Kastrierte Hähne (Kapaune)


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Kastrierte Hähne (Kapaune)

Beitrag#1von Herwig » Donnerstag 29. November 2007, 18:42

Ich bin immer auf der Suche nach einer sinnvollen Nutztung der alten Wirtschaftsrassen und bin dabei auf zwei Besonderheiten gestoßen die entweder vergessen oder nicht praktiziert werden können.
Da wäre als erstes das Hamburger Stubenhähnchen, das ist natürlich für Nutztier-Archen und andere ernsthafte Züchter denen Tierschutz am Herzen liegt völlig indiskutabel.

Was mir noch nicht so ganz klar ist, ist die Sache mit den Kapaunen. Früher hat man Hähnchen kastriert, damit sie schneller wachsen bzw. Fett ansetzen. Der Geschmack der Kaupaune soll sich allerdings sehr von dem des Brathähnchen positiv unterschieden haben, bzw. unterscheiden. In Frankreich ist das noch üblich. Bekannterweise sind ja die Franzosen, was die tierische Delikatessenherstellung angeht, nicht gerade zimperlich. Der Preis eines Kapaunen liegt allerdings bei knapp 150 Euro, wenn soetwas tierschonend herzustellen wäre, wäre das eine Marktlücke, denn schließlich werden auch Schafe, Schweine und Bullen kastriert, natürlich unter Narkose.
Ich weiß nur nicht genau, ob die Hähne sediert werden für den Eingriff, sonst ist das auch völlig indiskutabel.
Weiterhin weiß ich nicht ob das in Deutschland mit dem TSCHG vereinbar ist, bzw. erlaubt ist.
Weiß jemand etwas darüber ?
In Frankreich hält man besonders die Faverolle für geeignet, die Verwandten des Lachshuhnes.

Hier noch ein paar Fotos von der französischen Seite *** Der Link ist nur für Mitglieder sichtbar, zum Login. *** auf der das Kastrieren von Hähnen erklärt wird:
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Beitrag#2von Canaria111 » Freitag 30. November 2007, 12:24

Auf dem ersten und zweiten Foto sieht es so aus, als ob ein Strumpf oder so uber Kopf und Hals gezogen ist. Wenn das so ist, kennst Du die Antwort ob diese sediert werden...
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Beitrag#3von Katrin » Freitag 30. November 2007, 23:54

Hallo Herwig!

Nein, die Hähnchen werden nicht betäubt. Erfahrene Kapaunisateure schaffen das in weniger als 1 Minute, da "lohnt" eine Betäubung wohl nicht. Hier haben das früher öft ältere Damen mit langen Fingenägeln gemacht....frag nicht nach der Verlustrate.
Auf Anfrage an der Tiho hin habe ich den Bescheid bekommen, das sei hier verboten. Steht zwar nicht ausdrücklich im TSchG, fällt aber wohl unter verbotenes Entfernen von Körperteilen, für das es in diesem Fall keine Ausnahmeregelung gibt.

Die Sache mit den Stubenküken ist übrigens so dumm nicht. Es bedeutet ja nur, daß die männlichen Küken geschlachtet werden, sobald sie ca 800 g ausgeschlachtet wiegen, dh lebend ca 1,1kg. Bis dahin haben sie eine optimale Futterverwertung und der Schlachtkörper ist noch recht fleischig (im Verhältnis zu den Knochen). Man braucht dann halt ein Hähnchen pro Person, aber es ist wirklich lecker und die Tierchen sind noch einigermaßen rentabel verwertet. Da gibts auch prima Rezepte um zB ein Spezialprodukt daraus aufzubauen. Natürlich braucht man sie nicht unter der Bank neben dem Ofen zu halten, sondern kann sie mit den Hennenküken zusammen aufziehen. Dr.Damme hat in Kitzingen recht interessante Untersuchungen dazu gemacht.

Viele Grüße Katrin
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Beitrag#4von Herwig » Samstag 1. Dezember 2007, 12:08

Hallo Katrin,
ich hatte gehofft, dass auch du darauf antwortest. Danke!
Jetzt weiß ich endlich warum es in der Damenwelt zu dieser extremen, bisher von mir als völlig unpraktisch eingestuften, Fingernagelzüchtungen kommt. Ich sag ja, da sind die Franzosen nicht zimperlich... Ach ja, wie hoch war denn die Verlustrate bei den Fingernägel??Uijuijui, da kriegt man echt ne Gänsehaut!

Dei Geschichte mit den Stubenküken habe ich dann scheinbar in einen völlig "falschen Hals" bekommen. Nach meiner Information wurde der Name auf die Haltungsform zurückgeführt und die sagte eben gar nix über Gewicht oder so, sondern lediglich das die Tiere in der geheizten Wohnung in sehr engen Käfigen gehalten wurden um eine bessere Mastleistung zu erzielen. Die Tiere sollen auch vornehmlich mit den Essenresten gefüttert worden sein...

Was ist denn so bei den Untersuchungen von Dr. Damme herausgekommen?
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Beitrag#5von ranulf » Samstag 1. Dezember 2007, 21:19

Hallo Herwig,

daher hat ja das Ramelsloher Huhn auch seine Pobularität im 17./18. Jh. erreicht. Den wie es auch bei meinen gelben Ramelslohern noch sehe, sind sie fleißige Winterleger. Die besten Preise wurden im zeitigen Frühjahr gemacht, damals in einer Zeit ohne Gefriertruhe und Kühl-Lkw.

Deswegen war das Halten von Stubenküken ein gutes zu Brot für die Landwirte im Hamburger Umland, gerade in der Winterzeit.

Da ich meine Hähne in der Regel sehr lange halte, wäre es vielleicht ein Versuch wert, um zu probieren wie "kurzmast-küken" schmecken. Die Futterkosten halten sich bei meine Hähnen zwar in Grenzen, sind aber dieses Jahr aber auch teurer geworden.

"Versuch macht Kluch" Bild


Gruß
Ranulf
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Beitrag#6von Herwig » Sonntag 2. Dezember 2007, 10:27

@ Katrin:
Mir fällt gerade so ein, sind denn die Hoden von Schweinen und Bullen keine "Körperteile" weil die außen liegenBild

Oder gibt es da dann nur eine Ausnahmeregelung?

Ist grundsätzlich das Kastrieren von Hähnen nicht erlaubt oder nur eben ohne Anestesie nicht?

Böse Buben könnten ja nun mit einem Anhänger voll Hähnchen über die Grenze fahren, sie dort von französichen Kapaunisateuren operieren lassen und dann die Kapaune wieder einführen, oder ist auch die Einfuhr nicht erlaubt? Weil ich bisher keine Kapaune in Deutschland angeboten gesehen habe.
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Beitrag#7von Katrin » Sonntag 2. Dezember 2007, 14:09

hallo Herwig !

Das ist in § 6 festgelegt und auch die Ausnahmen, zu denen das Kapaunisieren von Hähnen nicht gehört. *** Der Link ist nur für Mitglieder sichtbar, zum Login. ***.
Schweinekastrieren wird im Moment jedoch diskutiert, zumal es in anderen Ländern ja nicht üblich ist ( da sind die Schlachtgewichte aber auch niedriger).
Grundsätzlich ist die Einfuhr von Tieren, an denen tierschutzwiedrige Eingriffe vorgenommen wurden, nicht erlaubt . Aber wer kontrolliert das schon... ( wo kommen bloß all diese kupierten Hunde her? ). Wenn Du die Kapaune dann allerdings hier verkaufen willst und bewirbst, dann könnte vielleicht doch jemand aufmerksam werden.
Die Untersuchungen haben ergeben, daß tatsächlich die Futterverwertung bis zu einem Schlachtgewicht von ca 800 g am besten ist und dann auch der Fleischanteil am Schlachtkörper, danach beginnt vermehrt das Knochenwachstum. Wenn Du möchtest, schau ich mal nach, ob ich die genauen Zahlen finde.

Viele Grüße Katrin
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