Früjahrsdurchsicht und Zucht

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Früjahrsdurchsicht und Zucht

Beitrag#1von Andreas » Donnerstag 19. März 2009, 09:12

Hallo liebe Imker,
hier mein Frühjahrsbericht. Also nachdem ich im Herbst nocheinige Völker Verkauft habe (wegen Krankheit), habe ich letztendlich 38 Völkereingewintert. Nachdem ich die letzten drei Jahre gar keine Winterverlustehatte, musste ich dieses Jahr leider 3 als Verlust verzeichnen. Es warenAbleger die im Herbst offensichtlich ausgeraubt wurden, also leider Verhungertsind.

Gestern habe ich bei allen Völkern, bei strahlendenSonnenschein, die Frühjahrskontrolle gemacht. Alle Böden gereinigt, Altwabenentnommen, Gitterböden geschlossen, mit Trennschied eingeängt. Dann beurteileich im Frühjahr alle Völker, (besetzte Waben, Brutwaben, Kitharzverwendung,Futtermenge, Stechlust, Wabenstetigkeit, Wintertotenfall). Alles wird von 1 bis6 benotet (1 am schlechtesten, 6 am besten, wie bei den Buckfastzüchtern) ineine Exeltabelle eingetragen, und schon ist die Frühjahrsbeurteilung fertig. DerVergleich mit den letzten Aufzeichnungen aus dem Herbst gibt bereits wertvolleAufschlüsse wer als Zuchtmutter in Zukunft in Frage kommt, bleibt natürlichnoch die Honigleistung abzuwarten.

35 Völker durchgesehen, einen Stich abbekommen (ohneSchleier) da wird es fast schwierig Unterschiede was die Stechlust angeht zuerkennen, es gibt also bereits Punktabzug für agressieves anfliegen. Sehrunterschiedlich war die Kittharzverwendung von total verklebt (sprich 1) bisabsolut frei von Propolis (sprich 6) war alles dabei. Propolisverwendung istmeiner Ansicht nach ein ganz wichtiges Merkmal auf das man auf alle Fälleselektieren sollte, es ist weder für Bienen noch für den Imker angenehm jedeWabe erst mal frei stemmen zu müssen.

Ansonsten sind alle Völker Stark, Vital und in sehr gutemZustand. Königinverluste gab es keine, alle Völker sind in Brut. Hoffen wir dasdas Wetter jetzt eine zügige Entwicklung ermöglicht.

Mit Imkerlichen Grüßen



Andreas
Zuletzt geändert von Andreas am Samstag 11. April 2009, 10:36, insgesamt 2-mal geändert.
Sorry,Rechtschreibung kann ich gaaar nicht,
ich hoffe Ihr versteht trotzdem was ich meine.
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Beitrag#2von Herwig » Dienstag 7. April 2009, 16:35

Hallo Andreas,

ich habe lange überlegt, ob ich das nachfolgende Posting überhaupt schreibe, aber vielleicht lässt sich ja tatsächlich über meine Ansichten dazu reden, ich weiß das sowas nicht gern gehört wird.

Ich finde dein Punktesystem ganz in ordnung nur finde ich, das dabei das Individium Biene zu kurz kommt. Ich bin ein Gegner der Ansicht, man müsse die Biene auf Friedfertigkeit selektieren. Natürlich brauchen wir auch keine "Killerbienen", ohne Frage. Ich meine das Bienen, die ihren Honig nihct verteidigen nicht, tja, wie soll ich sagen... normal sind.Bild Wenn wir die "Wehrhaftigkeit" wegzüchten, dürfen wir uns nicht wundern, wenn sich die Tiere nicht wehren gegen Eindringlinge, sich nicht putzen und sich nicht gegen die Milbe wehren.
Was hast du dagegen, mit Schleier und Rauch zu arbeiten? Bei der dunklen Biene ist hinterher sowieso Rauch pflicht. Alle Imker rühmen sich immer, die Durchsicht im Tshirt gemacht zu haben, aber dafür wird dann mit Gummihandschuhen, Gummischürze und Gesichtsschutz Säure verdampft.
Wir kommen seit zwei Jahren mit einer einzigen Behandlung mit Bienenwohl aus. Letztes Jahr hatte ich einen Stich weil ich eine Biene im Strumpf gequetscht hatte, davor zwei. Atacken hatte ich viele, da ich aber immer Rauch und Schleier verwende eben kein Problem. Ausgeraupte Völker schon seit drei Jahren nicht mehr.

Jeder kann das natürlich so machen wie er gerne möchte. Fest steht jedenfalls, dass die Wildbienen und auch die dunklen Bienen sich mehr putzen und widerstandsfähiger sind. Da imker ich lieber mit Rauch und Schleier, dafür aber ohne Verdampfer.
In diesem Jahr kommen einige dunkle Königinnen in unsere Ableger, komme was da wolle.

Propolis wäre ein weiteres Thema, da sollte man auch selektieren, jedem dürfte nicht unbekannt sein, dass Propolis ein Heilmittel ist (natürliche Hilfe für's Immunsystem) Natürlich hast du recht, die verkleisterte Beute ist ärgerlich. Aber ein Volk das kein Propolis "produziert" ist eben auch schlecht in meinen Augen. Also gäbe es bei mir für ohne Propolis auch eine glatte 1.Bild Für mich leigt da das Heil in der Mitte: Gesunde Menge Kittharz, gesundes Volk?? Da in einem Bienenstock die Bienen auf engstem Raum bei etwa 35 °C und hoher Luftfeuchtigkeit zusammenleben, herrschen dort im Grunde ideale Bedingungen für die Ausbreitung von Krankheiten. Deshalb dient das zum Abdichten von kleinen Öffnungen, Spalten und Ritzen verwendete Material Propolis gleichzeitig dazu, Bakterien, Pilze und andere Microorganismen, die in den Stock eingeschleppt werden oder vorhanden sind, in ihrer Entwicklung zu hemmen oder sogar abzutöten.
[*]Bei derEinbalsamierung der Mumien. Ferner wurden Speer- und Pfeilwunden mit Propolis desinfiziert
[*]Im 2. Weltkrieg wurde Propolis von der Armee zur Wundbehandlung der Soldaten verwendet

Ich möchte überhaupt keinen Imker mit meinen Ansichten angreifen, nur einfach mal meine Meinung dazu sagen.
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Danke Herwig für Deinen Beitrag

Beitrag#3von Andreas » Mittwoch 8. April 2009, 07:37

Hallo Herwig,
danke für Deine Antwort Bild. Ich höre Deine Meinung wirklich gerne, und fühle mich sicherlich nicht angegriffen nur wil Du vieleicht eine andere Meinung vertritst. Ich denke doch das gerade so ein Forum dazu da ist, dass verschiedene Meinungen aufeinander treffen, man konstruktiv Sreitet und von einander lernt.
Ich finde in Deinem Beitrag auch einige Punkte bei dennen ich sogar sehr gut mitgehen kann. Leider habe ich gerade gar keine Zeit, und möchte doch ausführlich auf Deinen Beitrag antworten (die Schreiberei dauert bei mir halt echt immer lange). Also ich rühre mich die nächsten Tage, und freue mich sehr auf einen weitern Meinungsaustausch mit Dir und vieleicht ja noch dem ein oder anderen.
Ich möchte alle einladen ihre Meinung zu diesem Tehma zu äußern, auch wenn sie noch so verückt oder dumm zu seien scheint. In diesm sinne, ich glaube wir brauchen nicht nur Agrobiodiversität sondern auch um Meinungsdiversität Bild.
Euch allen schöne Ostern und bis bald

Andreas
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Beitrag#4von Andreas » Donnerstag 9. April 2009, 17:34

Hallo liebe Imker,
bevor ich zu der Meinung von Herwig Stellung nehme, möchte ich zunächst erläutern wie die Zucht bei mir so abläuft. Ich hoffe, dass so auch die Anfänger unter uns, die sich noch nicht so mit Zucht beschäftigt haben, nachvollziehen können wie ich zu meiner Meinung komme.

Also ich habe eine, oder auch mehrere Zuchtmütter, dass sind die Königinnen von denen ausschließlich meine Nachzucht gezogen wird. Zu Beginn wird eine solche Zuchtmutter zugekauft, später nach erfolgter Selektion selber nachgezogen. Wie das funktioniert möchte ich hier beschreiben.

Dem Volk der Zuchtmutter werden eintägige Larven entnommen, dies geschieht mit einem Schweizer Umlarvöffel. Die Larven lege ich ganz vorsichtig in künstliche Weichselbecher aus Kunststoff. Diese Weiselbecher kommen in den Zuchtrahmen und werden in einem besonders vorbereitetes Pflegevolk gehängt. Dieses Pflegevolk ist sehr stark, übervoll mit Jungbienen (durch vorherige Verstärkung mit Brutwaben anderer Völker, und in bester Gesundheits und Versorgungslage. In der Königinnenzucht ist mir das Beste gerade gut genug. Mann spricht bei diesem Pflegevolk von einem “Adamspfleger“ (nach Bruder Adam, bei diesem unter “Meine Betriebsweise“ nachzulesen).
Ich ziehe jeweils mindestens 10 besser 20 Geschwisterköniginnen nach, sonst macht eine Leistungsprüfung nicht wirklich sinn.

Wenn die Zellen Schlupfreif sind bilde ich Kunstschwärme und lasse die Königinnen in diesen Schlüpfen. So sind die jungen Königinnen von der ersten Minute an erstklassig versorgt, und da alle Schwärme gleich schwer sind, 1,5Kg haben alle Jungköniginnen genau die gleichen Startvoraussetzungen.

Diese Jungvölker kommen entweder auf meine private Belegstelle oder werden künstlich besamt. Und natürlich von Anfang an immer ein bisschen gefüttert mit Zuckerwasser 1/1. So bauen sie von Anfang an sehr schön und entwickeln sich gut. Wenn die Königin in Eilage gegangen ist dauert es ungefähr 6 Wochen bis alle Bienen im Volk Nachkommen dieser Jungkönigin sind. Da die Sommerbienen in der Regel ja nicht älter als 6 Wochen werden.

Wenn also das ganze Volk Nachkommen der Jungmutter ist, beginnt die eigentliche Leistungsprüfung. Das heißt es werden grundsätzlich alle Prüfvölker immer am gleichen Tag behandelt, und es werden jedes Mal alle Eigenschaften die mir wichtig sind notiert.
Diese sind:
> Bienenvitalität
> Brutvitalität
> Propolisverwendung
> Bautrieb
> Sanftmut
> Wabenstetigkeit
> Varoatolleranz
> Putztrieb
> Schwarmtrieb
> Winterfestigkeit
> Volksstärke
> Honigleistung (getrennt beurteilt für jede Schleuderung, also Frühtracht, Sommertracht und Spättracht)

Jede dieser Eigenschaften wird mit dem Wert 1-6 notiert und in eine Exceltabelle eingetragen. 1 ist der schlechteste Wert 6 der beste.

Der Putztrieb wird durch den so genannten Nadeltest ermittelt den ich einmal pro Jahr mit allen Prüfvölkern am gleichen tag mache. Hierbei werden mit einer Schablone genau 100 Brutzellen mit einer Nadel angestochen, und dadurch die darin liegende Made getötet (oh ja ich hab schon manchmal ein schlechtes Gewissen wegen dieses Massenmordes). Nach wenigen Stunden werden die Waben wieder gezogen und es wird genau gezählt wie viele Zellen leer geräumt wurden, sind alle Zellen sauber hat man zu lange gewartet und das ganze muss noch mal gemacht werden. Das Volk, dass in dieser Zeit die meisten Zellen geräumt hat besitzt den besten Putztrieb. Der Gedanke dieses Verfahrens ist, die Bienen zu erkennen die am schnellsten auf abnormale Brut reagieren und diese entfernen. Die Hoffnung besteht das sie dieses dann auch mit den von Varoa befallenen Zellen tun.
Viele Züchter prüfen ihre Völker nur noch 1 Jahr, ich prüfe in der Regel 2 Jahre. Also Entstehungsjahr plus ein bis zwei Wirtschaftsjahre. Wichtig ist das Alle Völker in den gleichen Kisten sitzen, und nicht geschröpft oder verstärkt werden.

Am Ende des Jahres bzw. nach zwei Jahren werden alle Werte zusammengerechnet und der Durchschnitt errechnet und schon kann man die Königinnen untereinender Vergleichen und weiß welches die besten sind. Um diese Entscheidung zu Treffen muss man natürlich ein Zuchtziel haben. Will ich zum Beispiel Schwarmbienenzucht betreiben ist das Volk mit dem größten Schwarmtrieb das Beste, will ich Schwarmfrei arbeiten ist es entsprechend umgekehrt.

Nach dem 2. Jahr kommen meine zukünftigen Zuchtmütter (also die besten1 bis 2 von ehemals 20) in eine Mini Plus Beute und ich überwintere sie in sehr kleinen Einheiten also auf 2 Zargen. Da ja bekanntlich Bienen in kleinen Einheiten am schlechtesten überwintern, habe ich so eine letzte Prüfung auf Winterfestigkeit. Sehr traurig natürlich wenn eine es nicht schafft und das Volk im Winter Stirbt, was aber selten vorkommt (ein Erfolg langjähriger Selektion).

Die Königin in diesen kleinen Einheiten, die ja nun meine neue Zuchtmutter ist, legt nur wenige Eier und liefert so Zuchtstoff von höchster Qualität. Über Sommer müssen diese kleinen Einheiten immer wieder geschröpft werden, damit sie nicht zu Stark werden. Die Zuchtmütter bleiben bis zu ihrem natürlichen Tot in diesen Einheiten, so kann ich zum Schluss auch noch die Langlebigkeit der Königin beurteilen, die sie ja auch auf ihre Nachkommen weiter gegeben hat.

Vielleicht wird durch diesen Aufsatz auch klar wieso eine Vorgeprüfte (also nur im Geburtsjahr beurteilte, also ohne Honigleistung und Schwarmtrieb,) Königin €60,- kostet. Eine einjährig geprüfte €100,- und eine zweijährig geprüfte sogar bis zu €200,- kosten kann, es ist einfach die Arbeit die drin steckt, und es bleiben unterm Strich ja höchstens 1 bis 3 Königinnen von den ehemals 20 übrig die als Zuchtköniginnen in frage kommen. Letztere beiden kann man natürlich nur Imkern empfehlen die sehr viele Königinnen nachziehen wollen. Für Kleinimker empfehlen sich ehr Belegstellen begattete, die von einer Königin abstammen die so geprüft wurde und schon für €20,- zu haben sind. Oder man kauft schlupfreife Zellen für € 5,- bis 7,- läst sie auf dem eigenen Stand begatten und fängt vielleicht selber mit einer Prüfung an um sich gute eigene Zuchtköniginnen nachzuziehen.
Das sollte jetzt aber keine Reklame für von mir gezogene Königinnen sein, diese Preise sind üblich und werden von anderen Züchtern ähnlich angesetzt.

Zur Erklärung noch, ich selber Züchte, also selektiere nach oben beschriebenen Kretereien, nur Buckfast. Carnicas vermehre ich nur, das heißt ich kaufe selber bei guten Züchtern Zuchtmütter die eben nach solchen, oder ähnlichen Verfahren Selektiert sind. Hier bevorzuge ich Züchter die sich der Arbeitsgemeinschaft Varoatolleranzzucht angeschlossen haben. Da diese Züchter in besondere Masse auf Varoatolleranz selektieren.

Und in Zukunft möchte ich mich wie bereits an anderer Stelle beschrieben auch mit der Zucht und Selektion der Dunklen Nordbiene befassen, Arche mäßig sozusagen.
Soviel (das war ja wirklich mal wieder viel) erstmal zu meinen Zuchtbemühungen. Im nächsten Beitrag werde ich mich dann zu Herwigs Meinung äußern.

Bis dahin Viehle Grüße

Andreas
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Beitrag#5von Andreas » Samstag 11. April 2009, 10:38

Hallo Herwig und all ihr anderen Imker.
Nun will ich mal zu Herwigs obigen Posting Stellung nehmen.
Du schreibst: “Ich finde dein Punktesystem ganz in Ordnung nur finde ich, das dabei das Individium Biene zu kurz kommt.“ Das Punktsystem ist nach meinem dafürhalten in erster Linie gut um viele verschiedene Merkmale, von vielen verschiedenen Völkern, am ende schnell und einfach zu vergleichen. Genau genommen blanke Statistik, vielleicht hast Du recht, das wenn blanke Statistik einsetzt das Individium hinten runter fällt. Wenn dieses so ist, ich bin mir da noch nicht wirklich sicher wie ich das sehe, nehme ich es zugegebenermaßen aber billigend in Kauf.

Ich muss Dir recht geben, dass Friedfertigkeit gegenüber dem Imker, durchaus mit der Verteidigungsbereitschaft des Volkes gegen Eindringlinge zusammenhängt. Wobei ich sagen muss das bei mir auf den Ständen das Ausrauben ganzer Völker ehr die ganz seltene Ausnahme ist. Es passiert z.B. wie im letzten Herbst bei mir, wenn Ableger da stehen mit weit geöffneten Fluglöchern und gleichzeitig die Wespen überhand nehmen so wie letzten Herbst. Da muss ich die Schuld aber ehr bei mir suchen, da ich durch meine schwere Krankheit meine Völker letzten Herbst einfach nicht optimal betreut habe.

Da ich in zunehmenden Masse von meinen Bienen leben will, und viele Königinnen und Ableger verkaufe, muss ich mich bei meinem Zuchtziel – Friedfertigkeit, Stechlust- nach meinen Kundenwünschen richten. Die erste Frage ist immer, Stechen die, nicht vieviel Honig ist zu erwarten, oder wie kommen die mit der Varoa klar.

Nun zu Deiner Frage was ich gegen Schleier und Rauch habe. Gegen Rauch absolut nichts, mein Smoker brennt immer und grundsätzlich wenn ich Völker öffne. Natürlich bemühe ich mich so wenig wie möglich die Völker einzuräuchern, wenn es ganz ohne geht freue ich mich, und das Volk erhält eine entsprechende Beurteilung.

Was mich am Schleier stört kann ich Dir genau sagen. Wenn ich 30 manchmal noch mehr Völker am Tag durchsehen muss und es nur 25 Grad im Schatten hat, und ich aber in der prallen Sonne stehe, brauche ich erstens eine Schweißabflussdrinage, außerdem spätestens nach 2 Stunden einen Arzt. Ich bin einfach extrem Hitzeempfindlich und würde sehr bald einen Hitzeschlag bekommen.
Ein weiterer Grund ist, dass ich frische Stifte einer Jungkönigin einfach besser und schneller finde wenn ich kein Gitter vor den Augen habe. Wobei ich schneller nicht nur als wirtschaftlichen Faktor sehe sondern auch als Bienen schonend, halt jede Störung so gering wie möglich halten.

Varoabehandlung ist ja eigentlich ein ganz anderes Thema, ich glaube Dir , und finde es gut das Du mit nur einer Bienenwohlbehandlung auskommst. Bei mir liegt der Standart im Moment bei einmal Ameisensäure im Nassenheider Verdunster und einmal Bienenwohl in der Brutfreien Zeit.

Jetzt Starte ich mal mit dem konstruktiven Streit, hi hi. Meiner Ansicht nach sind Putztrieb und Stechlust zwei unabhängige Eigenschaften, die auch unabhängig von einander vererbt werden. Dabei meine ich gar nicht mal nur den im letzten Beitrag beschriebenen Nadeltest, den übrigens nicht ich mir ausgedacht habe, sondern Leute die sich mit Varoatolleranzzucht befassen. Bei diesem Test geht es ja ausschließlich um das Putzen der Zellen.

Jedes Frühjahr kann ich beobachten, dass ich Völker auf dem Stand habe die schon nach wenigen Flugtagen den gesamten Boden von Toten Bienen und Gemüll gereinigt haben. Solche sauberen puztfreudige Völker sind eine wahre Pracht, z.B. haben auch Wachsmotten bei denen nicht so gute Karten. Es gibt aber auch echte Schweinchen die Dreck überhaupt nicht stört, da ist es dann meine Arbeit die Böden sauber zu machen. Es gibt innerhalb einer Rasse oder Lienie oftmals beide Vertreter, hier kann Züchterische Selektion sehr gut angreifen.

Kommen wir zum Propolis. Da liegen wir wieder ganz dicht beisammen. Ein sehr wertvoller Stoff, den uns die Bienen da liefern. Ich muss wohl erklären, Bienen die gar kein Propolis verwenden gibt es glaube ich nicht. Ritzen in der Beute werden immer Verkittet, und das ist auch gut so. In Strohkörben oder bei Naturbau, stört es auch überhaupt nicht. Auf den Hoffmannseitenteilen meiner Rähmchen zum teil mm dick aufgetragen wird es für mich als Magazinimker aber echt lästig, und für die Bienen letztendlich auch. Denn immer wieder muss ich Rähmchen sauber Spachteln, einfach auch damit der Abstand zwischen den Rahmen nicht zu groß wird, das finden auch die Bienen nicht witzig. Ich habe Völker gesehen die sogar die Rähmchen mit der Zarge verklebt haben.

Es gibt Rassen die deutlich mehr zur Kittharzverwendung neigen, z.B. die Dunkle. Wenn so was Rassetypisch ist sollte man natürlich nicht versuchen das ganz weg zuzüchten, das kann fast nichts werden. Gesundes Mittelmass hört sich für mich sehr gut an. Und bei meinen Zuchtzielen steht Propolisverwendung ziemlich an letzter Stelle. Habe ich aber zwei gleichwertige Königinnen selektiert, die eine mit deutlich weniger Propolisverwendung, so werde ich mich sicher für diese entscheiden.
Ansonsten ernte ich ganz gerne Propolis und möchte es nicht gänzlich missen, es gehört einfach zu den Bienen wie die Wachsproduktion.

Letztendlich denke ich muss jeder Imker sein eigenes Zuchtziel definieren, oder seine Wünsche definieren, sollte er Königinnen zu kaufen. Wenn man auf so viele verschiedene Eigenschaften selektiert muss man sowieso immer abstriche machen, erst das macht die Zucht, egal welcher Nutztierart, erst richtig spannend, oder. Und wenn ein Imker eine Verteidigungsbereite Biene wünscht, die viel Proplis verwendet, gut mit der Varoa und den andern Umweltbelastungen zurecht kommt, Honig bringt und auch noch Spaß macht, so finde ich das ausgezeichnet, und eben der Biodiversität sehr zuträglich.

In diesem Sinne :smileyvieh: lfallt ist toll


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