Landwirt im Nebenerwerb - aber wie der Einstieg!?!

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Landwirt im Nebenerwerb - aber wie der Einstieg!?!

Beitrag#1von Christina » Samstag 19. September 2009, 16:31

Ich überlege derzeit, wie sich der Staat das eigentlich vorstellt.
Übersehe ich da eine Möglichkeit, oder hat man nur die Wahl zwischen einem "Riesenschritt" oder einem "Schummelschritt"?!?

Grundlage: Man hat Land gepachtet / gekauft / geerbt, aber weder Schuppen noch Stall drauf. Nun will man dort also Tiere halten und langsam einen Nebenerwerb aufbauen.
Meiner Meinung nach ist es nach deutscher Gesetzeslage unmöglich, dies rechtskonform UND in wirtschaftlich sicheren Schritten zu machen.

Es gibt entweder die Möglichkeit, einen Landwirt zu "benutzen", um sich die Genehmigung für einen Stall zu "erschummeln", oder man muss gleich richtig investieren und eine große Menge Tiere anschaffen, die den Status der Privilegierung zulassen, um dann selbst einen zu bauen.

Sehe ich das richtig???
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Beitrag#2von Herwig » Samstag 19. September 2009, 17:30

Christina das ist auf den Punkt gebracht, wenn auch als Grundaussage demotivierend!

Nebenerwerbslandwirte sind politisch nicht gewollt, sie erfordern Verwaltungsaufwand in vielen Bereichen, der dem der Vollerwerbslandwirte gleicht.

Leider ist auch die Priviligierung, nur mit der Beschaffung von Land und vielen Tieren nicht zu erhalten. Noch so einige Hürden sind zu nehmen, wenn es nicht sogar fast unmöglich ist, für jemanden der nicht über finanzielle Mittel verfügt oder einen Beruf in der Richtung hat.
Überall im Land macht sich ein Zweiklassensystem breit, nicht nur in der medizinischen Versorgung sondern eben auch im Bereich der Selbstversorgung. Wie der Name es schon sagt, muß man priviligiert sein, was besseres eben, einfache Bürger dürfen irgendwann nur noch einen Apfelbaum pflanzen wenn die Erntemenge vorher schon genetisch beschränkt worden ist.

Es gibt Priviligierte, die finden diese Regelung richtig, aber nur weil sie schon zu den Priviligierten gehören.

Ich gebe die Hoffnung nicht auf, das Politik und Gesellschaft allmälich aufwachen und solchen Quatsch verhindern und abbauen.
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Beitrag#3von Frankenvieh » Samstag 19. September 2009, 18:43

Ich finde diesen ganzen Aufwand den man als Bauer betreiben muss riesigen Irrsinn! Das fängt bei den Ohrmarken an bis hin zu Kulap und den ganzen anderen Sch....
Aber die in den Ämtern brauchen ja auch ihre Daseins Berechtigung....

Ich habe mal irgentwo gelesen das ein Bauer (Vollerwerb) Hartz4 beantragen musste, bei etlichen ha und etlichen Kühen! Trarig , aber war. Als Bauer biste ein NIX, es sei denn es kommt wiedermal der Große Hunger.
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Beitrag#4von Christina » Samstag 19. September 2009, 19:11

Ich beobachte diesen Trend (berichtigt mich, wenn es nicht stimmt):
In den letzten 20 Jahren haben viele Bauern / Landwirte (eigentlich alle kleineren und mittleren Betriebe) ihren Vollerwerbshof aufgegeben, wurden z.B. Milchfahrer bei der Mokerei und haben daheim im Nebenerwerb weiter gemacht.
Inzwischen lohnt sich auch das nicht mehr so richtig, die Knochen machen nicht mehr mit, man wird alt... und die nächste Generation hat einen "sauberen und trockenen" Job. Jetzt wird also auch noch der Nebenerwerb aufgegeben.
Da der Beginn des Nebenerwerbs sehr schwierig ist, wird diese Wirtschaftsform wahrscheinlich deutlich weniger werden.
Was zurück bleibt, sind einige große industrieähnliche Höfe und ein paar wenige Biobetriebe.
Richtig???

Ich könnte mir aber vorstellen, dass gerade die Nebenerwerbshöfe für das Bild-Anliegen sehr wichtig sind. Sehe ich auch das richtig?

Wenn ich dann eins und eins zusammen zähle, müsste es unser Anliegen sein, die Nebenerwerbslandwirtschaft zu fördern (fordern). Je größer diese Lobby wird, desto besser auch die Möglichkeiten, Interessen durchzusetzen.

Ich gebe zu, das klingt jetzt nach einem Lebenswerk, aber einfach rumsitzen und jammern kann ich leider nicht. Ich muss zumindest mal über Möglichkeiten nachdenken... Wenn das kein gangbarer Weg ist, kann ich mich ja wieder hinsetzen. Bild

Also.... Ich hab nach Herwigs Anfrage ja auch ein wenig im Selbstversorgerforum gelesen.... und da fällt mir jetzt das Projekt autark365 ein. Wie wäre es denn, wenn wir hier so eine Art Projekt oder Ideensammlung starten? Nebenerwerbslandwirte, die den Schritt erfolgreich und auch zufriedenstellend geschafft haben, könnten zum Beispiel erzählen, wie sie das gemacht haben. Andere können Überlegungen anstellen und gemeinsam überlegen.... Wieder andere können Berichten, was aus welchen Gründen nicht klappt.
Als Aufgabe dabei könnte man sich setzen, das möglichst mit alten Viehrassen umzusetzen.

Ich gebe zu, der Einfall kam mir erst vor 10 Minuten beim Pizza backen und ist wohl noch nicht sehr weit gedacht.... Aber wenn mehrere daran arbeiten, müsste es doch eigentlich erfolgreicher sein und auch dem Anliegen dieser Seite förderlich sein.
Oder gibt es das am Ende schon und ich habe es nur noch nicht entdeckt?

Was meint ihr?
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Beitrag#5von klosterbauer » Sonntag 20. September 2009, 15:48

Ahoi ins Ründchen -

prinzipiell hast Du recht, Nebenerwerbler werden nicht unbedingt gefördert (eher das Gegenteil). Ein Teil der Gründe kann ich verstehen: Ehemals haben Menschen mit zwei Ponys irgendwo was in die Landschaft gesetzt, was heute verfällt und keiner mehr pflegt ...

Aber darum geht´s ja nicht.
1. In der Sache widersprechen sich Tierschutz und "Baurecht"
2. Privilegiert wird nicht, wer ein Bauer ist (!), sondern wer Konzept und Land (das ist der Knackpunkt) nachweist, dass er/sie es werden kann. Das ist bei uns teilweise leichter als in den "neuen" Ländern, berichtete mir ein Rechtsanwalt. Ich kenne mehrere erfolgreiche Fälle.
3. Es gibt einen Verband der Nebenerwerbslandwirte - der ist allerdings bei uns in NRW ziemlich schwach auf der Brust
4. Es stimmt - ohne Nebenerwerbler keine Vielfalt.

An einem Beratungsbuch arbeite ich seit einiger Zeit, geht nur gerade in der eigenen Landwirtschaft unter ....

Eines möchte ich noch einbringen: Wenn das Bauen (und darum geht es ja bei der Privilegierung in der Hauptsache) im Außenbereich wesentlich erleichtert wird, dann hat das nicht nur Auswirkungen auf die Tierhalter, dann gilt das auch für Häuslebauer etc. Ich will/kann das jetzt nicht abwägen, aber der Druck auf die Fläche würde weiter wachsen ...

Es grüßt aus dem Bergischen
Peter
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Beitrag#6von Christina » Montag 21. September 2009, 06:35

Hallo Peter,

um den Hausbau gehts mit nicht unbedingt, weil ich da die Argumentation (kontra Zersiedelung) sehr gut verstehen kann.
Das nervt natürlich schon, wenn man irgendwo ein hübsches Stückchen Land hat und dort nicht bauen kann, aber wenn´s jeder täte, hätte das für die Landschaft und die Erschließungskosten schon sehr negative Auswirkungen.... und da muss man sich dann halt der Gemeinschaft unterordnen (schriebs und träumte von dem Haus auf der Waldlichtung ;-)).

Okay, dein Beispiel mit den Ponies ist deutlich.... Allerdings irrwitzig, dass ich 20 Pferde für mein Privatvergnügen halten darf, aus Tierschutzgründen zumindest einen Unterstand bauen muss, es aber nicht darf (wie du unter Punkt 1 geschrieben hast). Wobei 20 Pferde fürs Privatvergnügen natürlich schon an sich irrwitzig sind.

Ich werde mal forschen, ob es so einen Verband auch in Niedersachsen gibt.
Wobei mein Problem ist, dass ich nichtmal genau weiß, ob ich das überhaupt anstrebe. Das ist ja die Zwickmühle. Ich hab einen Job, in dem ich gut verdiene... und die Tierhaltung nebenbei schafft mir den nötigen Ausgleich. Wenn es nun Schritt für Schritt möglich wäre (Ich könnte jobmäßig auch Stunden reduzieren, also ideale Bedingungen), könnte ich langsam weiter gehen und schauen, wann es mir noch Spaß bringt und wo der Punkt kommt, an dem es mir vielleicht doch zu viel wird und ich mir das Büro (und das sichere Einkommen natürlich nicht zu vergessen!) zurück sehne.

Eine Möglichkeit, wahrscheinlich die einzige für den langsamen Weg, gibt es doch noch: Land mit Unterstand pachten. Allerdings ist man da furchtbar abhängig.

Das Beratungsbuch wäre natürlich interessant!

Viele Grüße und nun auf ins Büro,
Christina
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