Hobbytierhaltung unmöglich?

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Hobbytierhaltung unmöglich?

Beitrag#1von permakult2012 » Dienstag 5. Juni 2012, 22:03

Hallo, wahrscheinlich lacht Ihr Euch jetzt halbtod über meine Naivität: Ich hatte doch tatsächlich gedacht ich kann auf meinem - teuer - gekauften Land machen was ich will. Also momentan ist es so, dass uns das Bauamt weder Stall noch Koppel genehmigen will, weil angeblich im Außenbereich nicht gebaut werden darf und wir ja Hobbyhalter sind ohne die berüchtigte Privilegierung. Wir haben also 1,5 ha Wiese, die wir verpachten können oder als riesigen - uneingezäunten - Garten nutzen. An Pferde-/Schaf- oder Rinderhaltung ist aber so nicht zu denken. Wo der Außenbereich anfängt ist plötzlich Ermessen des Amtes, als wir den Vorantrag eingereicht hatten, hieß es noch dass wir im Innenbereich, der ca. 1000 qm misst, bauen können was wir wollen, nur der Koppelzaun im Außenbereich wäre problematisch (da wir den als festen Zaun geplant hatten, dachten wir das wäre kein Problem, machen wir halt nur einen mobilen Strom-Weidezaun). Der Bescheid zum Vorantrag gilt aber nun nichts mehr laut zuständigem SB. Wars das jetzt? Gehts nur über die Verpachtung unserer Wiese an einen Landwirt, den wir dann wiederum unsere Tiere in Pension auf unserem eigenen Land geben müssen - gegen Entgelt versteht sich. Das ist doch irre. Was ist wenn der Landwirt stirbt oder aufhört, dann müssen wir alles zurückbauen und die Tiere abschaffen, obwohl uns das Land gehört? Ich verstehe so langsam, warum so viele auswandern :vordiewandrenn:
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Re: Hobbytierhaltung unmöglich?

Beitrag#2von klosterbauer » Mittwoch 6. Juni 2012, 04:23

Ahoi

und nicht gleich auswandern.Klar kriegst Du mit 1,5 ha keine Privilegierung. Aber es gibt doch auch andere Möglichkeiten - bspw. mobile Unterstände, Panelzelte und so einiges mehr. Vor dem Problem standen ja schon so einige - und haben es gelöst.
Das z.B. steht gerade im Internet: *** Der Link ist nur für Mitglieder sichtbar, zum Login. ***
oder hier: *** Der Link ist nur für Mitglieder sichtbar, zum Login. ***
Ich finde, die Dinger sind eine gute Lösung und auch besser als die mobilen Weidehütten.

Das gibts für Pferde, für Schafe gibts da ebenso Lösungen, Rinder und Pferde haben oft ähnliche Lösungen.

Und seid mir nicht böse, einen Satz noch: Ich bin schon froh, dass nicht jeder irgendwo was hinbauen kann. Denn wir leben in einer Zeit, wo viele meinen, für Geld kann man sich alles kaufen, aber billig soll es sein - und wie schnell sinds dann irgendwelche Wellblechhütten, die die Landschaft zupflastern und nach zwei Jahren haben die Leut doch keinen Bock mehr auf ihre Schafe. Davon gibt es leider zuviele - und darum haben es die restlichen, die es ernst meinen, etwas schwerer. Aber ich habe mit 3 ha schon meinen ersten Unterstand genehmigt bekommen. Und heute steht der offizielle Stall, genehmigt und auf Beton gebaut.

So, jetzt ärgert Euch aber nicht und sucht Lösungen, damit es weiter geht mit der Tierhaltung. Bei Schafen zum Beispiel so: *** Der Link ist nur für Mitglieder sichtbar, zum Login. ***

Es gibt sicher noch viele andere Lösungen - dies hier sind einfach erste Anregungen. Und wenn Ihr in Schafen macht, wendet Euch doch an die örtliche Schafhaltervereinigung. Ich habe einige Bekannte in Bayern und weiß, die finden auch Lösungen ...

Bis strackes grüßt aus dem Bergischen

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Re: Hobbytierhaltung unmöglich?

Beitrag#3von Frankenvieh » Mittwoch 6. Juni 2012, 06:58

habe ich das richtig verstanden? Ihr dürft nicht mal einen mobilen Weidezaun aufbauen?
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Re: Hobbytierhaltung unmöglich?

Beitrag#4von permakult2012 » Mittwoch 6. Juni 2012, 12:18

Doch den Weidezaun - wenn mobil - können sie uns wohl nicht verweigern. Aber wir wollten am Stall einen festen Holzzaun - so nen Paddock (400 qm) - bauen, der eben angeblich nun nicht geht weil die Baugrenze plötzlich wie von Geisterhand am Haus endet. Beide Nachbarn haben weiter rausgebaut, direkt neben uns eine riesige Lagerhalle, links ein Parkplatz. Das ist absolute Willkür vom Amt/SB. Ja die Weidehütten aus Plastik bzw. mit diesen verzinkten Panels und Plastikplanen können sie uns wohl auch nicht verbieten, aber schön sind die nicht. Wir hätten einen richtig teuren Lärchenholz-Offenstall gebaut, ohne Betonfundament, an drei Seiten geschlossen - das wollen sie nicht genehmigen. Tja und deine Argumente, lieber Klosterbauer, von wegen "wilde" Bauerei: Auch ich finde es gut, dass man nicht einfach so jeden bauen lässt wohin er will (wobei sogenannte "Corporations" davon unbehelligt bleiben - die dürfen auch alles vergiften und zupflastern). Aber wenn man einen vernünftigen Plan hat, den vom Architekten hat ausarbeiten lassen, man das Ganze am -eigenen- Wohnhaus bauen will, die Nachbarn schon alles abgesegnet (schriftlich) haben, es sich nicht um ein schützenswertes Gebiet handelt (kein Landschafts-/Natur-/Wasserschutzgebiet o.ä.) hat das wohl nichts mit irgendwelchen Tiermessis zu tun, die auf ner gepachteten Koppel ne windschiefe Bruchbude aufbauen und dann weiterziehen... Sorry, ne das kann man nicht vergleichen. Das ist nicht fair. Ganz davon abgesehen, dass wir auf dem frisch gekauften Grundstück letztes Jahr erst mal aufräumen mussten, weils total vollgemüllt war, das hat die Gemeinde offensichtlich nicht gestört (die Entsorgung lief natürlich auf unsere Kosten, weil ja nun auf unserem Grundstück), aber gepflegte Koppel mit ebensolchen Tieren schon, tja das nenn ich mal ne Werteverschiebung. Aber so schnell werden wir nicht aufgeben. Uns wird schon was einfallen, ärgerlich ist es aber auf jeden Fall. L.G. Anja
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Re: Hobbytierhaltung unmöglich?

Beitrag#5von Jaegertom » Mittwoch 6. Juni 2012, 17:50

Und genau die nicht schönen Anlagen können sie euch nicht verbieten. So haben wir sogar unsere Privilegierung durchsetzen können.
Ein paar häßliche alte Bauwägen, mobile Schafnetze und es funkt.
Nach zig Beschwerden liebevoller Außenbereichsanrainer dürfen wir nun bauen.
Allein aus tierschutzrechtlichen Gründen müssen sie mobile Anlagen dulden, die Tiere müssen bei schlecht Wetter unterstehen können.
Die Haltung kann euch nur das Vet-Amt im Notfall verweigern.
Nicht aufgeben, durchkämpfen.
Gruß
Tom
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Re: Hobbytierhaltung unmöglich?

Beitrag#6von klosterbauer » Mittwoch 6. Juni 2012, 19:39

Ahoi Anja
ich versteh Euch schon, keine Sorge. Es ging mir nur ums Grundsätzliche. Ich steh selbst auch auf Lärchenstall und habe einen solchen dann auch vor einigen Jahre gebaut, und sowas find ich auch gut. Aber da unterscheidet die grundätzliche Regel ja nicht nach der Optik, sonst könnt ja jeder Beamter nach Augen- und Ohrenfarbe entscheiden.
Aber bei Euch ist ja eher die Frage, warum nicht am Haus (was mal Innenbereich war)? Hier stimme ich Tom zu: Durchkämpfen! Und wenn sie häßlich wollen, kriegen Sie erstmal hässlich. Oder Ihr findet jemanden, der Euch sagt, dass der Innenbereich weiter nach draußen gehört. Aber das durchzukämpfen, das kenne ich von einer ganz engagierten Familie hier im Bergischen, kann Jahre dauern.
Oder erstmal Vordach ans Haus???
Carport fürs Auto - in dem dann hin und wieder Pferde stehen??
Wer so mit der Landwirtschaft anfängt, braucht Kreativität, muss mit den Ämtern reden und Wege finden. Ich denke, das kennen wir alle. Also: Nur die Harten kommen auf die Koppel, bleibt dran!! Es haben schon andere geschafft ...

Bist strackes
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Re: Hobbytierhaltung unmöglich?

Beitrag#7von permakult2012 » Donnerstag 7. Juni 2012, 09:52

Danke Tom und Peter, ja wir stehen ganz am Anfang und müssen uns erstmal an diese Gepflogenheiten gewöhnen. Wir sind eher straight und nicht geübt im Umgang mit sowas. Solche Winkelzüge und Spitzfindigkeiten sind uns eigentlich unsympatisch, aber wenn es nur so geht, wird uns dann letztendlich auch nichts anderes übrig bleiben. Wir reden jetzt mal mit dem Bürgermeister, der soll recht liberal sein. Mal schauen... Ich werde Euch nat. auf dem Laufenden halten - hoffen wir, dass es nicht Jahre dauert! L.G. Anja
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Re: Hobbytierhaltung unmöglich?

Beitrag#8von Jaegertom » Samstag 16. Juni 2012, 11:19

Allerdings aufpassen, nach den ersten Gesprächen auf dem Bauamt war absolut nichts zu erreichen!
Nach 3 Jahren Tätigkeit haben die erst die rnsthaften Absichten erkannt und sind zugänglich geworden!
Anzeigen gingen sogar bis zum Landratsamt mit Androhung von Zwangsräumung auf EIGENEM Gelände!
Habe dort auch alte Balken und Sandsteine abgelagert. Darauf turnten die Ziegen herum.
Erst nach Hinweisen, dass ich im Notfall Gegenanzeige wegen grobem Verstoß gegen das Naturschutzgesetz stellen werde, ließen sie ab.
Dort hatten sich in der Zwischenzeit Eidechsen und in den vermodernden Eichenbalken Hirschkäfer mit Larven angesiedelt.
Auch erste Gespräche beim Landratsamt endeten ernüchternd, die verboten schlicht die Errichtung von Weidezäunen. sogar Mobilnetze wollten sie einschränken.
Macht nicht im Vorfeld zu viele Ämter darauf aufmerksam, die gehen euch an den Karren!
Auch in der Vergabe von Stadteigenen Grünflächen kamen immer erst Landwirte (sogar selbst im Stadtrat) dran.
Erst nach Statusanerkennung kamen sie nicht mehr drumrum, mir als ortsansässigem Landwirt Flächen zu vergeben.
Setzt euch lediglich mit dem Veterinäramt gut, das sind die einzigen die euch am Anfang widersprechen können.
Unterstand bieten, Tränkeeinrichtungen usw in der Tierhalteverordnung nachlesen.
Und was sehr wichtig ist, auch die wollten mir die Außenschweinehaltung zuerst nicht zulassen.
Wenn du aber mit Wissen darüber schon ankommst, können auch die nichts mehr machen.
Wie zB doppelte Umzäunung usw., untersuchungen zur Schweinepest veranlassen usw.
Bei Ziegen und Schafen CAE und MAEDI/VISNA Untersuchungen, auch Brucellose machen, dann wissen die dass ihr euch um die Tiere kümmert.
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Re: Hobbytierhaltung unmöglich?

Beitrag#9von permakult2012 » Samstag 16. Juni 2012, 16:47

Ja Tom - mittlerweile sind wir auch so weit - einfach bauen und dann sehen wir weiter. Der Bürgermeister war zwar sehr nett, aber haben seit dem Gespräch letzte Woche nichts von ihm gehört - er wollte sich eigentlich die nächsten Tage melden. Deine Geschichte klingt ja auch krass, Ihr habt offenbar gute Nerven und Kampfgeist :-) Ist offenbar dann auch belohnt worden. Hoffe bei uns kann ich das auch mal behaupten. Vielen Dank für deine Tipps! Weiß das sehr zu schätzen. L.G. Anja
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