Laubheu


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Laubheu

Beitrag#1von Christina » Mittwoch 18. Juni 2008, 20:14

Hallo,

ich habe gerade gelesen, dass man früher aus Eschenlaub Laubheu zur Viehfütterung gemacht hat. Da ich viele Eschen habe, die Pferde das Laub sehr gerne fressen und im Winter gerne etwas Abwechslung bieten würde, frage ich mich, ob das wohl eine Möglichkeit ist..?!?

Hat das schonmal jemand von euch gemacht? Lohnt sich das wohl überhaupt?

Viele Grüße,
Christina
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Beitrag#2von Christina » Mittwoch 18. Juni 2008, 21:11

Nun hab ich gerade gelesen, dass auf diese Art auch Kopfbäume entstanden sind, dass die Fütterung früher üblich war und dass man die Äste im Sommer schneiden und dann bündeln soll - Trocknung im luftigen Schatten.
Na, ich werd mein Glück mal versuchen!


....und plötzlich bekommen auch Hainbuchenhecken und deren Schnitt eine ganz andere Bedeutung!!!
Bisher fand ich die Hecken schön, das Schneiden aber zu viel Arbeit und überflüssig. Wenn sich das Laubheu nun als gutes Zusatzfutter heraus stellen sollte, könnte ich doch beginnen, das Land zum Weg hin mit einer solchen Hecke einzufassen. :D
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Beitrag#3von karinenhof » Mittwoch 18. Juni 2008, 22:39

hallo Christina,

ich habe im vergangenen Herbst meine Topinambur geschnitten und in Bündeln zum trocknen aufgehangen. Unsere Wollis habe es sehr gerne gefressen. Letzlich ist dies auch Laubheu gewesen.

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Beitrag#4von klosterbauer » Mittwoch 18. Juni 2008, 23:23

Hallo Christina,

bei uns im Bergischen hat das - historisch - Tradition. Hier wurde früher im Wald frisches Astwerk geschnitten und getrocknet. Das ist aus der Mode gekommen, da die Milchkühe einfach mit mehr Eiweiß versorgt werden sollen.

Doch für die Pferde - wenn sie nicht gerade fohlen - ist das vielleicht gar nicht so schlecht. Und sonst nimmst Du es zusätzlich als Einstreu. Ich hatte mir das auch schon mal überlegt, doch erstens lammen meine Schafe immer im Stall (da ist Eiweiß ebenfalls nicht schlecht). Und zweitens ist das echte Arbeit - das lohnt sich für uns auch erst, wenn Pferde im Stall stehen. Und das wird dieses jahr nichts mehr. So ein Stallbau zieht sich halt hin.

Aber mach mal - und erzähle. Ich kann es mir gut vorstellen...

Beste Grüße aus dem Bergischen von
Peter
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Beitrag#5von Christina » Donnerstag 10. Juli 2008, 03:10

O.K. Da wir hier im Norden ja für die unendlichen Weideflächen bekannt sind, ist mir das Laubheu wohl nicht so geläufig gewesen. Das erklärt es dann...
Aber lies einfach selbst wie es mir ergangen ist. :lol:




Nun war ich also voll mit meinen guten Vorsätzen...
So marschierte ich in den Wald, gestiefelt und gerüstet:
Die Heckenschere in der einen Hand, meinen Willen in der anderen,
frische Luft in meinen Lungen und viel Kraft in meinen Armen...
Genau so stand ich bald da, inmitten all der Bäume...
"Was für ein wundervoller Tag?", dacht´ ich kurz noch bei mir,
"Der richtige Tag für den entscheidenden Schritt vorwärts!"
Frischen Mutes und überzeugt von mir und meiner Planung...
...sah ich mich nun um!

Die Bäume? Hah! Die lächelten mir zu!
Sie grienten und winkten von ganz hoch droben!
Ich reckte meinen Kopf in den Nacken weit nach hinten,
ich streckte ihn und blinzelte hinauf ins grelle Licht...
Nun dämmerte es mir langsam, es kroch in mein Hirn:
Mein Plan, der hatte einen Fehler! Einen fatalen sogar!
Die Bäume hier, die waren groß, sie waren gut gewachsen!
wussten nichts von Laubheugewinnung und ´nem hohlen Stamm...
Das hier, das war echte unberührte Natur!

Dies erkennend sackte ich langsam ganz in mir zusammen,
steckte die Heckenschere ein und packte auch den Willen dazu.
Ich wanderte also zurück und nahm mir dann am Stall einen Stuhl,
ich setzte mich in den Schatten und fing an zu sortieren.
Der Plan musste überdacht werden, das war mir nun klar.
Es galt folgendes zu ergründen und das wirklich ganz genau:
Was macht man mit Bäumen, die zu hoch zum Beschneiden?
Wie kommt man an Laubheu, wenn rings rum kein Busch?

Der Kopfbaum, der hatte damals wirklich Sinn!

Und so lernte ich Achtung vor Kopfbäumen,
diesen merkwürdigen Gebilden, die echt nützliche Schätze sind!




Ich werde mich also an die "Züchtung" von Eschen-Kopfbäumen machen....
:lol:
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Beitrag#6von karinenhof » Donnerstag 10. Juli 2008, 11:56

Bild Bild Bild

mit Weiden und Linden funktioniert es auch wunderbar.

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Beitrag#7von klosterbauer » Freitag 11. Juli 2008, 20:15

Hallo Christina - stimmt, hier gab es immer viele Kopfbäume.
Doch hat bei Euch keiner Buchenhecken ....
Das wär doch mal ein Anfang.

Aber schön, dass Du so in den Buchenwäldern lebst, wünsche Dir trotz allem viele starke Bäume - und beste Grüße aus dem Bergischen von
Peter
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Beitrag#8von Christina » Mittwoch 29. Juli 2009, 12:08

Inzwischen hab ich selbst eine Buchenhecke an der Weide gepflanzt. Im Herbst kommt an der neuen Weide noch eine Weißdornhecke dazu, die dopt die Pferde, ist gut für das Herz. ;-)
Alles, was ich an Ästen und Zweigen über das Jahr so habe, bekommen sie zum Abknabbern. Wie Patrizia gerade in einem anderen Thread schrieb, kann man den Rest dann bestens verheizen, ich mach davon aber Totholzhecken. Ist ein schöner natürlicher Windschutz. :-)
Allerdings hab ich mir bisher doch nicht die Arbeit gemacht extra Laubheu zu gewinnen. Im Winter müssen sie halt an den Zweigen ohne Blätter knabbern, das machen sie auch ganz gerne. Am liebsten sind ihnen allerdings die ersten zartgrünen Birkenzweige im frühen Frühjahr. :-)
Letzten Sommer hatte ich etliche Birkenzweige in einer Weidenecke auf einen Haufen geworfen. Über den Winter hatte ich ihn liegen lassen (für Igel usw.) und die Pferde ohne nachzudenken auf das Stück gelassen. Da haben sie sehr gerne dran rumgeknabbert. Das funktioniert also durchaus und ist eine gute Abwechslung für sie. Vor allem haben die Zweige den Vorteil, dass sie daran lange zu knabbern haben und die Fresspausen minimieren sich damit gut, was bei Pferden ja sehr wichtig ist...

Mein Fazit: Laubheu ist ne tolle Sache, aber man kann auch einfach nur die Zweige geben, die die Jahreszeit bietet.

PS: Wenn man genügend Heu hat! ...was hier bei uns ja kein Problem darstellt.
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Beitrag#9von chook » Mittwoch 29. Juli 2009, 20:18

Es gibt einen sehr interessanten Artikel dazu von Gerold Rahmann und Thomas van Elsen:
Gehölzfutter - eine neue Quelle für die ökologische Tierernährung
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Als wir 1995 auf unseren 1 Hektar hier im Westen Irlands zogen war alles sehr offen, fast nur Gras. An der ( 60m langen) Auffahrt hatte die vorige Besitzerin 1993 oder '94 vielleicht 30 Laubbäume und ein paar Lärchen gepflanzt, hier und da noch ein paar Eschen, Weiden und Weißdorn. Wir haben dann in den ersten Wintern etliche hundert Weiden verschiedener lokal vorkommender Arten gesteckt, vorwiegend gegen Westen und Norden hin als Windschutz für das Haus, unsere Ziegen und den Obstgarten, aber auch zur Parzellierung des Grundstücks und als zukünftige Futterquelle und Bienenweide. 2000 kam dann noch eine 130m lange dreireihige Hecke an der Nordgrenze dazu mit über 30 Arten inkl. Eichen, Eschen, Erlen, Birken, Weiden, Obst, Hasel, Cornus usw. Zu den lokal vorkommenden Weiden, von denen wir Stecklinge geschnitten haben, kamen über die Jahre noch spezielle Sorten für Biomasse, Korbflechten, Bienenweide, für kleine Weidenbauten usw. dazu. Eine gute Adresse dafür ist *** Der Link ist nur für Mitglieder sichtbar, zum Login. ***
Eine superschnell wachsende (Biomasse-)Weide, die von den Ziegen sehr gerne gefressen wird, ist Salix 'Sekka'. Die eignet sich aufgrund ihrer bizarren Äste zudem für hübsche Gestecke im Winter und Sträusse im Frühjahr (ich tausche mit dem hiesigen Blumenladen grosse Bündel davon gegen Blumensträusse).
Als gute Futterweiden gelten in einigen Teilen der Welt die Arten S. kinuyanagi und S. matsudana X alba. Vor allem in Neuseeland gibt's Forschung dazu.

Inzwischen können wir reichlich Gehölzfutter (vorwiegend von den Weiden) schneiden, was unsere Ziegen natürlich sehr erfreut. Zum Teil kappe ich 3-4m Meter hohe Stämme, ziehe sie in den Hof der Ziegen, wo sie innerhalb weniger Stunden entlaubt und entrindet sind. Ist die Rinde erstmal ab, trocknen die Zweige sehr schnell aus und werden später, je nach Stärke, zu Anmach- oder Feuerholz, auch für kleine Lagerfeuer im Sommer. Es geht doch nichts über Stockbrot, Rührei (von den eigenen Hühnchen, versteht sich) und ein kaltes Bier an einem schönen Sommerabend. :mrgreen: Asche und Holzkohle gehen in den Hühnerauslauf und so ist der Kreislauf wieder geschlossen. Selbst aus einer 2002 gesteckten Weidenhecke, als Schutz für Obstbäume und die Hühner gegen scharfe Ostwinde, kann ich inzwischen schon einiges rausschneiden, bzw. muss ich was rausschneiden, wenn Salix fragilis mal wieder auseinandergebrochen ist und den E-Zaun plattmacht, oder wenn zu starkes Wachstum den Obstbäumen das Licht nimmt. Nächsten Winter wird die Hecke gelegt, dann gibt's zwar kein Laub, aber doch einiges an Rinde und kleinen Zweigen, die bis etwa Bleistiftdicke ebenfalls von den Ziegen mit Gusto weggemampft werden. Salix kann sommerlichen Radikalschnitt vertragen, sie treibt im Frühjahr wieder durch. Von anderen Laubbäumen nehmen wir nur vereinzelt Zweige, wo sie im Weg sind.
Laubheu herzustellen klappt hier aufgrund des feuchten Klimas leider nicht, da es schimmelt.

Hoch lebe die Multifunktionalität!
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