Schächten?

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Von Früher

Beitrag#26von plaetzchenwolf » Mittwoch 12. Mai 2010, 15:59

Schlachten kenne ich nur von Früher, wo Hausschlachtungen noch häufig waren - Die Tötungsaktion war so schnell, daß man das kaum mitbekam. Das Tier zuckt natürlich noch eine Weile, was die Nerven bewirken. Das Tier fällt sofort um und die Zunge kommt raus - dann wird das Blut abgelassen und somit ist alles passiert. (Selbst wenn es wieder wach werden sollte, kann das Hirn nicht mehr genug Kraft schöpfen um zu merken was los ist.)
Jeder der mal wegen Kreislaufproblemen abgekippt ist, weiß was ich meine- man fällt in ein tiefes Loch.
Bei der Bolzenschußmethode könnten eigentlich wenig Streßhormone ausgeschüttet werden, wenn das Tier nicht schon vorher durch ungeschickte Behandlung Lunte wittern kann.
Zum "Sedieren" eines Hundes kann ich noch mehr erzählen, weil das vor kurzem bei unserem Peter gemacht werden mußte:
Die Ohrentzündung wurde ausgespült und das geht nur auf diese Weise.
Der Hund wusste wohl, daß heute nichts Gutes kommt und wehrte sich ein wenig- dann setzte der TA eine Beruhigungsspritze.
Warten- dann die Betäubungsspritze- warten- warten- der Reaktionstest ergab: Er war wach.
Nun noch eine Betäubungsspritze (wieder auf die 38kg Körpergewicht gemünzt) und wieder warten - warten: Er blieb wach.
Nun noch eine geringer dosierte Betäubungsspritze und dann fing er an sich hinzulegen, die Augen gingen leicht nach hinten.
Wir hoben den Köter auf den Tisch und setzten sicherheitshalber die Glocke mit Betäubungsgas auf, fixierten den Kopf und wollten gerade
ausspülen, da rollte der Körper und wand sich.
Nun wurde das Gas eingeschaltet und ... gewartet.
Fix wurde das Ohr betrachtet und ausgespült - und - obwohl die Zunge leicht aus dem Fang hing, begann der Hund sich zu erheben- obwohl wir beide ihn festhielten, plumpste er vom Tisch, torkelte und legte sich hin- wachsam und verdutzt, nicht aggressiv.
Nun nur noch eine Antibiotika-Spritze und warten- warten- und dann den Hund in's Auto verfrachten, die Treppen hoch und in's gewohnte Körbchen... (Mein armer Rücken!)
Die Moral von der Geschicht?
1. Das tue ich dem Hund nie wieder an.
2. Deshalb will ich die Behandlung alleine fortsetzen.
3. So können Tiere unter Streßhormonen reagieren und ungeahnte Kräfte und Widerstände entwickeln.

Nachtrag:
Meine Mutter (80) meinte hierzu "früher hat man nicht mit dem Bolzenschußgerät gearbeitet, sondern mit dem Beil betäubt, dann gestochen und ausbluten lassen.
Wenn ein Tier nicht richtig bewusstlos ist, kann es schreien.. "
Weiter meinte sie: " Das von uns vor zwanzig Jahren an Leute aus dem hintersten Anatolien vermietete Haus erlebte, daß ein Schaf im Badezimmer geschlachtet wurde- durch Schächten! (Wenn die Kehle durchgeschnitten wird, kann das Tier nicht schreien) - die Schlachtabfälle wurden in die graue Tonne geworfen, wo sie im Hochsommer bestialisch stanken"
Noch eins drauf: "In der Küche war auf dem Stragulaboden ein Blech gelegt, wo rundum Backsteine eine offene Brandstelle als Grill ?
betrieben wurde. Das glaubt keiner, der es nicht mit eigenen Augen gesehen hat!"

Noch ein Nachtrag, so einfach mache ich es mir nicht mit diesem Thema:
Wir hier sind noch immer auf der Suche nach einem Vermarkter, der Tiere artgerecht hält und fortpflanzt, dh. ohne künstl. Befruchtung und ohne "Patent-Tiere" arbeitet, wo die Lebewesen ein einigermaßen naturgerecht und lange genug leben darf- lieber zäh als das hässliche Gefühl ein Jungtier zu verspeisen.
Fleisch sollte nicht "billig" sein und nur Beilage, niemals zum Hauptbestandteil eines Essens werden - so habe ich meine Rezepte aufgebaut und handele (fast immer) danach.
(Beim "kleinen Metzger um die Ecke" kaufen bringt in obigen Dingen absolut nichts - dafür bekomme ich zuviel mit auf dem Land.)
Wenn sich die Patent-Gen-Lobby durchsetzt, werde ich meine Ernährung ganz radikal ändern!
Nachtrag:
Das hat bestimmt jeder schon mal erlebt:
Ein unvermuteter Sturz, bei dem man zwar fällt, aber den Schmerz nicht gespürt hat oder ein Unfall, der nicht weh tat, weil es dem Körper zu plötzlich kam oder die Schockreaktion den Schmerz ausschaltete- so stelle ich mir die Tötung eines Tieres vor, das zuvor mit einem Schlag oder Schuß betäubt wurde. (hoffentlich habe ich da Recht)
Beispiel: Wir gingen spazieren und wurden von hinten mit dem Ausleger einer Sähmaschine getroffen, wo das Metall-Rad zum Glück flach ankam und nicht scharfkantig waagrecht- es hätte uns geköpft, nur weil das Ding aus der Arretierung sprang !
Wir landeten also beide auf der Grasnarbe des Weges und wussten nun, wie man im wahrsten Sinne des Wortes "in's Gras beißt" -
ein merkwürdiges Gefühl, das kann ich euch sagen!
KEIN Schmerz, nur Verwunderung!
Der Traktorfahrer hielt- und bevor er absteigen konnte, standen wir schon wieder auf den Füßen und schimpften- wegen der guten Klamotten- wir waren böse gezaust worden. Die Kleidung war hin- die Brille verbogen- meiner Frau mußte eine Schneidezahn-Spitze
ersetzt werden.
Glück im Unglück, daß keine Steine oder gar Eisen im Weg waren! Der eigentliche Schmerz in den Gliedern kam erst viel später, als wir
längst wieder zu Hause waren...
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Re: Schächten?

Beitrag#27von Zacharias » Sonntag 24. November 2013, 23:23

Ich wärme das Thema mal auf.
Meine Tiere werden auch nicht geschächtet. Sie leben gut und werden gut geschlachtet, nur so kann ich damit leben.
Neulich ergab sich aber mal eine Diskussion mit einem Bekannten, ein Türke der seine Schafe selbst schlachtet. Er meinte - wie so viele Moslems - das Tier bekommt das gar nicht mit und hat mich eingeladen zuzusehen. Ich hatte bis dahin ziemlich grausige Vorstellungen vom Schächten und wenn ich ehrlich bin haben die sich in keinster Weise bestätigt. Das Ausbluten geht sehr schnell und der Tod trat auch sehr schnell ein, viel schneller als ich dachte. Der Bekannte sagte mir als es so weit war, ich hätte es nicht beurteilen können. Fazit: Es ist nicht so schlimm wie ich dachte und geht wirklich schnell. Ich bleibe trotzdem der Betäubung treu. Warum? Weil dieser kurze Moment vom Kehle aufschneiden bis zum Eintritt des Todes nur in der Zeitmessung kurz ist. Mir kam es endlos lang vor weil ich mit dem Tier mitgelitten habe, wie lang mag es da dem Tier vorkommen?
Und ich sehe einen Vergleich zum Einschläfern. Es gibt da dieses alte Mittel T61, was leider von manchen Tierärzten immer noch verwendet wird. Es verursacht Lähmungen bis hin zur Atemlähmung. Man sieht dem Tier durch die Lähmung die Qual nicht an, aber wie entsetzlich muss das sein, auch wenn es schnell geht?
Gruß, Birgit
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Re: Schächten?

Beitrag#28von Alex » Montag 25. November 2013, 22:31

Bei T61 war aber eine vorherige Vollnarkose Pflicht.

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Re: Schächten?

Beitrag#29von Alex » Montag 25. November 2013, 22:34

Meine Oma hat beim Schlachten(nie ohne Betäubung) immer gemeint" ich weiß der Tod ist bitter"

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Re: Schächten?

Beitrag#30von Zacharias » Montag 25. November 2013, 22:46

Tja, Pflicht ist die Betäubung schon, aber was, wenn sie nicht mehr wirkt? So erlebt bei einer Ziege, die die Dosierung eines ausgewachsenen Bullen bekommen hat und immer noch voll da war. Leider dachte ich T61 wäre längst verboten und habe nicht nachgefragt.
Gruß, Birgit
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Re: Schächten?

Beitrag#31von Jaegertom » Dienstag 26. November 2013, 17:44

Schächten kommt für mich nicht in Frage. Verkaufe auch nicht an Muslime, wenn ich das Tier nich vorher betäuben kann.
Der Tod beim Schächten kann sehr lange dauern, weil das Gehirn noch einige Zeit arbeitet. Das Tier sieht seinen eigenen Tod an.
Schmerzen? Glaube ich eher nicht, da sobald sie festgehalten werden und auf der Seite liegen eine Art Schockstarre kommt wenn das Blut läuft.
Aber es geht trotzdem anders. Die Tiere werden mit dem Bolzenschuß betäubt und gestochen.
Dadurch ist das Gehirn abgeschaltet und auch der Schmerz.
Meinen Jagdhund nach 13 Jahren habe ich selbst erlöst durch Kopfschuss, weil er Krebs hatte und der Darm hinüber war.
Konnte nicht ertragen, dass er mich beim Einschläfern enttäuscht ansieht wie ein anderer Hund meines Vater, der mit 16 eingeschläfert wurde.
So schlimm wie es sich anhört ist das Schießen nicht. Das Tier ist auf der Stelle tot. Alles ausgeschaltet und kein minutenlanges Ansehen mehr.
Die Tiere merken sehr wohl dass man ihrem Leben ein Ende setzt und verstehen es nicht obwohl sie ja dann meistens unrettbar krank sind.
Vor allem Hunde .
Deswegen wird keines meiner Tiere anders getötet werden, weil dabei auch das Vertrauensverhältnis für mich eine Rolle spielt.
Schnell und schmerzlos.
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Re: Schächten?

Beitrag#32von Zacharias » Dienstag 26. November 2013, 21:27

Dafür wirkt das Zeug viel zu schnell.

Stimmt, die Lähmung setzt sehr schnell ein, nur der Tod, der dauert noch etwas. Ich habe bei meiner Ziege mitbekommen, wie lange das gedauert hat. Da hätte die Spritze aber noch häufig leer werden können. Wenn das keine Quälerei ist...

Ich hatte heute ein Bolzenschussgerät in der Hand und denke, ich werde mir das mal für den Fall der Fälle anschaffen. Normalerweise verkaufe ich auch nicht an Muslime, aber wer weiß welcher Notfall mal kommt und dann gibt es kein Argument, das Tier nicht zu betäuben.
Gruß, Birgit
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