht ganz unerheblich. Und mir dann noch mal genau die Regelungen für den Reisegewerbeschein anschauen - hier habe ich einen Link, danach wäre mir die Karte viiiel zu teuer:
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Andernorts meldet z.B. eine IHK, dass der Besuch von festgelegten Märkten, Messen und der Verkauf von Lebensmitteln Reisegewerbekartenfrei (!!!) ist. Das klingt doch gut - damit wärest Du raus aus der Nummer.
Zitat 1:
Einige Tätigkeiten sind von der Reisegewerbekartenpflicht befreit. Diese sind in § 55a und b GewO aufgelistet. Hierzu gehört zum Beispiel der Vertrieb von Lebens-mitteln und anderen Waren des täglichen Bedarfs, wenn diese von einer nicht orts-festen Verkaufsstelle in regelmäßigen, kürzeren Zeitabständen an derselben Stelle verkauft werden

Zitat 2:
Reisegewerbekartenfrei ist ferner die Teilnahme an einer festgesetzten Veranstal-tung im Sinne des Titels IV der Gewerbeordnung (Messen, Ausstellungen, Märkte

Ich hoffe - es hilft, beste Bergische Grüße von
Peter
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Beitrag#11von nordschaf » Mittwoch 5. November 2008, 19:42

Hallo Peter, hallo Ralf,
vielen, vielen Dank für die kompetenten Antworten. Da kann ich doch schon eine Menge mit anfangen.
Für 400,-€ muss ich ja schon eine Menge Schäfchen filzen.Bild
Liebe Grüße
Astrid
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