Lehmputz

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Lehmputz

Beitrag#1von Frankenvieh » Sonntag 28. Juni 2009, 08:02

Hallo Bauernhofbesitzer! Wie habt ihr renoviert? Ich habe sämtliche Tapeten von den Wänden abgeschabt und die Strippenzieher sind fast durch und haben die Vorkriegskabel durch neue ersetzt. Nu ist viel kaputt und es muß geputzt werden. Was habt ihr verwendet? In den alten Höfen ist ja Lehm, Lehm, nochmals Lehm dran und drin. Ich würde ja wieder mit Lehm verputzen.
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Beitrag#2von Herwig » Sonntag 28. Juni 2009, 09:56

Hallo Vicky, es geht ja voran bei euch!!

Ich habe die Erfahrung gemacht, Löcher in Lehmputz auf keinen Fall mit Mörtel zu flicken. Lehm und Zement sind verschiedene Werkstoffe, nehmen unterschiedlich Feuchtigkeit auf und arbeiten somit in der Wand gegeneinander. Das Flickwerk nimmt nie ein Ende immer wieder bröselt es!!
Man muß echt konsequent mit Lehm weitermachen, oder alles komplett abkloppen und neu verputzen.

Lehmmörtel gibt es als Trockenware im Fachhandel, der wird einfach mit Wasser angerührt und fertig. Hält dann in den Löchern viel besser und dauerhafter und ist super gut zu verarbeiten. Sollten ganze Steine ersetzt werden müssen, gibt es auch Lehmziegel günstig im Fachhandel. Man kann aber auch gebrannte Ziegel verwenden, je nach dem was in der Wand schon verwendet ist.
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Beitrag#3von Ihrwißtschon » Samstag 25. Juli 2009, 22:31

Ich hatte heut den Maler da,der machte mir klar das sich Lehm und Tapete ganz schlecht verträgt. Er bot mir Komplettarmierung + Dünnfilzputz? oder einen Lehmputz an, mit nachträglichem Überstreichen ca 20 Euro netto pro qm.
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Beitrag#4von Andreas » Sonntag 26. Juli 2009, 08:55

Hallo Ihrwistschon,
ich würde nie auf den Lehm verzichten. Amiren und Dünfilzputz verschließt den Lehm, seine Supereigenschaften, gehen verloren, er liegt halt versiegelt in der Wand. Raumklima und Luftfeuchtigkeitsregulierung, die wichtigsten Eigenschaften von Lehm, gehen verloren. Ich habe sogar echte Bauschäden gesehen, wenn zuviel Feuchtigkeit eingeschlossen wurde. Wenn Du schon das Glück hast ein Lehmhaus zu haben, bleibe dabei, und achte darauf, das Du keine Farben verwendest die den Lehm verschließen.

:smileyvieh: le Grüße


Andreas
Sorry,Rechtschreibung kann ich gaaar nicht,
ich hoffe Ihr versteht trotzdem was ich meine.
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Beitrag#5von Herwig » Sonntag 26. Juli 2009, 09:56

Ein Maler der solche Angebote macht hat zumindestens von Baubiologie nicht die blasseste Ahnung.
Das bedeutet nicht, dass er kein guter Maler ist, wohl aber, dass er sich mit der Thematik Biofarben, Baubiologie, Holzschutz etc nie auseinandergesetzt hat. Sowas wurde auch in den Berufsschulen nur am Rande erwähnt. Und wenn man dann auch nioch in einem Betrieb gelernt hat in dem sowas nicht vermittelt wurde, muß man als Maler eine Menge Idealismus aufbringen um sich auf eigene Kosten weiterzubilden oder zu informieren. Die meinen immer es hat in den letzten Jahren keine Entwicklung gegeben und denken bei Lehm an alte Kreideanstriche die abbröseln.
Offenporige Anstriche, Tapete, Struckturputz, alles ist möglich.
Einfach mal einen kleinen Kurs belegen und selber machen.
Ich habe mein Haus fast komplett saniert, mit Lehm, Beton und Holz, sogar einen Kachelofen habe ich selbst gesetzt, man muß eben Prioritäten setzen.
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Beitrag#6von Christina » Sonntag 26. Juli 2009, 10:48

Als Bauingenieurin kann ich meinen beiden Vorschreibern nur voll und ganz zustimmen! Bild
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Beitrag#7von Frankenvieh » Sonntag 26. Juli 2009, 11:08

Wie gut das mein Schwager Maler ist! er hat gegoogelt was das Zeug hält! Es gibt auf jeden Fall Möglichkeiten den Lehmputz drinzulassen! Wir hätten sonst das Haus einreißen müssen. Was versteckt sich wohl unter dem Putz? Richtig: Lehmziegel! Oder Wellerhölzer mit Lehm und Stroh!

Wir mussten leider über dem Torhaus die Wand einreißen, da das Fachwerk totalschaden hatte. Da mussten wir ein Teil der Decke mit runter machen, die hatten das richtig fett mit Stroh und Lehm ausgekleidet! Eine bessere Isolierung gibt's wohl nicht! Ich laß die alten Decken drin, mir egal ob das von schräg nach schief geht! Ist ja ein altes Haus, das darf das.

Lehmputz gibt's wieder zukaufen, nennt sich jetzt Ökologisches Bauen!


Den Lehm den wir runtergemacht haben und die Lehmziegel werden jetzt am Teich verbaut, den wir wieder in Schuss bringen. Der Vorbesitzer hatte den Damm kaputt gemacht! Wir haben ihn ausgebaggert und dabei sogar die alten Holzrohre + Zapfen gefunden, völlig intakt. Diese werden aber durch KG-Rohre ersetzt. Den Teich brauchen wir für die Gänse und fürs Regenwasser. Da wir für dieses Abwassergebühren bezahlen müssten, wenn wir es in die Rohre einleiten würden.Bild
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Beitrag#8von karinenhof » Sonntag 26. Juli 2009, 21:31

unser Haus wurde 1866 gebaut. Alle Innenwände sind aus Lehm. Die tragenden Wände sind aus Lehmsteinen gemauert und dann verputzt mit Lehmputz.
Die Innenwände sind Fachwerkständer und mit Lehmsteinen ausgefacht.

Wir haben alle Steine und den losen Lehm in unserem Stall bauseitig gelagert. Schadstellen wurden von uns mir Lehmputz wieder in Ordnung gebracht.

Die Wände wurden ganz normal mit Raufaser tapeziert und danach gestrichen.

Schwierig ist es in den Bereichen, wo Fliesen an die Wand sollen. Dort haben wir Gipfkartonplatten gegengedübelt. Aber nur so viel, wie es notwendig war.

Wir sind mit dem Raumklima mehr als zufieden. Kühl im Sommer, warm im Winter.

Einen kleinen Teil der Wand haben wir offengelassen, damit auch unsere Gäste sehen können, aus welchem Material unser Haus gebaut wurde.

viel Spaß beim werkeln und - frag ruhig.

liebe Grüße von Karin vom Karinenhof im Havelland
***********************************************************************
Bei uns halten Soay Schafe die Wiese kurz. Sie sind auch zu finden unter http://www.karinenhof.de
Nutztier- Arche Karinenhof, Hof Nr. 81
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Beitrag#9von Herwig » Montag 27. Juli 2009, 09:33

Hallo Vicky,
die Lehmziegel würde ich nicht im Teich verbauen!!!
Heb dir die auf, man weiß nie was kommt!!
Die Lehmziegel über Nacht mit einem Nassen Tuch abdecken, am nächsten Tag auseinanderbröseln und mit etwas Wasser gemischt zum Verputzen schadhafter Stellen verwenden. Das sind dann Materialien die sich zu 100% vertragen!
Lehmziegeln heute zu kaufen ist sehr teuer, die im Teich zu verbauen, wo sie nach 24 Std. sowieso zerfallen ist fast eine kleine Sünde. Willst du sie echt absolut nicht haben, verscheuer sie über ebay oder eure Regionalzeitung, es gibt eine Menge Leute die sowas brauchen.
Ich habe meinen kompletten Kachelofen in Lehm aus alten Ziegeln gesetzt, steht nun seit 13 Jahren ohne auch nur einen Riss.
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Beitrag#10von Frankenvieh » Montag 27. Juli 2009, 10:39

Huhu Herwig,

Die Ziegel eignen sich nicht zum Verputzen! Viel zu grob, außerdem gehen sie meist kaputt beim Abriss. Der Teich muss fertig werden! Die Ziegel werden trocken zerkloppft und in Schichten aufgebaut, immer wieder befeuchtet. Der Damm hält! Für Schäden habe ich schon welche weg. Die sind nicht gebrannt. Hinter dem Damm wird Abbruch und Reste vom Ausbaggern aufgefüllt. Den Ziegellehm nehmen wir auch nur an der Stelle wo der Damm eingerissen wurde, ist nicht soviel und der Rest vom Damm steht ja noch.

Den alten Backofen wollten mir meine tlw. überfleißigen Helfer schon abreißen...... *tieflufthol*.....Er steht noch! Vielleicht setzten wir ihn irgentwann mal um.
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Beitrag#11von Ihrwißtschon » Dienstag 4. August 2009, 22:11

Bei mir gehts um die letzten zwei Wellerwände im Haus, diese strohumwickelte lehmüberputzte Geschichte. Wir wollten nur mal kurz neu tapezieren, und nun rät uns jeder aufgrund der Unebenheiten davon ab. Kostenvoranschlag Lehmputz-Überzug 1500 Euro für 50 qm. Ist mir zu fett, und zum Selbermachen habe ich keine Zeit.
Der Maler hat mir auf Rückfrage versichert das ein Spachtel- Überzug atmungsaktiv ist. Ist im ersten Stock, eigentlich keine Feuchtigkeits-gefahr.
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Beitrag#12von Januschka » Freitag 23. Oktober 2009, 23:17

Jaaa, hier bin ich richtig!

Ich möchte gern eine Holz/Ziegelwand mit Lehm verputzen Wo bekomme ich sowas und worauf muß ich achten? Farbe zu bekommen (zumindest Pigmente und eine Anleitung) scheint hier nciht zu schwer zu sein, aber was mach ich mit dem Matsch.

Und sagt nciht, ich soll meine lehmige Gartenerde nehmen! (oder doch?)

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Beitrag#13von Frankenvieh » Sonntag 25. Oktober 2009, 19:31

Lehmputz ist auch nix anderes wie normaler Putz. du wirfst mit groben vor (der mit Strohhäcksel) verputzen und trägst dann den Feinen Putz auf, schön Verreiben, fertig! Geht natürlich auch mit der Putzmaschine.

Auf Holz habe ich Stroh aufgenagelt, für die Bindung oder wie das heißt! Also, ich bin zwar kein Maurer aber es hält.
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Re: Lehmputz

Beitrag#14von schnuckened » Mittwoch 19. März 2014, 10:53

Bezugnehmend auf diesen Faden hier möchte ich unbedingt die Seite von meinem Freund , absoluten Kenner und Fachmann dieser Art von Bauen mit natürlichen Baustoffen empfehlen, viel Spaß!

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Grüße

Ed
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