Arche für Tiere und für Menschen?

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Arche für Tiere und für Menschen?

Beitrag#1von flor » Mittwoch 19. Januar 2011, 16:16

Hallo !

Gibt es eigentlich auch ne Arche für Menschen außer das Altenheim? Will das mal so sagen es gab ja in der DDR viele Menschen die in der Landwirtschaft gearbeite habe und Menschen die wirklich etwas bei dieser Arbeit empfunden haben, das Ihr Leben war! Im Internet kann man viel lesen und schreiben über Landwirtschaft und co aber die Menschen die das nicht können oder noch wollen ist doch vieles verwehrt. Bin ja in meiner Seele immer noch Schäfer und irgendwie auch Landwirt aber alles ginge doch nicht ohne die Menschen. Viele kleine Lichter machen es auch hell! Wollte damit mal erinnern das es gerade im Osten Deutschland viele Menschen gab die von der Landwirtschaft gelebt haben und das nicht nur einfach als Job gemacht haben.

Gruß flor
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Beitrag#2von karinenhof » Mittwoch 19. Januar 2011, 17:08

wir haben sehr netten Kontakt zu einigen "alten" Bauern. Sie haben uns auch geholfen, als wir unsere Heuerntetechnik bekommen haben und immer wieder Fragen aufgetaucht sind.

Sie schauen auch gerne mal über den Gartenzaun und machen ein Schwätzchen. Wir freuen uns über das Interesse und nehmen uns auch die Zeit für ein Schwätzchen.

Bildle Grüße von Karin vom Karinenhof im Havelland
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Bei uns halten Soay Schafe die Wiese kurz. Sie sind auch zu finden unter http://www.karinenhof.de
Nutztier- Arche Karinenhof, Hof Nr. 81
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Beitrag#3von Herwig » Mittwoch 19. Januar 2011, 19:36

Ja flor, ich glaube auch das es ein sensibles Thema ist.

Es gab nicht nur im Osten Menschen die mit Leib und Seele in der Landwirtschaft gearbeitet haben. Einiges wird vielleicht auch heute noch durch sogenannte Altenteiler erlebt, aber im großen und ganzen gibt es den "Mehrgenerationenhof" nicht mehr.
Jeder möchte halr individuelle leben.
Es gab bei uns im Nachbardorf einen Versuch eines besonderen "Altenheimes" auf einem großen Bauernhof. Es wurde praktisch nur Nebenerwerbslandwirtschaft betrieben, aber alle konnten sich beteiligen, mit Rat oder Tat.
Das Projekt ist gescheitert, woran weiß ich gar nicht so genau.

Aber es wäre schon toll, wenn es eine Bauern-Arche gäbe, ein Hof für alte Bäuerinnen und Bauern. Eine Alters WG quasi wäre der erste Schritt. Ich persönlich würde allerdings ein Mehrgenerationenhaus bevorzugen. Junge und Alte zusammen, das wäre schon toll, aber auch ein schwieriges Unterfangen.
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Beitrag#4von legasp96 » Mittwoch 19. Januar 2011, 20:30

Ja, auch hier im Westen.
Ich hatte eine Weide von einem alten Mann gepachtet. Es war zu schön wie er mit einem Strahlen im Gesicht von früheren Zeiten erzählte. Da konnte sein was wollte, abends bevor er schlafen ging, machte er noch die Runde durch den Stall und nur wenn da alles in Ordnung war konnte er ruhig schlafen. Mit seinen 7 Kühen war er damals ein großer Betrieb. Zusätzlich hatte er noch jede Menge Kartoffelfelder und freute sich darüber, das die Leute "aus der Stadt" extra kamen um seine Kartoffeln zu kaufen.
Bis zum Schluß ließ er es sich nicht nehmen für sich und seinen Neffen, mit dem er zusammenlebte zu kochen und am Martinstag gab es immer noch jedes Jahr Döppekooche.
Grüße
Monika
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Beitrag#5von alfredo » Donnerstag 20. Januar 2011, 20:08

Vor 4 Jahren hatte meine Frau als Pflegedienst- und Heimleiterin eines Seniorenheimes dieses Thema versucht umzusetzen.
Wir gründeten den Verein "felix vita" e.V., hatten schon Bauland in Aussicht und ein Architekt konzipierte uns einen
schönen Wohnkomlpex für 4x8 Bewohner. Leider haben sich dann die Stiftungen und potentiellen Förderer finanziell sich nicht
wie angedacht beteiligen wollen.
Also - unser Projekt - eine von Senioren betriebene Nutztier-Arche - ist bis dato auf Eis gelegt aber noch nicht gestorben.

Immer, wenn wir von zum Verkauf stehenden und geeigneten Grundstücken an der Brandenburgischen Seenplatte hören,
denken wir an die Arche für Mensch und Tier.

Gern würde ich selbst "artgercht altern" in unserer Seniorenresidenz von felix vita...

Vielleicht finden sich eine Tages einige von uns doch im Alter neu zusammen, in der uns allen vorschwebenden Lebensweise...

Neue Hoffnung schöpfend
Alfredo
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Beitrag#6von steinadlerehemann » Donnerstag 20. Januar 2011, 20:44

Hallo Alfredo,
ich habe da gehört von einem Heim, das genau das macht.
Muss noch recherchieren, wo das ist.
sie betreiben ein Seniorenheim, aber die Senioren bringen sich ein.
Jeder hat eine Aufgabe bei den Tieren.
Oder im Restaurant oder im Bringdienst, aber alles bearbeitet nur von den
Senioren.
Auch sie bringen Tiere mit, ihre Papageien oder auch Hunde.
Sie sind damals nicht finanziert worden, und tragen sich selber durch ihre
eigene Arbeit.

Weiß aber nicht mehr wie gesagt wo das war, da müßte ich - Zeit vorausgesetzt - blättern
in meinen Unterlagen, wo das ist.
Im Mom habe ich mit meinen Viechern grad viel zu tun, werde es aber nicht aus den Augen
verlieren.

Schönen Abend noch
Christiane
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Beitrag#7von legasp96 » Donnerstag 20. Januar 2011, 20:46

Alfredo, das ist immer das Gleiche! Das darf alles nichts kosten. Es lohnt sich einfach nicht. Nein, das ist nicht meine Meinung.
Was glaubst Du welche Schwierigkeit manche Häuser haben, die betreutes Wohnen anbieten.
Ich arbeite in der ambulanten Demenzbetreuung auf einigen Dörfern in der Eifel und es tut mir jedesmal weh wenn eine(r) von meinen Patienten/innen das Zuhause verlassen muß um in einem Heim die letzte Wohnstätte zu finden. Das ist nicht das Leben dieser Menschen. Sie sind mit der Landwirtschaft groß geworden. Deine Idee ist wirklich Klasse und würde sicher viele meiner Patienten begeistern.
Grüße
Monika
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Beitrag#8von steinadlerehemann » Donnerstag 20. Januar 2011, 21:22

Monika
das Prob ist die Vermarktung und die Verwandtschaft Bild
Die wollen meist keine Arbeit - nur abschieben.
Ich komme aus einer Familie mit 5 Kindern, und?
Mein Vater ist jetzt bei mir - rausgerissen aus seiner gewohnten Umgebung.
Aber lieber so - als nicht gewollt von den anderen.

LG
Christiane
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Beitrag#9von legasp96 » Donnerstag 20. Januar 2011, 21:47

Christiane, das hat mit "keine Arbeit" wollen nicht immer zu tun. Die Kinder meiner Patienten kümmern sich, kommen ihr Mutter/Vater jeden Tag besuchen, machen die Wäsche, putzen ... und das alles nach der Arbeit. Aber gerade bei Demenzkranken, mit denen ich arbeite ist es so, das sie ab einem bestimmten Grad der Demenz eine 24-Std.-Betreuung brauchen. Die Kinder haben schon lange ihren eigenen Haushalt und gehen arbeiten. Das ist alles nicht so einfach.
Grüße
Monika
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Beitrag#10von starkepferde » Donnerstag 20. Januar 2011, 22:20

Hallo Christiane,
kann es sein, dass es von diesem Projekt, welches Du erwähnst, auch einen Fernsehbericht gab?
Ich kann mich daran erinnern, dass ich vor einigen Jahren mal so etwas in Fernsehen gesehen habe.
Es ist ein ehem. Aussiedlerhof gewesen, welcher mittlerweile um- und angebaut wurde. Es gibt dort auch Nutztiere, Schafe Ziegen Schweine die Abfälle verwerten und Milch und Fleisch liefern. Große Gemüse- und Kartoffelfelder, Streuobstwiesen.
Ein oder zwei Pferde mit denen auf den Beeten gearbeitet wurde.
Und wenn ich wüsste, dass morgen die Welt untergeht
würde ich heute noch einen Baum pflanzen.

:smileyvieh: le Grüße Nutztier-Arche 139 \\\"Hardeck"\\\
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Beitrag#11von Alex » Donnerstag 20. Januar 2011, 23:52

Hallo,

für Behinderte Menschen gibt es ja solche Höfe schon, bei uns ganz in der Nähe gibt es einen großen Demeterhof, als Wohngemeinschaft für Behinderte, dort wird Käse Jogurt, Wurst usw. in echt super Qualität produziert, schmeckt wie selbstgemacht, sie haben auch noch eine Weberei, es ist eigentlich verwunderlich, dass es sowas nicht für Senioren gibt. Vielleicht, weil der Betreuungsaufwand z. B. bei Demenzpatienten doch sehr aufwändig ist.
Meine Mutter arbeitet in einer "AltenWG" für demente Senioren und die hatten jetzt mächtige Probleme mit dem Amt, weil sie zwar mehr Zeit für ihre Mitbewohner haben, die Leute sich dort wohl fühlen, beim Kochemn mithelfen dürfen aber die Einhrichtung nicht den deutschen Seniorenheimstandards entspricht, sie hätten fast zumachen müssen, haben sich dann aber glücklicherweise mithilfe der Medien erfolgreich wehren können.

Grüße Alex
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Beitrag#12von alfredo » Freitag 21. Januar 2011, 16:36

Auch bei uns, keine 20 km von hier, gibt es einen "Lebenshilfehof" ca. 20 ha groß, auf dem Behinderte leben und mit-arbeiten.

Ich bin überzeugt, es gibt in allen ländlichen Regionen tierliebende Senioren, die nur auf solch ein Projekt warten.

Mir selbst schwebt nun im späteren Ruhestand vor, unsere Nutztier-Arche dann zusammen mit noch 2 (noch nicht gefundenen)
Ehepaaren, oder Einzelpersonen weiter zu führen.
Eine größere Wohngemeinschaft wäre hinsichtlich einer medizinischen Betreuung sinnvoller - aber die meisten
Natur- Menschen sind doch Individualisten. Diese müssen möglichst in vielen Dingen harmonieren, und je mehr beteiligt sind,
um so mehr Alltagsschwierigkeiten sind vorprogrammiert.

Dennoch hoffe und denke ich, in ca. 10 Jahren einen paradiesischen Ort, d.h. Hof zu finden,
an dem wir bis zum letzten Atemzug bleiben können. - Gemäß der Weisheit:
MAN KANN DEM LEBEN NICHT MEHR TAGE GEBEN ABER DEM TAG M E H R LEBEN!!!

Alle Mit- und Weiterdenkenden
grüßt
Alfredo
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Beitrag#13von Alex » Samstag 22. Januar 2011, 00:59

Hallo,

wenn ich mir das hier so durchlese, erinnert mich das an dem in einem andern Tread schon diskutierten Ökodorf. In solchen Dörfern könnte man sicher einfacher und leichter alt werden, weil man dann, wie es früher mal üblich war, doch von der Gemeinschaft aufgefangen wird. Aber wahrscheinlich sind wir heute einfach zu sehr Individualisten, um sich zusammenzuschließen, solange man noch alles selber kann und wenn man dann alt ist, ists zu spät.

Das ist, denke ich, aber in unserer Gesellschaft mittlerweilen zur Normalität geworden, dass jeder sein Ding macht und jeder überzeugt seinen eigenen Weg geht und wenn man diesen alleine nicht mehr bewältigen kann, ist aber keiner mehr da der einen führt. Dann wird man irgendwohin abgeschoben, und ist nur noch ein Kostenfaktor. Ich kenne mehrere ältere Leute, die sitzen in riesen Häusern, haben für sich alleine über 150qm Wohnraum, weil die Kinder sind alle ausgezogen um eben ihren eigenen Weg zu gehen, wenn diese Älteren sich nicht mehr versorgen können, bleibt nur der Weg ins Altersheim.

Wenn ich mir die nachfolgenden Generationen anschaue, brauch bloß im Kindergarten oder in der Schule um mich schauen, und muß davon ausgehen, dass das die Menschen sind, die mich mal pflegen sollen, dann hoffe ich das ich das Glück habe, dass wenigstens eines meiner Kinder in der Nähe bleibt oder ich sterbe bevor ich zum Pflegefall werde.

Unser Opa, der jetzt erst vor kurzen gestorben ist, konnte bis zum Schluß in seinem Haus bleiben, obwohl es zum Ende hin schon schwierig war, aber mit meinem Bruder der in der Wohnung oben drüber wohnte, meinen Eltern und dem ambulanten Pflegedienst war das zu stemmen. Nicht ganz einfach und auch mal nervig, aber es ging.

Grüße Alex
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Beitrag#14von steinadlerehemann » Samstag 22. Januar 2011, 01:46

Hallo Ihr Lieben,
wie mit vielen anderen Menschen - so war es mit meiner Schwiemu so - sie war demenzkrank - aber nicht nur. Sie hatte viele andere Erkrankungen.
und mein Vater ist von meiner gesamten Familie abgelehnt worden. Keines seiner Kinder wollte ihn, außer mir.
Und komisch, hier fühlt er sich wohl, ist ganz anders, als die Familienmitglieder ihn damals kannten.
Nach nun fast 10 Jahren hat er gestern - wow - das 1. Mal gescypt mit meiner Schester in Mexico. Die nie mehr mit ihm sprechen wollte.
Was ich damit sagen will - ist eigentlich schon aus den Beiträgen oben zu erkennen stimmt Monika?

Starkepferde, genau, das ist der Ort den ich meine, habe aber nicht mehr im Kopf den Namen und den Ort.
Hat mich echt fasziniert, wie die das so machen - und fand ich große Klasse.

Ich wünsche Euch einen schönen Abend noch
und ganz liebe Grüße
Christiane
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Beitrag#15von Nerjyana » Mittwoch 26. Januar 2011, 11:31

Hallo ihr Lieben :-)

Ich finde die Idee eines Mehrgenerationenhofes super, allerdings müssen die Bewohner nun mal von Natur aus tolerant anderen Menschen und deren Eigenarten gegenüber sein und gleichzeitig in der Lage sein, sich unter Beibehaltung einer gewissen Individualität, anzupassen.

Warum scheitern so viele diese tollen Ideen? Solange der Mensch dem Fortschschritt im Kapitalismus unterworfen ist, wird es immer die Frage nach einer Kosten-/Nutzen-Rechnung geben. Die kann man fiskalisch immer mit "lohnt sich nicht" beantworten. Ein solches Mehrgenerationenhaus weißt niemals die Produktivität und Rendite auf, die einen Investor interessieren könnte. Lediglich uneigennützige Spenden und Stiftungen würden möglicherweise ein solches Projekt unterstützen. Doch würden sie das auch langfristig tun?

Keine Frage: ich sehe das völlig anders. Der Fortschritt sollte dem Menschen dienen und nicht umgekehrt. An den Schaltstellen der Macht wird die leider anders gesehen, aber damit müssen wir leben umzugehen.

Die Frage, die sich mir stellt wäre: wie kann ein solches Projekt strategisch gut geplant werden, so dass eine Umsetzung eine Nachhaltigkeit hier möglich ist?

Es gab im Übrigen bereits um die Jahrhundertwende (19. zum 20.) etliche Gruppierungen, die dem damals schon wachsenden Kapitalismus und der Globalisierung entgegenwirken wollten. Sie gründeten auch Dörfer, in denen sie versuchten eine andere Lebensweise (weg vom Massenkonsum, weg von krankmachender Arbeit hin zu gesundem Leben auf dem Land) umzusetzen, doch auch sie scheiterten.

Ich würde die Idee von felix vita auf keinen Fall ad acta legen. Vielleicht ist es noch nicht die richtige Zeit, es umzusetzen. Vielleicht sind wir ind er Lage durch Vernetzung und einer anderen Art von Konsum und Handel und gleichzeitig anderer Art von Bewertung unserer Arbeit und unserer Produkte das ein oder andere Mehrgenerationenhaus voran zu treiben.

Was meine ich mit Bewertung? Gehälter sind quasi festgelegt. Ein Fachschulabschluss einer Erzieherin erbringt ein niedrigeres Gehalt als ein Fachschulabschluss eines Technikers. Ein Diplom-Sozialarbeiter (FH) hat ein geringeres Einkommen als ein Diplom-Betriebswirt (FH). Hier bestimmen Angebot und Nachfrage den Preis - sollte man meinen. Tatsächlich ist die Nachfrage nach Erzieher/innen und Sopzialarbeiter/innen (natürlich auch nach allen anderen sozialen und Pflegeberufen) so hoch wie nie. Händeringend suchen Kommunen Erzieher/innen. Doch die Idee ein höheres Gehalt zu zahlen (Angebot und Nachfrage) wird nicht umgesetzt, da die Kommunen blank sind.

Die vielbeschworene Eigenregulierung des Marktes funktioniert also nicht und trotzdem gibt es immer noch viele Menschen die in Pflege- und sozialen Berufen tätig sind. Und warum? Weil sie Idealisten sind. Weil sie einen Job machen wollen, der sie ausfüllt, auch, wenn er nicht die entsprechende Bezahlung und Anerkennung bekommt, die er eigentlich verdient hätte.

Lange Rede, kurzer Sinn: Das "Vorahndensein" eines älteren Menschen im Mehrgenerationenhaus hat einen so hohen Stellenwert, ist aber fiskalisch irrrelevant, bringt keine Rendite. Warum also sollten Investoren solche Projekte unterstützen? Deswegen stelle ich mal die These auf, dass man das Projekt so konzipieren müsste, dass es "selbsttragend" ist.

Wie das funktionieren kann, davon habe ich leider noch kein Bild, wenn ich ehrlich bin, deswegen würde mich mal das KOnzept von felix vita interessieren.

Lieben Gruß

Alexandra
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Beitrag#16von Nerjyana » Mittwoch 26. Januar 2011, 11:42

In einem anderen Thread hiuer habe ich den Link zum Tempelhof gefunden: *** Der Link ist nur für Mitglieder sichtbar, zum Login. ***

Das käme doch dem Gedanken schon recht nahe, oder?
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Beitrag#17von Herwig » Mittwoch 26. Januar 2011, 12:03

Ja Alexandra, so sehe ich das auch. Der Tempelhof ist ein guter Ansatz.

Aber die Erfahrung zeigt oft, dass das Zusammenleben von fremden Menschen sehr schwierig ist. Ich denke da an die vielen WGs der 70er und 80ger Jahre. Meiner Efrahrung nach hat keine überlebt.
Selbst die normalen großen Höfe werden in der Regel nur von einer Generation bewohnt, früher waren 3 Generationen im Bauernhaus völlig normal. Aber auch das scheint nicht mehr zu klappen. Natürlich gibt es Ausnahmen...

Ich muß da aktuell auch an das "Dschungel camp" denken. Ich kriege das so immer am Rande mit, weil meine Tochter das so interessant findet. Da bekommen Leute, die absolut pleite sind, für 14 Tage Zusammenleben 50 000.- Euro, selbst für Bezahlung halten die das nicht durch. Ich dachte, ist ja ein "Althippi" dabei aus der ersten Komune des Landes...

Ich glaube es funktioniert deshalb nur ein Mehrgenerationenhof mit Altenheim ähnlichen Strukturen. Man zahlt je nach Befindlichkeit eine Art Tagesatz (Miete) Mitbewohner die sich um die Alten kümmern bekommen eine Auszahlung. ( PflegerInnen) jene die sich um Ernährung kümmern bekommen ebenfalls etwas , "fitte Alte" können sich am erwirtschaften der Selbstversorgung beteiligen. Jeder lebt sein Leben, geht Arbeiten oder nicht, je nach dem. Es kann Kinderbetreuung aufgebaut werden etc.
Menschen die intensive Betreuung benötigen müssen ihr Pfleggeld einzahlen etc.
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Beitrag#18von Katharina w. » Donnerstag 27. Januar 2011, 12:28

Hallo Ihr,
bin überrascht wie Viele sich Gedanken machen übers Älterwerden und wo man dann bleibt.
Vor Jahren saßen wir mit Freunden beim Eselstammtisch zusammen. Ein Bekannter,Tierpfleger in Hellabrunn, hatte zum Abschied ein Eselfohlen bekommen.Der Esel wird bis zu 40 Jahren alt. Wohin mit ihm wenn ich nicht mehr kann. Diese Frage stand plötzlich im Raum.
Mein Mann und ich haben uns beim Umzug nach Mecklenburg ein Haus mit 400qm Wohnfläche gekauft. Der Grund: im Alter sollen noch 3 Parteien einziehen die mit ihren Tieren alt werden wollen. Jede Gruppe muss einen Betrag abgeben von dem dann eine Stallhilfe für die schweren Arbeiten bezahlt wird.
Wir haben im Bekanntenkreis schon einige Interessenten.
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Beitrag#19von steinadlerehemann » Donnerstag 27. Januar 2011, 12:42

Hey Katharina,
wo wohnste in MV genau - bei mir in der Nähe Bild Bild

LG
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Beitrag#20von Nerjyana » Donnerstag 27. Januar 2011, 13:53

Ja, Herwig, Du hast absolut recht. Ich habe mich mit meinem mann über das Prinzip "Tempelhof" unterhalten und wir haben für uns beide festgestellt, dass wir das so eigentlich nicht wollen würden.

Auch wenn wir die Gemeinschaft für wichtig erachten, so glaube ich doch, dass es das Grundbedürfnis eines Menschen ist, sich auch abgrenzen zu können und zu dürfen. Mir wäre diese Gemeinsamschaft zu viel und zu eng. Ich benötige meinen eigenen Raum und Platz, um mich zurück zu ziehen und ich glaube auch nicht, dass ich meine Küche und mein Bad, die ich beide für sehr private Zonen halte, mit anderen Menschen teilen möchte, sofern ich das müsste. Es ist was anderes, wenn ich zu einer mir angenehmen Zeit in meiner Küche Besuch empfange. Aber meinen morgendlichen Kaffee möchte ich in meiner morgendlichen Zotteligkeit (sowohl innerlich als auch äußerlich^^) mit niemanden teilen MÜSSEN ;o)

Lieben Gruß

Alexandra
PS: Ich glaube auch, dass es diese Enge ist, die mit zum Scheitern beiträgt.
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Tempelhof

Beitrag#21von flor » Montag 13. Juni 2011, 17:24

Hallo !

Also ich hab mir die Seite mal angesehen von Tempelhof. Sieht mir irgendwie nach LPG aus. Gemeinschaft ist etwas gutes aber gleichmacherei und alle alles zusammen, ne geht nicht. Ich bin da doch mehr der Hirte der Dankbar für Gespräche und gemeinsammkeiten ist aber der seine Freiheit, Ruhe und das eigene Ich braucht. Da muß ich Neriyana Recht geben, so möchte ich nicht leben und erst ganicht enden. Will das ganze nicht ins Negative ziehen aber das sieht mir irgendwie nach Sekte aus? ist meine persönliche Meinung.

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